Migrationspolitik in Dänemark. Die Rolle von Wirtschaft, Staat und NGOs


Essay, 2015

10 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsklärung

3. Das dänische Regierungssystem

4. Die dänische Migrationspolitik und ihre Einflussfaktoren
4.1 Die Rolle der Wirtschaft
4.2 Die Rolle des Staates
4.3 Die Rolle der NGOs

5. Folgen der Integrationspolitik der 1990er Jahre bis heute

6. Eine polarisierende Migrationspolitik und ihre Auswirkungen

7. Dänemarks Migrationspolitik und ihr Verhältnis zur Europäischen Gemeinschaft

8. Fazit

9. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

„Cultural homogeneity on the one hand,and the universalic structures and ideological presumptions oft he Danish welfare state on the other, are central to understanding immigration und integration in Denmark.“1

Die dänische Migrationspolitik kann zunächst einmal als scheinbar ambivalentes Sys- tem betrachtet werden. So lässt sich aus diversen Zeitungsartikeln und Berichten eine eher skeptische Grundhaltung gegenüber Zuwanderungsströmen, seitens der däni- schen Bevölkerung herauslesen, traditionell sind dauerhafte Zuwanderer jedoch wie eigene Staatsbürger in das Wohlfahrtsstaatsystem integriert. Diese Diskrepanz soll als Grundlage für die folgende Ausarbeitung dienen und darauf aufbauend wird die Fra- gestellung erläutert: Welchen Einflussfaktoren unterliegt die dänische Migrationspoli- tik?

Wie bereits in dem einleitenden Zitat des dänischen Wissenschaftlers Ulf Hedetoft angedeutet, bedarf es einer expliziten Betrachtung des dänischen Wohlfahrtssystems sowie der Homogenität der dänischen Bevölkerung, um zu verstehen, warum Dänemark beim Thema Migrationspolitik einen Sonderweg zu gehen scheint. Bringt man die beiden Perspektiven des politischen Systems und den besonderen gesellschaftlichen Gegebenheiten zusammen, so besteht die Möglichkeit, Beweggründe für diese besondere Form der dänischen Migrationspolitik nachzuvollziehen.

Da für eine intensive Auseinandersetzung mit der dänischen Migrationspolitik und ih- ren Einflussfaktoren, die politischen Strukturen grundlegend sind, wird einleitend ein Einblick in diese gegeben. Das Ziel ist es, somit die Basis für eine weiterführende Ar- gumentation zu schaffen. Gleich zu Beginn der Ausarbeitung werden grundlegende Begrifflichkeiten geklärt, um darauf aufbauend zentrale Einflussfaktoren vorzustellen, die zu einem besseren Verständnis für das politischen Systems Dänemarks führen. Eine historische Betrachtung wird an einigen Stellen vorgenommen, um Prozesse und Entwicklungen aufzuzeigen.

Die Rolle der Wirtschaft, des Staates und der NGOs wird näher erläutert, ebenso der Einfluss der Integrationspolitik Dänemarks seit 1990, um schlussendlich auf das Verhältnis Dänemarks zur Europäischen Gemeinschaft einzugehen.

Im abschließenden Fazit werden die Kernthesen erneut gesammelt, um die Forschungsfrage begründet zu beantworten.

2. Begriffsklärung

Der Begriff Migration steht für Wanderungen und beschreibt grundsätzlich einen dau- erhaften oder freiwilligen Wechsel einzelner Menschen oder Personengruppen über Staatsgrenzen hinweg.2 Wenn Menschen jedoch zwangsläufig für eine begrenzte Zeit oder dauerhaft ihre Heimat verlassen, spricht man von Flüchtlingen. Der Artikel 1 der Genfer Flüchtlingskonvention definiert einen Flüchtling als eine Person, die sich au- ßerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt oder in dem sie ihren ständigen Wohnsitz hat. Außerdem schließt diese Definition Personengruppen ein, die wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität oder Zugehörigkeit zu einer bestimm- ten sozialen Gruppe wohlbegründete Furcht vor Verfolgung haben.3 Ebenso sind damit Personen gemeint, die wegen ihrer politischen Überzeugung den Schutz dieses Lan- des nicht in Anspruch nehmen können oder wegen der Furcht vor Verfolgung nicht dorthin zurückkehren können.4 Es gilt also zwischen der individuellen Suche nach bes- seren Lebensbedingungen und der Flucht vor Unterdrückung und Verfolgung zu un- terscheiden.5 Damit sollen jedoch keinesfalls die Notsituationen von Migranten ver- harmlost oder ihre Bedürfnisse als zweitrangig klassifiziert werden.

3. Das dänische Regierungssystem

Das parlamentarische Regierungssystem Dänemarks ist ein Ein-Kammer-System und laut Verfassung aus dem Jahre 1953 eine parlamentarische Monarchie, mit einer Königin als Staatsoberhaupt, die jedoch ausschließlich formelle und zeremonielle Funktionen besitzt. Die Monarchin ernennt formal ein Kabinett unter Vorsitz des Ministerpräsidenten, der dann für das Parlament, auch Folketing genannt, verantwortlich ist.6 Charakteristisch für die politische Kultur Dänemarks sind Minderheitsregierungen, die von einer oder mehreren Koalitionsparteien unterstützt werden.

Somit sind Kompromiss- und Konsensentscheidungen zwischen den politischen Akteuren keine Seltenheit. Entscheidend für die Nationenbildung und Identitätsstiftung, innerhalb der sehr homogenen Bevölkerung, war zum einen die lutherische Staatskir- che und zu anderen das Wohlfahrtssystem, ein entscheidendes Element des 4. kleins- ten EU-Staates, das sich in hohem Maße auf die Migrationspolitik Dänemarks aus- wirkt.7 Dänemark kann als Nationalstaat eigenständig über seine Einwanderungspolitik entscheiden, ist jedoch als Mitglied der europäischen Gemeinschaft an das EU-Recht gebunden.8

4. Die dänische Migrationspolitik und ihre Einflussfaktoren

4.1 Die Rolle der Wirtschaft

Seit dem Ölpreisschock Anfang der 1970er Jahre wurde die Phase des Anwerbens von Gastarbeitern in Dänemark beendete und der Staat übernahm die Hauptkontrolle über die Einwanderung. Zu Beginn der 1980er Jahre wurden die Kontrollen zuneh- mend restriktiver und der Arbeitsmarkt hat eine entscheidende Rolle im Migrationspro- zess eingenommen. Aufgrund dessen ist die dänische Migrationspolitik geprägt durch Einwanderungsbegrenzungen und Kontrollen in Form von Arbeits- und Aufenthaltser- laubnissen.9 Aktuell lässt sich wieder ein wachsender Machteinfluss des Arbeitsmark- tes verzeichnen, aufgrund des scheinbaren Mangels an qualifizierten Fachpersonal.10 2002 wurde zudem eine sogenannte „Job-Card“ in Dänemark eingeführt, um dem ver- muteten Fachkräftemangel entgegen zu wirken.11 In einer Aussage des ehemaligen dänischen liberalen Ministerpräsidenten Anders Fogh Rasmussen, der bis zum Früh- jahr 2009 sein Amt besetzte, wird dies besonders deutlich: „Eingewandert wird in Dä- nemark in erster Linie in den Arbeitsmarkt.“12

[...]


1 Hedetoft, Ulf 2006, S. 45.

2 Vgl. Bizeul 1997, S. 238 f.

3 Vgl. UNHCR: Connection and Protect Relating to the Status of Refugees, Art. 1 Abs. A2: http://www.un- hcr.ch/service/fragen-antworten/fluechtling.html, Stand: 4.Mai 2015, 11:52Uhr.

4 Vgl. ebd.

5 Vgl. Bonin 2010, S. 25.

6 Vgl. Länder-Lexikon: www.laender-lexikon.de/Dänemark_%28Politisches_System%29 , Stand: 2.Mai 2015; 10:51.

7 Vgl. Bonin 2010, S. 272.

8 Vgl. Förster 2014, S. 64.

9 Vgl. ebd., S. 38.

10 Vgl. Bonin 2010, S. 270 f.

11 Die Regelungen der Job-Card beinhalten eine Aufenthaltserlaubnis bis zu einer Dauer von drei Jahren, die dann im Anschluss verlängert werden kann. Zudem erhalten die Inhaber der Job-Card die Möglichkeit ihre Familien ins Land zu holen, ohne zusätzliche Genehmigungen erwirken zu müssen.

12 Bonin 2010, S. 285.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Migrationspolitik in Dänemark. Die Rolle von Wirtschaft, Staat und NGOs
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
10
Katalognummer
V338263
ISBN (eBook)
9783668278714
ISBN (Buch)
9783668278721
Dateigröße
679 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Migrationspolitik, Dänemark, Politikwissenschaft, Politik
Arbeit zitieren
Nicoline Rohweder (Autor), 2015, Migrationspolitik in Dänemark. Die Rolle von Wirtschaft, Staat und NGOs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/338263

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Migrationspolitik in Dänemark. Die Rolle von Wirtschaft, Staat und NGOs



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden