Belastung und Regeneration im Jugendleistungssport Fußball. Belastungsfaktoren und Regenerationsmaßnahmen


Hausarbeit, 2015
27 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Belastungsfaktoren
2.1 Physische Belastungsfaktoren
2.1.1 Training
2.1.2 Wettkampf
2.1.3 Verletzungen
2.1.4 Infekte
2.2 Psychischie Belastungsfaktoren
2.2.1 Leistungsdruck
2.2.2 Kompetenzerwartung
2.2.3 Misserfolg
2.2.4 Organisatorische Bedingungen
2.3 Soziale Belastungsfaktoren
2.3.1 Eltern
2.3.2 Schule
2.3.3 Mannschaft

3. Regenerationsmaßnahmen
3.1 Physische Belastung
3.1.1 Kältetherapie
3.1.2 Regeneratives Training
3.1.3 Massage
3.2 Psychische Belastung
3.2.1 Mentales Training
3.2.2 Regeneratives Training
3.2.3 Emotionaler Ausgleich
3.3 Soziale Belastung

4. Konklusion

Literaturverzeichnis

1.Einleitung

„Regeneration ist die Bezeichnung für den Vorgang der Wiederherstellung der körperlichen, geistigen und seelischen Leistungsfähigkeit nach psychophysischer Anstrengung“[1]

Anhand dieser Definition lässt sich Regeneration grob umschreiben.

Der größte Parameter für die Steigerung der Leistungsfähigkeit eines Sportlers ist sein Training. Entsprechend den Bewegungen und Aktionsmustern sind die häufigsten Verletzungen bei Profifußballern Muskelprellungen und Distorsionen der Gelenke. Die Zeit der Regeneration wird häufig als zu kurz erachtet.[2] Eine Verletzung stellt somit oftmals eine Trainingspause und den Rückgang der Leistungsfähigkeit dar. Um dies zu verhindern gilt es das Thema Regeneration ganzheitlich zu betrachten.

Die Fragestellung ist also, welche Belastungen im Juniorenleistungsfussball vorliegen und durch welche Maßnahmen eine optimale Regeneration gewährleistet werden kann.

Dazu sollen in dieser Arbeit zu Beginn die unterschiedlichen Belastungsfaktoren der jungen Athleten herausgestellt und beschrieben werden. Hier gilt es zu beachten, dass nicht nur die physische Belastung eine Rolle spielt, sondern bei 4-12 Trainingseinheiten pro Woche, Schule, evtl Internatsleben ein deutlich komplexerer und teilweise höherer Belastungsumfang auf die Jugendspieler zukommt als es bei Profisportlern der Fall ist.

Die besondere Wichtigkeit dieses Themas soll durch die Überzeugung des Verfassers bekräftigt werden, dass im Profisport ein hoher zeitlicher und finanzieller Aufwand in regenerative Maßnahmen betrieben wird und im Vergleich dazu im Juniorenleistungssport dieser Aspekt meist unterschätzt oder gar nicht beachtet wird.

Wenn ein Mensch eine Leistung erbringt, zeigen individuelle Reaktionen die physische Beanspruchung bzw. psychische Anstrengung an. Beide hängen maßgeblich von der jeweiligen Leistungsfähigkeit ab.[3] Die Regeneration muss mit der Unterstützung von diagnostischen Verfahren immer an den einzelnen Athleten seiner individuellen Belastbarkeit angepasst sein. Diese Arbeit beschäftigt sich allerdings nur mit den zu Grunde liegenden Belastungsfaktoren und allgemeinen Ansätzen zur Regeneration.

2. Belastungsfaktoren

Quelle: Eigene Darstellung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Belastungsfaktoren im Juniorenleistungsfussball sind grundlegend in drei Teilbereiche zu trennen. Die Physischen-,Psychischen- und Sozialen Belastungsfaktoren.

Diese wirken sich auf das Belastungsniveau des Athleten aus, welches durch die individuelle Belastbarkeit jedes einzelnen Spielers bestimmt wird.

„Englische Wochen? Einmal schön durchschlafen und jeder kann wieder rennen!“[4] trifft den heutigen Stand der Wissenschaft nichtmehr, da durch die organisatorischen Strukturen und den Trainingsumfang des Hochleistungssports zur physischen Belastung auch die soziale und psychische Belastung deutlich zugenommen hat.

Die Regeneration der jungen Athleten muss also diesem neuen Belastungsprofil Rechnung tragen und dementsprechend nicht nur individuell angepasst sondern auch innerhalb dieser Bereiche unterschieden werden.

2.1 Physische Belastungsfaktoren

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung

Im physischen Belastungsbereich haben neben dem Wettkampf und Trainingsbetrieb auch Verletzungen und Infkete einen großen Einfluss auf die Belastung des Athleten.

Besonders nicht auskurierte Verletzungen führen zu einer höheren Belastung und damit unterschiedlichen Regenerationsbedürfnissen. Jede vierte Fußballerverletzung ist eine wiederkehrende Beschädigung aufgrund zu schnell gesteigerter Belastung[5]

Allein die Laufleistung während eines Spiels ist von durchschnittlich drei Kilometern bei der WM 1954 über sechs Kilometer in den 1970er Jahren auf heute etwa zwölf Kilometer gestiegen. Häufig wird argumentiert, dass veränderte Trainingsmethoden diese und andere Belastungen ausgleichen. Im Raum steht aber auch der Vorwurf, die Spieler würden Raubbau an ihrer Gesundheit betreiben.[6] Zudem nicht zu unterschätzen ist der Einfluss von Krankheiten. Besonders nicht auskurierte Infekte oder Allergien beeinflussen die Belastung des Athleten. Durch den hohen Ehrgeiz werden hier Beschwerden oftmals verschwiegen und durch unangepasste Belastung ein erhöhter Regenerationsbedarf notwendig.

2.1.1 Training

Als Belastungsfaktor mit der höchsten Dichte ist das Training zu sehen, welches imJugendleistungsfußball zwischen 4 und 8 Trainingseinheiten pro Woche umfasst.

Davon mindestens 4 Einheiten reines Mannschaftstraining a 90-120 Minuten.

Diese Trainingseinheiten sind in der Regel nicht an die individuelle Belastbarkeit der Athletenangepasst, sondern orientieren sich an der übergeordneten Zielsetzung sowie an denTeilzielen.[7]

Somit muss der junge Athlet im Training unterschiedliche Trainingsreize und Belastungenbewältigen und unabhängig von seinem eigenen Belastungsniveau verarbeiten.

2.1.2 Wettkampf

„Phasen mit intensiven Wettkampfbelastungen erfordern zur Regeneration des Organismus vollständige Erholungspausen.[8]

In der Wettkampfperiodisierung des Leistungsfußballs findet jede Woche mindestens eineWettkampfbelastung statt, sowie dazwischen 5-6 Tage Zeit zur Vorbereitung auf dieseBelastung.

Im Wettkampf selbst werden Laufdistanzen von 8,8-14,2km zurückgelegt.

Alle 4 bis 6 Sekunden vollzieht ein Spieler Bewegungs- bzw. Aktivitätsveränderungen. DasSpektrum kurzer Sprints in der Dauer von 2 bis 4 Sekunden reicht von 20 bis 40 Sprints.[9] Bei 90 bis 120 Minuten Spielzeit erklären diese Werte die hohe Belastungsintensität imWettkampf. Die Abbildung auf der nächsten Seite zeigt einen Ausschnitt des Wettkampf- undTrainingsplans einer Jugendleistungsmannschaft. Somit wird deutlich, dass es bei dieserForm der Periodisierung angepasster Regenerationsmethoden und einer besonderenDiagnostik bedarf.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Trainingsperiodisierung SSV Jahn Regensburg U16 Junioren

2.1.3 Verletzungen

„Es sollten bereits im Nachwuchsbereich Erkennungsmaßnahmen implementiert werden, um Bewegungsdefiziten während und Spätschäden nach der Karriere präventiv zu begegnen.[10]

Verletzungen stellen im Trainingsalltag eine stetige Einflussgröße auf die Belastbarkeit desAthleten und die Belastungsintensität des Trainings dar.

Trainiert ein Athlet beispielsweise unter Schmerzen oder auch nur leichten Defiziten imBewegungsapparat ist das Training beanspruchender als in optimaler körperlicherVerfassung. Zudem kann sich die biomechanische Ausführung der sportartspezifischenBewegungsmuster ändern, was gleichermaßen zu einem erhöhten Verletzungsrisko führenkann.Bleibt eine Verletzung im Trainingsalltag unerkannt oder unbehandelt, potenziert sichdie Belastungsintensität der Bewegungen stetig und führt unweigerlich zu schwerenFolgeverletzungen.[11]

2.1.4 Infekte

Der Zusammenhang zwischen sportlicher Belastung und einer kurzfristigen Anfälligkeit desImmunsystems stellt den Athleten vor eine weitere Herausforderung in derBelastungssteuerung und optimalen Regeneration.

In mehreren Studien(Peters,1983/Nieman,1989/König,2000) konnte ein klarerZusammenhang zwischen erhöhter sportlicher Aktivität und einem gesteigerten Risiko vonInfekten nachgewiesen werden.Nach erschöpfenden Belastungen im Training oderWettkampf sind Sportler somit für mehrere Tage anfällig für Infekte der oberen Luftwege.[12]

Zusätzlich zu der veränderten Belastbarkeit des Athleten nach Infekten besteht das Risikoauf Folgeerkrankungen besonders im Bereich des Herzmuskels.

Auch bei vermeintlich banalen Erkrankungen wie zum Beispiel Grippe oder Magen-DarmInfektionen kann auch der Herzmuskel in Mitleidenschaft gezogen sein.[13]

Ein weiterer Einflussfaktor auf die Belastbarkeit des Athleten stellt die dentale Gesundheitdar. Schlechte Mundhygiene, sowie Karies und Parodontose haben signifikanten Einfluss aufdie Leistungsfähigkeit und Trainierbarkeit von Kraftfähigkeiten junger Sportler.[14]

2.2 Psychischie Belastungsfaktoren

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung

Im Bereich der psychischen Belastungsfaktoren spielen der Leistungsdruck im Spitzensport, sowie die individuelle Kompetenzerwartung der Spieler eine übergeordnete Rolle.

Jedoch ebenfalls der Umgang mit Misserfolgen und die organisatorischen Bedingungen imUmfeld der Mannschaft und des Athleten könnenAuswirkungen auf das Belastungsniveaudes Athleten haben.Studien zum genauen Einfluss der psychischen Belastungsfaktoren auf Leistung oder Erholung von Leistungsfußballern im Juniorenbereich gibt es aktuell noch nicht. Im Männerbereich konnten einige Untersuchungen bereits Erkenntnisse aufzeigen.

Der Zusammenhang zwischen Kompetenzerwartung und psychischer Belastung eines Sportlers(EBERSPÄCHER, 2007) konnte bereits nachgewiesen werden.

Untersuchungen über den Zusammenhang von Stress,Leistungsdruck und einer körperlichenReaktion im Immunsystem(JUSTICE,1991), sowie der Einfluss von Erfolg undMisserfolg(MAHONHEY&AVENER, 1977) und der Stimmung(FILAIRE,LAC,PEQUIGNOT, 2003) konnten ebenfalls einige Forschungsergebnisse liefern.

2.2.1 Leistungsdruck

Bei Nachwuchssportlern, die in der Regel nicht dem Druck von Fans und Medien standhaltenmüssen und zudem auch kein, oder wenig Geld mit ihrem Sport verdienen, stellt sich dieFrage nach einer anderen Art des Leistungsdrucks als bei Berufsfußballern.

In den Mannschaften eines Nachwuchsleistungszentrums herrscht ein hoherKonkurrenzdruck um Einsätze und Stammplätze, wobei diejenigen auf der Strecke bleiben,denen eine Profikarriere nicht zugetraut wird.[15]

Ein junger Leistungsfußballer betreibt oftmals aus den Motiven der Anerkennung,Zielerreichung und des Zusammenseins seinen Sport. Die Anerkennung kommt imJuniorenalter nicht durch die Presse oder Fans, sondern in den meisten Fällen nur durch denTrainer. Die Zielerreichung kann oftmals durch Erreichen von Meisterschaften oder dasAufsteigen in die nächsthöhere Altersklasse erreicht werden, wobei das Motiv desZusammenseins durch die Akzeptanz in der Mannschaft erfüllt wird.

Im Juniorenleistungsfußball bleibt jedoch alles auf das Leistungsprinzip ausgerichtet,Teamfähigkeit, Sozialverhalten, Lernfähigkeit, Persönlichkeit oder Selbstbewusstsein werdennur am Rande betrachtet.[16]

[...]


[1] Hahn, Anxiety, Stress and Coping, 1992

[2] Yvonne Kollrack, Verletzungen im Profifussball, Dtsch.Ärzteblatt 2014; 111(22)

[3] Prof.Dr.med H.-V. Ulmer, Belastung und Beanspruchung, Sportphysiologie Universität Mainz

[4] Jürgen Sparwasser, ehemaliger DDR Nationalspieler & Fußballtrainer

[5] Prof.Dr.Ingo Froböse, Verletzungen im Profifussball, Dtsch.Ärzteblatt 2014; 111(22)

[6] Yvonne Kollrack, Verletzungen im Profifussball, Dtsch.Ärzteblatt 2014; 111(22)

[7] Dieter Steinhöfer, Athletiktraining im Sportspiel, 2008, S.56

[8] Gero Bisanz/Gunnar Gerisch, Kondition-Technik-Taktik&Coaching, 2008, S.61

[9] Dr.Franco Impellizzeri, Ph.D., Dokumentation DFB Wissenschaftskongress 2013,S.122

[10] Prof.Dr.med. Holger Schmitt, Dokumentation DFB Wissenschaftskongress 2013, S96

[11] Prof.Dr.med. Holger Schmitt, Dokumentation DFB Wissenschaftskongress 2013, S96

[12] Siebert/Breuer/Krüger/Miltner, Tipps&Tricks für den Sportmediziner, 2004, S.151

[13] Späte Folge von Infekten:Herzmuskelentzündung, HERZ Heute, Deutsche Herzstiftung, 3/2012, S.23

[14] Dr. Daniela Ohlendorf, DFB Wissenschaftskongress 2016

[15] Dr.Uwe Harttgen, Psychologische Aspekte der Entwicklung jugendlicher Leistungsfußballer,2010,S.8

[16] Dr.Uwe Harttgen, Psychologische Aspekte der Entwicklung jugendlicher Leistungsfußballer,2010,S.70

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Belastung und Regeneration im Jugendleistungssport Fußball. Belastungsfaktoren und Regenerationsmaßnahmen
Hochschule
Deutsche Hochschule für Gesundheit und Sport (vormals H:G Hochschule für Gesundheit & Sport, Technik & Kunst)  (Sportwissenschaften)
Veranstaltung
Prävention & Regeneration
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
27
Katalognummer
V338132
ISBN (eBook)
9783668279810
ISBN (Buch)
9783668279827
Dateigröße
949 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Belastung, Regeneration, Fussball, Leistungssport, Belastungsfaktoren, Leistungsdruck
Arbeit zitieren
Marc Niering (Autor), 2015, Belastung und Regeneration im Jugendleistungssport Fußball. Belastungsfaktoren und Regenerationsmaßnahmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/338132

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