Die Theodizeefrage. Widerspricht die Existenz des Übels in der Welt der Güte Gottes?

Gottfried Leibniz und die Frage nach der Leidbewältigung unter Berücksichtigung des Buches Hiob


Facharbeit (Schule), 2014

11 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 „Theodizee“ - der Begriff und die philosophische Beschäftigung

2 Gottfried Wilhelm Freiherr von Leibniz: Die Person und ihr Werk, „Die beste aller Welten“ → Leibniz Antwort auf die Theodizeefrage

3 Was sagt das Buch Hiob zur Leidbewältigung?

4 Epikur: „Handelt es sich hier nicht um ein praktisches Problem?“ → Hilft Leibniz bei der Leidbewältigung oder Leidreduzierung?

5 Anhang 1: Leben und Werk Leibniz

1 „Theodizee“ - der Begriff und die philosophische Beschäftigung

Der Begriff „Theodizee“ geht auf den Philosophen Gottfried Wilhelm Freiherr von Leibniz zurück[1]. Dieser hat den Begriff 1697 für „die philosophische Beschäftigung mit dem Problem des Übels“ geprägt. Er setzt sich aus den griechischen Wörtern „theos“ (~Gott) und „dike“ (~Gerechtigkeit / Rechtfertigung) zusammen.

Befasst haben sich die Menschen damit allerdings bereits lange Zeit vor Leibniz. Der Erste, der das Problem und die Frage formuliert hat (nachdem die „vorsokratische“ Philosophie sich mit den Ansätzen wie dem Hass befasst hat (vgl. Empedokles von Akragas zu „neikos“ (~Hass) und die Stoiker und Epikureer zu „Ethik der Leidvermeidung“), war Platon mit der Frage „Si deus est, unde malum?“ (~Falls es einen Gott gibt, woher kommt dann das Übel?).

Epikur dagegen hat die Frage formuliert: „Ist es überhaupt sinnvoll, so zu fragen? Handelt es sich hier [...] nicht um ein praktisches Problem [...] der Leidbewältigung?“[2]

Die Theodizeefrage wird heute folgendermaßen formuliert:

Es gibt Leid und Gott ist allmächtig und gütig. Also entweder

→ will Gott helfen weil er gütig ist, kann es aber nicht und ist somit nicht allmächtig,
→ kann Gott helfen weil er allmächtig ist, will es aber nicht und ist somit nicht gütig, oder
→ Gott will nicht helfen und kann es nicht, ist also weder allmächtig noch gütig.

Im Folgenden wird Leibniz Antwort auf die Theodizeefrage erläutert. Ein Blick auf das Buch Hiob und ein Vergleich werden dabei helfen, ebenfalls auf die genannte Frage von Epikur einzugehen und zu klären, ob Leibniz Ansichten helfen, Leid zu bewältigen oder zu reduzieren.

2 Gottfried Wilhelm Freiherr von Leibniz Die Person und ihr Werk, „Die beste aller Welten“ → Leibniz Antwort auf die Theodizeefrage

Leibniz lebte von 1646 – 1716. Er wurde in Leipzig geboren, wo er auch aufwuchs und Philosophie und Rechtswissenschaft studierte. Nach dem Studium gelangte er als Berater des Mainzer Kurfürsten in die Politik, wodurch er sich vier Jahre in Paris aufhielt. Dort konnte er sein Wissen über das Studium in Deutschland hinaus erweitern. Er galt als Universalgelehrter.

Neben seinen philosophischen und theologischen Schriften befasste sich Leibniz zum Beispiel auch mit der Mathematik. Er ist der Entwickler der Differential- und Integralrechnung und Erfinder einer damals neuartigen „Rechenmaschine“. Darüber hinaus wirkte er an der Entwicklung des binären Zahlensystems mit.

Leibniz hat bedeutende Erkenntnisse in der Sprachwissenschaft und der Physik hervorgebracht.

Wahrscheinlich interessanter für diese Arbeit ist zum Beispiel, dass Leibniz die protestantische Kirche mit der katholischen Kirche vereinigen wollte und er großes Interesse an anderen Kulturen und Religionen hatte.

Dieses Kurzportrait von Leibniz und seinen Themenbereichen sollte man im Hinterkopf behalten, auch wenn man sich mit ihm und der Theodizee befasst, denn zur persönlichen Beurteilung seiner Ansichten hilft es wahrscheinlich zu wissen, dass er sowohl ein sehr bedeutender und einflussreicher Mann seiner Zeit gewesen ist und sein Weltbild eher wissenschaftlich geprägt war.[3]

Während Leibniz den Begriff Theodizee erstmals in einem Brief an A. Magliabechi vom 20./30. September 1697 nennt, ist sein wohl relevantestes Werk in Bezug auf seine Antwort auf die Theodizee „Essais de Théodicée sur la bonté de Dieu, la liberté de l'homme et l'origine du mal“ (~“Ein Versuch an der Theodizee über die Güte Gottes, die Freiheit des Menschen und den Ursprung des Bösen“) 1970 entstanden. In ihm beschreibt Leibniz unsere Welt als „die beste aller möglichen Welten“, weshalb „die Existenz des Übels in der Welt nicht der Güte Gottes widerspreche“[4].

Dies bedarf hier sicherlich einer Erläuterung:

Leibniz geht von dem christlichen Gottesglauben aus. Demnach ist Gott

1. „allmächtig und gut (omnipotens et bonus),
2. das höchste und beste Gut (summum et optimum bonum) und
3. vom guten Gott kann nur Gutes stammen“[5], denn er tut nichts, ohne der höchsten Vernunft gemäß zu handeln.

Dass die Welt, in der wir leben als „die beste“ bezeichnet werden kann, lässt sich durch den dritten Punkt begründen. Gäbe es kein Optimum aller möglichen Arten, auf die Gott die Welt hätte erschaffen können, hätte er es auch nicht getan.

Dennoch gibt es offensichtlich Leid auf der Welt, obwohl es „die beste aller Welten“ ist. Dies kann man nach Leibniz allerdings so betrachten, dass ein geringeres Übel immernoch eine Art Gut ist.

Unter „Welt“ wird nicht nur unsere Erde, sondern der ganze Raum unseres Daseins verstanden. Leibniz sagt, man könne es am ehesten mit „Universum“ beschreiben.[6] Außerdem bringt er noch den zeitlichen Aspekt mit herein, die Welt sei „die Gesamtfolge“ aller Dinge. Somit ist das [momentane] Leid eines einzelnen im Vergleich zur gesamten Geschichte nur ein verschwindend kleiner Moment, der letztendlich nichts über den Umfang des Leids in der „Welt“ aussagen kann [Hier dringt die bereits genannte wissenschaftliche Weltanschauung von Leibniz durch].

Ein weiterer Aspekt ist der, dass Leibniz das Übel in physisches, metaphysisches und moralisches Übel unterteilt.

3 Was sagt das Buch Hiob zur Leidbewältigung?

Neben zahlreichen Antworten auf die Theodizeefrage von Philosophen und Theologen ist das wohl beste oder bekannteste Beispiel[7] für eine Behandlung der Theodizee in der Bibel das Buch Hiob[8]. Es setzt sich mit dem Leid oder Übel auf der Welt anhand des Beispiels Hiob sowie der Gerechtigkeit Gottes beziehungsweise der „warum-Frage“ auseinander.

Im Kern geht es dabei um den Tun-Ergehen-Zusammenhang (do-ut-des), der besagt, dass gutes Verhalten (nach Gottes Geboten) belohnt und schlechtes Verhalten bestraft wird.

Hiob, den man als Protagonisten des Buches bezeichnen kann, wird als „unbescholtener und gottesfürchtiger Mann“ beschrieben[9]. Bis hier kann der do-ut-des Zusammenhang auch bestätigt werden, denn Hiob ist wohlhabend und hat viele Kinder.

Nun kommt der Teufel ins Spiel: Er sagt zu Gott, die Menschen würden nur aus Eigennutz an ihn glauben und sobald es ihnen mal nicht mehr gut geht, würden sie von ihrem Glauben abkommen[10]. Daraufhin erhält er die Erlaubnis, Hiobs Glauben auf die Probe zu stellen, sein Leben jedoch nicht anzutasten. Durch diese Vereinbarung kommt es dazu, dass Hiob zum Beispiel seinen gesamten Besitz verliert und sogar aussätzig wird. An diesem Punkt sagt seine Frau, er solle von Gott ablassen.

Dies wäre wahrscheinlich auch eine Option für einige Leser des Buches, doch Hiob bleibt bei seinem Glauben. Im Buch folgen nun die Reden von Hiobs Freunden, die wieder verschiedene Sichtweisen haben. Am stärksten macht Elifas auf den do-ut-des Zusammenhang aufmerksam[11], er ist also der Ansicht, Hiob müsse gesündigt haben. Dennoch rät er ihm, weiter gläubig zu bleiben und sagt, Hiob habe nicht das Recht, sich zu beschweren[12].

[...]


[1] Friedrich Verlag GmbH, Theodizee, Entwurf 1, 2012

[2] W. Schüßler und C. Görgen, Gott und die Frage nach dem Bösen, Berlin 2011, S. 14

[3] Vgl.: http://www.nlb-hannover.de/Leibniz/Leibnizarchiv/Leben_und_Werk/ (Abdruck am Ende der Arbeit)

[4] Friedrich Verlag GmbH, Theodizee, Entwurf 1, 2012

[5] Augustinus, Confessiones I, III, IV, VII

[6] Friedrich Verlag GmbH, Theodizee, Entwurf 1, 2012

[7] Siehe z.B. Hubertus Schönemann, Der untreue Gott und sein treues Volk, Göttingen 2009, S. 377 oder Hans-Albrecht Pflästerer, Gottes tolle Typen - Hiob, aus EinFach Deutsch, Hiob, Schöning 2012, S.21

[8] An anderer Stelle auch Ijob genannt

[9] Vgl. Hiob 1, 1b

[10] Vgl. Hiob 1, 9b und 11 und Hiob 2, 3

[11] Vgl. Hiob 4, 7-9

[12] Vgl. Hiob 4, 17

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Die Theodizeefrage. Widerspricht die Existenz des Übels in der Welt der Güte Gottes?
Untertitel
Gottfried Leibniz und die Frage nach der Leidbewältigung unter Berücksichtigung des Buches Hiob
Veranstaltung
Grundkurs Evangelische Religion
Note
1
Autor
Jahr
2014
Seiten
11
Katalognummer
V338099
ISBN (eBook)
9783668275331
ISBN (Buch)
9783668275348
Dateigröße
650 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
theodizeefrage, widerspricht, existenz, übels, welt, güte, gottes, ansichten, gottfried, leibniz, frage, leidbewältigung, berücksichtigung, buches, hiob
Arbeit zitieren
Alexander Minor (Autor), 2014, Die Theodizeefrage. Widerspricht die Existenz des Übels in der Welt der Güte Gottes?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/338099

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