Wieso Delinquenz vorteilhaft ist, möchte ich in dieser Hausarbeit erarbeiten. Dabei beziehe ich mich auf das Werk „Überwachen und Strafen – Die Geburt des Gefängnisses“ von Michel Foucault. Foucault fragte sich, wozu die Erschaffung von Delinquenten gut sein könnte. Was verspricht sich die Strafpolitik von der Produktion von Kriminellen? Zu Beginn zeige ich kurz den Übergang von peinlichen Strafen zur Haftstrafe auf. Anschließend werde ich auf beide Strafformen genauer eingehen. Außerdem wird darauf eingegangen, inwieweit das Gefängnis zur Disziplinierung der Gesellschaft beiträgt. Abschließend werde ich darauf eingehen, was Delinquenz ist und welche Folgen die Herstellung von Delinquenz sowie das Kerkersystem mit sich bringen.
Die Zeit der Marter ist vorbei. Ab Ende des 18. Jahrhunderts formierte sich das Strafsystem neu und das Gefängnis ersetzte die peinlichen Strafen. Man war auf der Suche nach einer Strafform, die zu einer zivilisierten und humanen Gesellschaft passt. Das öffentliche Schauspiel der Martern wurde von differenzierten Mitteln der Machtausübung abgelöst. Der Strafapparat wurde umfangreicher. Psychologen, Sozialarbeiter und weitere Instanzen beeinflussten eine Verlängerung oder Verkürzung der Haftstrafe. Obwohl die Kriminalität dadurch nicht eingedämmt werden und die Rückfallquote nicht gesenkt werden konnte, brachte das Gefängnis etwas sehr Nützliches hervor - die Delinquenz. "Der Delinquent unterscheidet sich vom Rechtsbrecher dadurch, daß weniger seine Tat als vielmehr sein Leben für seine Charakterisierung entscheidend ist.“
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Von den Martern zu den Haftstrafen
2.1 Die peinlichen Strafen
2.2 Die Haftstrafe
3. Das Gefängnis als Disziplinarapparat
4. Delinquenz
5. Auswirkungen der Delinquenz auf die Gesellschaft
6. Das Kerkersystem
7.Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht auf Basis von Michel Foucaults Werk „Überwachen und Strafen“, warum die Produktion von Delinquenten für die moderne Strafpolitik funktional ist und inwiefern das Gefängnissystem der gesellschaftlichen Disziplinierung sowie der Stabilisierung von Machtverhältnissen dient.
- Historischer Wandel der Strafformen von der Marter zur Haft
- Die Transformation des Gefängnisses zum Disziplinarapparat
- Die funktionale Rolle der Delinquenz innerhalb der Gesellschaft
- Die Mechanismen der Überwachung und Dressur von Individuen
- Das Kerkersystem als umfassendes Netz der Normierungsmacht
Auszug aus dem Buch
3. Das Gefängnis als Disziplinarapparat
Innerhalb kürzester Zeit wurden die peinlichen Strafen durch die Gefängnisstrafe ersetzt und die Haftstrafe wurde die wesentlichste Form der Züchtigung (vgl. ebd.: S. 148). Das Gefängnis stellt für Foucault eine Apparatur des Gefügig-Machens dar, indem die Körper der Individuen dressiert werden. Jedes Individuum erhält seinen Platz, das Bilden von Gruppen wird unterbunden und kollektive Einstellungen werden zerstreut (vgl. ebd.: S. 183). Die Machtausübung beruht auf dem System der permanenten Überwachung. Die Architektur der Gefängnisse spielt dabei keine unwesentliche Rolle: „Der perfekte Disziplinarapparat wäre derjenige, der es einem einzigen Blick ermöglichte, dauernd alles zu sehen.“ (ebd.: S. 224) Die Bestrafung findet nun hinter verschlossenen Türen statt. Sie ist nicht mehr sichtbar, sondern tritt in den Bereich des abstrakten Bewusstseins ein (vgl. ebd.: S. 16).
Doch nicht nur die Verurteilten sollen Moral und Norm erlernen. Durch die differenzierte Festlegung von Straftaten und eine einheitliche Bestrafung für jedermann wird deutlich, welche Konsequenzen ein Abweichen von der Norm hat. Denn das Abweichen der Norm ist das viel größere Problem als das Abweichen vom Gesetz. Die Bestrafung soll von nun an die gesamte Gesellschaft erfassen. Und die Universalität trägt dazu bei, dass die Strafgewalt tiefer in der Gesellschaft verankert wird (vgl. ebd.: S. 104).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Fragestellung ein, warum das Gefängnissystem Delinquenz produziert, und umreißt den methodischen Bezug auf Foucaults Werk.
2. Von den Martern zu den Haftstrafen: Das Kapitel beleuchtet den Übergang von der öffentlichen Zurschaustellung der Strafe am Körper des Verurteilten hin zur Freiheitsstrafe als disziplinierendes Instrument.
3. Das Gefängnis als Disziplinarapparat: Hier wird das Gefängnis als Apparat zur Dressur von Körpern analysiert, das auf permanenter Überwachung und dem Ausschluss von Kollektivbildungen basiert.
4. Delinquenz: Dieses Kapitel erläutert, wie das Strafsystem den „Delinquenten“ als Objekt der Vollzugswissenschaft konstruiert und warum dies für die Strafpolitik nützlich erscheint.
5. Auswirkungen der Delinquenz auf die Gesellschaft: Hier wird dargelegt, wie die Existenz von Delinquenten zur Stabilisierung von Machtverhältnissen beiträgt und als Drohung zur Disziplinierung der breiten Bevölkerung dient.
6. Das Kerkersystem: Die Analyse beschreibt das Gefängnis als Teil eines umfassenden sozialen Netzwerkes, das über Institutionen wie Schulen oder Fabriken zur flächendeckenden Normierung beiträgt.
7.Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Strafpolitik weniger auf die Kriminalitätsbekämpfung als auf die Kontrolle und Dressur der Gesellschaft ausgerichtet ist.
Schlüsselwörter
Michel Foucault, Gefängnis, Strafsystem, Delinquenz, Disziplinarapparat, Machtverhältnisse, Überwachung, Kerkersystem, Haftstrafe, Körperdressur, Normierung, Strafpolitik, Gesellschaftskörper, Machtausübung, Kriminalität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert kritisch den Wandel des Strafsystems nach Michel Foucault, insbesondere den Übergang von peinlichen Strafen zur Haftstrafe und die Funktion der Delinquenz.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Geschichte der Bestrafung, die Disziplinierung durch Architektur und Dressur sowie die systematische Konstruktion von Delinquenz zur gesellschaftlichen Kontrolle.
Welche Forschungsfrage verfolgt der Autor?
Die Hauptfragestellung zielt darauf ab, warum die Produktion von Delinquenten für die Strafpolitik vorteilhaft ist und welche Funktionen das Gefängnis für die Gesellschaft erfüllt.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit nutzt die diskursanalytische Perspektive von Michel Foucault aus dessen Werk „Überwachen und Strafen“ als theoretisches Fundament.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt den historischen Übergang vom Schauspiel der Marter zum Gefängnis, das Konzept des Disziplinarapparats und die systemische Einbettung in das sogenannte Kerkersystem.
Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit geprägt?
Die Begriffe Delinquenz, Disziplinarapparat, Machtverhältnisse, Körperdressur und Überwachung charakterisieren den wissenschaftlichen Kern der Untersuchung.
Inwiefern hat sich die Bestrafung nach Foucault durch das Kerkersystem verändert?
Die Bestrafung hat sich von einer punktuellen körperlichen Maßnahme zu einem alltäglichen, permanenten Prozess gewandelt, der Institutionen wie Schulen, Fabriken und Gefängnisse zu einem Netz der Normierung verbindet.
Warum fungiert Delinquenz nach Ansicht der Arbeit als „Mittel zum Zweck“?
Sie dient als notwendiges Instrument der herrschenden Klasse, um die Bevölkerung durch ständige Drohung zu disziplinieren und Machtverhältnisse innerhalb der Gesellschaft zu festigen.
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- Agnes Gutt (Autor), 2016, Der Sieg des Gefängnisses. Von den Martern zu Freiheitsstrafen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/338916