Nalini Malanis "In search of vanished blood". Bewertung mit der Ästhetischen Theorie Adornos

Die fünf Momente moderner Kunst


Hausarbeit, 2014
15 Seiten, Note: 15
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 NALINI MALANI
2.1 EINFÜHRUNG IN DIE FÜNF MOMENTE MODERNER KUNST
2.1.1 LEBENSWELTLICHE SITUIERTHEIT
2.1.2 PARTIKULARITÄT
2.1.3 PROZESSUALITÄT
2.1.4 REFLEXIVITÄT
2.1.5 PARADOXIE

3 FAZIT

4 LITERATURVERZEICHNIS

5 ANHANG

1 Einleitung

„Was ist Kunst?“

„Warum Kunst?“

Fragen, für die keine exakten, zufriedenstellenden Definitionen existieren.

So wird Kunst zu einem kulturellen Tätigkeitsfeld, einer Ausdrucksmöglichkeit, einer Sprache, um Weltanschauungen, Gefühle, Emotionen, generell verdichtetes Leben in eine sprechende Form zu bringen.

Auch verstanden als eine Tätigkeit, basierend auf Wissen, Übung und jahrelanger Aneignung bis hin zur präzisen Beherrschung des Kunsthandwerks. In diesem Fall wird Kunst mit Können gleichgesetzt.

Dies sind ungenaue Beispiele, einer Annäherung an den Begriff „Kunst“ zu bieten. Durch die Einwirkung kontinuierlicher Neustrukturierungen auf gesellschaftlicher als auch persönlicher Ebene, unterliegt das Verständnis von Kunst einem ständigen Wandel, sodass keine allgemein geltenden Aussagen getroffen werden können. Es entsteht ein Gebilde aus ineinander übergreifenden Aspekten, Wechselwirkungen unter simultanen Widersprüchlichkeiten. Grundlegender Ausgangspunkt ist, neben der ästhetisch-gesellschaftlichen Maßgabe einer Zeit, die individuelle Bewertung und das persönliche Empfinden jedes Rezipienten. Hierbei muss die Botschaft des Künstlers nicht deckungsgleich mit der Betrachtungsweise des Wahrnehmenden sein. Folglich gibt es viele Herangehensweisen, um dem Kunstbegriff in seiner Essenz zu erfassen. Aufgeschlossenheit und eine mehr perspektivische Betrachtungsweise des Spektrums bilden hierfür die grundlegende Basis. Essentiell ist ohne Zweifel der eigene, persönliche Eindruck und die damit verbundene Wahrnehmung eines Werkes, um einen groben Zugang zur Thematik „Kunst“ erhalten zu können. Dies wird wiederum lediglich durch die direkte Nähe zum Kunstwerk realisiert. In der Regel kann nach kurzer Zeit beurteilt werden, ob das Objekt für den Rezipienten auf Anklang stößt. Um das Werk in seiner „gesamten“ Tragweite erfassen und verstehen zu können, bedarf es einer tieferen Auseinandersetzung mit eben genanntem. Dies gelingt jedoch nicht immer. Unterzieht man das Werk einer umfassenderen Analyse, so sind weitere Informationen unabdingbar. Informationen, welche sich nicht nur auf das Werk, sondern auch auf den Künstler und dessen Arbeit im Wesentlichen beziehen. Die Recherche kann folglich auf positive, wie auch negative Art und Weise Einfluss nehmen, auf das Bild, welches man sich im voraus gemacht hat. Ein seriöses Mittel im Zusammenhang mit der Deutung und dem Verständnis von Werken ist hierbei die Ästhetische Theorie Adornos, gegliedert in fünf Kategorien gliedert, auch als die „fünf Momente moderner Kunst“ bezeichnet. Im Laufe dieser Arbeit wird das Werk „In search of vanished blood“ von Nalini Malani mit Hilfe dieser Parameter analysiert und neu bewertet. Ausgangspunkt ist hierbei zunächst der erste, unmittelbare Eindruck des Werkes. In Anlehnung an das innerhalb der Recherche gewonnene Hintergrundwissen, wird das Kunstwerk infolgedessen schließlich in Bezug auf die Adornische Theorie systematisch ausgewertet. Dies soll eine Möglichkeit darstellen, dem Kern des Wesens des Kunstbegriffs, näher zu treten.

Kunst ist und bleibt damit ein viel diskutiertes und komplexes Phänomen. Tatsache ist, dass Kunst zwar in jedem Wörterbuch nachgeschlagen werden kann, nicht aber ausreichend erfasst wird. Damit einhergehend ist Kunst rein subjektiv fassbar und Kunst somit das, was jedes Individuum als Kunstwerk erachtet.

2 Nalini Malani - „In search of vanished blood“

Nalini Malani (*1946 in Karatchi) ist eine indische Künstlerin und damit eine der ein- flussreichsten zeitgenössischen Künstlerinnen ihres Landes. Seit den 60er Jahren ar- beitet sie als Künstlerin und wird häufig als Wegbereiterin der experimentellen Kunst in Indien bezeichnet. Mit ihren Werken vertritt sie einen klaren gesellschaftskritisch- feministischen Standpunkt, welcher die überlieferten Ikonografien und kulturellen Ste- reotypen infrage stellt und sich gegen religiösen Fundamentalismus und zerstöreri- schen Fortschrittswahn ausspricht. So reagiert sie beispielsweise in „Unity in Diversi- ty“ (2003) unmittelbar auf die Pogrome, Massenvergewaltigungen und den Terror ge- genüber Muslimen in Gujarat, 2002. Demzufolge versteht sie sich selbst als politische Künstlerin und ihre Arbeit als engagierte, politische Zeitzeugenschaft. Im Kontext der zunehmend schwierigen politischen Situation der frühen 1990er-Jahre gehörte sie zu den ersten Künstlern in Indien, die sich von dem traditionellen Tafelbild abwandten. Mittels Glasmalerei, Zeichnungen, Schattenspielen, Videos und Theaterstücken er- schafft Nalini vergängliche Wandzeichnungen. So verbergen sich hinter der leuchten- den Fassade ihrer Werke, meist grausame Thematiken und Kritik. Die miteinander ver- knüpfte, experimentelle Medienvielfalt ist eine Haupteigenschaften in Malinis Werken. Ihre Arbeiten thematisieren die Auseinandersetzung mit Gegenwart und Vergangen- heit, aber auch die künstlerische Suche nach den Impulsen, die den Einzelnen in sei - nem Handeln antreiben: Raserei, Mord, Schuld, Unvermögen, etc. Daneben widmet sich Nalini Malani sehr stark der Gewalt gegenüber Frauen, die in Indien viele Gesich- ter hat und durch grausame historische Ereignisse geprägt ist, wie beispielsweise in- nerhalb der Teilung Pakistans und Indiens. Diese Abspaltung hat für die Künstlerin große persönliche Bedeutung, da ihre Familie aus Karatchi fliehen musste. Neben den indischen Mythen, die Malani ganz selbstverständlich mit den griechischen verbindet, sind ihr auch die Texte von Berthold Brecht, Heiner Müller und Christa Wolf vertraut, die in ihre Auseinandersetzung mit Macht, Gender und Feminismus einfließen.1

„In search of vanished blood“ ist eine multimediale Installation von elf- minütiger Dauer und eines der aktuellsten Werke aus dem Jahre 2012.

2013 wurde das Werk auf der documenta in Kassel präsentiert.

Etwas abgelegen, in einem kleinen Videoraum drehen sich in der Mitte des Raumes fünf durchsichtige, rotierende Zylinder. Bunt bemalt mit symbolträchtigen Zeichnun- gen, wie indischen Gottheiten, Gebärden, Werkzeugen, Feuer, heiligen Kühe, Hunden und anderen Wesen. Das Licht der Projektoren wirft die sich drehenden Schatten der Inszenierung in den Raum, sodass sich die beiden Bildebenen zu einer hypnotischen Darbietung von Farben und Bewegung verdichten. Das gebetsmühlenartige Objekt wird auf virtuose Art mit Videosequenzen an den Wänden verknüpft. Ein meditatives Summen, ein schriller Schrei, splitterndes Glas,Worte und Musik füllen den Raum.

Beim Betreten des Szenarios entsteht zunächst ein Gefühl von Faszination und meditativer Desorientierung, was durch das unerwartete Zusammenspiel dieser medialer Elemente realisiert wird. Dies ermöglicht zunächst den intuitiven Zugang zu dem Werk, was jedoch nicht von langer Dauer ist.2

Wie der Name des Werkes verrät, basiert die Arbeit inhaltlich auf dem Thema der Ge - walt und dem gleichnamigen Gedicht von Faiz Ahmed Faiz, welches mit Hilfe der Pro- jektoren an die Wand projiziert wird.3 Thematisiert wird damit die Teilung des ehema- ligen Britisch-Indiens und das damit einhergehende Blutvergießen zwischen den Völ- kern der Hindus und der Muslime. Aufgrund religiöser und ethnischer Auseinanderset- zungen wurden demnach zwischen dem 14. und 15. August 1947 zwei unabhängigen Staaten gegründet: Pakistan und Indien, was das Ende der britischen Kolonialherr- schaft auf dem indischen Subkontinenten markierte. In Pakistan war von da an der Großteil der Bevölkerung Muslime, so dass viele Nicht-Muslime nach Indien übersie- deln wollten. Im Verlauf des Teilungsprozesses kam es in den Grenzregionen zu bür- gerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen, die zum Tod von mehreren hunderttausend Menschen führten. Etwa 20 Millionen Menschen wurden im Zuge der Aufteilung Bri- tisch Indiens deportiert, vertrieben oder umgesiedelt.

Plötzlich schwinden die rhythmischen Töne, es ertönt eine verzerrte Frauenstimme - die Stimme von Nalini Malani, die Christa Wolfs "Kassandra" zitiert. Es entsteht ein Raum der Verwirrung.

"This is Kassandra speaking. In the heart of darkness [ … ] under the sun of torture [ … ] to the capitals of the world [ … ] in the name of the victims. I eject all the sperm I have received. I turn the milk of my breasts into poison. I take back the world, I gave birth to [ … ] I bury it in my womb". 5

[...]


1 Vgl. http://www.hatjecantz.de/nalini-malani-5094-0.html

2 Persönlicher Besuch der documenta (Kassel, 2013)

3 Siehe Anhang (Vgl. http://www1.umn.edu/humanrts/edumat/IHRIP/circle/GC3A.HTM)

5 Vgl. http://www.youtube.com/watch?v=ad3XibuIlS0

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Nalini Malanis "In search of vanished blood". Bewertung mit der Ästhetischen Theorie Adornos
Untertitel
Die fünf Momente moderner Kunst
Note
15
Jahr
2014
Seiten
15
Katalognummer
V338093
ISBN (eBook)
9783668277298
ISBN (Buch)
9783668277304
Dateigröße
3683 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kunst Nalini Malani Hausarbeit Adorno fünf Momente Kunstverständnis
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Nalini Malanis "In search of vanished blood". Bewertung mit der Ästhetischen Theorie Adornos, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/338093

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