Die Teilhabe an Bildungsprozessen ist für Menschen mit geistiger Behinderung der Schlüssel zu einem Mehr an Gesundheit, Autonomie, Teilhabe sowie Inklusion, gesteigerter Lebensqualität und persönlicher Erfüllung im eigenen Dasein. Dies gilt bezogen auf den gesamten Prozess des Alterns, von der Geburt bis zum Tod- für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit geistiger Behinderung gleichermaßen und zwar immer dann, wenn der Bildungsprozess sich durch bestimmte ,,Qualitätsmerkmale" auszeichnet, die aus dem Anspruch resultieren, solche präventiven Effekte bei Menschen dieses äußerst heterogenen Personenkreises mit Hilfe von Bildung tatsächlich hervorrufen zu wollen. Es wäre darüber hinaus jenseits jenes, seit 2009 aus moralischer Verpflichtung erwachsenen Rechtsanspruches auf lebenslanges Lernen, den die der UN-BRK formuliert, schlicht und ergreifend mit dem Prinzip der Menschenwürde unvereinbar, geistig behinderten Menschen allein aufgrund ihrer Benachteiligung, die präventiven Effekte von Bildung und damit auch Gerechtigkeit, sowie ein gewisses Maß an Chancengleichheit von Anbeginn ihrer Existenz durch Fremdurteil abzusprechen.
Frühstmöglich und bis ins hohe und höhere Lebensalter hinein, lautet daher die Devise professioneller, im Bildungskontext tätiger Fachkräfte, geistig behinderte Menschen im Rahmen ihrer individuellen Möglichkeiten, mit Hilfe guter Bildungsangebote auf den herrschenden Konkurrenzkampf innerhalb einer Gesellschaft für Alle vorzubereiten und dabei individuell vorhandene Fähigkeiten auszubauen, sowie diese auf Dauer zu erhalten, damit sich über lebenslanges Lernen eine inklusive Gesellschaft, als Leitidee der UN-BRK und nach wie vor unerreichtes Ideal bilden kann. Dazu braucht es allerdings auch künftig, weitere sozialpolitische Anstrengungen in allen gesellschaftsrelevanten Bereichen, da bislang gerade auch im Bildungsbereich, der Gedanke der Inklusion nur unzureichend umgesetzt worden ist.
Inhaltsverzeichnis
- Vorwort des Verfassers
- Zur Terminologie eines Problembegriffes
- Geistige Behinderung - ein buntes Phänomen und was darunter zu verstehen ist
- Was das Gute vom Schlechten unterscheidet
- Grundlegende Bedingungen einer an sich guten Bildung für geistig behinderte Menschen
- Spezielle präventive Effekte von Bildung beim Alternsprozess
- Eingrenzung der Lebensphasen als Bestandteile des Alternsprozesses menschlichen Daseins
- Präventive Effekte der Bildung bei geistiger Behinderung in den Lebensphasen
- Kindheit und Jugend
- Erwachsenalter
- Fazit/Schlussbemerkung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit analysiert die Rolle von Bildungsangeboten im Alternsprozess von Menschen mit geistiger Behinderung, wobei der Alternsprozess den gesamten Lebenslauf umfasst. Das Ziel ist es, die präventiven Effekte von Lernen für diese Personengruppe in verschiedenen Lebensphasen zu untersuchen.
- Terminologie und Verständnis von geistiger Behinderung
- Grundlagen und Bedingungen einer "guten" Bildung für Menschen mit geistiger Behinderung
- Präventive Effekte von Bildung in verschiedenen Lebensphasen
- Die Bedeutung inklusiver Bildung für den gesamten Lebenslauf
- Zusammenhang zwischen Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel beschäftigt sich mit der Terminologie des Begriffs "geistige Behinderung" und beleuchtet die kontroversen Diskussionen um seine Definition. Kapitel zwei erläutert den allgemeinen Behinderungsbegriff, sowohl im Kontext des Sozialgesetzbuches als auch der UN-Behindertenrechtskonvention. Die International Classification of Fuctioning, Disability and Health (ICF) wird als theoretisches Modell vorgestellt, das die Bildungsaktivität von Menschen mit geistiger Behinderung analysieren kann. In Kapitel drei wird die Frage nach dem "Guten" und "Schlechten" im Kontext von Bildung diskutiert. Kapitel vier beschreibt die Bedingungen, die einer Bildung für Menschen mit geistiger Behinderung ungeachtet ihres Alters zu einer "uneingeschränkten Güte" verhelfen können. Kapitel fünf befasst sich mit den spezifischen präventiven Effekten von Bildung in den Lebensphasen Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter, wobei eine altersbezogene Eingrenzung der Lebensphasen vorgenommen wird.
Schlüsselwörter
Geistige Behinderung, Inklusion, Bildung, Alternsprozess, Lebensphasen, präventive Effekte, UN-BRK, ICF, Lebenslanges Lernen, Teilhabe, Gesellschaft.
Häufig gestellte Fragen
Warum ist lebenslanges Lernen für Menschen mit geistiger Behinderung wichtig?
Es ist der Schlüssel zu mehr Autonomie, Inklusion, Lebensqualität und Gesundheit. Zudem ist der Anspruch auf Bildung in der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) verankert.
Welche präventiven Effekte hat Bildung beim Alternsprozess?
Bildung hilft dabei, individuelle Fähigkeiten auszubauen und dauerhaft zu erhalten, was besonders im Alter zur Bewahrung von Selbstständigkeit und Teilhabe beiträgt.
Was versteht man unter einer „guten“ Bildung in diesem Kontext?
Eine gute Bildung zeichnet sich durch Qualitätsmerkmale aus, die auf die individuellen Bedürfnisse des heterogenen Personenkreises eingehen und präventive Effekte tatsächlich hervorrufen.
Welche Rolle spielt die UN-BRK für das Bildungssystem?
Die UN-BRK formuliert einen moralischen und rechtlichen Anspruch auf lebenslanges Lernen und Inklusion, der bisher im Bildungsbereich oft noch unzureichend umgesetzt ist.
Was ist das ICF-Modell?
Die „International Classification of Functioning, Disability and Health“ dient als theoretisches Modell, um die Bildungsaktivität und Teilhabe von Menschen mit Behinderung systematisch zu analysieren.
- Citation du texte
- Stephan Walk (Auteur), 2016, Lebenslanges Lernen und gute Bildungsangebote für Menschen mit geistiger Behinderung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/338596