Die römisch-katholische Kirche als Non-Profit-Organisation

Die aktuelle und künftige Rolle der Zivilgesellschaft im Zusammenspiel mit dem öffentlichen Sektor


Seminararbeit, 2014
11 Seiten, Note: Befriedigend

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Rolle der Kirche als Nonprofit-Organisation?
2.1 Einfluss auf den öffentlichen Sektor (Außenwirkung)
2.2 Ökonomische Relevanz und Diskussion des Kirchenbeitrages
2.3 Soziales Engagement im kirchlichen Bereich (Wandel der Zivilgesellschaft)

3 Conclusio

4 Literaturverzeichnis

Gleichbehandlung

Bei sämtlichen Formulierungen dieser Arbeit sind die weiblich-grammatikalischen

Formen im Sinne der Gleichbehandlung sinngemäß in den angeführten männlichen enthalten, sofern sie nicht explizit angeführt werden. Die Verwendung der nach den grammatikalischen Regeln der deutschen Sprache korrekten männlichen Sprachformen stellt somit keine Diskriminierung dar, sondern ist in diesem Fall als geschlechtsneutral zu interpretieren.

1 Einleitung

Die römisch-katholische Kirche kann einerseits als gemeinnützige Organisation sowie andererseits auch als Unternehmen betrachtet werden. Diese spezielle Sonderstellung dieser einzigartigen Institution bringt auch immer wieder sehr viele gesellschaftliche Diskussionen mit sich. Diesen Teilaspekt möchte ich mit der folgenden Arbeit behandeln.

In Österreich nimmt die Kirche nach wie vor einen wichtigen Platz in der Gesellschaft ein. Der Kirchenbeitrag wird oft als Kritikpunkt angesehen und man vergisst die vielfachen Leistungen wie beispielsweise Caritas, Pflegeheime, Spitäler, Apotheken usw. Auch in der medialen Diskussion wird selten auf die wichtigen Teilorganisationen der Kirche verwiesen. Die Kirchenaustritte steigen stetig an und gleichzeitig gibt es weltweit gesehen so viele Kircheneintritte wie nie zuvor. Dies hängt damit zusammen, dass die römisch-katholische Kirche in Europa eine Krise zu bewältigen hat aber weltweit gesehen einen Boom erlebt.

2 Die Rolle der Kirche als Nonprofit-Organisation?

Um diese Diskussion zu betrachten, muss man sich zuerst einmal die Rolle der Kirche genauer ansehen. Die katholische Kirche nimmt in Österreich eine wichtige Position im Nonprofit-Sektor ein. Es gibt unzählige Kirchenverbände und diese betreiben sozusagen sogar Lobbying im politischen Sinne.1

Meiner Meinung nach ist dies ein wichtiger Aspekt in Österreich aufgrund der langen Tradition und Geschichte. Trotz der Säkularisierung ist es gut, dass die Kirche nach wie vor sehr stark wahrgenommen wird und einen politischen Diskurs zu Themen wie beispielsweise Schwangerschaft führt. Wird dies jedoch auch in einer künftigen Regierung der Fall sein? Die Kirche bietet jedoch nicht nur die Möglichkeit des Ehrenamtes sondern ist auch ein „normaler“ Arbeitgeber, in dem Sinne, dass dessen Arbeitnehmer einen Gehalt bekommen. Hier sind auf der einen Seite die Messdienerschaft (zB Messner, Ministranten) sowie auf der anderen Seite Gärtner bzw. Restauratoren anzuführen. Als wichtige Vorfeldorganisationen sind Vereine wie Caritas sowie kirchennahe Organisationen wie die Kolpingheime zu nennen. Nicht zu vergessen sind jedoch auch die katholischen Studentenverbindungen. Diese werden oft mit den antiklerikalen Burschenschaften aufgrund ihrer optischen Ähnlichkeit verwechselt. Diese Verbindungen stehen im Blickwinkel von politischen Parteien sowie der Kirche und sind als NPO zu bezeichnen, da sie gemeinnützig ausgerichtet sind. Im Gegensatz zu den Burschenschaften sind sie pro katholisch und pro österreichisch eingestellt.2

Im Näheren möchte ich die Außenwirkung, sowie die Bedeutung der sozialen Leistungen und den Kirchenbeitrag diskutieren.

2.1 Einfluss auf den öffentlichen Sektor (Außenwirkung)

Das Interessante daran besteht darin, dass die Kirche zwar aus vielen NPOs besteht, jedoch die Kirche in ihrer Gesamtheit eher keine Nonprofit-Organisation darstellt. Somit ist die Sonderstellung in mitten des Staates und des Marktes sehr kritisch zu betrachten. Auf jeden Fall kann der übergeordnete Begriff Kirche als staatliche Institution gesehen werden, welche gleichzeitig auch einen wichtigen Arbeitgeber darstellt. Dieser Widerspruch in sich macht diese wichtige Institution gerade so interessant. Meiner Meinung nach ist die Kirche mehr NPO als Unternehmen, da sie zu einem überwiegenden Teil gemeinnützig ist. Der sogenannte Dritte Sektor wird definiert, als Abgrenzung zu wirtschaftlichen und zu öffentlichen Organisationen. Bei der Kirche könnte man so weit gehen, und diese als Ausnahme bezeichnen, welche alle drei Sektoren ineinander vereint.3

Doch eines ist sie in jedem Falle, nämlich eine Nichtregierungsorganisation. Jedoch muss man hierbei anmerken, dass dieser Begriff nicht genau definiert ist und von der UNO in der Nachkriegsgesellschaft kreiert wurde. Diese Definition umfasst auch die kirchlichen karitativen Einrichtungen als sogenannte NGOs.4

Im Moment hat sich das Bild der Kirche in Österreich leicht gebessert wobei dies in Deutschland nicht der Fall sein dürfte. Die Pleite des Buchhandelskonzernes Weltbild der deutschen katholischen Kirche ist der aktuellste Vorfall. Nach hohen Verlusten hat der Verlag nun Insolvenz angemeldet. Dies trägt mit Sicherheit nicht dazu bei, dass sich die Wahrnehmung bzw. die Wirkung der Kirche in der Öffentlichkeit verbessert.

Meiner Meinung nach sollte die Kirche versuchen, ihre Öffentlichkeitsarbeit zu verstärken. Sie (=die Kirche) muss künftig versuchen, sich einheitlich und weniger abgehoben zu positionieren. Eine Möglichkeit dazu bietet auch das Lobbying in der Politik. In der aktuellen Regierung ist dies jedoch kein leichtes und ich denke, dass dies in Zeiten des politischen Katholizismus wesentlich einfacher für die Kirche war. Die katholische Kirche leistet auch einen wichtigen Teil der Erziehung in den Schulen und Kindergärten. Jedoch verglichen mit früher, ist eine theologische Grundbildung in den Einrichtungen verloren gegangen. Ein Bekannter meinerseits hat mir vor kurzem erzählt, dass er im 1934er Jahr in der Schule den kleinen Katechismus auswendig lernen musste. Der Katechismus behandelt die Grundfragen des christlichen Glaubens. Nach dem zweiten Weltkrieg war dies in Österreich nicht mehr Pflicht und seit den 70er Jahren wurden die Lehrbücher aus politischer Sicht erneut stark abgewandelt und reduziert. Nun darf man sich nicht wundern, wenn heute dieses Grundwissen in den Schulen nicht mehr weitergegeben wird und sich unsere Gesellschaft weniger für die Kirche in punkto des Glaubens interessiert. Somit kann man meiner Meinung nach annehmen, dass der maßgebliche Einfluss stark gesunken ist. Ob die Kirche heutzutage überhaupt noch realistische Möglichkeiten hat, ihren Einfluss auf die Gesellschaft betreffend des Glaubens zu erhöhen ist sehr schwer zu beantworten und dies wird wohl die Zeit zeigen. Jedoch könnte eine neue „christliche“ Partei, welche sich bei Wahlen etabliert, einen Richtungswechsel im Zuge der Öffentlichkeit auslösen.

2.2 Ökonomische Relevanz und Diskussion des Kirchenbeitrages

Ein weiterer Kritikpunkt in der öffentlichen Diskussion ist nach wie vor der Kirchenbeitrag. Meiner Meinung nach ist diese Kritik prinzipiell unverständlich. Wenn man betrachtet welche teils erheblichen Leistungen (wie bereits vorher beschrieben) die katholische Kirche erbringt, stellen sich ganz andere Fragen der Finanzierung. Jedoch wird die Kirche grundsätzlich von Seiten der „linken österreichischen medialen“ Landschaft nicht gerade in Schutz genommen. Es wird hier seit Jahren ein „Bashing“ betrieben und die Kritik färbt auf die Gesellschaft ab. Denn wenn man ehrlich ist, kommt man zu dem Entschluss dass es sich beim Kirchenbeitrag um einen Mitgliedsbeitrag handelt, wie bei einer „normalen“ Mitgliedschaft eines Vereines. Zudem ist die „Kirchensteuer“ anteilsmäßig recht gering gehalten. Die Statistiken zeigen trotz der meiner Meinung unverständlichen Kritik in punkto der Finanzierung, dass er wenig bis keinen Einfluss auf die stetig steigende Zahl der Kirchenaustritte hat. Die Steuer stellt sicherlich einen wichtigen Beitrag zur Finanzierung dar und trotzdem ist dies nur ein Teil davon, was aufgebracht werden muss um die sozialen Leistungen aufrechterhalten zu können. Wenn man sich die Einnahmenseite ansieht, dann kommt man zu dem Entschluss, dass Aspekte wie die Philanthropie beispielsweise durch Spenden, die öffentliche Hand durch Subventionen, Mitgliedsbeiträge durch die „Kirchensteuer“ sowie Anlagevermögen durch die vorhandenen Immobilien mit Sicherheit die wichtigsten Faktoren darstellen. Auch die Kirch muss sich finanzieren, denn würde sie dies nicht tun hätte sie nicht so lange bestehen können. Das Argument, dass auch NPOs wirtschaftlich nachhaltig geführt werden müssen kann ich voll und ganz unterstreichen. Ich bin der Meinung, dass dies den Schlüssel zu einem langfristigen Bestehen darstellt.5 Dass übrigens nur die katholische Kirche einen Kirchenbeitrag einhebt ist ein gesellschaftlicher Irrtum. Die evangelische Kirche hat ebenso einen und dieser ist sogar wesentlich höher berechnet im Verhältnis.

Persönlich war ich vor einigen Jahren auch eher gegen die „Kirchensteuer“. Doch wenn man sich mit dem Thema mehr beschäftigt und auf die lange geschichtliche Tradition, die sozialen Leistungen und die besondere Rolle erkennt, so halte ich den Beitrag nicht für unangebracht.

2.3 Soziales Engagement im kirchlichen Bereich (Wandel der Zivilgesellschaft)

Ein wichtiger Aspekt im kirchlichen Bereich betrifft die des Ehrenamts und die der Freiwilligenarbeit. In der Hinsicht der Messdienerschaft, muss man hier den städtischen Bereich vom ländlichen Gebiet differenziert betrachten. Das Engagement ist generell am Land stärker vertreten. Dies sieht man in der Praxis, wenn man eine Heilige Messe besucht und die Anwesenheit der Ministranten vergleicht, welche am Land in eindrucksvoller Anzahl vorhanden sind und in der Stadt teilweise gar keine Messdiener mehr vorhanden sind. Dies liegt auch zu einem Großteil am gesellschaftlichen Wandel, welchen ich analysieren möchte.

Generell denke ich ist das soziale Engagement in kirchlichen Einrichtungen nach wie vor recht hoch. Man darf allerdings nicht leugnen, dass dies auch stark von der Erziehung abhängt und an die Kinder weitergeben wird. Das Argument, dass der Grundstein von Freiwilligenarbeit in der Erziehung und Kindheit gelegt wird, hat mit Sicherheit Gültigkeit. Somit schließt sich der Kreis in dem Punkt, dass schulische kirchliche Einrichtungen auch Verantwortung in der Kindererziehung übernehmen.

Zum sozialen Strukturwandel der Öffentlichkeit, meint der deutsche Philosoph Jürgen Habermas, dass es eine tendenzielle Übereinstimmung des öffentlichen Sektors mit der Privatsphäre gibt. Wenn man nun bedenkt, dass er dieses Werk bereits zu Beginn der siebziger Jahre veröffentlicht hat, kann man ihn entweder als Prophet oder als klugen Vorausdenker mit realistischer Einschätzung bezeichnen.6 Manifestiert sich dieser Zustand nicht heute immer mehr in unserer Gesellschaft?

In diesem theoretischen Ansatz sehe ich auch den Grundstein für den heute so oft viel zitierten „Individualismus“ bzw. des Hedonismus. Darunter versteht man jedenfalls, dass sich in der Gesellschaft, das Individuum nur mehr für sich selbst interessiert und somit weniger Engagement in sozialen Einrichtungen an den Tag gelegt wird. Interessieren sich die Menschen unserer Gesellschaft nur mehr für sich selbst? Ich denke dass dieser Ansatz etwas übertrieben ist und wir zudem zwischen dem städtischen und dem persönlicheren ländlichen Bereich differenzieren müssten. Jedenfalls, wenn diese Entwicklungstendenz stimmt, dann wäre dies der Anfang vom Zerfall der zivilen Gesellschaft. Begriffe wie zivile Courage könnten zur geschichtlichen Historie verkommen. Jedoch sind wir davon mit Sicherheit momentan glücklicherweise noch weit entfernt. Und trotzdem ist einerseits Vorsicht bzw. Beobachtung und anderseits Kritik durchaus berechtigt. Hierbei könnte man noch einen Schritt weiter gehen und sich die Frage stellen ob uns kontinentaler ziviler Ehrenkodex in Bedrängnis gerät?

Ein weiterer Aspekt ist wohl auch die Entwicklung der Krisenverlierer. Dadurch geraten diese Personen in die Fänge von rechtsradikalen Parteien und diese würde ich eher als antiklerikal bezeichnen. Dies würde zum Anschein bringen, dass eine solche Entwicklungstendenz für die kirchlichen Institutionen nicht förderlich wäre. Meiner Meinung nach, würde dieser Trend langfristig dazu führen, dass auch das Ehrenamt in der katholischen Kirche schwinden könnte.

[...]


1 Vgl. Badelt (2013) S. 58 f

2 Vgl. Badelt (2013) S. 58 f

3 Vgl. Badelt (2013) S. 9 ff

4 Vgl. Akkaya (2013) S. 59 ff

5 Vgl. Badelt (2013) S. 290 ff.

6 Vgl. Habermas (1971) S. 172 ff

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Die römisch-katholische Kirche als Non-Profit-Organisation
Untertitel
Die aktuelle und künftige Rolle der Zivilgesellschaft im Zusammenspiel mit dem öffentlichen Sektor
Hochschule
Fachhochschule des bfi Wien GmbH  (Management)
Veranstaltung
Seminar Public Management & Nonprofit-Organisation
Note
Befriedigend
Autor
Jahr
2014
Seiten
11
Katalognummer
V338032
ISBN (eBook)
9783668274709
ISBN (Buch)
9783668274716
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kirche, Katholische Kirche, NPO, Nonprofit Organisation, NPOs, Public Management, Bade, Badelt, Habermas, Beck, Akk, Akkaya, Zivilgesellschaft, Zukunft, Millner, FH, Fachhochschule, BFI, Non-Profit-Organisation
Arbeit zitieren
Thomas F. Eisenhut (Autor), 2014, Die römisch-katholische Kirche als Non-Profit-Organisation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/338032

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die römisch-katholische Kirche als Non-Profit-Organisation


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden