Die Spuren von Technological Forecasting lassen sich bis zu den dreißiger Jahren in den USA zurückverfolgen. Der eigentliche Beginn von Technological Forecasting liegt jedoch Anfang der sechziger Jahre. Als Grundlage wird die Monographie „Technological Forecasting“ von Lenz gesehen. 1
Ziel des Technological Forecasting ist „die Schätzung der wahrscheinlichen Verfügbarkeit oder Verbreitung einer technologischen Entwicklung zu einem bestimmten Zeitpunkt oder Zeitraum unter Angabe der wichtigsten Charakteristika“. 2 Durch das Forecasting sollen spezifische Infos zur Verfügung gestellt werden, die die Q ualität von Entscheidungsprozessen deutlich verbessern. 3
Es gibt verschiedene Technological Forecasting Verfahren, die jeweils in einem zweidimensionalen Schema mit den Dimensionen „explorativ - normativ“ und „quantitativ - qualitativ“ zugeordnet werden können wie Abb. 1 zu entnehmen ist. In der ersten Dimension unterscheidet man explorative und normative Methoden, abhängig davon, ob technische Veränderungen primär als von endogenen Variablen beeinflusst oder von exogenen Variablen bestimmt gesehen werden. 4 Explorative Methoden starten mit vergangenen und gegenwärtigen Bedingungen und versuchen diese auf zukünftige zu projizieren, 5 d.h. Ausgangspunkt sind die technischen Möglichkeiten. 6 Bei normativen Methoden geht man hingegen von zukünftigen Bedürfnissen oder Zielsetzungen aus, für welche die notwendigen technischen Leistungen identifiziert werden müssen, um diese zu befriedigen. 7
In der zweiten Dimension unterscheidet man quantitative und qualitative Methoden. Bei quantitativen Prognoseverfahren werden mittels Extrapolation aus den Daten der Vergangenheit Gesetzmäßigkeiten abgeleitet, die für Prognosen herangezogen werden. 8 Qualitative Prognosetechniken stützen sich indessen auf die menschliche Urteilsfähigkeit, wobei die Ereignisse diskret und eindeutig definierbar sein müssen. So sind auch Behavioral Technologies wie z.B. Verfahren zu den Aufgaben des Forecasters zu zählen. 9 Qualitative Trends können auch extrapoliert werden. Allerdings kann der genaue Level der Erfüllung nicht präzise definiert werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Klassifizierung von Technological Forecasting Verfahren
2 Methodik einzelner Prognoseverfahren
2.1 Ablauf und Vorteile der Delphi – Methode
2.2 Szenario – Technik in der strategischen Unternehmens-planung
2.3 Morphologischer Kasten
3 Frühwarnsysteme
3.1 Frühaufklärungssysteme als Basis für zeitgerechtes, strategisch orientiertes Handeln
3.2 Portfolio – Analyse als Instrument der strategischen Frühaufklärung
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit befasst sich mit den Grundlagen und Methoden des Technological Forecasting als Instrument der strategischen Führung. Ziel ist es, verschiedene Prognoseverfahren und Frühwarnsysteme zu analysieren, um Entscheidungsprozesse in einer dynamischen Unternehmensumwelt zu optimieren und frühzeitig auf strategische Diskontinuitäten reagieren zu können.
- Klassifizierung von Prognoseverfahren (explorativ/normativ, qualitativ/quantitativ)
- Methodische Ansätze wie die Delphi-Methode und Szenariotechnik
- Anwendung der Morphologie zur kreativen Neuproduktentwicklung
- Konzept und Instrumente der strategischen Frühaufklärung
- Einsatz der Portfolio-Analyse zur Identifikation von Chancen und Risiken
Auszug aus dem Buch
Ablauf und Vorteile der Delphi – Methode
Bei der von Norman Dalkey und Olaf Helmer während einer Studie zur atomaren Bedrohung entwickelten Delphi – Methode handelt es sich um eine Informationsgewinnmethode durch strukturierte Mehrfachbefragung von Experten. Diese wird vor allem zur Vorhersage bestimmter Trends oder Entwicklungen eingesetzt.
Bevor die erste Befragung durchgeführt werden kann, müssen Vorbereitungen wie die Auswahl der Experten und das genaue Erläutern des Verfahrens getroffen werden. Nur wenn die Anzahl der Experten aus den einzelnen Teildisziplinen ausgewogen ist und diese das Vorgehen kennen, können die anschließenden Befragungen erfolgreich verlaufen.
Die erste Befragungsrunde verläuft komplett unstrukturiert. Dabei sollen die Befragten, die immer anonym antworten, Ereignisse oder Trends innerhalb des Problembereiches voraussagen. Anschließend wertet der Moderator die Antworten aus und stellt eine Liste zukünftiger möglicher Ereignisse zusammen, die den Experten vorgelegt werden. In der nächsten Runde müssen die Befragten angeben, wann die Ereignisse ihrer Meinung nach auftreten werden, wobei auch „niemals“ eine mögliche Antwort ist. Die Ergebnisse werden statistisch ausgewertet werden, indem der Median und die Quartilswerte ermittelt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Klassifizierung von Technological Forecasting Verfahren: Dieses Kapitel führt in die historische Entwicklung sowie die systematische Einordnung von Prognoseverfahren anhand der Dimensionen explorativ/normativ und qualitativ/quantitativ ein.
2 Methodik einzelner Prognoseverfahren: Hier werden spezifische Instrumente wie die Delphi-Methode, die Szenariotechnik und der Morphologische Kasten detailliert hinsichtlich ihres Ablaufs und Nutzens erläutert.
3 Frühwarnsysteme: Dieses Kapitel befasst sich mit der strategischen Frühaufklärung, insbesondere mit der Nutzung schwacher Signale und der Portfolio-Analyse zur Identifikation von Diskontinuitäten.
Schlüsselwörter
Technological Forecasting, Strategische Führung, Delphi-Methode, Szenariotechnik, Morphologischer Kasten, Frühwarnsysteme, Strategische Frühaufklärung, Schwache Signale, Portfolio-Analyse, Diskontinuitäten, Prognoseverfahren, Marktattraktivität, Wettbewerbsposition, Unternehmensplanung, Trendextrapolation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt Methoden und Instrumente des Technological Forecasting, die es Unternehmen ermöglichen, zukünftige technologische und marktbezogene Entwicklungen systematisch zu antizipieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Klassifizierung von Prognosemethoden, die Anwendung kreativer Techniken wie des morphologischen Kastens und die Implementierung von Frühwarnsystemen zur strategischen Unternehmenssteuerung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Bereitstellung methodischer Ansätze, die die Qualität von strategischen Entscheidungsprozessen verbessern, indem sie zukünftige Unsicherheiten durch Prognosen und Frühaufklärung reduzieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender Konzepte und Methoden des Technologiemanagements, ergänzt durch die grafische Veranschaulichung von Denkmodellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erläutert die Funktionsweise und den Ablauf konkreter Verfahren wie der Delphi-Methode, der Szenariotechnik und der Portfolio-Analyse zur strategischen Frühaufklärung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Technological Forecasting, Strategische Frühaufklärung, Schwache Signale, Diskontinuitäten und Szenariotechnik.
Was ist der Zweck des "Morphologischen Kastens"?
Der morphologische Kasten dient als strukturanalytische Kreativtechnik dazu, komplexe Probleme in Teilbereiche zu zerlegen und systematisch neue Lösungs- oder Produktkombinationen zu entwickeln.
Wie unterscheidet sich die "Unschärfefläche" von der klassischen Portfolio-Analyse?
Anstatt einer punktuellen Positionierung in der Portfolio-Matrix nutzt die Unschärfefläche elliptische Bereiche, um die Unsicherheit und dissentierende Expertenmeinungen über die zukünftige Entwicklung einer Geschäftseinheit abzubilden.
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- Dipl. Kffr. Jessica Schmidt (Author), Tina Burkhart (Author), Michael Engler (Author), Julian Cirkel (Author), Sonja Rotermund (Author), 2005, Technological Forecasting, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33847