Perspektivenwechsel. Eine Projektstudie zur Erstellung eines Ethnografischen Films


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014
23 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen
2.1 Zugang zum Feld
2.2 Teilnehmende Beobachtung
2.3 Dokumentation
2.4 Ethnografischer Film

3. Feldpraktischer Teil
3.1 Zugang zum Fest der Völkerverständigung
3.2 Theoretische Planung
3.3 Methoden/Strategien
3.4 Filmexposé

4. Aktive Feldforschung - rbeit auf dem Fest
4.1 Dreharbeiten und Interviews
4.2 Erfahrungen über das Bild hinaus
4.3 Montage

5. nalyse

6. Fazit

1. Einleitung

Die Ethnografie nimmt in den Kulturwissenschaften eine wichtige Rolle ein. Sie beschäftigt sich, anders als andere kulturwissenschaftliche Disziplinen, nicht mit dem Gegenstand ‚Mensch‘ sondern hat einen skalierten Blick auf den Bereich gelebter und öffentlich praktizierter Sozialität.[1 ] Im Gegensatz zu anderen Wissenschaften ist hier die Ämimetische Forschung“ [2 ] von zentraler Bedeutung für die Methoden die zur ethnografischen Forschung angewandt werden. Genau diese Thematik war auch Gegenstand unseres Seminars ‚Kulturwissenschaftliche Linguistik‘ im Sommersemester 2014 am KIT.

Der Fokus dieser, im Rahmen des Seminars entstanden Arbeit, liegt auf dem ethnografischen Film. Für unser Forschungsprojekts, das auf dem ‚Fest der Völkerverständigung‘ Karlsruhe durchgeführt wurde, haben wir uns für die filmische Dokumentation entschieden. Konkret bestanden unsere Aufgaben darin, ein ethnografisches Forschungsprojekt, vor dem Hintergrund der Integrationsmöglichkeiten in Karlsruhe unter dem Aspekt der Begegnung, durchzuführen. Das Projekt erfolgt unter der Fragestellung, welche Bedeutung ‚Orte der Begegnung‘ für soziale Strukturen und kommunikative Prozesse haben und welchen Einfluss sie auf die Gemeinschaftsbildung ausüben. Das Ziel dieses Projekts ist es, diese Vorgänge durch Feldforschung zu erschließen und die Hintergründe zu erfassen. Besonders hervorzuheben ist, dass für dieses Projekt Räume gewählt wurden, in denen Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen aufeinandertreffen. Die Interpretation des Films, erfolgt unter dem Aspekt der Entstehung von Kommunikation und Gemeinschaft innerhalb dieser verschiedenen Gruppen und der Funktion des Essens innerhalb dieser Prozesse.[3 ]

In unserem Fall wurde für das Projekt eine Verbindung zwischen dem Medium Film in der Ethnografie mit der Methodenlehre und der Reflexion über die Projektarbeit verknüpft. In unserem Projekt galt es, durch den Einsatz der Kamera, die Ergebnisse unserer Forschung filmisch darzustellen.

Im ersten Abschnitt dieser Arbeit werden die theoretischen Grundlagen, die zur Durchführung der Feldforschung und des Filmprojekts von Nöten sind, dargelegt und erläutert. Zuerst soll die Ethnografie auf allgemeiner Ebene und deren Forschungsgegenstände erschlossen werden. Da unser Projekt das Medium Film zur Datengewinnung nutzt, soll der ethnografische Film als Forschungsstrategie der Ethnografie näher beleuchtet werden. Vor allem aber soll eine Abgrenzung zwischen ethnografischem Film und der Schrift als Form der Repräsentation stattfinden. Auch die teilnehmende Beobachtung, als zentrale Methode der Ethnografie, soll im nächsten Kapitel noch etwas näher erläutert werden. In dieser Seminararbeit sollen Fragen diskutiert werden, die in der Ethnografie bereits vorherrschend sind und durch Fragestellungen, die die Projektphase mit sich gebracht hat, ergänzt werden.

2. Theoretische Grundlagen

Die Feldforschung ist eine der wichtigsten und dennoch kritisch diskutierten Methoden der Ethnografie. Zwar werden auch in den Naturwissenschaften Feldforschungen und somit Beobachtungen in der natürlichen Umgebung des zu erforschenden Objekts betrieben, jedoch dient die Feldforschung in der Ethnografie nicht nur der reinen Datengewinnung, wie in den Naturwissenschaften, sondern auch der Interaktion zwischen Ethnograf und den Akteuren im Feld. Diese Interaktion, dient zusätzlich dem Zweck der Datengewinnung. Durch Interaktion werden dem Ethnografen Zugänge eröffnet, die durch reine Beobachtung nicht ersichtlich sind. Besonders die teilnehmende Beobachtung, die dazu beiträgt, dass die Forschungen in der Ethnografie trichterförmig, das bedeutet, zuerst unbestimmt dann detailliert, ablaufen, gilt als die zentrale Methode der Ethnografie.[4 ]

Man kann sich die Organisation des ethnografischen Forschungsprozesses wie einen Trichter vorstellen, der mit einer großen Unbestimmtheit beginnt und bei der Analyse ganz spezifischer Phänomene endet, wobei die Selektion dieser Phänomene wesentlich vom Feld mitbestimmt werden. [5 ]

Im nun folgenden Abschnitt, sollen die theoretischen Grundlagen und Rahmenbedingungen dieses Forschungsprojekts dargelegt werden, um zu verdeutlichen, weshalb das Medium Film, als Instrument zur Datengewinnung im Rahmen der Feldforschung auf dem Fest gewählt wurde.

2.1 Zugang zum Feld

Innerhalb des Seminars ‚kulturwissenschaftliche Linguistik‘ im Sommersemester 2014 am KIT, standen verschiedene Forschungsprojekte unter demselben Forschungsschwerpunkt zur Auswahl. Jedes dieser Projekte beschäftigte sich mit einem Ort der Begegnung für Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen. Der bedeutende Unterschied, zwischen den anderen Projekten und dem hier gewählten Projekt, bestand vor allem im Moment der Wiederholung. Kennzeichnend für die anderen Projekte war, dass die Veranstaltungen, in deren Rahmen die Feldforschung stattfand, in einem regelmäßigen Turnus angeboten wurden. Zum Beispiel, das internationale Frauencafé, in dem sich einmal pro Woche Frauen verschiedener Kulturkreise treffen, um sich auszutauschen.

Durch die Dauerhaftigkeit dieser Treffen, war es auch für den Ethnografen möglich die Feldforschung in regelmäßigen Abständen zu wiederholen und somit, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu vorherig gewonnenen Daten auszumachen und, wie in der Ethnografie üblich, von einer weiten Forschungsfrage zu einer skalierten Forschungsfrage zu gelangen. Das Projekt zum Fest der Völkerverständigung war im Gegensatz dazu, auf einen Tag begrenzt, da die Veranstaltung nur einmal jährlich, für einen Tag, stattfindet. Nach genauer Besprechung mit dem Dozenten und der Forschungsgruppe wurde aufgrund dieser zeitlichen Beschränkung entschieden, eine Kamera als technische Unterstützung der Feldforschung hinzuzuziehen. Das Projekt und Forschungsmedium bestimmen sich wechselseitig.

Der Zugang zum Feld, meint die Herstellung eines Rahmens, in dem die Feldforschung durchgeführt wird. In unserem Fall bedeutete das, dass ein Zugang zum Fest der Völkerverständigung geschaffen werden musste. Die Arbeitsschritte, die zur Herstellung des Feldes nötig sind, muten zu Beginn eher unwissenschaftlich an. Denn elementar für den Zugang zu einem Feld, ist die Kontaktaufnahme mit seinen Akteuren. Diese Kontaktaufnahme erfolgt über die klassischen Kommunikationsmittel: Telefon, Brief oder E-Mail. Allerdings beginnt hier schon die Forschung. Denn viele Informationen über das Feld, erhält der Ethnograf schon bei der Kontaktaufnahme durch das Feld selbst. So lässt sich zum Beispiel eine Hierarchiestruktur ausmachen. Denn die Entscheidung, ob die Forschung in bestimmten Gebieten stattfinden darf, kommt von Akteuren im Feld. [6 ]

Von der Herstellung des Feldes hängt ab, zu welchen Informationen der Ethnologe Zugang bekommt. Die Position des Beobachters im Feld ist essentiell für die teilnehmende Beobachtung. Denn die Einbindung ins Feld, beeinflusst die gewonnenen Daten. [7 ] Zentrale Begriffe, die es beim Zugang zum Feld zu betrachten gilt, sind: Vertrauen, Transparenz, Authentizität und Sichtbarkeit.

Der Ethnograf hat in seinem Forschungsvorhaben eine Sonderstellung, da er durch gewisse Handlungsentscheidungen, die Daten die er im Feld erhebt, beeinflussen kann. Diese Beeinflussung geschieht zum Beispiel durch die Entscheidung, ob er seine Intentionen transparent macht, oder nicht. Hierdurch verändert er das Verhalten der Akteure. Ein Beispiel hierfür ist: Hätte unsere Gruppe bei Ihrem Forschungsprojekt nicht offengelegt, welche Absichten das Filmprojekt hat, sondern lediglich behauptet, einen Imagefilm für das nächste Jahr anzufertigen, hätte sich das Verhalten der Akteure vermutlich stärker an der Präsentation ihrer Selbst im Film orientiert. Hier ist anzumerken, dass die Vertrauensbasis zwischen den Akteuren im Feld und dem Ethnografen, den Einblick den der Ethnograf in das Feld bekommt und damit die Authentizität der Forschungsergebnisse, stark beeinflussen kann. Ist kein Vertrauen zwischen den beiden Parteien gegeben, ist es möglich, dass der Ethnograf von bestimmten Ereignissen ausgeschlossen wird, oder eine transformierte Situation für ihn inszeniert wird. [8 ]

Um ein möglichst natürliches Verhalten der Akteure zu gewährleisten muss der Ethnograf der als Fremdkörper in das Feld eindringt unsichtbar werden.

2.2 Teilnehmende Beobachtung

In diesem Abschnitt, der sich mit der zentralen Methode der Ethnografie, der teilnehmenden Beobachtung[9 ], beschäftigt, soll dieser Begriff genauer erläutert und die Möglichkeiten und Schwierigkeiten dieser Forschungsstrategie dargestellt werden. Ein zentrales Element der teilnehmenden Beobachtung, nämlich das Moment der Wiederholung und Fokussierung, soll zur Sprache gebracht werden.

Um die Methode der teilnehmenden Beobachtung als Begrifflichkeit einzuführen, soll zuerst eine Begriffsdefinition von Feldforschung und teilnehmender Beobachtung vorgestellt werden.

Unter der Feldforschung versteht man, wie zuvor schon angedeutet, die Erforschung bestimmter Objekte oder Prozesse, in unserem Fall die sozialen Vorgänge auf dem Fest der Völkerverständigung, in ihrer natürlichen Umgebung. [10 ]Feldforschung findet über längere Zeiträume, oft auch über mehrere Jahre, statt, um möglichst exakte Daten erheben zu können. Ein entscheidendes Merkmal und Argument für die Feldforschung ist die sinnliche Unmittelbarkeit, also Wissen aus erster Hand zu erlangen. Die Feldforschung wird mittels der Beobachtung durchgeführt. Diese kann in unterschiedliche Dimensionen auftreten. Die einzelnen Dimensionen können in dieser Arbeit leider nicht näher beleuchtet werden, allerdings ist hierzu auf die Darstellung von Jürgen Friedrichs ‚Methoden empirischer Sozialforschung‘ (1982) zu verweisen.

Unter der teilnehmenden Beobachtung hingegen, versteht man die zielgerichtete Teilnahme an Vorgängen im zu erforschenden Feld, zum Zweck der Beobachtung mit dem Ziel der Datengewinnung.[11 ] Dieses Ziel ist elementar um eine Unterscheidung zwischen alltäglichem und wissenschaftlichem Beobachten treffen zu können. Die wissenschaftliche Beobachtung, lässt sich von der alltäglichen Beobachtung darin differenzieren, dass sie mit einer Absicht beginnt, sich während der Beobachtung der Methode der Selektion bedient und zum Schluss eine Auswertung der erhobenen Daten erfolgt.

Beobachtung umfasst zunächst alle Formen der Wahrnehmung unter Bedingung der KoPräsenz: Also alle Sinneswahrnehmungen, die sich per Teilnahme erschließen. Beobachten ist also die Nutzung der kompletten Körpersensorik und des Forschenden: das Riechen, Sehen, Hören und Ertasten sozialer Praxis.[12 ]

Charakteristisch für die Feldforschung ist, dass der Gegenstand bewusst und nicht zufällig gewählt ist.[13 ] Dasselbe lässt sich über die teilnehmende Beobachtung sagen. Die Beobachtungssituation ist nicht spontan, sondern bewusst gewählt.

Die Feldforschung steht allerdings nicht in einem Abhängigkeitsverhältnis zur teilnehmenden Beobachtung. Feldforschung kann auch mit einer verdeckten Beobachtung einhergehen, bei der der Forscher nicht am Geschehen teilnimmt, sondern es als Außenstehender beobachtet. Hier ist zu bemerken, dass der Übergang von Teilnahme an einen Prozess und der bloßen Anwesenheit, fließend ist und man eher nach dem Grad der Teilnahme unterscheiden kann.

Die Methode, die wir für unser Projekt gewählt haben, ist die offene teilnehmende Beobachtung in ihrer natürlichen Umgebung.

Unser Vorgehen im Feld gestaltet sich daher wie folgt:

1. Orientierung im fremden Feld
2. Fokussierung des Blicks
3. Selektion

In der Ethnografie ist der Ethnograf, oder Forscher, im Gegensatz zu anderen Wissenschaften, in den oft hochkomplexe Apparaturen zum Einsatz kommen, das wichtigste Instrument während der Feldforschung. Seine Aufmerksamkeit, der Blick für Relevanz, die damit einhergehende Selektion und seine Positionierung im Feld, sind maßgeblich für die Ergebnisse der Feldforschung.[14 ] Denn die ethnografische Forschung verläuft explorativ.

Die Intensivierung des Blicks, ist elementar für die Qualität der Forschungsergebnisse. Ein Instrument hierfür ist die Fokussierung des Blicks. Durch Fokussierung verbessert sich die Beobachtungsfähigkeit. Die zu Beginn weite Perspektive, die alle Prozesse in die Beobachtung einbezieht, wird durch Fokussierung justiert und die Wahrnehmung somit intensiviert. Diese Fokussierung kann sowohl thematisch oder räumlich vorgenommen werden.[15 ]

Eine Feststellung in der Gruppe während der Arbeit auf dem Fest war, dass Fokussierung erst im Forschungsprozess, während der fortgeschrittenen teilnehmenden Beobachtung, möglich wird. Zu Beginn unterliegt die teilnehmende Beobachtung der Maxime der Offenheit.

[...]


1 Vgl. Georg Breidenstein; Stefan Hirschauer; Herbert Kalthoff; Boris Nieswand: Ethnografie. Die Praxis der Feldforschung, Konstanz, München 2013, S.33.

2 Ebd., S.39.

3 Vgl. Metten, Thomas: Flyer zum Fest der Völkerverständigung, 2014.

4 Vgl. Georg Breidenstein; Stefan Hirschauer; Herbert Kalthoff; Boris Nieswand: Ethnografie. Die Praxis der Feldforschung, Konstanz, München 2013, S. 39.

5 Ebd., S.39.

6 Vgl. ebd., S. 59.

7 Vgl. ebd., S.73.

8 Vgl. ebd.,S.66.

9 Vgl. ebd., S.34.

10 Vgl. Edmund Ballhaus; Beate Engelbrecht: Der Ethnographische Film. Eine Einführung in Methoden und Praxis, Berlin 1995, S.16.

11 Vgl.ebd., S.19.

12 Vgl. Georg Breidenstein; Stefan Hirschauer; Herbert Kalthoff; Boris Nieswand: Ethnografie. Die Praxis der Feldforschung, Konstanz, München 2013, S. 71.

13 Vgl. ebd., S.72.

14 Vgl.ebd., S.90.

15 Vgl. ebd., S.78.


Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Perspektivenwechsel. Eine Projektstudie zur Erstellung eines Ethnografischen Films
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
23
Katalognummer
V338252
ISBN (eBook)
9783668277526
ISBN (Buch)
9783668277533
Dateigröße
924 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
perspektivenwechsel, eine, projektstudie, erstellung, ethnografischen, films
Arbeit zitieren
Olivia Schutz (Autor), 2014, Perspektivenwechsel. Eine Projektstudie zur Erstellung eines Ethnografischen Films, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/338252

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Perspektivenwechsel.  Eine Projektstudie zur Erstellung eines Ethnografischen Films


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden