Figurenkonzeption und Figurencharakterisierung in "La casa de Bernarda Alba" von Federico García Lorca


Bachelorarbeit, 2015
35 Seiten, Note: 2,3
J. J. (Autor)

Leseprobe

Inhalt

1.Vorwort

2.Figurenkonzeption vs. Figurencharakterisierung nach Pfister

3.Figuren mit hoher Bühnenpräsenz

4. Figuren mit geringer Bühnenpräsenz

5.Männliche Figuren

6.Schlusswort

7.Literaturverzeichnis

1.Vorwort

“Federico García Lorca es probablbemente el poeta español más leído del siglo XX y La casa de Bernarda Alba una de las obras modernas más representadas en los teatros del mundo. Junto a Bodas de sangre y Yerma se inscribe dentro de la llamada “triología rural”, que se esfuerza por reflejar de froma poética algunas realidades de su tiempo, en especial, de las mujeres.” (Àlvarez Montoya, S.7).

Das bemerkenswerte an La casa de Bernarda Alba ist, dass in diesem Drama nur Frauen auftreten, insbesondere Frauen die zusammen in einem Haus leben und von denen die Mehrheit dieses Haus nicht verlassen darf. Daher finde ich es interessant diese weiblichen Figuren zu analysieren und zu zeigen welche unterschiedlichen Charaktere zusammenleben und wie sie mit ihrer Situation umgehen. Die Figurencharakterisierung und Figurenkonzeption wird auf der Grundlage von Pfister stattfinden, welche ich zuerst kurz erläutern werde. Anschließend werde ich zuerst die Figuren die eine höhere Bühnenpräsenz aufweisen und dann die Figuren mit einer geringeren Bühnenpräsenz charakterisieren und anschließend auf der Grundlage der Charakterisierung analysieren wie diese Figuren konzipiert sind. Zu den Figuren mit einer höheren Bühnenpräsenz zählen Bernarda und ihre Töchter Angustias, Martirio und Adela sowie die Hausangestellte la Poncia. Figuren die weniger Auftritte haben sind Amelia, Magdalena, das Hausmädchen Criada, Bernardas Mutter María Josefa und Prudencia. Prudencia ist die einzige Figur, die nicht im Haus lebt, dennoch finde ich es interessant zu sehen wie sie als einzige Frau außerhalb des Hauses dargestellt wird. Auch wenn nur Frauen im Drama auftreten spielen Männer dennoch eine sehr wichtige Rolle, da diese oft einen Grund für die Handlungen der weiblichen Figuren darstellen. Daher werde ich zuletzt auch auf die männlichen Figuren im Drama eingehen, insbesondere auf Pepe el Romano, der als Auslöser für viele Handlungen im Verlauf des Dramas gesehen werden kann.

2.Figurenkonzeption vs. Figurencharakterisierung nach Pfister

Unter dem Begriff Figurenkonzeption versteht Pfister „das anthropologische Modell das der dramatischen Figur zu Grunde liegt und die Konventionen seiner Fiktionalisierung“ (Pfister, S.240).Er unterscheidet zwischen statischen und dynamischen Figuren. Eine statische Figur verändert sich im Laufe des Stücks, im Gegensatz zu einer dynamischen Figur, nicht. Bei der dynamischen Figur erfolgt nicht nur eine Veränderung des Bildes, das der Zuschauer von der Figur hat, sondern auch eine Veränderung dieser Figur selbst (Pfister, S.241). Desweitern erfolgt eine Unterscheidung zwischen ein-und mehrdimensionalen Figuren. „Eindimensionale Figuren sind dadurch gekennzeichnet, dass sie durch einen kleinen Satz von Merkmalen definiert werden“ (Pfister, S. 243). Im Gegensatz dazu handelt es sich bei mehrdimensionalen Figuren um Figuren, deren Konzeption auf einem „komplexen Satz von Merkmalen“ beruht. Diese Merkmale können sich beispielsweise auf die Biographie der Figur, ihre Psyche, ihr Verhalten gegenüber anderen Figuren, ihre Reaktionen auf verschiedene Situationen sowie auf ihre Grund-und Wertvorstellungen beziehen. Demnach stellt die Identität einer Figur eine „Fülle von Facetten“ dar.Nach Pfister wird außerdem unterschieden ob es sich bei einer Figur um eine Personifikation, einen Typ oder um ein Individuum handelt. Bei der Personifikation „ist der Satz von Informationen die die Figur definieren extrem klein und in seiner Totalität auf die Illustrationen eines abstrakten Begriffs in all seinen Implikationen hin ausgerichtet.“ (Pfister S.244). Im Gegensatz zur Personifikation, bei der die Figur nur für eine Eigenschaft steht, besitzt der Typ mehr Eigenschaften. Das Individuum jedoch stellt eine Individualisierung in mehreren Bereichen dar. Hierbei sind sowohl Details über die äußerliche Erscheinung der Figur, ihre Sprache als auch über ihr Verhalten und ihren biographischen Hintergrund, etc., vorhanden (Pfister, S.245). Es findet außerdem eine Unterscheidung zwischen geschlossen- und offenkonzipierten Figuren statt. Offen konzipierte Figuren können mehrdeutig sein und Widersprüche aufweisen und keine Informationen über ihre Handlungsgründe preisgeben. Bei geschlossen konzipierten Figuren wird die Figur hingegen „vollständig definiert“ und weist keine Widersprüche auf. Das geschieht entweder explizit oder implizit und verlangt die Interpretation des Zuschauers (Pfister, S.246/47). Letztlich unterscheidet Pfister zwischen einer transpsychologischen und psychologischen Figuren.Bei transpsychologischen Figuren „geht das Selbstverständnis der Figur über das Maß des psychologisch Plausiblen hinaus“, das ist bei psychologischen Figuren nicht der Fall. Hier ist „das Bewusstsein der Figuren eingeschränkt und relativiert durch die Betonung der Irrationalität der Emotionen und Stimmungen, der unbewussten Beeinflussung durch Milieu und Atmosphäre, des Unterbewussten kollektiver Triebe und verdrängter traumatischer Erlebnisse“ (Pfister, S.249). Eine Figur kann jedoch auch einen Identitätsverlust erfahren, in diesem Fall verliert sie für den Zuschauer ihre Identität, da eine Aufspaltung dieser Figur in mehrere Figuren oder eine Verschmelzung mehrerer Figuren zu einer Figur erfolgt (Pfister, S.249).

Pfister definiert die Figurencharakterisierung als „formale Techniken der Informationsvergabe, mit denen die dramatische Figur präsentiert wird“ (Pfister, S.240). Zu diesen Techniken gehören explizit-figurale Charakterisierungstechniken, implizit-figurale Charakterisierungstechniken sowie explizit-auktoriale und implizit-auktorialeCharakterisierungstechniken. „Die explizit-figuralen Charakterisierungstechniken sind durchgehend sprachlich“ (Pfister, S.251) und es wird unterschieden ob die Charakterisierung durch einen Eigenkommentar der Figur oder durch einen Fremdkommentar stattfindet. Was der Zuschauer durch Eigenkommentar und Fremdkommentar erfährt muss jedoch nicht zwingend übereinstimmen und stimmt auch laut Pfister meistens nicht oder nur teilweise überein, da die Kommentare von der Perspektive der jeweiligen Figur abhängen. Außerdem wird differenziert ob der Eigenkommentar im Dialog oder im Monolog stattfindet. Beim Eigenkommentar im Dialog kann die Figur eventuell zu einer bewusst falschen Selbstdarstellung „greifen“, je nachdem welches Ziel sie bei ihrem Gesprächspartner verfolgt. Eine Charakterisierung durch einen Fremdkommentar kann in Anwesenheit (in praesentia) oder in Abwesenheit (in absentia) sowie vor oder nach dem ersten Auftritt der Figur, die kommentiert wird, stattfinden. Pfister weist darauf hin, dass eine alleinige Betrachtung des expliziten Eigen-oder Fremdkommentars nicht möglich ist, „…da er immer mehr oder weniger stark durch implizite Selbstcharakterisierung überlagert wird. Durch die Art und Weise des expliziten Eigenkommentars charakterisiert sich gleichzeitig die Figur jeweils auf implizite Weise selbst, wobei die explizit vergebene Information durch die implizite entscheidend relativiert, ja sogar dementiert werden kann“ (Pfister, S.253/54). Des Weiteren erfolgt auch eine implizite Charakterisierung der Figur durch explizite Kommentare über andere Figuren. Es folgt die explizit-auktoriale Charakterisierungstechnik bei der es sich um „die Verwendung sprechender Namen“ handelt, also darum, dass in dem Namen sozusagen eine Eigenschaft oder eine Bedeutung steckt, die die Figur charakterisiert. Bei der letzten Technik handelt es sich um die implizit-auktoriale Charakterisierungstechnik.Hierbei geht es um Gemeinsamkeiten und Unterschiede, darum wie verschiedene Figuren auf dieselbe Situation reagieren und wie sie zu anderen Figuren stehen, sowie was sie über diese sagen (Pfister, S.262).

3.Figuren mit hoher Bühnenpräsenz

Zu den Figuren im Stück die eine höhere Bühnenpräsenz aufweisen als andere und über die man in diesem Fall auch mehr erfährt als über die Figuren mit niedrigerer Bühnenpräsenz gehören Bernarda und ihre Töchter Angustias, Adela und Martirio sowie das Hausmädchen la Poncia. Bernarda ist die Figur über die man sowohl durch ihre Eigenkommentare als auch durch Fremdkommentare anderer Figuren am meisten erfährt, daher möchte ich mit der Konzeption und der Charakterisierung dieser Figur anfangen.Schon zu Beginn des Stücks im Dialog zwischen den beiden Hausmädchen erfährt man viel über die Hausherrin. Bernarda ist eine sechzigjährige Witwe und Mutter von fünf erwachsenen Töchtern. Der Name „Bernarda“ stammt aus dem Germanischen und bedeutet ursprünglich: „fuerte y con el valor, ánimo de unoso“ (Àlvarez Montoya, S.13). Der Nachname „Alba“ ist aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt „weiß“ (Àlvarez Montoya, S.13). Lorca könnte diesen Namen gewählt haben, da die Farbe weiß auch für Reinheit steht und man hier einen Bezug zu Bernardas Einstellung bezüglich der Reinheit des Rufes ihrer Familie sehen könnte. Auf die Bedeutung des Rufes für Bernarda werde ich später noch genauer eingehen. Laut Àlvarez Montoya (S.13) hat Lorca diesen Nachnamen gewählt, da eine echte Familie so hieß, die Ähnlichkeiten mit den Figuren in seinem Stück gehabt haben soll. Vor ihrem ersten Auftritt wird Bernarda im Dialog zwischen la Poncia und Criadaexplizit als kaltherzige Tyrannin bezeichnet,die alle im Haus beherrscht und ihre Stellung ausnutzt: „Tirana de todos los que la rodean. Es capaz de sentarse encima de tu corazón y ver cómo te mueres durante un año sin que se le cierre esa sonrisa fría que lleva en su maldita cara” (Lorca, S.16). Im selben Dialog wird Bernarda von la Poncia auch explizit als unbeliebte Figur charakterisiert; aus dem Gespräch von la Poncia und Criada geht hervor, dass sie nicht nur bei den beiden unbeliebt ist, sondern auch bei den Angehörigen ihres verstorbenen Mannes: “La gente de él la odia“ (Lorca, S.17). Somit wird aus den Kommentaren der beiden Hausangestellten offensichtlich, dass diese Bernarda nicht mögen (Newton, S.71). Später bezeichnet auch eine Nachbarin im Stück Bernarda in deren Anwesenheit leise als „vieja lagarta recocida“, somit scheint sie auch in der Nachbarschaft nicht beliebt zu sein (Lorca, S.22) Sie wird von den Frauen des Dorfes gehasst weil sie oft über diese urteilt und denkt, dass sie das Recht dazu habe (Castaneda-Uribe, S.18).Bernarda scheint jedoch auch keinen großen Wert darauf zu legen ein gutes Verhältnis, zum Beispiel zu la Poncia, zu haben; als diese sie fragt ob sie denn Vertrauen hätten, verneint Bernarda dies und betont, dass die beiden nur ein Arbeitsverhältnis hätten und nichts was darüber hinaus gehe: „Me sirves y te pago. ¡Nada más!“ (Lorca, S.31). Im Dialog zwischen la Poncia und Criada wird außerdem deutlich, dass Bernarda Sauberkeit sehr wichtig ist und sie sehr wütend wird, wenn die Hausmädchen die Arbeit nicht zu ihrer Zufriedenheit erledigen: „¡Ya viene! (A la criada) Limpia bien todo. Si Bernarda no ve relucientes las cosas me arrancará los pocos pelos que me quedan” (Lorca, S.16). La Poncia charakterisiert Bernadra diesbezüglich auch explizit alsdie sauberste und anständigste, jeodch im negativen Sinne, da sie es übertreibe : “Ella, la más aseada; ella, la más decente; ella, la más alta.“ (Lorca, S.17).Die Aussage, dass Bernarda großen Wert auf Sauberkeit lege wird auch von Bernarda selbst in ihrer Aufforderung an das Hausmädchen Criada bestätigt, die sie damit sogar zum Weinen bringt: „Menos gritos y más obras. Debías haber procurado que todo esto estuviera más limpio para recibir al duelo. Vete. No es este tu lugar” (Lorca, S. 21) Laut Neuschäfer (S.201/02) hat Bernarda einen „Reinheitszwang“ der sich auf die Reinigung ihres Hauses, aber auch auf ihre Töchter beziehe:“Im Mittelpunkt des Reinheitsgebotes steht die Tabuisierung der weiblichen Sexualität“. Somit möchte Bernarda nicht nur, dass ihr Haus rein ist, sondern auch ihre Töchter, die das Haus nicht verlassen dürfen( Neuschäfer, S.202). Neben den Geschehnissen in ihrem Haus interessiert Bernarda sich aber auch für das was außerhalb ihres Hauses passiert (Baker, S.2).Durch einen Kommentar von la Ponciain Bernardas Abwesenheit erfährt der Zuschauer, dass Bernarda niemanden in ihr Haus lassen möchte, sich aber sehr für die Angelegenheiten der Nachbarn interessiert und deswegen la Poncia beauftragt hat, diese auszuspionieren: „…días enteros mirando por la rendija para espiar a los vecinos y llevarle el cuento…“ (Lorca, S.17).Ich nehme an, hierbei geht es Bernarda auch darum herauszufinden, ob die Nachbarn über sie reden und wie es um ihren Ruf steht. Dass Bernarda neugierig ist, zeigt sich außerdem auch noch in einem Kommentar von ihr im Gespräch mit la Poncia, hier möchte Bernarda wissen worüber die Männer geredet haben, deren Gespräch la Poncia vom Fenster aus gehört hatte: „ A eso vienen los duelos. (Con curiosidad.)¿ De qué hablaban?” (Lorca, S. 28).Dass Bernarda niemanden in ihr Haus lassen möchte zeigt sich auch in ihrem Eigenkommentar nach der Trauerfeier: „¡Andar a vuestras casa a criticar todo lo que habéis visto! ¡Ojalá tardéis muchos años en pasar el arco de mi puerta!” (Lorca, S.24).. Bernarda denkt, dass sie aufgrund ihrer materiellen Güter besser sei als ärmere Menschen (Bojahr,S.114).Dass sie sich für etwas Besseres hält, wird in ihrem Kommentar über die Armen deutlich:“ Los pobres son como los animales; parece como si estuvieran hecho de otras sustancias“ (Lorca, S.21). Bernarda sagt außerdem auch im Gespräch mit einer armen Frau über sich selbst, dass sie sich von niemandem etwas vorschreiben lasse:„ No he dejado que nadie me dé lecciones“ (Lorca, S.21).Dass Bernarda das Sagen hat, betont sie auch im Gespräch mit ihren Töchtern: „No os hagáis ilusiones de que vais a poder conmigo.¡Hasta que salga de esta casa con los pies adelante mandaré en lo mío y en lo vuestro!”( Lorca, S.39).Bernardas Kaltherzigkeit, die schon vor ihrem ersten Auftritt von la Poncia angesprochen wurde, zeigt sich auch wieder in einer Aussage von Bernarda in der sie ihrer trauernde Tochter Magdalena befiehlt nicht zu weinen: „Magdalena, no llores, si quieres llorar te metes debajo de la cama.¿ Me has oído?“ (Lorca, S.21).Auch nach dem Tod ihrer Tochter Adela sagt sie ihren anderen Töchtern, dass sie nicht will, dass diese ihre Trauer durch Weinen zum Ausdruck bringen: „Y no quiero llantos. La muerte hay que mirarla cara a cara.“ (Lorca, S.85).Es zeigt sich also, dass Bernarda weder Mitgefühl noch Schwäche zeigt (McDermid, S.187).Es geht sogar so weit, dass Bernarda nicht nur mit Worten verletzt, sondern auch körperliche Gewalt anwendet, so schlägt sie zum Beispiel ihre Tochter Angustias nachdem sie glaubt, dass diese sich nicht anständig und angemessen verhalten habe (Lorca, S.28) und sie schlägt auch Martirio nachdem sie von la Poncia erfährt, dass Martirio Angustias Foto von Pepe el Romano versteckt hat (Lorca, S.56). Bernarda erinnert sich selbst danach auch daran, dass es ihre Verpflichtung ist, ihre Töchter mit Schlägen zu bestrafen: „¡Tendré que sentarles la mano! Bernarda:acuérdate que esta es tu obligación“ (Lorca, S.56). Laut Junkerjürgen (S.521), zeigt diese Aussage, in der Bernarda in der dritten Person mit sich selbst spricht, dass ihr Verhalten für die Einhaltung der Traditionen zu sorgen nicht „ihre freie Wahl“ ist, da sie sich sozusagen selbst an ihre Pflichten erinnert.Bernardas Kaltherzigkeit zeigt sich außerdem auch darin, dass sie ihre eigene Mutter einsperren lässt: „¡Encerradla!“ (Lorca, S.40). In einem Eigenkommentar von Bernarda im Gespräch mit anderen Frauen aus dem Dorf zeigt sich, dass Bernarda eine gewisse Vorstellung davon hat wie Frauen sich zu verhalten haben, insbesondere gegenüber Männern :“ Las mujeres en la iglesia no deben de mirar más hombre que al oficiante, y ese porque tiene faldas. Volver la cabeza es buscar el calor de la pana“ (Lorca, S. 22).Laut Bernardahaben Männer und Frauen klare Rollen und Aufgaben (Lima, S.139). In ihrem Kommentar im Dialog mit ihrer Tochter Magdalena,sieht sie die feste Aufgabe der Frauen darin zu Hause zu bleiben und zu nähen, während die Männer draußen arbeiten und reiten können:” Hila y aguja para las hembras. Látigo y mula para el varón” (Lorca, S. 26).Bernarda ist auch der Auffassung, dass es zu der Aufgabe von Töchtern gehöre, ihren Müttern zu gehorchen, was der Zuschauer in ihremGespräch mit Prudencia erfährt: „Una hija que desobece deja de ser hija para convertirse en una enemiga“ (Lorca, S.67). Abgesehen davon ist sie auch der Ansicht, dass man als Frau Männern gehorchen muss um Ärger zu vermeiden, was sie auch so ihrer Tochter Angustias mitteilt: „No le debes preguntar. Y cuando te cases , menos. Habla si él habla y míralo cuando te mire. Así no tendrás disgustos“ (Lorca, S. 71).Im Dialog mit La Poncia verurteilt Bernarda außerdem das Verhalten von Paca la Roseta, einer Frau die sich auslebt und nicht die Rolle einnimmt, die laut Bernardas Ansichten jede Frau einnehmen sollte: “Es la única mujer mala que tenemos en el pueblo“ (Lorca, S.29). Des Weitern regt Bernarda sich darüber auf, dass es Frauen gibt, die sich nicht anständig verhalten, sondern ihren Impulsen folgen: „¡Cuánto hay que sufrir y luchar para hacer que las personas sean decentes y no tiren al monte demasiado!“ (Lorca, S.30). In Bezug auf ihre Töchter ist Bernarda auch der Meinung, dass diese keinen Mann bräuchten und dass die Männer aus der Nähe sowieso nicht gut genug für ihre Töchter seien, das erfährt man durch Bernardas Aussage in ihrem Dialog mit la Poncia: „No hay en cien leguas a la redonda quien se pueda acercar a ella. Los hombres de aquí no son de su clase. ¿Es que quieres que las entregue a cualquier gañán?” (Lorca, S.30). Bernarda legt auch großen Wert darauf, dass ihre Töchter die Tradition und damit verbundenen Trauerregeln befolgen: „En ocho años que dure el luto no ha de entrar en esta casa el viento de la calle. Hacemos cuenta que hemos tapiado con ladrillos puertas y ventanas. Así pasó en casa de mi padre y en casa de mi abuelo” (Lorca, S.25).Hier zeigt sich, dass Bernarda großen Wert auf Traditionen legt, selbst angesichts der Tatsache,dass die anderen Hausbewohner diesen eigentlich nichtnachgehen wollen (Neuschäfer, S.200).Aufgrund der Tatsache, dass Bernarda solch einen großen Wert auf die Erwartungen der Gesellschaft legt, kann sie zu niemandem eine „ergiebige, auf Gegenseitigkeit beruhende“ Beziehung führen, auch nicht zu ihren Töchtern (Newton, S.71/72). Bernarda „führt ein eisernes Regiment über ihre eigene und zwanzig Jahre ältere Mutter, über die Mägde, primär aber über ihre fünf unverheirateten Töchter“ (Döpper-Heinrich, S.190).Als BernardaAdela mit einem rot-grün geblümten Fächer sieht, sieht sie das als Verstoß gegen die Trauer an undwirft diesen daraufhin zu Boden: “¿ Es este el abanico que se da a una viuda? Dame uno negro y aprende a respetar el luto de tu padre” (Lorca, S.25).Sie kontrolliert ob ihre Töchter sich auch an die Tradition halten und spricht ihre Tochter Angustias darauf an wem sie hinterhergeschaut habe und ermahnt diese: „¿Es decente que una mujer de tu clase vaya con el anzuelo detrás de un hombre el día de la misa de tu padre?¡Contesta!¿ A quién mirabas?“ (Lorca, S.28). Außerdem fragt sie auch ihre Tochter Angustias wie diese den Mut besitzen kann sich zu schminken: „¿Pero has tenido el valor de echarte polvos en la cara?¿Has tenido el valor de lavarte la cara el día de la muerte de tu padre?(Lorca, S.38).Bernarda kontrolliert somit was ihre Töchter tun und fragt diese aus, was sie laut la Poncias Aussage nicht tun sollte: „¡Bernarda, so seas tan inquisitiva!“ (Lorca, S.39).Sie kann ihre Töchter jedoch nur kontrollieren, solange diese sich im Haus befinden und sie durch das Verbot dieses zu verlassen, ihre Gefühle unterdrückt (Marqués, S.3).Durch ihr Verhalten ist Bernarda sich sicher, dass ihre Töchter sie respektieren und sich auch ihrem Willen beugen, was sie explizit la Poncia mitteilt: „Afortunadamente mis hijas me respetan y jamás torcieron mi voluntad“ (Lorca, S.61). Dass ihre Töchter ihr gehorchen, steht bei Bernarda an oberster Stelle, so sagt sie zum Beispiel zu Angustias, als diese sagt, sie habe das Recht zu erfahren was los ist: „Tú no tienes derecho más que a obedecer. Nadie me traiga ni me lleve.“ (Lorca, S.63). Als Angustias Foto von ihrem Verlobten Pepe el Romano verschwindetmacht Bernarda sich auch wieder Sorgen, dass die Nachbarschaft etwas von dem was sich in ihrem Haus abspielt, mitbekommen könnte: „¡Qué escándalo es este en mi casa y en el silencio del peso del calor! Estarán las vecinas con el oído pegado a los tabiques!“ (Lorca, S.50).Ihr Ruf und das was andere über sie und ihre Familie denken ist Bernarda sehr wichtig, so wichtig, dass sie sich sogar für ihre Mutter, die sie für verrückt hält, schämt und nicht möchte, dass diese von den Nachbarinnen gesehen wird. In einem Dialog mit Criada sagt Bernarda, dass diese ihre Mutter begleiten und aufpassen solle, dass sie nicht in die Nähe des Brunnens gehe. Criada denkt, dass Bernarda Angst habe, ihre Mutter könnte in den Brunnen fallen, daraufhin gibt Bernarda ihr jedoch zu verstehen, dass es ihr nicht darum gehe, sondern, dass sie nicht wolle, dass ihre Mutter von den Nachbarinnen gesehen werde: „ No es por eso… Pero desde aquel sitio las vecinas pueden verla desde su ventana“ (Lorca, S.27). Hier zeigt sich, dass Bernarda ihren Ruf sogar über das Wohl ihrer eigenen Mutter stellt (Neuschäfer, S.201). Um einen guten Ruf aufrechtzuerhalten, möchte Bernarda auch, dass in ihrer Familie zumindest nach außen hin Harmonie herrscht, was sie ihre Töchter auch wissen lässt: “Cada uno sabe lo que piensa por dentro. Yo no me meto en las corazones, pero quiero buena fachada y armonía familiar.” (Lorca, S.70). Es geht sogar so weit, dass Bernarda den Suizid ihrer Tochter als einen Unfall aussehen lassen will (Neuschäfer, S.204).Sie möchte nicht, dass jemand aus dem Dorf den wahren Grund für den Tod ihrer Tochter erfährt (Bauer-Funke, S.50). Bernarda sind alle Mittel Recht um den Erwartungen der Gesellschaft gerecht zu werden, das zeigt sich zum Beispiel darin, dass sie versucht Pepe el Romano zu töten: „For Bernarda even homicide is justified in order to preserve society´s demands for morality“ (Newton, S.75). Sie möchte die gesellschaftlichen Erwartungen erfüllen und interessiert sich dabei nicht für die Bedürfnisse ihrer Töchter (Blake, S.24). Es ist auch bemerkenswert, dass Bernardas erstes und letztes Wort im Drama „¡Silencio!“ ist, hierbei zeigt Bernarda wieder,dass sie das Sagen hat und fordert Ruhe, damit niemand etwas erfährt, was ihren Ruf verschlechtern könnte (Neuschäfer, S.200).Bernarda beharrt auf ihrer Meinung und lässt sich von niemandem etwas sagen, was unter anderem durch la Poncias Kommentar in ihrem Gespräch mit Bernarda deutlich wird: “Contigo no se puede hablar.” (Lorca, S.30). „ Indem Bernarda ihre Töchter unterdrückt und sie als Gefangene hält, schafft sie eine erstickende Situation unterdrückter Leidenschaften.“ (Bauer-Funke, S.50). Auch wenn la Poncia öfter andeutet, dass Bernardas Verhalten ihren Töchtern gegenüber nicht angemessen ist, ist Bernarda der festen Überzeugung ganz genau zu wissen was sie tut und sagt dies auch explizit:“Aunque mi madre esté loca, yo estoy en mis cinco sentidos y sé perfectamente lo que hago“ (Lorca, S.39). Bernarda ist stur und will nicht auf die Ratschläge von La Poncia eingehen (Newton, S.76/77).Laut la Poncia hat Bernarda ihren Töchtern keine Freiheiten gelassen, insbesondere in Bezug auf Männer hat sie ihrer Tochter Martirio nicht erlaubt Enrique Humanas zu heiraten, einen Mann, der sich für sie interessiert hat. Bernarda hat diesem sogar eine Nachricht geschickt hat, dass er nicht wieder kommen solle: „Bernarda: aquí pasa una cosa muy grande. Yo no te quiero echar la culpa, pero tú no has dejado a tus hijas libres“ (Lorca, S.59). Aber auch diese Entscheidung bereut Bernarda nicht, was sie auch la Poncia mitteilt: “Y lo haría mil veces!“ (Lorca, S.59).Diesbezüglich wird Bernarda von La Poncia als stolz und arrogant bezeichnet: „¡Y así te va a ti con esos humos!“ (Lorca, S.59).. Auch Criada bezeichnet Bernarda in deren Abwesenheit im Dialog mit la Poncia als zu stolz und sagt, dass sie aufgrund ihres Stolzes nicht sehen wolle was wirklich um sie herum passiere: „Es tan orgullosa que ella misma se pone una venda en los ojos“ (Lorca, S.75). Laut Criada ist Bernarda der Meinung, dass niemand ihr etwas anhaben könnte: „Bernarda cree que nadie puede con ella y no sabe la fuerza que tiene un hombre entre mujeres solas.“ (Lorca, S.76). Bernarda wird von ihrer Mutter María Josefa in deren Monolog mit einem Leopard verglichen: “Bernarda, cara de leoparda“ (Lorca, S.77). Dieser Vergleich deutet auf Bernardas Macht hin, da Leoparden, die zu den Raubtieren gehören auch eine gewisse Macht darstellen (Junkerjürgen, S.521).Sie ist der Überzeugung, dass sie das Recht habe, diesen Stolz zu besitzen, und dass la Poncia dieses Recht aufgrund ihrer Herkunft nicht habe: „Los tengo porque puedo tenerlos. Y tú no los tienes porque sabes muy bien cuál es tu origen“ (Lorca, S.59). Hierbei zeigt sich auch wieder Bernardas sehr direkte Art, durch die sie ihr Gegenüber direkt angreift. Bernardas Verhalten wird zum Beispiel auch von Prudencia mit dem eines Mannes verglichen: „Bregando como und hombre.“ (Lorca, S.68), woraufBernarda mit „Así es“ (Lorca, S.68) antwortet, was zeigt, dass sie auch selbst dieses Bild von sich hat. Bernarda hat nach dem Tod ihres Mannes die Führungsposition im Haus eingenommen, also sozusagen die Position ihres verstorbenen Mannes und lässt es auch nicht zu, dass andere Männer das Haus betreten:“She has emerged as the central figure in the society of the household upon the death of her husband, became manlike in dominance and attitude“ (Lima, S.138). Sie verhält sich wie eine männliche Autoritätsperson und toleriert nur ihre eigenen Vorstellungen (Praga-Terente, S.84). Der Stock, den sie immer mit sich trägt, wird auch als Zeichen ihrer männlichen Autorität angesehen (McDermid, S.187). Als Adela gegen Ende des Dramas den Stock in der Mitte durchbricht kann dies als symbolischer Akt angesehen werden, der auch Bernardas männliche Autorität durchbricht, da Adela sich nicht mehr länger Bernardas Willen beugt (McDermid, S.187). Bernarda ist aggressiv und zu dominierend und stellt Regeln für das Benehmen ihrer Töchter auf, denen diese sich zu unterwerfen haben (Blake, S.23). Zu diesen Regeln gehört, wie bereits erwähnt, dass ihre Töchter nicht mit Männern in Kontakt treten sollen, was jedoch angesichts der Tatsache, dass Bernarda selbst eine Art Männerrolle im Haus einnimmt, ironisch erscheint: „The irony of this situation is that, while Bernarda tries to create a barrier between her family and the men of town, she herself, becomes increasingly masculine in her temperament,“ (Baker, S.4).Der bereits erwähnte Vergleich von Bernarda mit einer Echse spiegelt auch ihr Verhalten gegenüber ihren Töchtern wider, so wie weibliche Echsen ihrer Eier in denen sich ihr Nachwuchs befindet vergraben, so „vergräbt“ Bernarda ihre Töchter sozusagen im Haus, da sie ihnen nicht erlaubt dieses zu verlassen (McDermid, S.187)Laut Blake (S.27) handelt es sich bei Bernarda um eine paradoxe Figur, was sich darin zeigt, dass sie sich einerseits für Unabhängigkeit ausspricht und sagt, dass man sehr gut ohne Männer auskomme und ihre Töchter daher keine bräuchten, auf der anderen Seite verhält Bernarda sich jedoch nur so autoritär um den Anforderungen der Gesellschaft zu entsprechen da sie sich vor einem Skandal, der ihre Familie betreffen und sich im Dorf ausbreiten könnte, fürchtet. Aufgrund der bisherigen Charakterisierung von Bernardas wird sie nur als dominante, kaltherzige Frau betrachtet, die andere unterdrückt. Laut John Crispin (S.178/79) kann Bernarda jedoch auch als Opfer betrachtet werden, auch wenn das einem das zuerst merkwürdig erscheinen mag:

„Como mujer en esta sociedad Bernarda sabe que no tiene derecho a ningún protagonismo […] ni siquiera dentro del núcleo familiar[…]. Su mecanismo dedefensa ha sido sublimar su condición de mujer y atribuirse un papel exclusivamente masculino de mando. Pero Bernarda sólo puede mandar en su dominio cerrándolo a la observación de los demás.”

In Crispins Zitat zeigt sich, dass Bernarda aufgrund ihres Geschlechts vor dem Tod ihres Mannes wohl selbst eine untergeordnete Rolle gespielt hat und gehorchen musste, so wie sie es jetzt von ihren Töchtern verlangt. Sie hat sich in einem Haus in dem nur Frauen leben die männliche Rolle zu eigen gemacht, um ihrer alten Stellung zu entkommen, dies ist natürlich nur innerhalb eines Bereiches möglich in dem niemand, in diesem Fall ein Mann, über ihr steht.In Bezug auf die Figurenkonzeption handelt es sich bei Bernarda um eine statisch konzipierte Figur, das zeigt sich insbesondere darin, dass sie mit ihrem Handeln und ihren Einstellungen zufrieden ist und nicht auf die Anmerkungen und Ratschläge von la Poncia eingeht. Sie ist somit nicht belehrbar und ihr Verhalten ändert sich im Laufe des Dramas nicht, was sich auch darin zeigt, dass sie, wie bereits in der Charakterisierung erwähnt, bei ihrem ersten und ihrem letzten Auftritt mit „¡Silencio!“ für Ruhe sorgt und niemanden über sich bestimmen lässt. Des Weiteren handelt es sich bei Bernarda um eine mehrdimensionale Figur da der Zuschauer zum einen viel über Bernardas Grund-und Wertvorstellungen, bei denen es darum geht die Traditionen einzuhalten und sich als Frau angemessen zu verhalten, erfährt. Zum anderen erfährt man auch viel über ihr gefühlsloses, durch ihre Macht geprägtes Verhalten gegenüber den anderen Figuren und darüber wie sie auf verschiedene Situation reagiert, zum Beispiel wie sie reagiert als sie erfährt, dass Martirio das Foto von Pepe el Romano entwendet hat, oder als sie von der Affäre zwischen Adela und Pepe el Romano erfährt.

[...]

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Details

Titel
Figurenkonzeption und Figurencharakterisierung in "La casa de Bernarda Alba" von Federico García Lorca
Hochschule
Universität Trier
Note
2,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
35
Katalognummer
V337920
ISBN (eBook)
9783668270510
ISBN (Buch)
9783668270527
Dateigröße
624 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
figurenkonzeption, figurencharakterisierung, bernarda, alba, federico, garcía, lorca
Arbeit zitieren
J. J. (Autor), 2015, Figurenkonzeption und Figurencharakterisierung in "La casa de Bernarda Alba" von Federico García Lorca, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337920

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