Der Sieg des Gefängnisses. Von den Martern zu Freiheitsstrafen

Michel Foucault "Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses"


Hausarbeit, 2016

10 Seiten, Note: 2,7

Agnes Gutt (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

1. Einleitung

2. Von den Martern zu den Haftstrafen
2.1 Die peinlichen Strafen
2.2 Die Haftstrafe

3. Das Gefängnis als Disziplinarapparat

4. Delinquenz

5. Auswirkungen der Delinquenz auf die Gesellschaft

6. Das Kerkersystem

7.Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Zeit der Marter ist vorbei. Ab Ende des 18. Jahrhunderts formierte sich das Strafsystem neu und das Gefängnis ersetzte die peinlichen Strafen. Man war auf der Suche nach einer Strafform, die zu einer zivilisierten und humanen Gesellschaft passt. Das öffentliche Schauspiel der Martern wurde von differenzierten Mitteln der Machtausübung abgelöst. Der Strafapparat wurde umfangreicher.Psychologen, Sozialarbeiter und weitere Instanzen beeinflussten eine Verlängerung oder Verkürzung der Haftstrafe (vgl. ebd.: S. 19). Obwohl die Kriminalität dadurch nicht eingedämmt werden und die Rückfallquote nicht gesenkt werden konnte, brachte das Gefängnis etwas sehr Nützliches hervor - die Delinquenz. "Der Delinquent unterscheidet sich vom Rechtsbrecher dadurch, daß[sic] weniger seine Tat als vielmehr sein Leben für seine Charakterisierung entscheidend ist.“(ebd. S. 323) Wieso Delinquenz vorteilhaft ist, möchte ich in dieser Hausarbeit erarbeiten. Dabei beziehe ich mich auf das Werk „Überwachen und Strafen – Die Geburt des Gefängnisses“ von Michel Foucault. Foucault fragte sich, wozu die Erschaffung von Delinquenten gut sein könnte. Was verspricht sich die Strafpolitik von der Produktion von Kriminellen? Zu Beginn zeige ich kurz den Übergang von peinlichen Strafen zur Haftstrafe auf. Anschließend werde ich auf beide Strafformen genauer eingehen. Außerdem wird darauf eingegangen, in wie weit das Gefängnis zur Disziplinierung der Gesellschaft beiträgt.Abschließend werde ich darauf eingehen, was Delinquenz ist und welche Folgen die Herstellung von Delinquenz sowie das Kerkersystem mit sich bringen. Abschließend folgt ein Fazit meinerseits.

2. Von den Martern zu den Haftstrafen

Die peinlichen Strafen verfolgten einen Zweck. Sie demonstrierten die Macht der Herrschenden über das Volk am Körper der Verurteilten (vgl. ebd.: S. 67). Der gemarterte Körper war Zeichen der Macht. Um die Wirkung zu verstärken, fanden die Martern in der Öffentlichkeit statt. Ende des 18. Jahrhunderts verschwanden allmählich die peinlichen Strafen und wurden durch Gefängnisse ersetzt. Das Schauspiel verschwand und der Schmerz wurde beseitigt (vgl. ebd.: S. 19). Freiheit wurde zu einem wichtigen Gut, also erschien die Freiheits- bzw. Haftstrafe als angemessene Strafform. Doch betont Foucault immer wieder, dass es sich nicht um bloße Freiheitsberaubung handelt. Von Anfang an war auch die Besserung der Individuen Zweck dieser Strafe (vgl. ebd.: S. 17). Hierzu konzentrierte man sich auf die Dressur der Körpers sowie den Verlust von Besitzt und Rechten.

2.1Die peinlichen Strafen

Bis ins 18. Jhd. dominierte die zeremonielle Marter. Die Bestrafung sollte abschreckend wirken und die Machtverhältnisse aufzeigen. An öffentlichen Plätzen wurden die peinlichen Strafen wie ein Schauspiel aufgeführt (vgl. ebd.: S. 75f). Köpfe wurden abgeschlagen, Körperteile zerstückelt, Glieder auseinandergerissen. Doch trotz aller Grausamkeit sind die peinlichen Strafen nicht willkürlich gewählt.,,Die peinliche Strafe ist eine Technik und hat nichts mit gesetzloser Raserei zu tun" (ebd.: S. 46). Die Strafe richtete sich nach dem Verbrechen und soll unterschiedliche Zwecke erfüllen. Der Verbrecher soll gebrandmarkt werden. Selbst wenn der Gesetzesbrecher die Qualen überlebt, wird er aufgrund der sichtbaren Narben von nun an aus der Gesellschaft ausgeschlossen (vgl. ebd.: S. 142). Und auch ohne Narben wird er dank des öffentlichen Schauspielserkannt. Doch mit gesellschaftlichen Änderungen wie der Aufklärung oder später dann der Industrialisierung veränderte sich auch die Form der Bestrafung. Nicht nur das Volk protestierte gegen die peinlichen Strafen, auch Politiker und Juristen forderten eine Reformierung des Strafsystems (vgl. ebd.: S. 93). Doch die Forderungen drängen Foucault zu Folge nicht nach Humanisierung.

In Forderungen nach milderen Strafen ,,zeichnet sich weniger ein neuer Respekt vor dem Menschen im Verurteilten [ab]... sondern vielmehr eine Tendenz zu einer sorgfältigeren und verfeinerten Justiz, zu einem lückenloseren Durchkämmen des Gesellschaftskörpers" (ebd.: S.99).

Vielmehr waren sie zwingend erforderlich, da die Verbrechen an Gewaltsamkeit verloren, sich aber zunehmend häuften. Eigentumsdelikte lösten Gewaltverbrechen ab (vgl. ebd.: S. 95f.). Mit derzeitigen Bestrafungsmethoden konnte also keine Wirkung erzielt werden.

2.2 Die Haftstrafe

Kontrolliert und bestraft werden mussten von nun an also andere Verbrechen. Der Respekt vor fremdem Eigentum ging verloren. Um den Kriminellen diesen wieder beizubringen, entzog man ihnen die Verfügung über Freiheit, Güter, Zeit und Körper (vgl. ebd.: S. 137). Hierzu war ein Disziplinarapparat notwendig, der Körper nicht mehr quält und martert, sondern sie in ein System von Verpflichtungen und Verboten steckt. Der Körper dient nun als Mittler um das Individuum zu dressieren(vgl. ebd.: S. 18). „Die Bestrafung [ist] eine Technik des Einzwängens der Individuen; sie arbeitet mit Dressurmethoden, die am Körper nicht Zeichen, sondern Spuren hinterlassen: die Gewohnheiten des Verhaltens" (ebd. 1976: S. 170).Bei kleinsten Vergehen oder Unanständigkeiten folgen Konsequenzen, wie beispielsweise Lohnentziehung. Die Besserung der Individuen erfolgte daher nicht aufgrund von Reue, sondern aufgrund der Dressurtechniken.

Daher gelten teils auch bis heutenoch in Gefängnissen die folgenden sieben Universalmaxime für einen angemessenen Strafvollzug: (vgl. ebd.: S. 346f)

1. Die Haftstrafe muss zu einer Besserung im Verhalten des Individuums führen. (Prinzip der Besserung)
2. Die Häftlinge müssen nach der Schwere ihres Vergehens getrennt werden. (Prinzip der Klassifikation)
3. Der Ablauf der Strafe muss in Abhängigkeit vom Individuum veränderbar sein. (Prinzip der Flexibilität der Strafen)
4. Die Arbeit muss ein wesentliches Element der Umformung und Sozialisierung sein. (Prinzip der Arbeit als Pflicht und Recht)
5. Die Erziehung des Gefangenen ist eine Verpflichtung gegenüber dem Gefangenen und der Gesellschaft. (Prinzip der Besserungsstrafe als Erziehung)
6. Im Gefängnis muss es spezialisiertes Personal geben, das über die Entwicklung der Individuen wachen und entscheiden kann. (Prinzip der technischen Kontrolle der Haft)
7. Auf die Haft müssen Kontroll- und Fürsorgemaßnahmen folgen. (Prinzip der Anschlussinstitutionen)

3. Das Gefängnis als Disziplinarapparat

Innerhalb kürzester Zeit wurden die peinlichen Strafen durch die Gefängnisstrafe ersetzt und die Haftstrafe wurde die wesentlichste Form der Züchtigung (vgl. ebd.: S. 148).Das Gefängnis stellt für Foucault eine Apparatur des Gefügig-Machens dar, indem die Körper der Individuen dressiert werden. Jedes Individuum erhält seinen Platz, das Bilden von Gruppen wird unterbunden und kollektive Einstellungen werden zerstreut (vgl. ebd.: S. 183). Die Machtausübung beruht auf dem System der permanenten Überwachung. Die Architektur der Gefängnisse spielt dabei keine unwesentliche Rolle: „Der perfekte Disziplinarapparat wäre derjenige, der es einem einzigen Blick ermöglichte, dauernd alles zu sehen.“ (ebd.: S. 224) Die Bestrafung findet nun hinter verschlossenen Türen statt. Sie ist nicht mehr sichtbar, sondern tritt in den Bereich des abstrakten Bewusstseins ein (vgl. ebd.: S. 16). Doch nicht nur die Verurteilten sollen Moral und Norm erlernen. Durch die differenzierte Festlegung von Straftaten und eine einheitliche Bestrafung für jedermann wird deutlich, welche Konsequenzen ein Abweichen von der Norm hat. Denn das Abweichen der Norm ist das viel größere Problem als das Abweichen vom Gesetz. Die Bestrafung soll von nun an die gesamte Gesellschaft erfassen. Und die Universalität trägt dazu bei, dass die Strafgewalt tiefer in der Gesellschaft verankert wird (vgl. ebd.: S. 104).

[...]

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Details

Titel
Der Sieg des Gefängnisses. Von den Martern zu Freiheitsstrafen
Untertitel
Michel Foucault "Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses"
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Soziologie)
Veranstaltung
Einführung in die Rechtssoziologie
Note
2,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
10
Katalognummer
V338916
ISBN (eBook)
9783668284586
ISBN (Buch)
9783668284593
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sieg, gefängnisses, martern, freiheitsstrafen, michel, foucault, überwachen, strafen, geburt
Arbeit zitieren
Agnes Gutt (Autor), 2016, Der Sieg des Gefängnisses. Von den Martern zu Freiheitsstrafen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/338916

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