Mentoring Programme. Gelingende Resilienzförderung am Beispiel des Mentorenprojektes „Balu und Du“


Hausarbeit, 2015
16 Seiten, Note: 1,3
Sofia Markgraf (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Resilienz
1.1 Was bedeutet Resilienz – Resilienzförderung?
1.2 Was zeichnet resiliente Kinder aus?
1.3 Grenzen des Resilienzkonzeptes

2. Das Mentorenprojekt „Balu und Du“
2.1 Projektbeschreibung
2.1.1 Wie wird man Mogli?
2.1.2 Wer sind die Balus?
2.1.3 Was müssen die Eltern tun?
2.1.4 Fallen Kosten an?
2.2 Wie fördert das Projekt „Balu und Du“ die Resilienz der teilnehmenden Kinder?
2.3 Zur Nachhaltigkeit von „Balu und Du“

Fazit

Literatur

Einleitung

Bei meinen Vorüberlegungen zu dieser Hausarbeit spielten folgende Fragen eine zentrale Rolle:

Wie kann ich in meiner zukünftigen Arbeit als Beratungslehrerin möglichst frühzeitig Kinder mit ungünstigen Entwicklungsprognosen u. a. aus benachteiligten Familien mit einer sinnvollen präventiven Maßnahme unterstützen?

Gemeint sind Kinder, die unterschiedlichen Risikofaktoren ausgesetzt sind wie beispielsweise Migrationshintergrund, Armut, in Trennung lebende Eltern, Gewalter-fahrung, (psychisch) kranke Eltern, Suchtproblematik eines Elternteils sowie prä-/perinatale Komplikationen.

Es geht um Kinder, denen es neben sozialen Kompetenzen häufig auch an grundlegenden Basis- und Alltagskompetenzen mangelt.

Wie erreiche ich die Familien dieser Kinder, die dringend Unterstützung benötigen, ohne dass sich die Eltern in ihrer schwierigen Lebenssituation überfordert fühlen und erst gar nicht „mit ins Boot springen“?

Wie kann man die Resilienzfähigkeit von Kindern fördern?

Die folgenden Ausführen begründen die Effektivität einer schulischen Einbindung des Präventionsprogramms „Balu und Du“ für o. g. Kinder, damit sie sich trotz widriger Umstände gemäß ihrer positiven Anlagen entwickeln können.

1. Resilienz

1.1 Was bedeutet Resilienz – Resilienzförderung?

„Resilienz meint eine psychische Widerstandsfähigkeit von Kindern gegenüber biologischen, psychologischen und psychosozialen Entwicklungsrisiken“ (Wustmann Seiler, C. (42012). Resilienz. Widerstandfähigkeit von Kindern in Tageseinrichtungen fördern. Berlin: Cornelsen, S. 18)

Die Frage nach Resilienz verschiebt den Fokus der Forschung auf die positiven Einflüsse individueller Entwicklung und damit auf die Bewältigung von erfahrenen Benachteiligungen

oder existenziellen Bedrohungen. Besonders wichtig ist die Aufdeckung jener protektiven

Faktoren, die trotz widriger und belastender Bedingungen zu einer stabilen Entwicklung beitragen. Diese salutogenesische Blickrichtung betrachtet das Kind als „aktiven“ Bewältiger und Gestalter seines Lebens.

In diesem Zusammenhang sind drei bedeutsame Studien zu nennen, die kindliche Entwicklungsverläufe erfasst haben und die interindividuellen Unterschiede, die zu differenzierten Entwicklungsverläufen geführt haben, als Forschungsziel definierten, die „Kauai Längsschnittstudie“ von Werner und Smith (1982, 1992, 2001), die „Mannheimer Risikokinderstudie“ von Laucht et al. (1999, 2000) und die „Bielefelder Invulnerabilitätsstudie“ von Lösel und Mitarbeitern (1999). Alle drei Untersuchungen fokussierten kumulierte Risikobelastungen. (Wustmann Seiler, C. (2012), S.85-92)

Für die pädagogische Arbeit im Rahmen der Resilienzförderung bildet folgender Aspekt ein wichtiger Grundsatz:

„In der Praxis soll es nicht darum gehen, ausschließlich gefährdete Kinder zu fördern, sondern jedes Kind in seiner positiven Entwicklung zu unterstützen. Das Resilienzkonzept orientiert sich in erster Linie an den Stärken und nicht an den Schwächen der Kinder.“

( Wyrobnik ,I. (2012,Hg.). Wie man ein Kind stärken kann. Ein Handbuch für Kita und Familie. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, S.26-27)

1.2 Was zeichnet resiliente Kinder aus?

Bei der Charakteristika resilienter Kinder sollte Resilienz stets im Kontext mindestens dreier übergeordneter Bereiche betrachtet werden:

a) biologische Faktoren (z. B. Temperament)
b) psychologische Faktoren (z. B. intellektuelle Fähigkeiten)
c) soziokulturelle Faktoren (z. B. sozioökonomischer Status; gängige Erziehungsvor-stellungen; Wohnverhältnisse u. ä.)

In Fachkreisen finden sich vielfältige Ausführungen, die resiliente Kinder beschreiben.

Die amerikanische Psychologin Edith H. Grotberg veranschaulicht Resilienz mit Hilfe der Kategorien „Ich bin“, „Ich habe“ „Ich kann“ (z. B. Ich bin verantwortungsbewusst, für das was ich tue; Ich habe Menschen um mich, die mir als Vorbilder dienen und von denen ich lernen kann.) Eltern, Erzieher und Lehrer können dieses Vokabular einsetzen, um die Gefühle, Verhaltensweisen und Einstellungen, die Resilienz fördern, zu verstärken. (Wustmann Seiler, C. (2012), S.117-118)

Der hessische Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder von 0 bis 10 Jahren verweist auf Individuums bezogene und soziale Basiskompetenzen, auf denen die Resilienz aufbaut und durch soziale Ressourcen des Kindes begünstigt wird. (Hessisches Ministerium für Soziales und Integration. Hessisches Kultusministerium (62014, Hg.).Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder von 0 bis 10 Jahren in Hessen. Wiesbaden, S. 41-44)

An dieser Stelle erfolgt eine m. E. übersichtliche Auflistung von resilienzfördernden Basiskompetenzen, entwickelt von dem Entwicklungspsychologen und Anthropologen Wassilios E. Fthenakis:

„-positives Selbstkonzept
-Kontrollerwartung und ein Gefühl der Selbstwirksamkeit
-Fähigkeit zur Selbstregulation
-Anpassungsfähigkeit im Umgang mit Belastungen oder übermäßigen Reizen (einschließlich der Fähigkeit, sich innerlich zu distanzieren)
-Fähigkeit, sich vor gefährdeten Einflüssen zu schützen
-Regelbewusstsein
-Fähigkeit zu konstruktivem Denken (auch bei widrigen Umständen)
-Fähigkeit, sich zu entscheiden und zu organisieren (Selbstmanagement)
-Fähigkeit, sich in verschiedenen kulturellen und sozialen Umwelten zu bewegen und mit unterschiedlichen Rollenerwartungen umzugehen
-Fähigkeit, Konflikte gewaltlos zu bewältigen
-Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen
-Kreativität und Explorationslust
-sachbezogenes Engagement und intrinsische Motivation“ (Fthenakis, W. (2007). S.11.URL: http://www.fthenakis.de/cms/Vortrag_Bremen_HH1_2001-06-07.pdf. S.5. (Abruf 14.03. 2015)) Irit Wyrobnik gibt Folgendes zu bedenken: „ Kinder mit günstigen Eigenschaften bzw.

einem positiven Umfeld können nicht automatisch als resilient bezeichnet werden. Ein Kind gilt erst dann als resilient, wenn bestimmte Probleme bzw. Schwierigkeiten in seinem Leben auftauchen und es aufgrund dessen Bewältigungsleistungen erbringen muss. Ein widerstandsfähiges Kind überwindet negative Erlebnisse nicht nur, sondern geht aus diesen gestärkt hervor und nutzt seine Erfahrungen für die Zukunft.“ (Wyrobnik,I. (2012). S. 25-26)

Darüber hinaus haben widerstandsfähige Kinder nicht von selbst in allen Bereichen ein resilientes Verhalten, i. d. R. bezieht es sich auf eine spezifische Kompetenz.

1.3 Grenzen des Resilienzkonzeptes

„Resilienz basiert auf der Koordination verschiedener endogener und exogener Systeme, die in ihrem Zusammenspiel aber noch nicht wirklich erforscht sind. Wir wissen vorerst lediglich, dass Resilienz nicht nur von der Stärke der Risiko-/Schutzfaktoren abhängig ist, sondern ebenso von genetischen Anlagen, der früheren biografischen Erfahrungen und vorteilhaften Wendepunkten.“ (Stamm, M. (2009)Begabte Minoritäten. VS Verlag für Sozialwissenschaften: Wiesbaden, S.96-98) Resilienz ist ohne unterstützende Faktoren im sozialen Kontext nicht zu denken.

Erbliche Faktoren und äußere Bedingungen beeinflussen die Resilienzfähigkeit eines Menschen etwa je zur Hälfte.

Risikofaktoren können zugleich Schutzfaktoren sein, z. B. ist ein geringes Selbstwertgefühl ein Risikofaktor, ein hohes Selbstwertgefühl kann zu Aggressivität führen. (Fingerle, M. Der „riskante“ Begriff der Resilienz – Überlegungen zur Resilienzförderung im Sinne der Organisation von Passungsverhältnissen. In: Opp, G./ Fingerle, M. (32008, Hg.). Was Kinder stärkt – Erziehung zwischen Risiko und Resilienz. München Basel: Ernst Reinhard Verlag, S.299-308)

2. Das Mentorenprojekt „Balu und Du“

2.1 Projektbeschreibung

„Balu und Du“ ist ein bundesweites Mentorenprogramm, das Grundschulkinder im außerschulischen Bereich fördert. Junge, engagierte Erwachsene übernehmen ehrenamtlich mindestens 1 Jahr lang eine individuelle Patenschaft für ein Kind.

Das „Dschungelbuch“ von R. Kipling ist Namenspate für das Programm. Der erfahrene Bär Balu begleitet, unterstützt und beschützt den Jungen Mogli, der im Urwald verlorenzugehen droht, auf einem Stück des Lebensweges.

Während des Projektverlaufes übernimmt der Mentor die Rolle des „großen Freundes“ Balu, damit sich die Kinder (Moglis) in ihrem heimischen Dschungel des Lebens nicht verirren, sondern sich gemäß ihrer positiven Anlagen entwickeln können.

Das Programm wurde 2002 von Prof. Dr. Hildegard Müller Kohlenberg (Erziehungswissenschaftlerin und Diplom Psychologin) mit ihrer inzwischen verstorbenen Kollegin Tilly Bakker-Grundwald gegründet, nach dem Vorbild des Projektes „Perach“ des Weizmann Institute of Science in Israel. Es ist inzwischen bundesweit an ca. 60 Standorten aktiv. Ungefähr 6000 Kindern konnte bislang eine Mentorin oder ein Mentor vermittelt werden.

Betrieben wird das Programm durch den Verein Balu und Du e.V. in Kooperation und unter wissenschaftlicher Begleitung der Universität Osnabrück und dem Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln. Die positiven Effekte des mit vielen Auszeichnungen versehenen Programms werden durch die Wirksamkeitsforschung bestätigt.

„Balu und Du““ ist ein Angebot im Bereich der sogenannten Primärprävention. Fehlentwicklungen, die in der Jugend oft intensiv in Erscheinung treten, lassen sich im Alter von 6-10 Jahren zunächst nur erahnen bzw. befürchten.

„Primäre Prävention sollte deshalb ein breites Repertoire von Themen und Maßnahmen bereithalten, um flexibel auf defizitäre Situationen eingehen zu können. Dabei müssen die Bedürfnisse des Kindes – seine Interessen, Wünsche, seine (verborgenen) Talente und Probleme – jeweils individuell im Mittelpunkt stehen. Wenn die Hilfe früh ansetzt, können Vorläuferanzeichen bzw. Prädikatoren einer prekären Entwicklung, die sich oft versteckt andeuten, in alltäglichen Situationen undramatisch aufgegriffen werden. Durch informelles Lernen können die soziale Kompetenz, das Selbstkonzept und die Alltagskompetenz der Kinder gefördert werden.“

(Müller-Kohlenberg, H./Szczesny, M. (2008). Prävention im Grundschulalter geht auf die Vorläufermerkmale von Fehlentwicklungen ein. In: Marks, E./Steffen W..Starke Jugend –

Starke Zukunft. Ausgewählte Beiträge des 12. Deutschen Präventionstages. Mönchengladbach: Forum Verlag Godesberg, S. 107-125)

2.1.1 Wie wird man Mogli?

Lehrkräfte werden gebeten, die Kinder auszuwählen, um die sie sich „Sorgen machen“ bzw. für die sie ungünstige Entwicklungsaussichten sehen. Dafür gibt es -wie bereits in der Einleitung aufgeführt- vielfältige Gründe, z. B häusliche Vernachlässigung, Isolation in der Kindergruppe, Konzentrationsschwächen, Mobber oder Mobbingopfer, aggressives Verhalten oder geringe Förderung durch die Familie. Für die Lehrkräfte fallen darüber-hinaus keine weiteren Arbeiten an.

2.1.2 Wer sind die Balus?

Die Balus sind i. d. R. junge Erwachsene (u.a. Lehramtsstudenten, Erzieher), die sich meist selbst noch in der Ausbildung befinden, so dass das Projekt in das Curriculum einer Ausbildungseinrichtung integriert ist. Ein rein ehrenamtliches Mentorenamt übernehmen aber auch engagierte Personen neben ihrem Beruf, Schule, Studium oder Ausbildung.

Die Balus treffen sich wöchentlich einmal mit den Moglis für ca. 2-3 Std zur gemeinsamen spielerischen Freizeitgestaltung.

Die Balus schreiben wöchentlich Tagebücher, für die spätere Evaluation und treffen sich regelmäßig zur Fallanalyse und Supervision.

Der Kreis zurück zur Schule schließt sich: Die am Projekt teilnehmenden Lehramts-studierenden gewinnen Schlüsselkompetenzen, die sie für ihre spätere Arbeit in der Schule bereits im Studium professionalisieren. An ihren zukünftigen Schulen werden viele Schüler von dieser besonderen Erfahrung ihrer Lehrer profitieren.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Mentoring Programme. Gelingende Resilienzförderung am Beispiel des Mentorenprojektes „Balu und Du“
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Veranstaltung
Weiterbildungskurs „Lehramt an Förderschulen“ Fachrichtung Erziehungshilfe
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
16
Katalognummer
V338231
ISBN (eBook)
9783668278646
ISBN (Buch)
9783668278653
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Resilienz, Schule, Prävention, Förderschule, Hausarbeit, Sonderpädagogik, Pädagogik
Arbeit zitieren
Sofia Markgraf (Autor), 2015, Mentoring Programme. Gelingende Resilienzförderung am Beispiel des Mentorenprojektes „Balu und Du“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/338231

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