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Vermeintliche Gleichheit in der qualitativen Sozialforschung. Insider-Forscher vor dem Hintergrund zunehmender Transkulturalität

Title: Vermeintliche Gleichheit in der qualitativen Sozialforschung. Insider-Forscher vor dem Hintergrund zunehmender Transkulturalität

Term Paper , 2016 , 15 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Joy Baruna (Author)

Sociology - Methodology and Methods
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„[…] as insiders we are better able to recognise both the ties that bind us and the social fissures that divide us“ (Ganga & Scott, 2006). In Gangas und Scotts Aussage zeigt sich die Ambivalenz, der sich Personen in einer Doppelrolle als Forscher und Mitglied einer beforschten Community in der qualitativen Sozialforschung aussetzen.

Einerseits wird die besondere Verbindung zwischen Forschern und Beforschten deutlich, andererseits wird auf Differenzen verwiesen, welche aufgrund der geteilten Zugehörigkeit gegebenenfalls in den Fokus rücken. Soziokulturelle Nähe kann demnach als relativ betrachtet werden, insbesondere in modernen Gesellschaften, welche geprägt sind von kultureller Vielfalt und ständigem Wandel.

Welche Konsequenzen ergeben sich vor diesem Hintergrund für Insider-Forscher? Welche Chancen tun sich auf und welchen Herausforderungen und Problemen müssen sie sich im Rahmen des Forschungsprozesses stellen? Diesen Fragen widmet sich die vorliegende Arbeit.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung

2) Die Reflexivität des Forschers als grundlegendes Kennzeichen qualitativer Sozialforschung

3) Die Insider-Positionierung vor dem Hintergrund kultureller Vielfalt

a. Transkulturelle soziale Wirklichkeit moderner Gesellschaften

b. Besonderheiten der Insider-Positionierung in heterogenen Communities – ein Überblick

4) Chancen und Herausforderungen für Insider-Forscher im Verlauf des Forschungsprozesses

a. Insider-Wissen und Vorannahmen

b. Feldzugang und Test-Phase

c. Interviewdurchführung und Gefahren des „Being Native“

5) Positionierung jenseits der Insider/Outsider-Dichotomie

6) Diskussion und Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die komplexe Rolle von Insider-Forschern in der qualitativen Sozialforschung, insbesondere vor dem Hintergrund transkultureller Gesellschaften. Ziel ist es, die spezifischen Chancen, Herausforderungen und methodischen Implikationen dieser Doppelrolle kritisch zu reflektieren und Ansätze zu diskutieren, die über die klassische Insider/Outsider-Dichotomie hinausgehen.

  • Reflexivität des Forschers als zentrales Forschungsinstrument
  • Herausforderungen durch Vorannahmen und "Insider-Wissen"
  • Dynamiken im Feldzugang und bei der Interviewführung
  • Konzept der "Multiple Positionalities" als Gegenentwurf zur Kategorisierung
  • Kritische Auseinandersetzung mit der "trap of similarity"

Auszug aus dem Buch

c. Interviewdurchführung und Gefahren des „Being Native“

Bei der Durchführung von Interviews über nationale, sprachliche Grenzen hinweg, haben Insider-Forscher gegenüber Outsidern den klaren Vorteil über ein tieferes Verständnis der Community-Muttersprache zu verfügen (Ganga & Scott, 2006, Abs. 20; Nowicka & Ryan, 2015, Abs. 13). Unabhängig von sprachlichen Kontexten, bewerten Bonner und Tolhurst (2002) darüber hinaus die bei Insidern vorhandenen Kenntnisse des jeweiligen „Jargons“ als positiv (S. 16). Zudem können Insider die Bedeutung von Aussagen ihrer Teilnehmer gegebenenfalls in den jeweiligen kulturellen Kontext einordnen (Ganga & Scott, 2006, Abs. 20), sofern sie ihr Insider-Wissen entsprechend reflektieren (siehe 3b und 4a). Laut Kanuha (2000, S.) besteht allerdings die Gefahr, dass Forscher und Teilnehmer während der Interviews in eine „presumptive, coded communication“ (S. 443) verfallen.

So stellten sowohl Kanuha (2000, S. 442), als auch Beloe (2014, S. 142) und Pérez Naranjo (2014, S. 160f) fest, dass die Teilnehmer aufgrund der geteilten Community-Zugehörigkeit annahmen, die Insider-Forscher würden die Antworten auf bestimmte Fragen bereits kennen, was durch Bemerkungen wie „Nun… du weißt ja, wie das ist“ (Pérez Naranjo, 2014, S. 160) deutlich wurde. Kanuha (2000) erkannte bei späterer Sichtung der ersten Transkripte außerdem, dass sie ihrerseits die Teilnehmer teilweise unterbrochen oder nicht dazu aufgefordert hatte ihre Ausführungen zu beenden (S. 442). Um komplexere Informationen zu erhalten bat Kanuha (2000) Teilnehmer bei späteren Interviews um Konkretisierung „just for the record“ (S. 443). Somit wurde die intime Atmosphäre zwischen zwei >Insidern< nicht aufgebrochen.

Zusammenfassung der Kapitel

1) Einleitung: Das Kapitel führt in die Ambivalenz der Doppelrolle als Forscher und Community-Mitglied ein und umreißt die Fragestellung sowie den methodischen Aufbau der Arbeit.

2) Die Reflexivität des Forschers als grundlegendes Kennzeichen qualitativer Sozialforschung: Hier wird dargelegt, warum die Subjektivität und die selbstreflexive Haltung des Forschers in der qualitativen Forschung nicht als Störfaktor, sondern als notwendiges Erkenntnisinstrument dienen.

3) Die Insider-Positionierung vor dem Hintergrund kultureller Vielfalt: Dieses Kapitel erläutert den Begriff der Transkulturalität und diskutiert, wie sich die Positionierung als Insider in heterogenen, modernen Gesellschaften theoretisch verorten lässt.

4) Chancen und Herausforderungen für Insider-Forscher im Verlauf des Forschungsprozesses: Der Hauptteil analysiert die praktischen Vor- und Nachteile von Insider-Wissen, beleuchtet Schwierigkeiten beim Feldzugang und diskutiert Risiken bei der Interviewführung, wie etwa das Phänomen des "Being Native".

5) Positionierung jenseits der Insider/Outsider-Dichotomie: Das Kapitel stellt alternative Ansätze vor, um die starre Trennung zwischen Insider und Outsider aufzubrechen und erkenntnistheoretisch flexibler zu gestalten.

6) Diskussion und Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung, die die Kontextabhängigkeit der Insider-Rolle betont und für eine wertschätzende, selbstreflexive Forschungshaltung plädiert.

Schlüsselwörter

Qualitative Sozialforschung, Insider-Forscher, Outsider, Reflexivität, Transkulturalität, Feldzugang, Interviewführung, Multiple Positionalities, Identität, Community, Vorannahmen, Being Native, Migrationsforschung, Forschungsethik, Wissensvorsprung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit behandelt die spezifische Positionierung von Forschern, die gleichzeitig Mitglieder der von ihnen untersuchten Community sind, und analysiert die daraus resultierenden methodischen Konsequenzen für die qualitative Sozialforschung.

Welche zentralen Themenfelder werden in der Arbeit bearbeitet?

Zentrale Themen sind die Rolle der Reflexivität, die Dynamik von Zugehörigkeit in transkulturellen Kontexten, die ethischen und praktischen Herausforderungen des "Insider-Seins" sowie die Überwindung binärer Kategorisierungen in der Forschung.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel besteht darin, ein differenziertes Verständnis für die Chancen und Probleme von Insider-Forschern zu schaffen und darzulegen, wie eine selbstreflexive Haltung die Qualität der Forschung trotz der methodischen Fallstricke sichern kann.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung und Synthese bestehender qualitativer Forschungsliteratur sowie der kritischen Auswertung von Erfahrungsberichten verschiedener Insider-Forscher.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Phasen des Forschungsprozesses: Es wird untersucht, wie Insider-Wissen Vorannahmen beeinflusst, wie sich der Feldzugang gestaltet und welche Gefahren in Interviewsituationen (z. B. "trap of similarity") entstehen können.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die zentralen Schlagworte sind qualitative Sozialforschung, Insider-Forscher, Reflexivität, Transkulturalität und das Konzept der Multiple Positionalities.

Wie unterscheidet sich "Being Native" von "Going Native" laut der Arbeit?

"Being Native" beschreibt die Ausgangslage eines Forschers, der Teil der beforschten Community ist, während "Going Native" den Verlust der wissenschaftlichen Distanz durch eine zu starke Identifikation mit dem Feld bezeichnet.

Inwiefern kann das Insider-Wissen zum Nachteil für den Forschungsprozess werden?

Insider-Wissen kann dazu führen, dass Forscher Informationen als selbstverständlich hinnehmen, kritische Nachfragen unterlassen oder durch eigene Emotionen und Erlebnisse in der Konzentration auf das Interview abgelenkt werden.

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Details

Title
Vermeintliche Gleichheit in der qualitativen Sozialforschung. Insider-Forscher vor dem Hintergrund zunehmender Transkulturalität
College
Free University of Berlin  (Psychologie und Erziehungswissenschaft)
Course
Qualitative Verfahren
Grade
1,0
Author
Joy Baruna (Author)
Publication Year
2016
Pages
15
Catalog Number
V338509
ISBN (eBook)
9783668281844
ISBN (Book)
9783668281851
Language
German
Tags
Qualitativ Qualitative Sozialforschung Sozialforschung Insider Forscher Positionierung Rolle multiple positionalities Feld Interaktion Beforschte Interview Qualitatives Interview Methoden Forschung Erziehungswissenschaft Reflexivität Transkulturell interkulturell community Forschungsprozess going native being native Interviewdurchführung Datenerhebung Herausforderungen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Joy Baruna (Author), 2016, Vermeintliche Gleichheit in der qualitativen Sozialforschung. Insider-Forscher vor dem Hintergrund zunehmender Transkulturalität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/338509
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