Das bemerkenswerte an La casa de Bernarda Alba ist, dass in diesem Drama nur Frauen auftreten, insbesondere Frauen, die zusammen in einem Haus leben und von denen die Mehrheit dieses Haus nicht verlassen darf. Daher finde ich es interessant diese weiblichen Figuren zu analysieren und zu zeigen, welche unterschiedlichen Charaktere zusammenleben und wie sie mit ihrer Situation umgehen.
Die Figurencharakterisierung und Figurenkonzeption wird auf der Grundlage von Pfister stattfinden, welche ich zuerst kurz erläutern werde. Anschließend werde ich zuerst die Figuren die eine höhere Bühnenpräsenz aufweisen und dann die Figuren mit einer geringeren Bühnenpräsenz charakterisieren und anschließend auf der Grundlage der Charakterisierung analysieren, wie diese Figuren konzipiert sind. Zu den Figuren mit einer höheren Bühnenpräsenz zählen Bernarda und ihre Töchter Angustias, Martirio und Adela sowie die Hausangestellte la Poncia. Figuren die weniger Auftritte haben sind Amelia, Magdalena, das Hausmädchen Criada, Bernardas Mutter María Josefa und Prudencia. Prudencia ist die einzige Figur, die nicht im Haus lebt, dennoch finde ich es interessant zu sehen, wie sie als einzige Frau außerhalb des Hauses dargestellt wird. Auch wenn nur Frauen im Drama auftreten, spielen Männer dennoch eine sehr wichtige Rolle, da diese oft einen Grund für die Handlungen der weiblichen Figuren darstellen. Daher werde ich zuletzt auch auf die männlichen Figuren im Drama eingehen, insbesondere auf Pepe el Romano, der als Auslöser für viele Handlungen im Verlauf des Dramas gesehen werden kann.
Unter dem Begriff Figurenkonzeption versteht Pfister „das anthropologische Modell, das der dramatischen Figur zu Grunde liegt und die Konventionen seiner Fiktionalisierung“. Er unterscheidet zwischen statischen und dynamischen Figuren. Eine statische Figur verändert sich im Laufe des Stücks, im Gegensatz zu einer dynamischen Figur, nicht. Bei der dynamischen Figur erfolgt nicht nur eine Veränderung des Bildes, das der Zuschauer von der Figur hat, sondern auch eine Veränderung dieser Figur selbst. Desweitern erfolgt eine Unterscheidung zwischen ein- und mehrdimensionalen Figuren. „Eindimensionale Figuren sind dadurch gekennzeichnet, dass sie durch einen kleinen Satz von Merkmalen definiert werden“. Im Gegensatz dazu handelt es sich bei mehrdimensionalen Figuren um Figuren, deren Konzeption auf einem „komplexen Satz von Merkmalen“ beruht.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Figurenkonzeption vs. Figurencharakterisierung nach Pfister
3. Figuren mit hoher Bühnenpräsenz
4. Figuren mit geringer Bühnenpräsenz
5. Männliche Figuren
6. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht die Figurenkonzeption und Charakterisierung in Federico García Lorcas Drama "La casa de Bernarda Alba" auf der theoretischen Grundlage von Manfred Pfister. Ziel ist es, die weiblichen und männlichen Charaktere hinsichtlich ihrer Entwicklung, ihrer Rollenbilder und ihres Umgangs mit der restriktiven häuslichen Situation zu analysieren.
- Anwendung dramentheoretischer Modelle (Pfister) auf die Figuren des Dramas
- Differenzierung der Figuren nach ihrer Bühnenpräsenz
- Analyse der dominierenden Rolle der Bernarda und ihrer Unterdrückungsmechanismen
- Untersuchung der männlichen Präsenz und deren Einfluss auf die weiblichen Handlungen
- Identifikation von Rebellion, Anpassung und psychologischer Motivik
Auszug aus dem Buch
3. Figuren mit hoher Bühnenpräsenz
Zu den Figuren im Stück die eine höhere Bühnenpräsenz aufweisen als andere und über die man in diesem Fall auch mehr erfährt als über die Figuren mit niedrigerer Bühnenpräsenz gehören Bernarda und ihre Töchter Angustias, Adela und Martirio sowie das Hausmädchen la Poncia. Bernarda ist die Figur über die man sowohl durch ihre Eigenkommentare als auch durch Fremdkommentare anderer Figuren am meisten erfährt, daher möchte ich mit der Konzeption und der Charakterisierung dieser Figur anfangen. Schon zu Beginn des Stücks im Dialog zwischen den beiden Hausmädchen erfährt man viel über die Hausherrin. Bernarda ist eine sechzigjährige Witwe und Mutter von fünf erwachsenen Töchtern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Einleitung in die Themenstellung des Dramas und Definition der methodischen Vorgehensweise anhand von Pfister.
2. Figurenkonzeption vs. Figurencharakterisierung nach Pfister: Theoretische Erläuterung der Begriffe wie statische/dynamische Figuren, Dimensionierung und Charakterisierungstechniken.
3. Figuren mit hoher Bühnenpräsenz: Tiefgehende Analyse der Hauptfiguren Bernarda, Angustias, Adela, Martirio und La Poncia hinsichtlich ihrer Konzeption.
4. Figuren mit geringer Bühnenpräsenz: Untersuchung der Nebenfiguren wie Amelia, Magdalena, María Josefa, Prudencia und Criada.
5. Männliche Figuren: Analyse des Einflusses der abwesenden männlichen Figuren, insbesondere von Pepe el Romano, auf das Geschehen.
6. Schlusswort: Fazit der Analyse, das die Gruppierung der Figuren nach ihrem Umgang mit der Situation zusammenfasst.
Schlüsselwörter
La casa de Bernarda Alba, Federico García Lorca, Figurenkonzeption, Figurencharakterisierung, Manfred Pfister, Bernarda, Pepe el Romano, Bühnenpräsenz, Tradition, Unterdrückung, Geschlechterrollen, Individuum, psychologische Analyse, Drama, Weiblichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Analyse der Figurenzeichnung in Lorcas Drama "La casa de Bernarda Alba" unter Verwendung der dramentheoretischen Konzepte von Manfred Pfister.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Kategorisierung von Figuren, ihre Konzeption als Individuen oder Typen sowie ihr Umgang mit gesellschaftlichen Zwängen und Traditionen innerhalb des Hauses.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, durch eine strukturierte Figurencharakterisierung die Dynamik zwischen den im Haus eingesperrten Frauen und den dominierenden Strukturen zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die primär auf den Definitionen zur Figurenkonzeption und Charakterisierungstechnik von Manfred Pfister basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert die Analyse nach der Bühnenpräsenz der Figuren, unterteilt in hochpräsent (Bernarda, Töchter, La Poncia) und geringpräsent (Nebenfiguren, Mutter) sowie männliche Einflussgrößen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Figurenkonzeption, Charakterisierung, Pfister, Tradition, Bernarda, Pepe el Romano und Rollenkonflikte.
Welche Bedeutung hat Bernarda als Figur im Drama?
Bernarda fungiert als das absolutistische Oberhaupt, das durch ihr "eisernes Regiment" und ihr Streben nach gesellschaftlichem Ansehen die Unterdrückung der anderen Figuren erst ermöglicht.
Warum spielt Pepe el Romano eine Rolle, obwohl er nie auf der Bühne erscheint?
Er dient als "backstage character", der als zentraler Auslöser für die Konflikte, die Eifersucht und das rebellische Verhalten der Töchter fungiert und somit die Handlung maßgeblich beeinflusst.
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- J. J. (Autor), 2015, Figurenkonzeption und Figurencharakterisierung in "La casa de Bernarda Alba" von Federico García Lorca, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337920