Die Inhaltsanalyse von Online-Angeboten - die längst neben Texten auch um Bilder, Audio- und Videofunktionen erweitert wurden - bringt eigene Probleme und Herausforderungen mit sich, die in dieser Ausführung erläutert werden.
Im ersten Teil gehe ich auf die Flüchtigkeit/Dynamik/Transitorik, die Medialität/Multimedialität/Multimodalität, die Nonlinearität/Hypertextualität, die Reaktivität/Personalisierung und die Digitalisierung/Maschinenlesbarkeit ein.
Im Anschluss werden die Qualitätsanforderungen an eine Online-Inhaltsanalyse betrachtet, indem ich einige Schwierigkeiten bei der Erfüllung der Gütekriterien aufzeige. Zum Schluss behandele ich in einem Fazit die Chancen der Online-Inhaltsanalyse und gebe einen Ausblick, welche Bedeutung die Online-Inhaltsanalyse in Zukunft haben kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Besonderheiten der Online-Inhaltsanalyse und die daraus folgenden Herausforderungen und Schwierigkeiten
2.1 Flüchtigkeit, Dynamik und Transitorik
2.2 Medialität, Multimedialität, Multimodalität
2.3 Nonlinearität/ Hypertextualität
2.4. Reaktivität und Personalisierung
2.5 Digitalisierung, Machinenlesbarkeit
3. Auswirkungen auf die Gütekriterien
3.1 Objektivität
3.2 Reliabilität (Zuverlässigkeit)
3.3 Validität (Gültigkeit)
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die methodischen Herausforderungen und Schwierigkeiten bei der Durchführung von Inhaltsanalysen für Online-Angebote. Das primäre Ziel besteht darin aufzuzeigen, wie sich spezifische Interneteigenschaften wie Dynamik, Multimodalität und Interaktivität auf die klassischen wissenschaftlichen Gütekriterien auswirken.
- Herausforderungen durch Flüchtigkeit und Archivierung von Online-Inhalten
- Einfluss von Multimedialität und nonlinearer Struktur auf die Analyse
- Die Rolle der Reaktivität und Personalisierung bei der Datenerhebung
- Methodische Ansätze und Grenzen der computerunterstützten Inhaltsanalyse (CUI)
- Auswirkungen der Internetspezifika auf Objektivität, Reliabilität und Validität
Auszug aus dem Buch
2.1 Flüchtigkeit, Dynamik und Transitorik
Anhand dieser Grafik, die von dem Jahr 2000 bis zu dem Jahr 2014 die Anzahl der Websites im Internet zeigt, lässt sich der dynamische Wachstum des World Wide Web erkennen. Im Jahre 2000 lag die Anzahl der Websites bei rund 17 Millionen, während diese bis zum Jahr 2014 auf etwa 969 Millionen anstieg (Anstieg auf das 57- fache) (siehe Statistik). Daraus folgt, dass „Online Inhalte […] kontinuierlich neu erstellt, verändert oder gelöscht [werden]“ (Welker/Wünsch/Böcking et al. 2010: 11). Daraus ergibt sich die Frage nach der Definition einer neuen Website: Bei welcher Veränderung handelt es sich um einen neuen Inhalt ? (vgl. Meier/Wünsch/Pentzold/Welker 2010: 109).
Einhergehend mit diesen Eigenschaften treten Problematiken auf, wie zum Beispiel die Erfassung der Grundgesamtheit. Daraus folgt, dass die Grundgesamtheit immer nur über einen kurzen Zeitraum vorhanden ist (vgl. Meier/Wünsch/Pentzold/Welker 2010: 109).
„ Es werden daher häufig Suchmaschinen zu der […] [Ermittlung der Grundgesamtheit] herangezogen, da diese vermeintlich das gesamte Internet nach Inhalten durchforsten und zudem die Mehrheit der normalen Internetnutzer diesen Weg ebenfalls für ihre Angebotssuche wählt“ (Rössler 2010: 68).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung der Inhaltsanalyse in der Kommunikationswissenschaft ein und erläutert die Notwendigkeit, aufgrund technologischer Entwicklungen neue methodische Standards für das World Wide Web zu diskutieren.
2. Besonderheiten der Online-Inhaltsanalyse und die daraus folgenden Herausforderungen und Schwierigkeiten: Dieses Kapitel analysiert spezifische Merkmale wie Dynamik, Multimodalität, Hypertextualität und Interaktivität, die die empirische Untersuchung von Online-Inhalten erschweren.
3. Auswirkungen auf die Gütekriterien: Das Kapitel untersucht, wie sich die in Kapitel 2 identifizierten Eigenschaften des Internets negativ auf die zentralen wissenschaftlichen Gütekriterien Objektivität, Reliabilität und Validität auswirken können.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass trotz der methodischen Probleme durch die technologischen Gegebenheiten, durch Weiterentwicklungen wie die computerunterstützte Inhaltsanalyse valide Ergebnisse erzielt werden können.
Schlüsselwörter
Online-Inhaltsanalyse, World Wide Web, Methodologie, Flüchtigkeit, Transitorik, Multimodalität, Hypertextualität, Reaktivität, Personalisierung, CUI, Objektivität, Reliabilität, Validität, Archivierung, Codebuch
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den methodischen Problemen und Herausforderungen bei der inhaltsanalytischen Untersuchung von Online-Medien im Vergleich zu traditionellen Printmedien.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit konzentriert sich auf die spezifischen technischen und inhaltlichen Eigenschaften des Internets wie Dynamik, Multimodalität und die Interaktivität zwischen Nutzer und Kommunikator.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Internet-spezifische Merkmale die Anwendung klassischer Gütekriterien beeinflussen und welche Lösungsansätze für eine methodisch saubere Analyse existieren.
Welche wissenschaftliche Methode steht im Mittelpunkt?
Die Arbeit untersucht die Inhaltsanalyse und beleuchtet insbesondere die computerunterstützte Inhaltsanalyse (CUI) als Verfahren zur Bewältigung großer Datenmengen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Erläuterung der Besonderheiten von Online-Inhalten sowie eine kritische Prüfung, wie diese Merkmale die Objektivität, Reliabilität und Validität von Forschungsergebnissen beeinflussen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Online-Inhaltsanalyse, methodische Herausforderungen, Gütekriterien, computerunterstützte Analyse und Archivierung definieren.
Welche Rolle spielt die Archivierung bei der Online-Inhaltsanalyse?
Die Archivierung ist aufgrund der Flüchtigkeit und Transitorik von Web-Inhalten problematisch, da sie für die intersubjektive Nachvollziehbarkeit des Forschungsprozesses essenziell ist, jedoch technisch und rechtlich hohe Hürden aufweist.
Warum ist die „CUI“ nicht für jede Untersuchung uneingeschränkt sinnvoll?
Obwohl die CUI große Mengen an Text schnell verarbeiten kann, fehlt dem Computer die menschliche Sprachkompetenz, um komplexe Zusammenhänge, rhetorische Mittel oder Synomyme/Homonyme korrekt zu deuten.
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- Lisa-Marie Gormanns (Author), 2016, Die Online-Inhaltsanalyse. Besonderheiten, Herausforderungen und Auswirkungen auf die Gütekriterien Objektivität, Reliabilität und Validität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/338643