Ist der Schulsport geeignet, das nachschulische Sporttreiben vorzubereiten bzw. anzuregen?


Seminararbeit, 1998

18 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Rahmenbedingungen zur Durchführung des Interviews
2.1 Auswahl der Umfragetechnik
2.2 Auswahl der befragten Personen
2.3 Aufbau des Fragebogens

3 Darstellung von zehn Einzelfällen

4 Zusammenfassung und Ergebnisinterpretation

5 Verbesserungsvorschläge

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Wir schreiben das Jahr 1800. [G1]Es gibt weder Industrie noch Weltwirtschaft, weder Massenverkehrsmittel noch Massenmedien, weder Technik noch Bürokratie, weder Nationalstaaten noch politische Parteien. Und es gibt noch keinen Sport.

Erst im Jahr 1811 eröffnet ein deutscher Erzieher namens Friedrich Ludwig Jahn in der Hasenheide bei Berlin den ersten Turnplatz. Seiner Auffassung nach sollte das Turnen zum Gemeinschaftsbewußtsein und zu deutschem Volkstum erziehen (vgl. Preuß 1984, 281). Dank Fr. L. Jahn, dem späteren „Turnvater“, beginnt sich der organisierte Sport in Deutschland zu entwickeln.

Wenige Jahre später (1816) werden die ersten Turnvereine gegründet. Nachdem nun auch Sportvereine und Spitzensportverbände entstehen, beginnt mit den olympischen Spielen um die Jahrhundertwende der eigentliche Aufschwung des Sports.

Im Bereich des Spitzensports werden dann 1965 - unter Anleitung des deutschen Sportbundes (DSB) - neue Wege eingeschlagen. Auch „Maßnahmen, um bereits in der Schule mit einer gezielten Auslese sportlicher Talente zu beginnen“ (Digel 1988, 44) werden ergriffen. Erst jetzt beginnt das schulische Sporttreiben richtig Fuß zu fassen.

Geschichtlich betrachtet ist der außerschulische Sport dem Schulsport also weit voraus. So sah man erst genannten in seinen überlieferten Formen und festgelegten Bedeutungen als dem Sportunterricht modelhaft vorgegeben. Was also als Sport in der Schule stattfand, hatte die Aufgabe, das nachschulische Sporttreiben möglichst unverändert an die Schüler zu vermitteln, und sie damit zur Beteiligung an diesem Sport zu befähigen. Ist es auch heute noch so, daß der Schulsport auf das Vereinsleben bzw. das nachschulische Sporttreiben vorbereitet, oder ist es dem Sport zumindest in der Bildungsanstalt noch gegönnt, seiner ursprünglichen Bedeutung gerecht zu bleiben? Diese stammt nämlich aus dem Lateinischen (disportare = zerstreuen) und bedeutet nichts anderes, als jede planmäßige körperliche Betätigung, die aus Freude an der Sache betrieben wird (vgl. Preuß 1984, 561).

Aufgrund der Schulordnung des Kultusministeriums, welches den Sport als Pflichtfach vorschreibt, muß sich dieser formal-organisatorische und inhaltliche Veränderungen „gefallen lassen“.

Die Unterrichtszeit richtet sich nach der der Schule, also Stunden- und Ferienplänen. Der Sport wird 45 Minuten lang unterrichtet, und in den Ferien findet kein Sport statt.

Der Unterrichtsort ist die Schule mit Vorgaben administratorischer, architektonischer und institutionellen Art, mit ihrer individuellen Geräteausstattung. Die Schüler in diesen Sportstunden sind gleichaltrig und gleichgeschlechtlich. Es besteht Anwesenheitspflicht der Schüler, Aufsichts-, Unterrichts- und Bewertungspflicht der Lehrer (vgl. Brodtmann 1979, 65ff.).

Über eine weitere Problematik des Schulsports berichtet die Augsburger Allgemeine Zeitung. Deren Ausgabe vom 07.11.97 zufolge sind allein an Bayerns Schulen „im vergangenen Schuljahr nach SPD-Angaben 1,4 Millionen Sportstunden ausgefallen“.

Kritischen Beobachtungen des schulischen Sportunterrichts zufolge, unterscheidet er sich somit sichtbar vom freiwilligen außerschulischen Sport bzw. vereinsbetriebenen Sport.

Diese Arbeit, welche größtenteils auf Umfragen basiert, soll aufzeigen, inwiefern der Schulsport das Ziel lebenslanges Sporttreiben anzuregen erreicht bzw. nicht erreicht (hat). Weiterhin werden Möglichkeiten und Wünsche, den Sportunterricht zu verbessern, u.a in Form von Umfrageergebnissen, dargelegt.

2 Rahmenbedingungen zur Durchführung des Interviews

2.1 Auswahl der Umfragetechnik

Von meiner ursprünglichen Idee, Leute mit Hilfe eines Diktiergeräts in der Innenstadt zu interviewen, kam ich bereits nach kurzer Zeit wieder ab. Es war bis auf meinen ersten Interviewpartner fast unmöglich, den wahllos Angesprochenen interessante und vollständige Antworten abzugewinnen. Dies lag, wie einige auch eingestanden, hauptsächlich an ihrer Streßsituation, so daß es ihnen schwer fiel, ohne genaueres Nachdenken spontane Antworten zu geben.

Auf Vorschlag eines Dozenten versuchte ich mein Glück bei der Zugfahrt. Und siehe da, die Leute hatten Zeit und waren gerne bereit, ja fast dankbar, zur Unterhaltung sich meinen Fragen anzunehmen.

Dies war auch der Grund für die Fülle der auswertbaren Antworten, die meine Erwartungen bei weitem übertraf.

2.1 Auswahl der befragten Personen

Um ein möglichst aussagekräftiges Ergebnis zu erlangen, wählte ich unter den zehn befragten Personen jeweils fünf weiblichen und männlichen Geschlechts aus. Drei Interviews führte ich bewußt bei aktiven Vereinssportlern aus meinem Fußballclub durch. Als restliche Interviewpartner suchte ich Personen im Alter zwischen etwa 25 und 35 Jahren aus. Ich denke, daß es dieser Altersgruppe am ehesten möglich ist, zu diesem Thema Stellungnahme zu beziehen, da einerseits die Schulzeit noch nicht zu lange zurückliegt, andererseits Aussagen über persönliche Auswirkungen des Schulsports möglich sind.

2.3 Aufbau des Fragebogens

Der Fragebogen wurde nach folgenden Kriterien aufgebaut. Die am Anfang stehenden demographischen Daten sollen Aufschluß über eventuelle Zusammenhänge einzelner Personengruppen geben. Die Schulsporterlebnisse und deren Analyse als zweiter Hauptpunkt, sowie der daraus resultierende Einfluß des Schulsports auf die befragte Person, dienen dazu, die Qualität des Unterrichts und dessen Auswirkungen in Erfahrung zu bringen. Die persönliche Meinung kommt in den abschließenden Verbesserungsvorschlägen zum Ausdruck. Sie könnten bei Überlegungen zur Neugestaltung des Sportunterrichts Eingang finden.

3 Darstellung von zehn Einzelfällen

In der Tat scheinen Schüler den Sportunterricht - zumindest im Vergleich zu anderen Fächern - zu begrüßen“ (Voigt D./ Messing M. 1983, H.2, 163ff.). Ob die Aussagen der befragten Personen im nachschulischen Reflektieren dieses Zitat bestätigen, und wie sie zu den in Punkt 2.3 genannten Themen Stellung nehmen, soll nun eine Einzelfallauswertung darstellen.

Hierbei werden die Personen mit ihren Angaben und Ansichten vorgestellt und anonym mit den Buchstaben A-J bezeichnet. Das Geschlecht zeigt der Index [G2]w bzw. m nach dem Buchstaben an.

Am ist 25 Jahre alt und studiert Journalismus in München. Er ist ledig und hat keine Kinder. Von seinen 13 Schuljahre verbrachte er 9 am Gymnasium in Augsburg. Schon an seiner ersten Reaktion, als ich das Thema Schulsport anschneide, kann ich seine negative Einstellung dazu erkennen. Auch wenn A, wie er sagt, hier weit ausholen könnte, will er es auf die Frage nach negativen Schulsporterlebnissen beim Geräteturnen belassen. Hierbei bleiben ihm vor allem Kastenspringen und Reckübungen in Erinnerung.

Eher positiv steht er dagegen den Mannschaftssportarten, wie etwa Basketball oder Volleyball, gegenüber, ohne davon allerdings besonders beeindruckt zu sein.

Er selbst sieht sich im sportlichen Bereich als absoluten Versager, wobei er trotzdem erwähnt, auf sympathische Lehrer zurückblicken zu können.

Fest in Erinnerung bleibt ihm die Tatsache, wie unangenehm es war, sein Unvermögen, die verlangten Übungen zu absolvieren, vor der ganzen Klasse demonstrieren zu müssen. Weder der Schulsport, noch andere Einflüsse außerhalb, konnten A beeinflussen, im späteren Leben Sport zu treiben. Dies liegt aber, wie er betont, nicht nur an seinen unangenehmen Schulsporterinnerungen, sondern eher an seinem sportlichen Desinteresse, welches bereits vorher vorhanden war. Somit wurde seine Sportabstinenz zwar nicht allein von der Schule ausgelöst, aber durch sie noch verstärkt.

Hätte A Einfluß auf Entscheidungen des Kultusministerium, so würde er das Wahlsystem der Kollegstufe bereits ab der Mittelstufe einführen.

Bm, welcher insgesamt 9 Jahre lang die Schule besuchte, schlägt hier die gleiche Richtung ein und würde, auch im Hinblick auf seine zwei kleinen Kinder, eine individuellere Gestaltung des Sportunterrichts begrüßen. Der 36-jährige Versicherungsangestellte, der nebenbei Fußballtrainer einer Bezirksligamannschaft ist und früher selbst höherklassig spielte, kann im Schulsport keinen wesentlichen Einfluß auf das private Sporttreiben erkennen. Auch die ihm positiv in Erinnerung gebliebene Schulsporterlebnisse, wie Sportfeste (Leichtathletik) und Fußballvergleiche zwischen verschiedenen Schulen, hatten nicht zu seiner sportlichen Aktivität beigetragen.

Seiner Meinung nach lag dies vor allem an den angebotenen Sportarten, die ihm, mit Ausnahme von Fußball, keinen Spaß bereiteten.

Bei B sind es eher der eigene Antrieb und der persönliche Ehrgeiz, die er maßgeblich für sein außerschulisches Sporttreiben verantwortlich macht.

Sportarten, wie das Geräteturnen und das Basketball konnten B nicht begeistern. Dies lag daran, daß er an erst genanntem absolut kein Interesse hatte und bei letzterem oft auf die Bank verbannt war, da bereits bei geringstem Körperkontakt auf Foulspiel erkannt und abgepfiffen wurde.

Es waren also auch bei ihm weder beliebte noch unbeliebte Schulsportarten ausschlaggebend genug, als daß sie Auswirkungen auf sein späteres Sporttreiben gehabt hätten.

Cw dagegen, welche kurz vor dem Ende ihres Pharmaziestudiums steht, ist über das Basketball an der Schule zum Vereinsbasketball gekommen. Das Ausüben dieser Ballsportart ist für die 24-jährige ein in guter Erinnerung gebliebenes Schulsporterlebnis. Auch das Hallenhockey reiht die ledige Sportbegeisterte in diese Kategorie ein. Weniger gern dagegen denkt C, die 13 Jahre lang die Schule besuchte, an das „Stange hoch- und runterklettern“ und das Reckturnen, mit welchem sie bereits in der 6. Klasse konfrontiert wurde.

Bei diesen Sportarten beeindruckten sie vor allem zwei Erlebnisse. Zum einen bewunderte sie ein Mädchen, welches die Stange mühelos „erklimmen“ konnte, zum anderen war sie von dem liebevollen und hilfsbereiten Einsetzen des Lehrers für jede einzelne Schülerin bei den Reckübungen fasziniert. Da C selbst allerdings nicht die nötige Fertigkeit und Kraft besaß, die Stange hinaufzuklettern bzw. ohne Hilfestellung am Reck zu turnen, bleiben diese zwei Übungen negativ in ihrem Gedächtnis.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Ist der Schulsport geeignet, das nachschulische Sporttreiben vorzubereiten bzw. anzuregen?
Hochschule
Universität Augsburg  (Lehrstuhl für Sportpädagogik)
Veranstaltung
Einführung in die Sportwissenschaft
Autor
Jahr
1998
Seiten
18
Katalognummer
V33886
ISBN (eBook)
9783638342483
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Incl. ausführlichem Literaturverzeichnis
Schlagworte
Schulsport, Sporttreiben, Einführung, Sportwissenschaft
Arbeit zitieren
Thomas Geisler (Autor), 1998, Ist der Schulsport geeignet, das nachschulische Sporttreiben vorzubereiten bzw. anzuregen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33886

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