Die Preisrigidität deutscher Exporteure

Eine Untersuchung


Hausarbeit, 2016

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. „Neue Makroökonomik offener Volkswirtschaften“

3. Internationales Preissetzungsverhalten und seine makroökonomischen Auswirkungen

4. Preisstarrheit deutscher Unternehmen

5. Untersuchung der Preisstarrheit unter deutschen Exporteuren
5.1 Ergebnisse und Interpretation der Studie
5.2 Preisbildungsverhalten deutscher Exporteure

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Exportaktivität weltweit

Abb. 2: Hauptkonkurrenten deutscher Exporteure

Abb. 3: Absatzwege der Exporteure

Abb. 4: Wichtigkeit des Preisaufschlags

Abb. 5: Unterschiede zwischen Exportpreis und Preis im Inlandsmarkt

1. Einleitung

Im Modell neuer Makroökonomik offener Volkswirtschaften spielt das Preisbildungsverhalten der Unternehmen im internationalen Handel eine zentrale Rolle. Ob Unternehmen von einer Preisbildung durch den Produzenten oder von der regionalen Preisbildung Gebrauch nehmen, hat einen entscheidenden Effekt auf beispielsweise die Gestaltung einer optimalen Geld- und Währungspolitik oder die Wahl eines geeigneten Wechselkurssystems. Dennoch sind empirische Belege nicht einheitlich. Nicht nur die Art und Weise der Preisbildung, sondern auch ihre Starrheit oder Anpassung an die Preise der Konkurrenz spielen eine entscheidende Rolle für den internationalen Handel und das Unternehmen selbst.

Diese wissenschaftliche Arbeit nimmt direkten Bezug auf die Preisbildung und -festsetzung deutscher Exporteure und basiert auf einer durchgeführten Studie. In der Studie werden fortlaufende Debatten über angemessene Voraussetzungen zur Preisgestaltung sowie Nachweise über das Preisbildungsverhalten im internationalen Handel vorgestellt. Der deutsche Export stellt damit einen interessanten Fall angesichts der signifikanten Exportaktivitäten dar, sowohl in Bezug auf die Größe der Exportländer als auch auf die Anteile am Weltexport. Es werden Auswirkungen unterschiedlicher Preisbildungsstrategien überprüft, so wie sie in der Neuen Makroökonomik offener Volkswirtschaften verwendet werden und mit den bisherigen Belegen verglichen. Abschließend werden die anhand deutscher Exporteure durchgeführten Studien mit ihren Ergebnissen und Schlussfolgerungen vorgestellt.

2. „Neue Makroökonomik offener Volkswirtschaften“

Das Modell der Neuen Makroökonomik offener Volkswirtschaften ist seit den frühen 1990er Jahren eine führende Entwicklung in der internationalen Wirtschaft. Das Ziel des neuen Modells ist es, neue theoretische Konzepte für die Analyse offener Volkswirtschaften zur Verfügung zu stellen. Stabilisierungspolitische Maßnahmen der Nachfragesteuerung können durch die explizite Berücksichtigung nutzenmaximierenden Verhaltens der privaten Haushalte wohlfahrtstheoretisch bewertet werden (Fendel 2002: 55).

Im Grundmodell der Neuen Makroökonomik offener Volkswirtschaften geht eine einseitig im Inland durchgeführte Geldmengensteigerung nicht mehr zulasten des passiven Auslands. Die Wohlfahrt in beiden Ländern steigt bei Vernachlässigung des Nutzeneffektes der Realkassenhaltung in gleichem Ausmaße an. Das Ausland profitiert also unter Wohlfahrtsgesichtspunkten von der nur im Inland durchgeführten Geldmengensteigerung - obwohl durch die Abwertung der Inlandswährung ein Konsumverlagerungseffekt zugunsten von im Inland hergestellten Gütern auftritt und das Ausland durch das für dieses Land entstehende Leistungsbilanzdefizit gegenüber dem Inland in eine Nettoschuldnerposition gerät, die mit Zinszahlungen und erhöhter Produktion verbunden ist (Corsetti 2007: 2).

3. Internationales Preissetzungsverhalten und seine makroökonomischen Auswirkungen

Innerhalb des neuen Models der „Neuen Makroökonomik offener Volkswirtschaften“ hat sich eine Vielzahl an Modellen etabliert. Sie unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht: die Herkunft nominaler Starre, die Dauer der Starre, die Struktur der Wirtschaft und ihres Absatzmarktes, der Grad an Vollkommenheit des Finanzmarktes, Charakteristiken der Verbraucher sowie angewendete Technologien und das Preisbildungsverhalten monopolartiger, sich am Außenhandel beteiligender Unternehmen. Das letztere wurde als entscheidender Bestimmungsfaktor normgebender und positiver Auswirkungen jeweiliger Modelle nachgewiesen (Fendel et al 2008:162).

Zwei entgegengesetzte Arten des Preissetzungsverhaltens dominieren die theoretischen Modelle: die Preisbildung durch den Produzenten und die Preisbildung durch Marktmechanismen. Die Preisbildung durch Produzenten wird in der Heimatwährung der Exporteure festgesetzt. Da angenommen wird, dass der Markt nicht unterteilt ist, hält sich dauerhaft das Gesetz der Einpreispolitik. Die Preisbildung durch Marktmechanismen reflektiert das Preisbildungsverhalten, in welchem der Markt unterteilt wird: Die Exportpreise werden in der jeweiligen Währung des Exportmarktes gesetzt, das bedeutet, Auslandswährung wird aus Sicht des exportierenden Unternehmens betrachtet. Die Exportgüter werden in der Währung des Ziellandes in Rechnung gestellt. Dieses Merkmal und damit die zweite Art des Preisbildungsverhaltens werden als regionale Preisbildung bezeichnet (Fendel et al: 163).

Im Folgenden wird nur das symmetrische Preissetzungsverhalten diskutiert, das heißt, Heimatunternehmen sowie ausländische Unternehmen setzen die Exportpreise gleichmäßig entweder in der jeweiligen Heimatwährung oder in der ausländischen Währung (Fendel et al 2008: 162). Im Grundmodell der Neuen Makroökonomik offener Volkswirtschaften senkt ein dauerhafter inländischer makroökonomischer Preisschock[1] den üblichen weltweiten Zinssatz und verursacht somit einen Anstieg des inländischen und ausländischen Verbrauchs. Ein Anstieg der inländischen Ausgaben ist auf eine höhere weltweite Nachfrage zurückzuführen, ebenso der Anstieg ausländischer Ausgaben, jedoch in einem deutlich geringeren Ausmaß und in Abhängigkeit vom Kostenaufwand: Aufgrund einer nominalen Entwertung der Heimatwährung und einer perfekten Durchlaufrate wird die weltweite Nachfrage in Richtung der Inlandserzeugung weitergeleitet. Das führt zu einem Leistungsbilanzüberschuss im Herkunftsland; Währung ist langfristig nicht mehr wertneutral. Der Konsum, sowohl im Herkunftsland als auch im Ausland, schreitet im hohen Tempo voran, während die Produktion zurückgeht (Fendel et al: 164).

Der Übertragungs-Prozess eines dauerhaften makroökonomischen Preisschocks unterscheidet sich von der Annahme der regionalen Preisbildung. Das Herkunftsland reagiert darauf mit einer sofortigen Abwertung der Heimatwährung. Da die Preise in der Währung des Käufers angegeben werden und sich erst nach einiger Zeit anpassen, bleiben sowohl Gesamtpreisindizes als auch der relative Preis der im Inland und Ausland produzierten Güter in beiden Ländern unverändert. Aufgrund einer höheren Nachfrage der im Inland ansässigen Händler steigt infolgedessen die Produktion im In- und Ausland im gleichen Verhältnis an (Fendel 2002: 76).

Da sich der Preisindex im Ausland nicht ändert, verändert sich auch der Realzinssatz nicht. Dadurch bleibt der ausländische Konsum unverändert, denn Änderungen im Konsum werden vom zwischenzeitlichen Vergütungen angetrieben. Dennoch geht der Realzinssatz im Herkunftsland zurück und führt zu einem Konsumanstieg (Fabiani 2007: 110).

Trotz grundlegender Bedeutung unterschiedlichen Preisbildungsverhaltens für die Auswirkungen eines makroökonomischen Schocks, wissen wir wenig darüber, wie Produzenten ihre Preise in Wirklichkeit bestimmen. Die Preisbildung ist ein komplexer Aspekt im Exportmarkt und hängt von einer Vielzahl an entscheidenden Faktoren der Exporteure ab. Diese Faktoren können Schwankungen in der Währung, die Größe des Marktanteils, vorhandene Kurssicherungsstrategien, um die Einwirkungen des Wechselkurses einzuschränken, Vertriebskosten, ein makroökonomischer Schock oder andere schwer zu erfassende Faktoren, wie das Verhältnis zwischen Käufer und Verkäufer im internationalen Handel, sein (Corsetti 2007: 14). Letztendlich ist die Frage eines angemessenen Preissetzungsverhaltens eine empirische Frage. Indirekte Hinweise über das Preissetzungsverhalten von Exportunternehmen können durch Überprüfen der Einpreispolitik, basierend auf Streudaten und den Handelsbedingungen (Terms of Trade) bezüglich der Exportrate, entnommen werden (Obstfeld 2000: 160).

Eine Alternative zum Untersuchen der Einpreispolitik ist eine Untersuchung der kurzfristigen Marktdynamik der Terms of Trade, gefolgt von Änderungen im Wechselkurs. Gemäß der regionalen Preisbildung verbessern sich die Handelsbedingungen nach einer Wertminderung, während sich die Handelsbedingungen unter der Preisbildung durch den Produzenten verschlechtern. Eine große Stichprobe an Ländern bestätigt diese Annahme (Fendel et al 2008: 164).

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass indirekte Hinweise nicht einheitlich sind und sowohl zugunsten der Annahme von Preisbildung durch Produzenten als auch von der regionalen Preisbildung genutzt werden können. Somit erscheint es sinnvoll, direkte Belege auf das Preisbildungsverhalten der Exporteure zu untersuchen.

4. Preisstarrheit deutscher Unternehmen

Die Preisstarrheit ist eine Tendenz von Unternehmen, ihre Preise trotz Änderungen in den Kosten des Produzierens und Verkaufs eines Produktes unverändert beizubehalten. Die Folgen davon sind lange stabile Preise. Eine solche Art von Preisbildung ist vor allem im Oligopol anzutreffen. Wenn keiner der Anbieter beabsichtigt, Konkurrenten ihre Marktanteile streitig zu machen, ist dies eine relativ stabile Situation. Die Oligopolisten verzichten auf aktive Preispolitik – sie nehmen Gebrauch von der Preisstarrheit. Der einzelne Anbieter befürchtet selbst bei geringen Preiserhöhungen, Kunden zu verlieren, wenn die Konkurrenten die Preise nicht ebenfalls anheben. Die Zahl der verlorenen Kunden hängt dabei davon ab, wie homogen das gehandelte Gut und wie vollkommen der Markt ist. Bei Preissenkungen würden die Konkurrenten hingegen mitziehen, sodass die Oligopolisten keine zusätzlichen Kunden hinzugewinnen, sondern sich lediglich ihr Gewinn reduziert (Fabiani 2007: 116).

Fabiani untersuchte hierbei Gründe, warum Unternehmen ihre Preise nicht verändern und die Preisstarrheit verfolgen. (2007: 117). In ihrer Studie aus dem Jahr 2004 über das Preisbildungsverhalten europäischer Unternehmen sind Faktoren, die eine Preisanpassung hemmen, in erster Linie feste Verträge und Aufträge, die eine solche Preisänderung ablehnen. Weitere wichtige Gründe sind die Angst vor Kundenverlust und ein vorläufiger makroökonomischer Schock. Letzteres übt vor allem Druck auf Unternehmen aus, wenn Preise gesenkt werden müssen; ebenso das Verhalten der Konkurrenz. Sowohl eine kontinuierliche Beziehung zwischen Preis und Angebot, materielle Kosten als auch eine bürokratische Starrheit lenken das Preisverhalten nur zweitrangig (Fabiani 2007: 118).

Ein weiterer Anhaltspunkt zur Untersuchung der Preisstarre sind Gründe, die für eine Preisänderung sprechen. Diese Faktoren können unter dem Begriff eines makroökonomischen Schocks zusammengefasst werden. Deutsche Unternehmen geben im Jahr 2004 als primären Grund für eine Preisänderung die Materialkosten an. Der Anstieg dieser Kosten spricht für eine Preiserhöhung. Lohnkosten sind nur bei einer dauerhaften Lohnerhöhung ein ausschlaggebender Grund; vorübergehende Lohnerhöhungen wirken sich kaum auf eine Preisveränderung aus (Fabiani 2007: 101). Finanzierungskosten sind ebenfalls von geringer Bedeutung. Eine Erhöhung an Produktivität, welche als permanente Kostenreduzierung angesehen werden kann, führt zu Preisminderungen, ebenso eine Erhöhung der Nachfrage. Wird der Preis vom konkurrierenden Unternehmen gesenkt, reagiert das jeweilige Unternehmen ebenfalls mit einer Preissenkung (Fabiani 2007: 102).

Wie sich Preise verändern, hängt weiterhin vom Preissetzungsverhalten der Unternehmen ab, welches verschiedenen Faktoren zugrunde liegt. Diese Faktoren werden im folgenden Abschnitt untersucht.

5. Untersuchung der Preisstarrheit unter deutschen Exporteuren

Um empirische Hinweise auf das Preisbildungsverhalten zu untersuchen, wurde eine Untersuchung anhand eines Fragebogen unter deutschen Exporteuren durchgeführt. Im Jahr 2004 wurden Fragebögen an insgesamt 850 deutschen Unternehmen verschickt, die Mitglieder des Bundesverbandes des Deutschen Außenhandels sind. 90 Fragebögen wurden ausgefüllt zurückgeschickt - das entsprich 10,5% aller Fragebögen.

Da die meisten Unternehmen eine Vielzahl an Produkten exportieren, wurde sie gebeten, sich auf ihr primäres Exportprodukt außerhalb der Europäischen Währungsunion zu beschränken. Um die Unternehmen in zwei Gruppe aufteilen zu können, musste herausgefunden werden, wie die Unternehmen die Preise für ihr primäres Exportprodukt setzen, d.h. ob Unternehmen die Preissetzung von der Preisentwicklung der Heimatwährung – dem Euro - abhängig machen und diesen Preis im üblichen Wechselkurs des Auslands umwandeln oder ob sich der gesetzte Preis an bestimmten Aspekten des ausländischen Markts richtet. Die befragten Unternehmen wurden in 63 Unternehmen, welche regionale Preisbildung verfolgen und 26 Unternehmen, welche Preisbildung durch Produzenten anstreben, eingeteilt. Im Folgenden werden zunächst die wichtigsten Merkmale der Unternehmen vorgestellt und anschließend die wichtigsten Ergebnisse sowohl für die gesamte Stichprobe als auch für die beiden Gruppen der Unternehmen

[...]


[1] Ein makroökonomischer Schock ist ein unvorhersehbares Ereignis, das die Wirtschaft positiv oder negativ beeinflusst und zu Veränderungen des Angebots bzw. der Nachfrage führt. Ein Preisschock beschreibt eine plötzliche Veränderung mit daraus resultierenden Anpassungsprozessen. (Quelle: www.investopedia.com)

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Preisrigidität deutscher Exporteure
Untertitel
Eine Untersuchung
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
14
Katalognummer
V338385
ISBN (eBook)
9783668279216
ISBN (Buch)
9783668279223
Dateigröße
839 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Neue Makroökonomik offener Volkswirtschaften, Internationales Preissetzungsverhalten, Preisrigidität, Preisstarrheit, Preisbildungsverhalten
Arbeit zitieren
Olesja Yaniv (Autor), 2016, Die Preisrigidität deutscher Exporteure, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/338385

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