Gedenkstätte "Mönchberg" in Hadamar. Euthanasie und Rassenideologie im Geschichtsunterricht für Klasse 10 und 12


Unterrichtsentwurf, 2009

20 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Gedenkstätte „Mönchberg“ Hadamar:

2 Einordnung in den Lehrplan:

3 Geschichte der Gedenkstätte:

4 Was man heute noch in Hadamar sieht:

5 Behandlung im Unterricht:

6 Planung für eine 10. Klasse:

7 Voraussetzung 1 – Rassenideologie:

8 Voraussetzung 2 - Euthanasie

9 Planung für eine 12. Klasse:

10 Exkursion nach Hadamar:

11 Nachbereitung der Exkursion:

12 Résumé:

13 Literaturverzeichnis:

14 Unterrichtsverlaufsplan „Herrenmensch und Rasse“ (Doppelstunde):

15 Unterrichtsverlaufsplan „Euthanasie“ in Hadamar:

1 Gedenkstätte „Mönchberg“ Hadamar:

Die Gedenkstätte „Mönchberg“ in Hadamar dürfte den meisten Menschen kein direkter Begriff sein. Allerdings spielte die 1883 als Korrigendenanstalt erbaute, und am 1906 als Landesheilanstalt weitergeführte Einrichtung, eine traurige Rolle im Verlauf des Zweiten Weltkrieges. Seit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde die Landesheilanstalt als Reservelazarett verwendet. Der Umbruch kam im Jahre 1940, als die Anstalt auf Geheiß der T4-Zentrale umgebaut wurde, um danach als Tötungsanstalt verwendet zu werden. Diese Umbauten veränderten nicht nur den Grundgedanken der Einrichtung, sondern sind auch ein sehr trauriges Beispiel für die Verbrechen im Dritten Reich.[1]

Es handelt sich dabei zwar um kein Denkmal im klassischen Sinne, da es nicht zu dem Sinn und Zweck an etwas zu erinnern erbaut wurde, allerdings wurde diese Einrichtung nach Ende des Zweiten Weltkrieges gezielt um an die Verbrechen zu erinnern erhalten und wird seitdem vom Land als Gedenkstätte geführt und verwaltet. Neben den Überresten des Vergangenen wird die Einrichtung noch durch weitere Punkte ergänzt, worauf wir aber später noch genauer eingehen wollen.

2 Einordnung in den Lehrplan:

Der Lehrplan für Geschichte sieht in Hessen unter anderem in der zehnten Jahrgangsstufe Unterricht zum Thema Nationalsozialismus und Drittes Reich vor. Folgende Schwerpunkte sieht der Lehrplan dabei vor, wenn man sich mit der Kasse mit dem Themenkomplex auseinandersetzt:

Herrschaft und Legitimation Friedenserziehung Internationale Beziehungen Welt- und Menschenbild Soziale Ungleichheit in und zwischen Gesellschaften

Dazu wird auch noch genauer definiert:

„In der Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Diktatur erhalten die Schülerinnen und Schüler nicht nur ein hinreichendes Fundament für ein eigenständiges historisches Urteil, sondern es wird ihnen bewusst, dass es bei diesem Thema insbesondere auch um die Frage der Verantwortung geht, der sich auch die nachfolgenden Generationen zu stellen haben. Bei der Beschäftigung mit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft erkennen die Schülerinnen und Schüler, dass eine radikale, totalitäre Bewegung sich im Inneren und gegenüber dem Ausland menschenverachtend durchzusetzen vermag, wenn ihr nicht frühzeitig entschieden Einhalt geboten wird. Sie erarbeiten die Mittel und Methoden, derer sich die Nationalsozialisten bedienten, um ihre Ziele zu erreichen. Die Schülerinnen und Schüler erkennen, dass Rassismus, Holocaust, Vernichtungskrieg und Völkermord ideologisch begründete konstitutive Wesensmerkmale des Nationalsozialismus sind.“[2]

Im Laufe der Bearbeitung muss allerdings beachtet werden, dass die meisten Unterrichtseinheiten zum Thema sich nicht mit der Tötung von Minderheiten, wie im Falle von Hadamar, körperlich und geistig behinderte Menschen, sondern mehr mit der größten Bevölkerungsgruppe, die dem Nationalsozialismus zum Opfer gefallen sind, beschäftigen: den Juden. Man muss in diesem Zusammenhang auf jeden Fall konkret auf die

„Sonderstellung“ von Hadamar eingehen und diese zuvor im Unterricht thematisieren. Auch wenn das Thema der Krankenmorde mittlerweile in der Öffentlichkeit bedacht wird, wird meist in der Schule nicht gesondert auf dieses Thema eingegangen.

Allerdings kann dies ein sehr lohnender Themenkomplex für den Unterricht sein, da man die Unterrichtsphase sehr gut durch eine Exkursion zur Gedenkstätte ergänzen kann. Ein Großteil der Bauten ist heute noch erhalten und wird seitdem vom Land Hessen als Gedenkstätte gefördert. Da man mit relativ kurzen Anfahrtswegen mit einer Schulklasse aus dem Rhein-Main Gebiet dort hin kann, wäre dies eine problemlos mögliche und vor allem sinnvolle Ergänzung zum Unterricht. Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass man durch einen Besuch der Gedenkstätte ganz neue Eindrücke gewinnt und das gesamte Thema für Schüler sehr viel plastischer wird, da es in Hadamar nicht nur einiges zu sehen gibt, sondern das „Offensichtliche“ auch durch eine Dauerausstellung, Führung und auch für Schulklassen angebotene Workshops erweitert wird.

3 Geschichte der Gedenkstätte:

Es umfasste einen langen Weg bis zur heutigen Gedenkstätte. Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges wurde im Jahr 1940 die vorher als Landesheilanstalt Hadamar bei Limburg (Anmerkung: Limburg an der Lahn) zur „Euthanasie“-Anstalt umgebaut. Sie war damit die sechste und letzte dieser Einrichtungen im Reichsgebiet.3[3]

Die Umbauten umfassten die Einrichtung einer Gaskammer, eines Sezierraums, zweier Brennöfen und einer Busgarage mit direktem Zugang zum Haus. Die Gaskammer wurde als Dusche getarnt, welche genau wie Sezierraum und die Brennöfen im Keller eingerichtet war. In ihr fanden von Januar bis August 1941 über 10000 Menschen durch Tötung mit Kohlenmonoxydgas den Tod. Dabei ist zu beachten, dass es sich dabei auch um viele Frauen und Kinder handelt. Zur Tarnung der Morde versandte die so genannte „Trostbriefabteilung“ Sterbeurkunden mit falschen Todesursachen, die von einem Sonderstandesamt „Hadamar Mönchberg“ ausgestellt wurden. Bis 1945 verstarben weitere 5000 Menschen durch der gezielte Vergabe von tödlichen Medikamenten und Unterernährung. Die Überreste von getöteten Menschen wurden meist in Massengräbern auf dem nahe gelegenen Anstaltsfriedhof beigesetzt. Bereits im Jahr 1953 wurde die ersten Maßnahmen zu einer mahnenden Erinnerung an die Verbrechen im Dritten Reich in Wege geleitet, wobei die Gedenkstätte selbst erst seit 1983 als solche eingeweiht wurde.

1953 setzte man mit einer Inschrift am ehemaligen Hauptgebäude der Tötungsanstalt eine Erinnerung. Die Inschrift lautet: „1941-1945 – Zum Gedächtnis“4[4] Das Gebäude war seither geschlossen. Erst im Jahre 1964 wurde durch eine feierliche Zeremonie auf dem Anstaltsfriedhof eine Denkmal in Form eines Obelisken durch den Landeswohlfastverband Hessen eingeweiht. Martin Niemöller hielt die Einweihungsrede. Auf dem Obelisk ist die Inschrift: „Mensch achte den Menschen“ zu finden, welche an die Opfer und ihre Leiden erinnern soll. In den 70er Jahren wurde ein Psychiatrisches Krankenhaus unweit der ehemaligen „Euthanasie“-Stätte errichtet, doch durch eher zufällige Entscheidungen blieb das Hauptgebäude der „Euthanasie“-Anstalt erhalten, wogegen andere Teile den Neubauten weichen mussten. Erst Anfang der 80er Jahre begann sich die Öffentlichkeit näher für die Geschichte von Hadamar zu interessieren. So wurden die Pforten nach 35 Jahren für Studenten der FH Frankfurt am Main und 1983 für Studenten der Justus-Liebig- Universität Gießen wieder geöffnet. In Zusammenarbeit mit der Leitung des Psychiatrischen Krankenhauses wurde 1983 durch die Ergebnisse der Recherchen eine erste Ausstellung der „Euthanasie“-Verbrechen in Hadamar gestartet. Diese Ausstellung war im Vergleich zu heute eher klein und wurde in den Kellerräumen unweit den ehemaligen Tötungsräumen eingerichtet und eröffnet. Diese Ausstellung fand sofort breiten Anklang bei der Öffentlichkeit, so wurde die Ausstellung seither ständig erweitert. Man renovierte Teile des Gebäudes um Raum für eine größere Ausstellung zu schaffen und richtete neben Verwaltungsräumen auch Tagungs- und Schulungsräume für Gruppen und Schulklassen ein. 1991 waren die Umbauten abgeschlossen und mit deren Ende wurde auch die neue, umfassendere, Dauerausstellung eingeweiht, die auch heute noch in der gleichen Form besteht. Träger ist der Landeswohlfartsverband Hessen, der seinen Hauptsitz in Kassel und Regionalverwaltungen in Darmstadt und Wiesbaden hat. Weiter gibt es einen Verein der Förderung der Gedenkstätte, welche die lokale Verwaltung übernimmt und von ehrenamtlichen Helfern geleitet wird.

[...]


[1] Landeswohlfartsverband Hessen, Gedenkstätte Hadamar: http://www.gedenkstaette- hadamar.de/webcom/show_article.php/_c-859/_lkm-584/i.html, zuletzt besucht am 14.03.09

[2] Hessisches Kultusministerium: Lehrplan Geschichte, S. 36

[3] Baader/Cramer/Winter, Verlegt nach Hadamar, S. 11.

[4] Baader/Cramer/Winter, Verlegt nach Hadamar, S. 11.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Gedenkstätte "Mönchberg" in Hadamar. Euthanasie und Rassenideologie im Geschichtsunterricht für Klasse 10 und 12
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Denkmäler - Erinnerungen im öffentlichen Raum als Gegenstand des historischen Lernens
Note
2,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
20
Katalognummer
V338816
ISBN (eBook)
9783668308091
ISBN (Buch)
9783668308107
Dateigröße
553 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gedenkstätte, mönchberg, hadamar, euthanasie, rassenideologie, geschichtsunterricht, klasse
Arbeit zitieren
Niklas Bastian (Autor), 2009, Gedenkstätte "Mönchberg" in Hadamar. Euthanasie und Rassenideologie im Geschichtsunterricht für Klasse 10 und 12, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/338816

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