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Totenfotografie. Grenzen eines Mediums?

Titel: Totenfotografie. Grenzen eines Mediums?

Hausarbeit , 2015 , 18 Seiten , Note: 14

Autor:in: Anonym (Autor:in)

Kunst - Allgemeines, Kunsttheorie
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Entdeckung der Fotografie im 19. Jahrhundert bereichert den Menschen mit nie dagewesenen Möglichkeiten. Die Hoffnung mit Hilfe der Kamera auf die Beweisbarkeit von Seele, Ewigkeit und Paranormalitäten, wie beispielsweise Geistern zu stoßen ist zu Beginn groß. Auch die Überwindung des Todes mittels Technik, lässt den Fotoapparat zu einem übersinnlichen Nimbus und den Fotografen zum Geisterbeschwörer aufschwingen. Mit der Erzeugung von Illusion widmet sich die Fotografie der Frage nach der Wirklichkeit. Wie verschwommen hier die Grenzen zur Imagination sind, wird beim Anblick von Totenfotografie deutlich.

In meiner Arbeit widme ich mich der verschlungenen Beziehung zwischen dem Reich der Toten und jenem der Fotografie. Die Fotografie vereint Präsenz und Absenz eines Objektes oder Ereignisses zugleich. Sie löst damit die Grenzen zwischen der körperlichen Anwesenheit der Dinge und ihrer medial vermittelten Abbildung und überführt das Gewesene in eine Art Zwischenwelt. Dieser Zwischenwelt möchte ich mich zuwenden, die Grenzen der Fotografie erforschend. Im Mittelpunkt meiner Anschauung steht die sogenannte Totenfotografie, welche von 1840-1870 unter sozialem Gebrauch ihre Einbindung in den gesellschaftlichen Alltag fand. Das damit verknüpfte paradoxe Gefüge, das während des Wahrnehmungsvollzugs eines solchen Totenbildnisses entsteht, lässt den Betrachter an seine Grenzen stoßen und stellt die Wirklichkeit auf die Probe.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Tödliche Bildwerdung

3. Fotografische Reanimation

3.1 Arten der Verlebendigung

3.1.1 Porträtierte und Auftragsgeber

3.1.2 Leichentoilette

3.1.3 Inszenierung und Komposition

3.1.4 „sleeping beauty“: Zwischen ewigem Schlaf und ewigem Leben

4. Im Bann der Leiche

5. Rückgang der Totenfotografie

6. Schlusswort

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die komplexe und oft paradoxe Beziehung zwischen Fotografie und Tod, wobei der Fokus auf der Praxis der Totenfotografie im 19. Jahrhundert liegt. Ziel ist es zu analysieren, wie das Medium Fotografie als Instrument der Erinnerungskultur genutzt wurde, um den Verstorbenen "reanimiert" im Bild zu bewahren und welche Wahrnehmungskrisen dieses Vorgehen beim Betrachter auslöst.

  • Die gesellschaftliche Funktion der Totenfotografie im 19. Jahrhundert.
  • Methoden der Leichenvorbereitung und fotografischen Inszenierung zur Erzeugung von Lebendigkeit.
  • Das "Leichenparadoxon" als Herausforderung für die menschliche Wahrnehmung zwischen An- und Abwesenheit.
  • Die historische Entwicklung vom florierenden Totenkult hin zur zunehmenden Tabuisierung nach den Weltkriegen.
  • Die Fotografie als Mediator zwischen der sinnlichen Realität und einer übersinnlichen Zwischenwelt.

Auszug aus dem Buch

3.1.2 Die Leichentoilette

Der Lebende ist in Fragen der Darstellung und Gestaltung das große Vorbild für den lebenden Toten.

Trotz großer Popularität des fotografischen Totenritus, existieren keine konkreten Handbücher oder bekannten Aufzeichnungen in diesem Zusammenhang. Fündig wird man dennoch: Und zwar in der Gerichtsmedizin. Wie man Leichen erneut herrichtet zum Zwecke der Identifizierung, wird besonders in der Forensik behandelt. Diesbezügliche Fachbücher informieren über den richtigen Umgang mit Körperstarre, die Rekonstruktion verletzter beziehungsweise stark beschädigter Bereiche sowie die Behandlung der Gesichtsoberfläche und Möglichkeiten zur Belebung der Augen. Zur „Photographie im Dienste der gerichtlichen Medizin“ verfasste der Hamburger Gerichtsarzt Karl Reuter 1914 einen Beitrag im Handbuch für „Gerichtsärztliche und polizeiliche Technik“. Folgendes wird im Umgang mit dem Toten empfohlen:

Vorerst solle man die Leiche von Blut, Kot, „Schmutzflecken und Besudelungen“ aller Art säubern. Um einen herabhängenden Kiefer und damit unschön entstellte Gesichtszüge in den Griff zu bekommen, müsse dieser direkt im Anschluss mit einer Seidenschlinge befestigt werden. Wichtig sei hierbei der angemessene Gesichtsausdruck, welchen es wiederherzustellen gelte, da besonders das Gesicht zentraler Bezugspunkt und Indikator für menschliches Befinden auf Fotos sei.

Nachdem der Kiefer mittels Einwirkung der Körperstarre in die richtige Pose gerückt worden ist, ist der Körper an der Reihe. Das künstliche Brechen der Totenstarre, welche normalerweise nach ein bis zwei Stunden zunächst die Augen, nach zwei bis vier Stunden Kiefer und kleine Gelenken, und zwölf Stunden nach Todeseintritt schließlich den gesamten Körper einnimmt, ist durch leichtes Beugen und Dehnen der Gelenke möglich.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Faszination des 19. Jahrhunderts für die Fotografie als Mittel zur Beweisbarkeit von Seele und Ewigkeit ein und definiert das Forschungsfeld der Totenfotografie.

2. Tödliche Bildwerdung: Dieses Kapitel untersucht die ambivalente Natur des fotografischen Akts, der sowohl konserviert als auch tötet, und beleuchtet die Distanzschaffung zwischen dem Subjekt und dem fotografischen Abbild.

3. Fotografische Reanimation: Hier werden die handwerklichen und künstlerischen Verfahren beleuchtet, die angewandt wurden, um Leichen im fotografischen Bild den Anschein von Lebendigkeit und Normalität zu verleihen.

4. Im Bann der Leiche: Dieses Kapitel thematisiert die Wahrnehmungskrise des Betrachters bei der Konfrontation mit Totenbildnissen, die das Paradoxon von Anwesenheit und Abwesenheit deutlich macht.

5. Rückgang der Totenfotografie: Diese Analyse beschreibt den historischen Wandel der Bestattungskultur und die zunehmende Tabuisierung von Bildern des Todes im 20. Jahrhundert.

6. Schlusswort: Das Schlusswort resümiert die Unfähigkeit des Mediums Fotografie, die prinzipielle Unfassbarkeit des Todes zu überbrücken, und verortet die Arbeit als Auseinandersetzung mit menschlichen Grenzen.

Schlüsselwörter

Totenfotografie, Erinnerungskultur, Leichenparadoxon, Fotogeschichte, Memento Mori, Postmortem-Porträt, Reanimation, Wahrnehmungskrise, Inszenierung, Leichentoilette, Roland Barthes, Sterbekultur, Identität, Bildbearbeitung, Medientheorie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der kulturellen Praxis der Totenfotografie im 19. Jahrhundert und untersucht, wie dieses Medium genutzt wurde, um den Tod gesellschaftlich zu verarbeiten.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?

Im Zentrum stehen die Interaktion zwischen Tod und Fotografie, die historischen Inszenierungspraktiken sowie die psychologische Wirkung auf den Betrachter.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es, das Paradoxon der "fotografischen Reanimation" zu entschlüsseln und aufzuzeigen, wie Fotografie als Instrument der Grenzerfahrung zwischen Leben und Tod fungiert.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?

Die Arbeit nutzt medientheoretische Analysen, kunsthistorische Betrachtungen von Bildquellen sowie eine Untersuchung des historischen sozialen Gebrauchskontexts von Fotografie.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der "tödlichen Bildwerdung", die technischen Details der Leichentoilette und Inszenierung sowie den historischen Rückgang dieser Praktiken.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Totenfotografie, Erinnerungskultur, Leichenparadoxon, Postmortem-Porträt und die mediale Konstruktion von Unsterblichkeit.

Warum wurde im 19. Jahrhundert so viel Aufwand in die "Leichentoilette" investiert?

Da das Gesicht als zentraler Indikator für menschliches Befinden galt, war die Wiederherstellung eines "lebendigen" Ausdrucks essenziell, um das Foto als authentisches Erinnerungsstück an das verstorbene Familienmitglied zu legitimieren.

Weshalb verschwand die Tradition der Totenfotografie nach den Weltkriegen?

Nach den Kriegen änderte sich das gesellschaftliche Verständnis von Tod; er wurde primär mit Leid und Krieg assoziiert, was zu einer Tabuisierung führte, die das öffentliche Zeigen von Totenbildern fast vollständig verdrängte.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Totenfotografie. Grenzen eines Mediums?
Note
14
Autor
Anonym (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2015
Seiten
18
Katalognummer
V338096
ISBN (eBook)
9783668320109
ISBN (Buch)
9783668320116
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Totenfotografie Fotografie Roland Barthes Grenzen Medium Kamera Leiche Tradition Leib Seele
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anonym (Autor:in), 2015, Totenfotografie. Grenzen eines Mediums?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/338096
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Leseprobe aus  18  Seiten
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