Die Frauen-Figuren in Arthur Schnitzlers "Reigen" in Anbetracht des Geschlechterdiskurses um 1900


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

27 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Geschlechterdiskurs und Frauentypen um 1900

3. Der Reigen
3.1 Die Dirne
3.2 Das Stubenmädchen
3.3 Die junge Frau
3.4 Das süße Mädel
3.5 Die Schauspielerin

4. Fazit

5. Bibliographie

1. Einleitung

Der im Winter 1896/97 entstandene Reigen von Arthur Schnitzler war von Beginn an umstritten. Selbst Schnitzler meinte, „etwas Unaufführbareres hat es noch nie gegeben.“1 Seiner langjährigen Freundin Olga Waissnix schrieb Schnitzler: „Geschrieben habe ich den ganzen Winter nichts als eine Scenenreihe, die vollkommen undruckbar ist, literarisch auch nicht viel heißt, aber, nach ein paar hundert Jahren ausgegraben, einen Theil unsrer Cultur eigentümlich beleuchten würde.“2 Erst 1924 kam es zur Erstaufführung, fast 30 Jahre nach der Fertigstellung des Reigens. In einer noch immer von einer stringenten Sexualmoral dominierten Gesellschaft sah sich das Stück und auch Schnitzler selbst vielen Anfeindungen ausgesetzt. Auch sah sich Schnitzler, der Jude war, antisemitischen Repressalien ausgesetzt. Vor allem die nach damaliger Meinung offen dargestellte Sexualität beziehungsweise der Sexualakt im Reigen erregte die Gemüter.

Diese Hausarbeit mit dem Thema „Die Frauen-Figuren in Arthur Schnitzlers Reigen in Anbetracht des Geschlechterdiskurses um 1900“ widmet sich den fünf Frauenfiguren und ihren Verhaltensweisen in den zehn Szenen. Dabei soll herausgestellt werden, dass es sich bei den Figuren lediglich um Typen beziehungsweise Projektionen des damaligen Diskurses handelt und keineswegs um reale Persönlichkeiten oder gar um Frauenbilder, wie Schnitzler sie zu seiner Zeit wahrgenommen hat. Neben dem Primärtext Reigen werden auch Quellen zu Rate gezogen, die die verschiedenen Frauenbilder wie die femme fatale, die Dirne, das süße Mädel oder die junge Frau abgebildet haben. Diese „Charakterisierungen“ von Frauentypen wurden von Schnitzler wie Schablonen auf die Frauenfiguren im Reigen gepresst. Zudem soll herausgearbeitet werden, wie Schnitzler die Doppelmoral der Figuren in der von bürgerlichen Konventionen bestimmten Gesellschaft demaskiert und ad absurdum führt. Die Frauen-Figuren im Reigen werden in dieser Arbeit nicht nach einer sozialen Rangfolge oder dergleichen abgebildet, sondern nach ihrem Auftreten im Stück. Beginnend mit der Dirne, die die Szenen-Reihe auch abschließt, über das Stubenmädchen, die junge Frau, das süße Mädel hin zur Schauspielerin. Die Figuren der Männer sind nur dahingehend interessant, sofern sie einen Einfluss auf das Verhalten der Frauen ausüben und somit die Figur mitformen. Ansonsten treten sie in dieser Arbeit eher in den Hintergrund.

2. Geschlechterdiskurs und Frauentypen um 1900

Zur Zeit des Fin de Siècle gab es eine wahre Schwemme von sexualwissenschaftlichen Texten, die das „wahre“ Wesen der Frau zu erforschen versuchten. Was heutzutage - zumindest in weiten Teilen der westlichen Welt - als Schwachsinn angesehen wird, folgte damals dem Siegel der Wissenschaft und war in der Gesellschaft anerkannt. Die bekanntesten anthropologischen Veröffentlichungen sind wohl Richard von Krafft-Ebings „Psychopathia Sexualis“ (1886), Otto Weiningers Dissertation „Geschlecht und Charakter“ (1903), Freuds Psychoanalyse und seine mit Breuer verfassten Hysteriestudien sowie das von Paul Julius Möbius veröffentlichte Werk „Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes“ (1900). Im größten Teil dieser Schriften werden Frauen auf zutiefst diffamierende Weise dargestellt. Sie sind entsexualisierte Wesen, die nur durch die Fügungen der Männer zu gesellschaftlichem Ansehen gelangen können. Prostituierte und selbstbestimmte Frauen werden als Täterinnen und Verführerinnen gebrandmarkt. „Pathologisiert, dämonisiert und grundsätzlich hysterisch, werden der Frau geistige Fähigkeiten zumeist ganz abgesprochen.“3 Der einzig akzeptable Status einer weiblichen Person ist der als Mutter und Ehefrau - und zwar in genau dieser Reihenfolge. Die weibliche Libido wird der „gesunden“ Frau gänzlich abgesprochen. „In ihrer Konsequenz führt diese „wissenschaftliche“ Erkenntnis zu einer Dämonisierung weiblicher Sexualität, welche sich im Bild der launenhaften, unberechenbaren und wollüstigen Frau manifestiert.“4 In Das fiktive Geschlecht fasst Stephanie Catani den „wissenschaftlichen“ Diskurs um 1900 treffend zusammen:

In der Tat lässt sich der wissenschaftliche Diskurs, der um 1900 die weibliche Sexualität zu beschreiben sucht, nicht als Enttabuisierung des Themas verstehen, sondern vielmehr als Versuch, den Sex zu verhüllen, indem man ihn pathologisiert, dämonisiert oder aber seine Nicht-Existenz behauptet. Sein besonderes Opfer findet dieser Diskurs in der weiblichen Sexualität, die gleichsam zum exemplarischen Nährboden für das wissenschaftliche Bemühen gerät, hinter ihren unzähligen Schreckensbildern die „Wahrheit des Sexes“ weiterhin auszusparen.5

Auch die Literatur bildete die zu dieser Zeit kursierenden Frauentypen in ihren Werken ab. Jedoch wurde weniger die Realität der Frau um 1900 abgebildet als typisiert. Auch Schnitzler, der den Erfolg der Figur des süßen Mädels zu verantworten hat6, ist hier an vorderster Front zu nennen. Ganz wichtig zu erwähnen ist, dass der Diskurs über Sexualität von männlicher Seite dominiert wurde: „Der Diskurs über männliche und weibliche Sexualität geht also von der männlichen Seite aus, wird von ihr definiert und in eine Strategie der Gewährleistung von Ordnung innerhalb der Gesellschaft eingebettet.“7

In der Folge sollen hier kurz solche „Inszenierungen des Weiblichen“ angerissen werden, die für den Reigen relevant sind.

Die Dirne eröffnet Schnitzlers Reigen und steht im Geschlechterdiskurs um 1900 unter anderem für eine verdorbene weibliche Sexualität. Sie ist im Diskurs das Ausmaß an verdorbener Moral und repräsentiert die böse Seite der Frau. Sie bildet das Gegenstück zur moralisch tadellosen jungfräulichen jungen Dame und strahlt Gefahr und Verderben aus. Ihre sozialen Umstände beziehungsweise Zwänge werden kaum thematisiert, vielmehr wird sie als triebgesteuerte Dämonin typisiert. Schnitzler zerstört in seinen Werken das Bild der Dirne. Der ernüchternde Alltag der Dirne wird mit den überfrachteten Imaginationen des Mannes, der den Prostituierten eine vermeintliche sexuelle Lust implementiert, kontrastiert.8 In vielen literarischen Texten wird die Figur dazu benötigt, um „das „Dirnenhafte“ in zahlreichen Frauenfiguren anzudeuten und damit die Grenze zwischen Prostituierter und sexuell aktiver Frau gleichsam aufzulösen.“9 Das Tabu ihrer weiblichen Sexualität wird auf Kosten ihrer moralischen Integrität aufgehoben. Sie steht um 1900 sinnbildlich für drohende Gefahr, Verführung, moralischen Verfall, Dämonisches, animalische Sexualität, Verfügbarkeit usw. Diese Liste mit negativen Konnotationen der Prostituierten beziehungsweise Dirne ließe sich endlos fortführen. Catani bemerkt folgerichtig: „Die Prostituiertenfigur bietet geradezu die ideale Projektionsfläche für kulturelle Dämonisierungsversuche des Weiblichen, die literarisch in die Inszenierung der sexuell „hungrigen“ Frau münden, die nicht das Opfer, sondern die Täterin darstellt.“10

Das Stubenmädchen und das süße Mädel bilden bei Schnitzler neue Facetten der femme enfant. Dieser Typ tritt sexuell weder aggressiv auf und ist auch nicht hysterisch. Er verkörpert Attraktivität bei gleichzeitiger Unschuld und ist in den Projektionen der Männerwelt ein Gegenpol zur beispielsweise dominanten femme fatale oder der hysterischen Ehefrau. „Durch die Symbiose von kindlichem Auftreten und erotischer Ausstrahlung, die sie zu Wesen zwischen Unschuld und Schuld werden lassen, wecken sie als heimlich lockende Wunschphantasie das männliche Begehren.“11

Ein weiterer Typus, der an die beiden Figuren aus Schnitzlers Reigen angelehnt ist, ist der der femme fragile, eine Art Kind-Frau. Schwach, zerbrechlich und auf Schutz angewiesen weckt dieser asexuelle Frauentyp im Manne den Beschützerinstinkt. Auch sie bildet eine Errettung von der femme fatale und ist für das männliche Geschlecht jederzeit verfügbar, ihm ohne Grenzen unterworfen. „Passiv, zurückhaltend und kränklich, verkörpert die Femme fragile die zur „Heiligen“ stilisierte Frau, die der durch die Femme fatale bedrohten Männlichkeit neue Selbstbestätigung zu gewährleisten scheint.“12

Diese Frauentypen bilden eine Art Urlaub vom sonst so komplizierten Wesen der Frau. Vor allem das süße Mädel verkörpert Unkompliziertheit, Verfügbarkeit und reine Lebensfreude. Es ist dem männlichen Geschlecht hörig und verursacht mit ihrer kokett-naiven Persönlichkeit keine Komplikationen. Das süße Mädel ist aus männlicher Perspektive ein Naturwesen. Auch hier muss entschieden darauf hingewiesen werden, dass dies nur Projektionen männlicher Wunschvorstellungen sind. Mit der realen sozialen Situation von Stubenmädchen, Arbeiterinnen oder unverheirateten jungen Frauen haben diese Typisierungen nichts gemein. Es sind nicht mehr als sentimental überfrachtete Wunschvorstellungen. „Dabei bleibt auch dieses Bild von Weiblichkeit in seinen stereotypen Beschreibungsmustern unübersehbar, reduziert sich doch auch hier die Essenz weiblichen Daseins auf Naivität und unverbindliche Erotik, die letztlich weder sexuelle noch intellektuelle Befreiung vom etablierten Bild verspricht.“13

Das Stubenmädchen ist eine Variation des süßen Mädels und besitzt lediglich eine sexuelle Identität. Auch diese Frauenfigur zeichnet sich durch ihre Unkompliziertheit und ihre sexuelle Verfügbarkeit gegenüber dem männlichen Geschlecht aus. Arthur Schnitzler hat diesen Frauentyp nicht nur bekanntgemacht, er hat ihn - wie später noch zu sehen sein wird - auch entlarvt.

Die Ehefrau und Mutter ist im Geschlechterdiskurs um 1900 ein entsexualisiertes Wesen ohne weibliche Libido. Sie wird als Gegenpol zu den pathologisierten, dämonischen und kranken Frauentypen zur Heiligen stilisiert. Sexualität findet bei ihr lediglich zu Fortpflanzungszwecken statt, primär widmet sie sich vollkommen ihrer Rolle als unterstützende Gattin und liebevolle Mutter. Sie ist eine geistlose, asexuelle, unmündige, passive und stets auf Kinder und Ehemann fokussierte Hülle bürgerlicher Wunschvorstellungen. In der Literatur wird diese Figur nur interessant, wenn sie als Ehebrecherin auftritt - ein nach damaligen bürgerlichen Moralvorstellungen ungeheuerliches Szenario. Die restriktiven Moralvorstellungen um 1900 bieten keine Alternative zu einer gesellschaftlich anerkannten Identität. Die Ehe ist für eine Frau der einzig erstrebenswerte und akzeptable Status - sie wird also erst durch andere Personen, dem Ehemann und die Kinder - zu einer vollkommenen Persönlichkeit. „Jenseits von Mutterschaft und Ehefrauenrolle existiert keine legitime Form weiblicher Selbstverwirklichung.“14 Ein Ausbrechen aus diesem Verhaltensmuster hatte für das Ansehen der Frau ernsthafte Konsequenzen wie Ablehnung und Ächtung. So formuliert Paul Julius Möbius: „Sie [die Natur] hat gewollt, daß das Weib Mutter sei, und hat alle ihre Kräfte auf diesen Zweck gerichtet. Versagt das Weib den Dienst der Gattung, will es sich als Individuum ‚ausleben’, so wird es mit Siechtum gestraft.“15

Die Schauspielerin verkörpert in Schnitzlers Reigen den Typus der femme fatale. Dieser mit Stereotypen überfrachtete Frauentyp ist das, neben der Prostituierten, absolute Feindbild bürgerlicher Moralvorstellungen und das Gegenstück zur sexuell passiven und gesellschaftlich akzeptierten Ehefrau und Mutter. Die femme fatale ist dämonisch, erotisch, verführerisch, sinnlich, sexuell aggressiv, dominant und selbstbestimmt, um nur ein paar ihrer - negativ konnotierten - Attribute aufzuzählen. Sie steht für das Böse in Gestalt einer schönen Frau, einer Verführerin, die das männliche Geschlecht ins Verderben führt.

Unverkennbar spiegeln sich im kulturellen Bild der Femme fatale zeitgenössische Bemühungen, das wissenschaftliche Tabu der weiblichen Sexualität zu sprengen, den Reiz des moralisch Verworfenen zumindest in der Kunst bewusst aufrecht zu erhalten und einen gleichermaßen selbstbewussten wie gefährlichen Umgang der Frau mit ihrer Sexualität zu inszenieren.16

Die femme fatale ist die Inkarnation des Verdorbenen, weil sie ein negiertes weibliches Begehren und sexuelle Lust offen auslebt. Auch hier treffen die dem männlichen Diskurs entsprungenen Schlagworte pathologisiert, krankhaft, dämonisch voll zu. Männer sind für diesen konstruierten Frauentyp nicht mehr als Opfer, die femme fatale verfügt über sie wie über ein Spielzeug und bedeutet für die männliche Welt Gefahr.

Es sollte allerdings bedacht werden, dass dies lediglich Projektionen eines männlich geführten Diskurses sind. Catani bemerkt dazu: „Femme fragile, Femme fatale, Prostituierte und „süßes Mädel“ verweisen als kulturelle Archetypen insgesamt auf einen Diskurs des Weiblichen, der durch zeitgenössische medizinische Entwürfe die weibliche Sexualität im Bild der hysterischen, frigiden, kranken, dämonischen, unfruchtbaren oder promiskuitiven Frau zu bannen sucht.“17 Die einzig legitime Lebensform der Frau ist und bleibt die Ehe, in der sie sich zuallererst der Mutterrolle widmet. Die liebende Mutter und Ehefrau wird den anderen Frauenfiguren mahnend entgegengehalten und zeigt gleichzeitig den einzigen Ausweg aus gesellschaftlicher Isolation und Verkommenheit auf.

Abschließend lässt sich festhalten, dass das gezeichnete Bild von Weiblichkeit des „wissenschaftlichen“ Diskurses überfrachtet von männlichen Wunschvorstellungen ist, „in dem die Frau zur Projektionsfläche für unterschiedliche Positionen, Phantasien, Klischeevorstellungen und misogyne Ausfälle avanciert.“18 Keller dazu: „Man umkreist sie, man deutet sie, man erniedrigt sie, man verherrlicht sie, man analysiert sie - aber man entkommt ihr nicht um 1900. Das ganze Unbehagen an der Kultur kristallisiert sich am ‚Rätsel Weib’.“19

3. Reigen

Schnitzler Reigen stellt genau diese anthropologischen Entwürfe durch die Geschlechterverhältnisse im Stück in Frage. Er inszeniert Begegnungen im Wien der Jahrhundertwende jenseits jeglicher moralischer Grenzen und - bis auf die Szene Graf-Dirne - kommt es bei jeder Szene zum Geschlechtsverkehr, der im geschriebenen Stück durch Gedankenstriche angedeutet wird. Schnitzler ist sich dem Phänomen der Dekonstruktion des Ichs und der Entpersönlichung des Menschen, insbesondere der Frauen, in seiner Zeit sehr wohl bewusst und benennt die Frauenbilder, die lediglich auf männlichen Projektionen basieren.20

Im Folgenden sollen die fünf Frauen-Figuren, die in jeweils zwei Szenen mit zwei unterschiedlichen Partnern auftreten, näher beleuchtet werden.

3.1 Die Dirne

Die Dirne ist im Geschlechterdiskurs um 1900 eine der zentralen Frauenfiguren. Sie verkörpert, wie bereits erwähnt, die geballte Verdorbenheit und Widerwärtigkeit der Frauenwelt und ist das äußerste Pendant zur Ehefrau und Mutter. Sie eröffnet den Reigen und tritt umgehend als sexuell aggressive Frau auf, die dem Soldaten mit den Worten „schöner Engel“ schmeichelt.21 Sie ist - ebenso wie die Schauspielerin - die einzige Frauenfigur, die ihre Sexualität offen auslebt und frei äußert. Ihre Szenen gehören zu den kürzesten des Stückes, weil in ihrem Fall keine moralische Fallhöhe existiert. Folglich verneint sie nicht wie andere Frauen-Figuren im Stück ihr sexuelles Verlangen und passt sich nicht an bürgerliche Moralvorstellungen an, der stets anvisierte Sexualakt kommt schneller zustande. In der ersten Szene mit dem Soldaten fordert die Dirne diesen bereits nach wenigen gewechselten Worten zum Mitkommen auf und verlangt kein Geld vom Soldaten: „Zahlen tun mir die Zivilisten. So einer wie du, kann’s immer umsonst bei mir haben“ (Seite 8). Die Dirne sehnt sich nach mehr Intimität („So einen wie dich möcht ich zum Geliebten“, 9) und möchte den Namen des Soldaten erfahren. Im Gegenzug nennt sie ihm ihren Namen - Leocadia - und versucht dadurch, Intimität herzustellen. Als dieser ihre persönlichen Annäherungsversuche abwehrt, reagiert sie erbost und ruft ihm Beleidigungen hinterher (11). Durch die Verhaltensweise des Soldaten erscheint die Dirne als reines Objekt, als machine à plaisir, das den Männern für den Sexualakt uneingeschränkt zur Verfügung steht.22 Schnitzler stellt die Dirne nicht als sexuell und moralisch verdorbene Männerfresserin hin, sondern illustriert ihren ernüchternden und lieblosen Alltag, aus dem es für sie kein Entrinnen gibt.

Sie scheint im Laufe des Stückes einen Lernprozess zu durchwandern. Ihr Aus-der- Rolle-fallen in der ersten Szene bezahlt sie mit der Erniedrigung durch den Soldaten, der sie weder bezahlt, noch seinen Namen nennt. In der letzten Szene des Stückes beharrt sie im Gespräch mit dem Grafen auf ihre Rolle als Prostituierte.23

[...]


1 Arthur Schnitzler: Briefe 1875-1912. Hrsg. von Therese Nickl und Heinrich Schnitzler. S. 309.

2 Ebd. S. 314.

3 Catani: Das fiktive Geschlecht. S. 10.

4 Ebd. S. 31.

5 Ebd. S. 43.

6 Vgl. Ebd. S. 125.

7 Neuhaus: Sexualität im Diskurs der Literatur. Tübingen, Basel 2002, S. 36.

8 Vgl. Catani: Das fiktive Geschlecht. S. 98.

9 Ebd. S. 99.

10 Ebd. S. 100.

11 Ebd. S. 102.

12 Ebd. S. 105.

13 Ebd. S. 112.

14 Ebd. S. 120.

15 Möbius: Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes. S. 15.

16 Catani: Das fiktive Geschlecht. S. 88.

17 Ebd. S. 113.

18 Ebd. S. 95.

19 Keller: Der vergesellschaftete Eros. In: Erläuterungen und Dokumente. S. 125.

20 Vgl. Gutt: Emanzipation bei Schnitzler. S. 31.

21 Vgl. Scheffel (Hrsg.): Arthur Schnitzler. Reigen. S. 7. Im Folgenden wird auf den Reigen als Primärquelle mit in Klammern stehenden Seitenzahlen verwiesen.

22 Vgl. Schier: Zigarre, Mieder und Madonna. S. 11.

23 Vgl. Denneler: Die Anonymität des Namens. S. 103. 7

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Die Frauen-Figuren in Arthur Schnitzlers "Reigen" in Anbetracht des Geschlechterdiskurses um 1900
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für deutsche Sprache und Literatur)
Veranstaltung
Literatur und Prostitution um 1900 Hauptseminar
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
27
Katalognummer
V338766
ISBN (eBook)
9783668283640
ISBN (Buch)
9783668283657
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
frauen-figuren, arthur, schnitzlers, reigen, anbetracht, geschlechterdiskurses
Arbeit zitieren
Thomas Petrikowski (Autor), 2014, Die Frauen-Figuren in Arthur Schnitzlers "Reigen" in Anbetracht des Geschlechterdiskurses um 1900, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/338766

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