Die amerikanische Riot Grrrl Bewegung wurde inspiriert von Punk, von DIY (Do It Yourself) und anti-kapitalistischen, anti-rassistischen Ideologien, während sie gleichzeitig die Wiederholung der patriarchalen und sexistischen Strukturen innerhalb der Szene gänzlich ablehnen und kritisieren. Es gab schon vor den Riot Grrrls viele Frauen im Rock- Musik Geschäft, auch viele, welche die traditionelle Frauenrolle herausgefordert haben, wie z. B. Pattie Smith, Bonnie Raitt usw. Auch in anderen Musik Szenen haben Frauen sich für Frauen und ihre Rechte stark gemacht, aber darum soll es hier nicht gehen.
Die meisten der Riot Grrrls waren und sind Mädchen im Alter von 15 bis 25 Jahren, was sie zu einer von jugendlichem Aktivismus und Jugendkultur geprägten Bewegung macht. Für viele Außenstehende, insbesondere die Medien, war Riot Grrrl nicht mehr als ein neuer Trend für Mädchen. Sie wurden von Anfang an dargestellt als jugendliche Rebellen, Protagonisten einer vorübergehenden bzw. weiterentwickelten Subkultur der Punk Bewegung, als Modeerscheinung. Entsprechend wurden sie auch vermarktet. Die Öffentlichkeit hat ständig versucht sie zu definieren, sie einzuschätzen und damit festzulegen. Die Bewegung selbst definiert sich über Widersprüche. Ihrer Ansicht nach, ist das Leben an sich und insbesondere als Mädchen / Frau ein Widerspruch in sich und somit nicht definierbar. Zudem befinden sie sich in einer Phase ihres Lebens, der Adoleszenz, in der sie sich stetig verändern, weshalb sie ablehnen sich in Strukturen oder Kategorien festlegen zu lassen.
Sie leben in einer Gesellschaft geprägt von sozialen, sowie politischen Veränderungen und mehr als hundert Jahren Frauenbewegung. Sie wuchsen auf zu George Bushs und Ronald Reagans konservativer, republikanischer Regierungszeit. Eine Zeit, in welcher Frauen als gleichgestellt bezeichnet werden, in der Feminismus als nicht mehr zeitgemäß eingestuft wird. In einer Ära, gemeinhin bezeichnet als Postfeminismus. Ich werde deshalb im ersten Teil der Arbeit Aspekte der amerikanischen Frauenbewegung darstellen. Ich werde für mein Hauptthema relevante Schwerpunkte und politisch oder gesellschaftlich veranlassten Veränderungen erörtern und anhand dieser deutlich machen, weshalb Feminismus nie aufgehört und die Frauenbewegung nie an Notwendigkeit verloren hat. Des Weiteren wird hier deutlich werden, in welchem Kontext die Mitglieder der Riot Grrrl Bewegung aufgewachsen sind.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1. Einleitung
2. Eine neue Stimme, aber eine alte Bewegung – Frauenbewegung USA
2.1. Erste Welle Feminismus
2.1.1 Wie alles begann
2.1.2 Die Ziele
2.1.3 Die Welle läuft aus
2.2. Zweite Welle Feminismus
2.2.1 Eine neue Welle
2.2.2 Die Ziele der Bewegung
2.2.3 Die Welle läuft aus
2.3. Dritte Welle Feminismus
2.3.1 Begriffsklärung: Postfeminismus oder Dritte Welle
2.3.2 Was ist die dritte Welle?
2.3.3 Gemeinsamkeiten mit vorherigen Wellen
2.3.4 Unterschiede zu vorherigen Wellen
2.3.5 Wie geht es weiter?
3. Revolution, Grrrl-Style, Now!
3.1. Ursprung
3.2. Starting the Riot
3.3 Ebenen der Revolution
3.3.1 Musik
3.3.2 Fanzines
3.3.3 Internet
3.3.4 Filme
3.3.5 Ladyfest
3.3.6 Institutionen
3.4 Ziele der Bewegung
3.5 Kommerzialisierung
3.5.1 Reaktion der Medien: she-devil
3.5.2 Vermarktung – Girl Power, vom Schlagwort zum Trend
3.6 Transformation
3.6.1 Entering the real world
3.6.2 Erwachsen Werden – Das Ende der Bewegung?
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht, ob die Riot Grrrl-Bewegung lediglich ein flüchtiger Modetrend der 1990er Jahre war oder als eine ernstzunehmende, eigenständige Ausprägung der dritten Welle des US-amerikanischen Feminismus zu klassifizieren ist. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Identität, den Aktivismus und die politische Relevanz der Bewegung.
- Historische Einordnung der US-amerikanischen Frauenbewegung (erste bis dritte Welle).
- Analyse der subkulturellen Wurzeln von Riot Grrrl im Punk-Rock und DIY-Ethos.
- Untersuchung der Rolle von Medien, Fanzines und Internet als politische Werkzeuge.
- Kritische Betrachtung von Kommerzialisierungsprozessen und Transformationsphasen der Bewegung.
Auszug aus dem Buch
3.1 Ursprung
“Something was happening in our Community, we realized how important the whole punk you-can-do-anything idea was for women.”
- Kathleen Hanna
Riot Grrrl hat Aspekte der Punk Szene adaptiert, mit Feminismus kombiniert und zu einem effektiven Instrument im Kampf gegen Unterdrückung gemacht. Hätten sie aber die entsprechenden Grundlagen hierfür nicht gehabt, hätte es bestimmte Entwicklungen nicht gegeben, die ihnen den Weg geebnet haben, so wäre die Riot Grrrl Bewegung nie entstanden.
„Do It Yourself“ (DIY) war die Philosophie der Punk-Rock-Bewegung in den 1970er Jahren in Bezug auf Musik, Mode, Politik usw. Die Punk-Ästhetik wird als minimalistisch, amateurhaft und ungeschliffen beschrieben. Sie lehnen das kapitalistische System – den Mainstream – ab, somit organisierten und produzierten sich die Punks und ihre Musik selbst. Selten hatten sie Gelegenheit in öffentlichen Proberäumen zu proben, also trafen sie sich in Garagen und Kellerräumen. Öffentliche Auftritte wurden nicht gefördert, deshalb fanden diese in angeeigneten Räumen, wie besetzten Häusern o.ä. statt. Festivals wurden organisiert und somit Auftrittsmöglichkeiten geschaffen. Sie produzierten außerdem Fanzines (Fan-Zines / selbst produzierte [Maga]Zines – siehe S. 63 ff) in denen sie über Musik und Politik schrieben und welche sie benutzten um Informationen auszutauschen und sich gegenseitig über Konzerttermine, neue Platten usw. zu informieren.
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Einleitende Bemerkungen zur Motivation und zum Rahmen der Arbeit.
1. Einleitung: Darstellung der Riot Grrrl-Bewegung als durch Punk und DIY inspirierte, jedoch oft falsch interpretierte kulturelle Kraft.
2. Eine neue Stimme, aber eine alte Bewegung – Frauenbewegung USA: Umfassender historischer Abriss über die erste, zweite und dritte Welle des Feminismus in den USA.
3. Revolution, Grrrl-Style, Now!: Detaillierte Betrachtung der Riot Grrrl-Bewegung, ihrer Entstehung, Methoden und Auswirkungen.
4. Schlussbetrachtung: Synthese der Ergebnisse über die Bedeutung und Nachhaltigkeit der Riot Grrrl-Bewegung als Teil der feministischen Geschichte.
Schlüsselwörter
Riot Grrrl, Dritte Welle Feminismus, Punk-Rock, DIY-Ethik, Frauenbewegung, USA, Fanzines, Medienkritik, Girl Power, politische Partizipation, Empowerment, Identität, Subkultur, Patriarchat, Gender Order.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Riot Grrrl-Bewegung und der Frage, ob diese als kurzlebiger Modetrend oder als legitimer und bedeutsamer Teil der dritten Welle des Feminismus zu betrachten ist.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit deckt die Geschichte der US-amerikanischen Frauenbewegung ab, analysiert den Punk-Rock-Hintergrund der Riot Grrrls und untersucht deren spezifischen feministischen Aktivismus.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den Beitrag von Riot Grrrl zur feministischen Theorie und Praxis zu bestimmen und herauszuarbeiten, warum die Bewegung trotz ihrer subkulturellen Verankerung mehr als bloße Modeerscheinung ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, der Auswertung von Primärquellen wie Fanzines und Interviews sowie einer historischen Kontextualisierung sozialer Bewegungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Wellen des Feminismus und eine detaillierte Untersuchung der Riot Grrrls (Ursprung, Mediennutzung, Ziele, Kommerzialisierung, Transformation).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Riot Grrrl, Punk-Rock, DIY, dritte Welle Feminismus, Identitätspolitik, Empowerment und Medienkritik.
Welche Rolle spielt die Punk-Ideologie für Riot Grrrl?
Die DIY-Philosophie des Punks bot den Mädchen die notwendigen Strukturen, um unabhängig vom Mainstream eigene Musik zu produzieren und politische Netzwerke aufzubauen.
Warum gab es Spannungen zwischen der zweiten und dritten Welle?
Die Spannungen ergaben sich aus dem Wunsch der dritten Welle nach mehr Flexibilität und Individualität gegenüber den teilweise als starr empfundenen institutionellen Strukturen der zweiten Welle.
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- Tina Steffenmunsberg (Author), 2004, Riot Grrrl - Modetrend oder Teil der Dritten Welle der US amerikanischen Frauenbewegung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33807