Am 13. Mai 1931 vergab das IOC die Olympischen Winter- und Sommerspiele 1936 an die deutsche Reichshauptstadt, genauer gesagt an Berlin. Diese Entscheidung deutete auf die Wiedereingliederung der Deutschen nach dem Ersten Weltkrieg hin. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde die Bedeutung der olympischen Bewegung in Deutschland zunächst jedoch immer schwächer, da für die nationalsozialistische Regierung aus rassistischer Sicht einige Bedenken an dieser Bewegung zu erkennen waren.
Nach und nach wurden Adolf Hitler und seinem Regime jedoch die Möglichkeiten bewusst, die mit der Austragung der Spiele einher gingen. Insbesondere die in Aussicht stehende außenpolitische Aufwertung setzte einen Einstellungswandel der Nationalsozialisten in Gang.
„Das pro-olympische Verhalten sollte gleichzeitig der politischen Isolierung entgegenwirken“ und so wurde es zum Ziel „das Bild eines unbeschwerten, friedlichen und neuen Deutschlands zu präsentieren“ (Gajek 2013).
Nun gibt es aus heutiger Forschungssicht verschiedene Perspektiven, welche die Frage nach der Rolle der olympischen Spiele in der nationalsozialistischen Propaganda durchleuchten. Zum einen werden die Spiele als „ein, wenn nicht gar das Musterbeispiel für die Instrumentalisierung des Sports“ (Grothe 2008) gesehen. In der Forschungsliteratur lassen sich aber auch Gegenthesen entdecken welche von der Position ausgehen, dass die Spiele 1936 nur teilweise als Propagandaerfolg ausgelegt werden können. Arnd Krüger vertritt in seiner Dissertation zum Thema „Die Olympischen Spiele 1936 und die Weltmeinung“ beispielsweise die These, dass dort, wo in der ausländischen Presse vor den Spielen schon eine Boykottbewegung, beziehungsweise eine dem nationalsozialistischem Regime gegenüber kritische Haltung zu erkennen war, auch nach den Spielen eine erhalten blieb.
Diese Arbeit befasst sich mit der Fragestellung, inwieweit das nationalsozialistische Regime den Sport, genauer gesagt die olympischen Spiele dazu nutzen konnte, sich außenpolitisch als weltoffenes und internationales Volk zu inszenieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vor den Spielen
2.1 Wahl und Entstehung des olympischen Dorfes nach dem Willen des Führers
2.2 Propaganda vor den Spielen
2.3 Wirkung und Reaktion aus dem Ausland
3. Die Winterspiele in Garmisch- Partenkirchen: Ein Probelauf.
3.1 Reaktionen der ausländischen Presse
4. Die Olympischen Sommerspiele 1936
4.1 Verhalten des Regimes und der Presse während den Spielen
4.2 Die Rolle Berlins
4.3 Reaktionen aus dem Ausland
5. Eine zentrale Rolle in der Nachbereitung: Leni Riefenstahl und ihre Filme.
5.1 Die Entstehung der Filme
5.2 Leni Riefenstahl: Fest der Völker
5.3 Wirkung auf das Ausland
6. Forschungsperspektiven
7. Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, inwieweit das nationalsozialistische Regime die Olympischen Spiele 1936 nutzen konnte, um sich außenpolitisch als friedvolles und weltoffenes Land zu präsentieren, und ob dieser Versuch tatsächlich zu einem Propagandaerfolg führte.
- Instrumentalisierung des Sports durch das NS-Regime
- Umgang mit ausländischer Boykott-Kritik vor und während der Spiele
- Lenkung der inländischen Presse und Selbstdarstellung in Berlin und Garmisch-Partenkirchen
- Die Rolle von Leni Riefenstahls filmischer Inszenierung („Fest der Völker“)
- Wissenschaftliche Kontroversen über den propagandistischen Stellenwert der Spiele
Auszug aus dem Buch
Die Rolle Berlins
Eine Weltoffene und Friedfertige Darstellung seiner selbst konnte das NS-Regime nicht ohne die Mitwirkung der Einwohner Berlins erreichen, „denn letztlich waren es die Einwohner der Reichshauptstadt, die ihr Land repräsentierten.
Sie hatten den unmittelbaren Kontakt zu ausländischen Gästen, egal ob als Kellner, Verkäufer oder im Stadion. Die Parteizeitung “Der Angriff“ äußerte sich dazu in folgendem Maße: „Wir müssen charmanter als die Pariser sein, leichtlebiger als die Wiener, lebhafter als die Römer, kosmopolitischer als die Londoner, praktischer als die New Yorker.“ Die Berliner erwiesen sich aufgrund mehrerer Hinweise durch das Regime tatsächlich größtenteils Hilfsbereit und Auskunftsfreudig. Da die Löhne zu dieser Zeit in Deutschland sehr niedrig waren und durch vorher festgelegte Preisspannen der Regierung für Hotels, Restaurants und Lebensmittel, konnten die ausländischen Besucher in Berlin auch verhältnismäßig Günstig einkaufen gehen was wiederum dazu führte, das die Erfahrung “Berlin“ von den meisten Besuchern als sehr positiv Wahrgenommen wurde.
Die Führungen der NSDAP, SA und SS erlegten ihren Mitgliedern auf, dass es während den Spielen zu keinerlei Selbstjustiz kommen darf, „auch dann nicht, wenn sich ein ausländischer Besucher irgendeine Verfehlung zuschulden kommen lasse“. Für Besucher, die nicht jeden Tag das olympische Gelände aufsuchen wollten, gab es in der Stadt verteilt verschiedene Aufführungen und Ausstellungen wie die „Deutschland-Schau“, welche den Ausländern ausführliche Informationen über das Gastgeberland erhielten.
Für die internationalen Berühmtheiten aus Politik, Wirtschaft und Showbusiness veranstaltete die NS-Führung private Feste und Opern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Fragestellung und den historischen Kontext der Vergabe der Olympischen Spiele 1936 an das NS-Regime.
2. Vor den Spielen: Analyse der Vorbereitungsphase, der olympischen Bauten und der Versuche, durch Propaganda und Irreführung internationale Akzeptanz zu gewinnen.
3. Die Winterspiele in Garmisch- Partenkirchen: Ein Probelauf.: Betrachtung der Winterspiele als Testlauf für die NS-Propaganda und Reaktion der internationalen Presse.
4. Die Olympischen Sommerspiele 1936: Untersuchung der Inszenierung Berlins, der Presseführung und des subtilen Rassismus während der Sommerspiele.
5. Eine zentrale Rolle in der Nachbereitung: Leni Riefenstahl und ihre Filme.: Analyse der Rolle Leni Riefenstahls und ihrer Olympia-Filme für die internationale Selbstdarstellung des Regimes.
6. Forschungsperspektiven: Überblick über konkurrierende wissenschaftliche Ansätze bezüglich des propagandistischen Erfolgs der Spiele.
7. Resümee: Fazit zur Wirksamkeit der NS-Propaganda und der Erkenntnis, dass trotz aufwendiger Inszenierung kein nachhaltiger außenpolitischer Erfolg erzielt wurde.
Schlüsselwörter
Olympische Spiele 1936, Nationalsozialismus, Propaganda, Berlin, Garmisch-Partenkirchen, Leni Riefenstahl, Fest der Völker, Außenpolitik, Weltmeinung, Boykottbewegung, Sport, Instrumentalisierung, Internationale Wahrnehmung, Antisemitismus, NS-Regime
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Bemühungen des nationalsozialistischen Regimes, die Olympischen Spiele 1936 zur positiven außenpolitischen Selbstdarstellung zu nutzen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Propaganda-Strategien, die Steuerung der Medien, die filmische Aufarbeitung durch Leni Riefenstahl sowie die Reaktionen des Auslands auf die Spiele.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, zu bewerten, ob das NS-Regime das propagandistische Potenzial der Spiele tatsächlich ausschöpfen konnte und ob diese international als Erfolg gewertet wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Analyse von Quellen, Literatur und zeitgenössischer Berichterstattung sowie einer Auswertung der Forschungsperspektiven zum Stellenwert der NS-Propaganda.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorbereitungsphase, die Winterspiele als Probelauf, die Sommerspiele in Berlin, die mediale Darstellung sowie die filmische Nachbereitung durch Riefenstahl.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie NS-Propaganda, Olympische Spiele 1936, Weltoffenheit, Außenwirkung und Instrumentalisierung definieren.
Warum spielt die Boykottbewegung eine wichtige Rolle in der Analyse?
Die Boykottbewegung, insbesondere in den USA, stellte ein signifikantes Hindernis für die Glaubwürdigkeit der nationalsozialistischen Friedenspropaganda dar und beeinflusste die internationale Wahrnehmung maßgeblich.
Welche Rolle spielte Leni Riefenstahl bei der Inszenierung der Spiele?
Riefenstahl sollte mit ihren Filmen die „Weltoffenheit“ des NS-Regimes visuell untermauern, indem sie ein multikulturelles Fest der Völker inszenierte, das den ideologischen Ansprüchen der Partei oberflächlich widersprach.
Welches Fazit zieht die Autorin bzw. der Autor zur Wirksamkeit der Propaganda?
Das Fazit lautet, dass die Propaganda trotz eines hohen organisatorischen Aufwands im Ausland weitgehend misslang, da das Regime trotz der Inszenierung zu viele Angriffsflächen bot.
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- Nils Schmidt (Author), 2016, Außenpolitische Propaganda bei der Olympiade 1936. Inwiefern konnte sich das Regime bei den olympischen Spielen in Berlin als international und weltoffen präsentieren?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/338726