Wie wir anhand meiner Ausführungen zum Thema sehen werden, drückte der rumänische Konjunktiv (RK) ursprünglich Potenzialität aus. Im Laufe der Sprachentwicklung hat der RK dann immer mehr die Aufgabe übernommen, zwei Verben miteinander zu verbinden – was ich unter dem Begriff Konnektivität zusammenfassen möchte. Schließlich hat der RK seinen Funktionsbereich derart expansiv ausgeweitet, dass er nicht nur bestimmte Modalverben verdrängt, sondern sich auch mit nicht-romanischen Wortschatzelementen untrennbar verbunden hat. Aber auch die Tatsache, dass sich in den übrigen Sprachen des Balkansprachbunds ähnliche Entwicklungen vollzogen haben, ist für die Betrachtung des RK von zentraler Bedeutung.
Inhaltsverzeichnis
1. Warum habe ich diesen Vortragstitel gewählt?
2. Begriffserklärung
3. Potenzialität: Die Herausbildung der Konjunktivkonstruktion im Rumänischen
4. Konnektivität: Konjunktivkonstruktionen als Infinitiversatz
5. Expansivität: Ausweitung des Funktionsbereichs des RK
6. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Untersuchung der Multifunktionalität des rumänischen Konjunktivs (RK) unter Berücksichtigung seiner historischen Entwicklung, seiner Rolle als Infinitiversatz und seiner zunehmenden Ausweitung in verschiedene grammatikalische Funktionsbereiche innerhalb des Balkansprachbundes.
- Historische Herleitung des rumänischen Konjunktivs aus dem lateinischen Potentialis.
- Analyse der Konnektivität als Ersatz für Infinitivkonstruktionen.
- Untersuchung der strukturellen Expansion des Konjunktivs in Verbindung mit dem Modalverb "trebuie".
- Vergleich der Konjunktivverwendung mit anderen Sprachen des Balkansprachbundes.
- Erforschung der futurischen Funktionen des Konjunktivs im modernen Rumänisch.
Auszug aus dem Buch
Potenzialität: Die Herausbildung der Konjunktivkonstruktion im Rumänischen
Die Konjunktivkonstruktionen im Rumänischen gehen auf den lateinischen Konjunktiv als Modus der Vorstellung (den so genannten Potentialis und Irrealis) in Bedingungssätzen zurück (vgl. dazu Rubenbauer/Hofmann 1995: 312; Roesler 2011: 143):
lat. Si hoc dicas, mentiaris. „Wenn du das sagen solltest – und ich kann mir denken, dass du es sagst –, so dürftest du lügen.“
lat. Si hoc dixeris, mentitus sis. „Wenn du das gesagt hättest, hättest du gelogen.“
Aus solchen potenziellen Bedingungssätzen entwickelte sich die rumänische Konjunktivkonstruktion des Typs pot să vin „ich kann kommen (eigentlich: ich kann, wenn ich komme)“ oder știu să cânt „ich kann singen (ich kann, wenn ich singe)“. Die Konjunktion si – să hat sich im Laufe der Sprachentwicklung des Rumänischen zu einem reinen Konjunktivmarker gewandelt, wobei der RK im Präsens sich vom Indikativ morphologisch nur noch in der 3. Person des Verbs unterscheidet: steht Endung -ă im Indikativ, so steht Endung -e im Konjunktiv (cântă – să cânte); steht Endung -e im Indikativ, so steht Endung -ă im Konjunktiv (ninge – să ningă) (Irimia 2008: 258).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Warum habe ich diesen Vortragstitel gewählt?: Der Autor erläutert die drei zentralen Begriffe Potenzialität, Konnektivität und Expansivität, die die Entwicklung des rumänischen Konjunktivs definieren.
2. Begriffserklärung: Dieses Kapitel definiert den Konjunktiv als Verbform, die Handlungen als realisierbar, aber ungewiss markiert und unterscheidet zwischen Konjunktiv Präsens und Perfekt.
3. Potenzialität: Die Herausbildung der Konjunktivkonstruktion im Rumänischen: Es wird die historische Wurzel des Konjunktivs im lateinischen Potentialis dargelegt und die Entwicklung der Konstruktion mit "să" beschrieben.
4. Konnektivität: Konjunktivkonstruktionen als Infinitiversatz: Das Kapitel analysiert, wie der Konjunktiv im Rumänischen zunehmend die Rolle des Infinitivs übernimmt und sich als obligatorische Form festigt.
5. Expansivität: Ausweitung des Funktionsbereichs des RK: Der Autor zeigt auf, wie der Konjunktiv seinen Funktionsbereich auf neue Modalverben sowie das Futur I ausgeweitet hat.
6. Schlusswort: Das Kapitel fasst zusammen, dass der Konjunktiv eine zentrale Rolle als Infinitiversatz im Balkansprachbund spielt und eine breite funktionale Expansion erfahren hat.
Schlüsselwörter
Rumänisch, Konjunktiv, Sprachwissenschaft, Potenzialität, Konnektivität, Expansivität, Balkansprachbund, Infinitiversatz, Sprachwandel, Modalität, Futur, Verbalsystem, Morphologie, Grammatik, Lateinisch.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht die Entwicklung und die vielfältigen Funktionen des rumänischen Konjunktivs (RK) in einem historischen und vergleichenden Kontext.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Potenzialität des Konjunktivs, seine Funktion als Infinitiversatz und seine expansive Rolle bei der Bildung von Futuroperatoren und deontischen Modalverben.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Multifunktionalität des RK aufzuzeigen und zu erklären, warum er im Rumänischen weite Bereiche des Infinitivs übernommen hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine sprachhistorische und kontrastive Analyse, die rumänische Sprachdaten mit lateinischen Ursprüngen und anderen Sprachen des Balkansprachbundes vergleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Herkunft aus dem lateinischen Potentialis, der Entwicklung zur Konnektivität als Infinitiversatz und der funktionalen Expansion des RK.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Potenzialität, Konnektivität, Expansivität, Balkansprachbund und Infinitiversatz.
Welche Rolle spielt der Balkansprachbund für diese Analyse?
Der Balkansprachbund dient als Vergleichsrahmen, um zu zeigen, dass die Ersetzung des Infinitivs durch Konjunktivkonstruktionen ein gemeinsames Merkmal dieser Sprachgruppe ist.
Warum ist das Verb "trebuie" in der Untersuchung wichtig?
Das Verb "trebuie" ist ein Beispiel für die "Expansivität" des Konjunktivs, da der Konjunktiv auf dieses neue deontische Modalverb ausgeweitet wurde, statt einen Infinitiv nach sich zu ziehen.
- Citation du texte
- Dr. Patrick Roesler (Auteur), 2016, Potenzialität, Konnektivität, Expansivität. Zur Multifunktionalität des Konjunktivs im Rumänischen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/338024