Die nachfolgenden Ausführungen versuchen zu klären, warum besonders Jugendliche gefährdet sind eine Sucht zu entwickeln. Dabei werden zunächst das Phänomen der Sucht und die grundsätzlichen Ursachen für die Entstehung einer Sucht erläutert. Daraufhin wird die besondere Phase der Jugend mit all ihren Herausforderungen, Aufgaben und Problemen untersucht und verschiedene Risikofaktoren aufgeführt, die zur Entstehung einer Sucht in der Jugend führen können. Anschließend werden die Bedeutung und die Herausforderungen für die Soziale Arbeit, die aus der Suchtproblematik heraus entstehen, diskutiert.
Aktuelle Untersuchungen zum Thema Drogenkonsum im Jugendalter, wie die Drogenaffinitätsstudie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) von 2012 zeigen, dass der Großteil der Menschen, die jemals illegale Drogen genommen haben, den Kontakt mit diesen erstmalig in der Jugend hatte. Für die meisten der Jugendlichen war dieser Kontakt wohlmöglich ein Ausprobieren bzw. ein Experimentieren, angetrieben aus Neugier und jugendlichem Leichtsinn.
Für das Jahr 2011 gaben fast 40 % der befragten 18 bis 25-Jährigen an, mindestens einmal eine illegale Droge konsumiert zu haben. Bei den 12 bis 17-Jährigen waren es knapp 8% (Drogenaffinitätsstudie, 2012, S. 47). Für einige Jugendliche bleibt es jedoch nicht nur bei einem experimentellen Konsum, sondern geht in einen regelmäßigen und problematischen Konsum über. Die Drogenaffinitätsstudie gibt dazu an, dass von den Befragten zwischen 18 und 25 knapp 4% regelmäßig illegale Drogen konsumieren (Drogenaffinitätsstudie, 2012, S. 47). Jugendliche scheinen eine besondere Risikogruppe für die Entwicklung einer Sucht zu sein. Dementsprechend ist auch das aktuelle Programm der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler, ausgerichtet und legt einen besonderen Schwerpunkt auf Suchtpräventionsmaßnahmen in der Kindheit und Jugend. Doch worin liegen die Ursachen für eine Entwicklung einer Sucht im Jugendalter?
Inhaltsverzeichnis
Problemstellung
1. Das Phänomen Sucht
1.1. Definition: Sucht
1.2. Gründe für die Entstehung einer Abhängigkeit
2. Die besondere Phase der Jugend
3. Ursachen einer Suchtentwicklung im Jugendalter
3.1. Psychologische Erklärungsansätze
3.1.1. Psychoanalytisches Erklärungsmodell
3.1.2. Lerntheoretisches Erklärungsmodell
3.2. Biologische Erklärungsansätze
3.3. Soziologische Erklärungsansätze
3.4. Drogenabhängigkeit aus der Perspektive der Sozialen Arbeit
3.4.1. Das „Modell der Trias“ nach Kiefholz und Ladewig
3.4.2. Verhaltensauffälligkeiten als Kennzeichen für die Entstehung einer Drogenabhängigkeit
4. Diskussion
4.1. Zusammenfassung und Bewertung des Theoriestands
4.2. Bedeutung und Herausforderungen für die Soziale Arbeit
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die vielschichtigen Ursachen für die Entstehung von Drogenabhängigkeit im Jugendalter. Dabei wird analysiert, warum Jugendliche eine besonders gefährdete Gruppe darstellen und wie psychologische, biologische und soziologische Erklärungsmodelle zum Verständnis der Suchtproblematik im Kontext der Sozialen Arbeit beitragen können.
- Analyse psychologischer, biologischer und soziologischer Erklärungsansätze für Drogenabhängigkeit
- Untersuchung der spezifischen Entwicklungsaufgaben und Belastungen in der Jugendphase
- Kritische Reflexion der Rolle der Sozialen Arbeit in der Drogenhilfe
- Vorstellung und Bewertung von Modellen wie der „Trias“ und des Prozesses von Verhaltensauffälligkeiten
Auszug aus dem Buch
3.1.1. Psychoanalytisches Erklärungsmodell
Bei der Betrachtung von Drogenabhängigkeit bzw. -sucht im Sinne eines psychischen Problems, können psychoanalytische Theorie hilfreich sein, die Entstehung einer Sucht zu erklären. Bei der Psychoanalyse stehen innerpsychische Ereignisse aus der oft frühesten Kindheit, die das spätere Verhalten beeinflussen, im Mittelpunkt.
Der Erfinder der Psychoanalyse, Sigmund Freud, hatte dies erkannt und betonte in seiner Theorie instinktive biologische Energien, welche sich unmittelbar auf die menschliche Motivation auswirken und diese beeinflussen. Viele Psychoanalytiker und Suchtforscher der heutigen Zeit, nehmen immer wieder Bezug auf die Erklärungsmodelle psychischer Störungen von Freud.
„Zu den grundlegenden Konzepten der Freud`schen Theorie gehören die psychische Energie als treibende und lenkende Kraft hinter dem Verhalten, frühe Erfahrungen als entscheidende Determinanten der lebenslangen Persönlichkeit, psychologischer Determinismus und mächtige unbewusste Prozesse“ (Gerrig & Zimbardo , 2008, S. 544). Aus der von Freud entwickelten Triebtheorie ergaben sich für ihn fünf Phasen der Psychosozialen Entwicklung (siehe Abbildung 1). Freud ging davon aus, dass sich die Quelle der sexuellen Lust in dieser Abfolge verändert.
Zusammenfassung der Kapitel
Problemstellung: Einführung in die Thematik des Drogenkonsums bei Jugendlichen und Darstellung der Relevanz des Themas für präventive Maßnahmen.
1. Das Phänomen Sucht: Definition des Suchtbegriffs sowie Erläuterung der Motive für Drogenkonsum und der Entstehung von Abhängigkeit.
2. Die besondere Phase der Jugend: Analyse der Jugend als Entwicklungsphase sowie als gesellschaftliches Konstrukt unter Berücksichtigung von Belastungsfaktoren.
3. Ursachen einer Suchtentwicklung im Jugendalter: Detaillierte Darstellung psychologischer, biologischer und soziologischer Erklärungsansätze sowie der Perspektive der Sozialen Arbeit.
4. Diskussion: Synthese und kritische Bewertung der behandelten Theorien sowie Analyse der Bedeutung für die Soziale Arbeit.
5. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Forderung nach einer Perspektiverweiterung in der Drogenhilfe.
Schlüsselwörter
Drogenabhängigkeit, Jugendalter, Suchtentwicklung, Soziale Arbeit, Psychologie, Biologie, Soziologie, Prävention, Trias-Modell, Verhaltensauffälligkeiten, Entwicklungsaufgaben, Adoleszenz, Drogenhilfe, Suchtmodelle, Lebensweltorientierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die vielfältigen Ursachen und Erklärungsmodelle für die Entstehung von Drogenabhängigkeit speziell bei Jugendlichen und wie diese Erkenntnisse in die Praxis der Sozialen Arbeit einfließen können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf psychologischen, biologischen und soziologischen Theorien, den spezifischen Anforderungen der Jugendphase sowie den Herausforderungen für die heutige Drogenhilfe.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu klären, warum Jugendliche eine besonders gefährdete Risikogruppe darstellen und wie eine ganzheitliche, transdisziplinäre Soziale Arbeit dazu beitragen kann, Suchtentwicklung wirksam zu behandeln und zu präventionieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung und Literaturanalyse, bei der bestehende fachwissenschaftliche Konzepte (wie z.B. das Modell der Trias) zusammengeführt und kritisch diskutiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der theoretischen Erklärungsansätze (Psychologie, Biologie, Soziologie) sowie die spezifische Betrachtung der Drogenhilfe und der Modellierung von Verhaltensauffälligkeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind Suchtentwicklung, Jugendalter, Soziale Arbeit, transdisziplinäre Perspektiven und präventive Ansätze.
Wie unterscheidet sich die Sichtweise der Sozialen Arbeit von rein medizinischen Konzepten?
Die Arbeit betont, dass die Soziale Arbeit Sucht nicht nur als Krankheit, sondern als Symptom destruktiver Entwicklungen und als Ergebnis eines Zusammenspiels aus individuellem Setting und gesellschaftlichem Milieu verstehen muss.
Welche Rolle spielen Verhaltensauffälligkeiten nach Hurrelmann?
Das Modell dient als Grundlage, um zu verstehen, wie persönliche und soziale Ressourcen bei der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben versagen können, was wiederum als Indikator für eine mögliche Drogenkarriere dient.
Warum wird die aktuelle Praxis der Drogenhilfe im Fazit kritisiert?
Die Autoren kritisieren eine einseitige Pathologisierung und Therapeutisierung, die dazu führt, dass die Soziale Arbeit ihre lebensweltorientierten Wurzeln verliert und Drogenkonsum zu stark unter dem Aspekt des Krankheitskonzepts betrachtet.
- Citar trabajo
- Fanny Neuber (Autor), Christian Höldtke (Autor), 2016, Worin liegen die Ursachen für die Entstehung einer Drogenabhängigkeit im Jugendalter?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/338582