Eine der Hauptschwierigkeiten bei einer grammatischen Beschreibung deutscher Tempora liegt darin, den Unterschied zwischen den beiden Vergangenheitstempora Präteritum und Präsensperfekt angemessen zu erfassen. In der Literatur werden die beiden Tempora Präteritum und Präsensperfekt in ihrer Beziehung zueinander unterschiedlich betrachtet. Die Spannweite bewegt sich zwischen einem absoluten Bedeutungsunterschied und einer synonymen Verwendung der beiden Tempora. Tatsächlich können die beiden Tempora oft gegeneinander ausgetauscht werden, ohne dass sich die Bedeutung des Satzes signifikant ändert. Dies heißt jedoch nicht, dass Präteritum und Präsensperfekt in ihrer Funktion identisch sind.
Das Perfekt und Präteritum spielen nicht nur im Deutschen, sondern auch im Singhalesen (Sri-Lanka) eine Rolle zur Bezeichnung eines vergangenen Geschehens. Im Unterschied zum singhalesischen Präteritum wird das singhalesische Perfekt als ein Teiltempus angesehen, denn es wird nicht als Haupttempus in der singhalesischen Grammatik beschrieben. Trotzdem kommt das singhalesische Perfekt in der Schriftlichkeit und Mündlichkeit vor. Damit ist es das Ziel dieser Arbeit zu überprüfen, signifikante Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede im Perfekt- und Präteritumgebrauch der beiden Sprachen aufzudecken und zu beschreiben. Daraus ergibt sich die entscheidende Frage, die leitend für diese Hausarbeit sein wird: Wie unterscheidet sich der Gebrauch des Perfekts und Präteritums im Deutschen und Singhalesen? Somit werden in den ersten beiden Teilen der Arbeit die Formbildung und die Funktion dieser Vergangenheitstempora (Präteritum und Perfekt) der deutschen und singhalesischen Sprache vorgestellt.
Hennig bemerkt, dass die geschriebene und gesprochene Sprache gleichermaßen im Vergleich der vergangenen Tempora berücksichtigt werden sollen, denn der Tempusgebrauch ist in gesprochener und geschriebener Sprache ebenfalls unterschiedlich und der Gebrauch des deutschen Perfekts und Präteritums sei textsortenspezifisch. Die Textsorte entscheidet, ob entweder die Verben im Präteritum stehen oder die Verben im Perfekt gebraucht werden. Auch standardsprachlich bleibt eine wesentliche Affinität zwischen Perfekt und Mündlichkeit einerseits und Präteritum und Schriftlichkeit andererseits.
Inhaltsverzeichnis
1. Der Gebrauch des Perfekt-Präteritumparadigmas im Deutschen
1.1 Das Präteritum in der deutschen Sprache
1.1.1 Formbildung des Präteritums
1.1.2 Die Funktion und der Gebrauch des deutschen Präteritums
1.2 Das Perfekt in der deutschen Sprache
1.2.1 Die Darstellung und die Formbildung
1.2.2 Die Funktion des deutschen Perfekts
1.3 Der Vergleich des deutschen Präteritums und Perfekts
2. Der Gebrauch des Perfekt-Präteritumparadigmas im Singhalesen
2.1 Das Präteritum in der singhalesischen Sprache
2.1.1 Verwendung der gesprochenen Sprache
2.1.2 Funktion des Präteritums
2.2 Formbildung und Funktion des Perfekts der singhalesischen Sprache
3. Die Analyse des Gebrauchs von Perfekt und Präteritum
3.1 Ergebnisse aus der geschriebenen Sprache
3.1.1 Rezension auf Deutsch
3.1.2 Rezension auf Singhalesisch
3.2 Ergebnisse aus der gesprochenen Sprache
3.2.1 Vergleich des Gebrauchs der deutschen und singhalesischen Vergangenheitstempora: Präteritum und Perfekt
3.2.2 Grafikbeschreibung der Tempora der Interviews
3.2.3 Diagramm 3: Interview auf Deutsch
3.2.4 Diagramm 4: Interview auf Singhalesisch
4. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Gebrauch der Vergangenheitstempora Perfekt und Präteritum im Deutschen und Singhalesischen, sowohl in der geschriebenen als auch in der gesprochenen Sprache. Ziel ist es, durch eine korpusgestützte Analyse von Rezensionen und Interviews die funktionalen Verwendungen dieser Tempora in beiden Sprachen kontrastiv zu beschreiben.
- Grammatische Analyse von Präteritum und Perfekt im Deutschen
- Strukturuntersuchung der Vergangenheitstempora im Singhalesischen
- Kontrastive Sprachanalyse unter Berücksichtigung von Mündlichkeit und Schriftlichkeit
- Empirische Auswertung von Textkorpora (Rezensionen und Interviews)
Auszug aus dem Buch
1.1 Das Präteritum in der deutschen Sprache
Hoffmann (2013: 259) schreibt, dass das deutsche Präteritum heute eher im schriftlichen bzw. im Standarddeutsch vorkommt. Zudem enthält das Präteritum keine Vermutung. Außerdem können nicht nur dem Perfekt, sondern auch dem Präteritum fakultative Temporalangabe (gestern, im vorigen Jahr, neulich u.a.) angefügt werden.
Zur näheren Kennzeichnung können drei zeitverweisende Merkmale beschrieben werden: Sprechzeit, Aktzeit und Betrachtzeit (Eichler/Büntig 1994: 102). Erstere ist der Moment, in dem sich der Sprecher oder Schreiber äußert und sie ist vom Sprecher abhängig. Die Aktzeit meint die objektiv-reale Zeit der ausgesagten Handlung des Aktes. Das heißt die Zeit, in der etwas geschieht und diese Zeit ist vom sprechenden oder schreibenden Menschen unabhängig. Die Betrachtzeit kann als die zeitliche Perspektive, die der Sprecher einnimmt und von der aus er den Akt (sprachlich) beschreibt, also die Zeit der Betrachtung des Geschehens, die vom Sprecher abhängig ist. Im Präteritum sind Aktzeit und Betrachtzeit gleich (Eichler/Büntig 1994: 105), denn die Betrachtzeit fällt im Präteritumssatz mit der Aktzeit zusammen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der Gebrauch des Perfekt-Präteritumparadigmas im Deutschen: Theoretische Einführung in die Bildung und Funktion von Präteritum und Perfekt im Deutschen sowie deren grammatikalische Einordnung.
2. Der Gebrauch des Perfekt-Präteritumparadigmas im Singhalesen: Darstellung der singhalesischen Tempusformen und der spezifischen Anwendung von Präteritum und Perfekt in dieser Sprache.
3. Die Analyse des Gebrauchs von Perfekt und Präteritum: Empirische Untersuchung des Tempusgebrauchs anhand von Rezensionen und Interviews im Deutschen und Singhalesischen.
4. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Analyseergebnisse und Aufzeigen von Möglichkeiten für zukünftige Forschungsvorhaben.
Schlüsselwörter
Präteritum, Perfekt, Deutsch, Singhalesisch, Tempora, Vergangenheit, Mündlichkeit, Schriftlichkeit, Tempusgebrauch, Sprachvergleich, Grammatik, Vergangenheitsdarstellung, Korpusanalyse, Rezension, Interview.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem kontrastiven Vergleich der Vergangenheitsformen Perfekt und Präteritum im Deutschen und im Singhalesischen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die grammatikalische Formbildung, die funktionale Verwendung dieser Zeitformen sowie deren Abhängigkeit von der Textsorte und dem Medium (Mündlichkeit vs. Schriftlichkeit).
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und signifikante Unterschiede im Gebrauch von Perfekt und Präteritum in beiden Sprachen aufzudecken und zu beschreiben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine korpusbasierte Analyse durchgeführt, die Rezensionen (Schriftsprache) und Interviews (gesprochene Sprache) statistisch auswertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu beiden Sprachen und eine anschließende Analyse der empirischen Daten aus den untersuchten Korpora.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Präteritum, Perfekt, kontrastive Linguistik, Mündlichkeit, Schriftlichkeit und temporale Referenz.
Welche Rolle spielt das Singhalesische Perfekt im Vergleich zum Deutschen?
Im Gegensatz zum Deutschen wird das singhalesische Perfekt nicht als Haupttempus für die Vergangenheit angesehen und weist eine deutlich geringere Frequenz im Gebrauch auf.
Wie unterscheidet sich die Verwendung des Präteritums in der Mündlichkeit?
Während im Deutschen das Perfekt in der gesprochenen Sprache dominiert, zeigen die Analysen für das Singhalesische ein abweichendes Verteilungsmuster bei der Verwendung des Präteritums.
- Arbeit zitieren
- S. M. Yoganjana (Autor:in), J. M. Hewarathna (Autor:in), 2016, Der Gebrauch des Perfekt- und Präteritumparadigmas im Deutschen und Singhalesischen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/338944