Seit Beginn der 80er Jahre ist an den internationalen Finanzmärkten ein auffälliger Trend zur Verbriefung von Finanzierungen (Securitisation) zu beobachten. Dieser Trend wird „... u.a. durch die verstärkte Emission von Asset Backed Securities (ABS) verkörpert ...“1 Diese Entwicklung begann Anfang der 1970er Jahre in den USA mit der Verbriefung von Hypothekardarlehen in Form von sogenannten Mortgage Backet Securities (MBS). 2 „1983 kam es zum ersten Mal zu einer Non-Mortgage-Backed-Transaktion (...). Seit den frühen neunziger Jahren begann die Internationalisierung der Asset Securitisation. Unternehmen in anderen Ländern begannen die Chancen und Risiken dieser Finanzierungstechnik zu erkennen und sie zu nutzen.“3 In Westeuropa hat dieser Trend zur Verbriefung von Forderungen in den letzten fünf Jahren an Dynamik gewonnen, wobei insbesondere die Märkte für Asset Backed Securities als Alternative für klassische Finanzierungswege gesehen werden.4
Dieser Trend der Securitisation geht einerseits von den Banken aus, „... die sich mehr und mehr aus dem traditionellen Kreditgeschäft zurückziehen, um ertragsstärkere und eigenkapitalschonende Bankprodukte zu offerieren (...)“ 5, andererseits verschaffen sich zunehmend zuvor nicht kapitalmarktfähige Industrieunternehmen „(...) mit Hilfe dieser Technik indirekten Zugang zum Kapitalmarkt (...).6
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmung und Abgrenzung
2.1. Abgrenzung zum Pfandbrief
2.2. Abgrenzung zum Factoring
3. Grundstruktur und Sicherungskonstruktionen
4. Grundlegende Formen der Forderungsverbriefung
4.1. Unterscheidung nach den verbrieften Vermögensgegenständen
4.2. Unterscheidung nach der Art der Zahlungsströme
4.3. Unterscheidung nach der Art der Übertragung der Aktiva
5. Grundlegende Funktionen
5.1. Funktionen für den Forderungsverkäufer (Originator)
5.2. Für den Investor
5.3. Für die Bank
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themenfelder
Die vorliegende Arbeit untersucht das Finanzierungsinstrument der Forderungsverbriefung (Asset Securitisation), erläutert dessen grundlegende Strukturen sowie Sicherungsmechanismen und analysiert die Funktionen aus Sicht der beteiligten Akteure. Die Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie Forderungsbestände rechtlich abgesondert und als handelbare Wertpapiere am Kapitalmarkt platziert werden können, um Liquidität zu generieren und Eigenkapital zu entlasten.
- Grundlagen und Abgrenzung der Asset Securitisation gegenüber anderen Instrumenten wie Pfandbriefen und Factoring.
- Aufbau des Transaktionsmodells und Bedeutung der beteiligten Akteure (Originator, SPV, Investoren).
- Methoden des Credit Enhancement zur Risikominimierung für Investoren.
- Klassifizierung von Verbriefungsformen nach Vermögenswerten, Zahlungsströmen und Übertragungsarten.
- Analyse der spezifischen Vorteile für Originatoren, Investoren und Banken.
Auszug aus dem Buch
2. Begriffsbestimmung und Abgrenzung
„Asset Securitization bezeichnet eine Finanzierungstechnik, bei der Vermögensgegenstände (Assets) aus der Bilanz einer Bank oder eines Unternehmens (Originator) an eine ausschließlich der ABS-Transaktion dienende Einzweckgesellschaft veräußert werden und diese Gesellschaft den Kaufpreis durch Ausgabe von Wertpapieren (Securitization) finanziert.“ Oder anders gesagt: „Es geht also im Prinzip darum, Forderungen und andere Rechte, die bei Unternehmen oder Finanzinstituten auf der Aktivseite der Bilanz stehen, zusammenzufassen, rechtlich abzusondern, auf diese Einheit von Anrechten Wertpapiere auszustellen und die neu geschaffenen Titel schließlich an einem Markt bzw. bei Anlegern zu platzieren.“ Die zu Pools gebündelten Forderungen werden also „(...) auf ein Finanzierungsvehikel übertragen, das sich am Wertpapiermarkt refinanziert. Das Ergebnis dieser ‚Credit Securitization’ sind Effekten, die ihren Wert aus genau spezifizierten Vermögenspositionen als Deckungen beziehen: → Asset Backed Securities.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den historischen Aufstieg der Verbriefung von Finanzierungen seit den 1970er Jahren und beschreibt den wachsenden Trend zur Nutzung von Asset Backed Securities als Finanzierungsalternative.
2. Begriffsbestimmung und Abgrenzung: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Asset Securitisation und grenzt die Technik durch inhaltliche Vergleiche vom Pfandbrief sowie vom Factoring ab.
3. Grundstruktur und Sicherungskonstruktionen: Es wird das zentrale Beziehungsdreieck zwischen Originator, Zweckgesellschaft und Investor erläutert sowie Methoden wie Credit Enhancement zur Risikominimierung vorgestellt.
4. Grundlegende Formen der Forderungsverbriefung: Hier erfolgt eine Kategorisierung der Produkte nach verbrieften Vermögensgegenständen, der Art der Zahlungsströme (Pass-Through vs. Pay-Through) und der Art der Übertragung (True-Sale vs. synthetisch).
5. Grundlegende Funktionen: Das Kapitel analysiert die spezifischen ökonomischen Anreize und Funktionen der Verbriefung für Forderungsverkäufer, Investoren und Banken.
6. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass Verbriefungen ein wachsendes Finanzierungsinstrument sind, jedoch aufgrund ihrer Komplexität erhebliche Risiken wie Informationsasymmetrien bergen.
Schlüsselwörter
Asset Securitisation, Forderungsverbriefung, Asset Backed Securities, Originator, Special Purpose Vehicle, Credit Enhancement, True-Sale, synthetische Verbriefung, Risikodiversifikation, Kapitalmarkt, MBS, Cashflow, Liquidität, Finanzierungstechnik, Wertpapiere
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der grundlegenden Funktionsweise und den verschiedenen Ausprägungsformen der Forderungsverbriefung, einem Prozess, bei dem illiquide Forderungsbestände in handelbare Wertpapiere umgewandelt werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentral sind die Abgrenzung zu anderen Instrumenten, die Beschreibung der strukturellen Beteiligten in einem Verbriefungsmodell, die Darstellung von Sicherungsmechanismen sowie die ökonomische Vorteilhaftigkeit für die beteiligten Parteien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, ein fundiertes Verständnis für die Mechanismen der Asset Securitisation zu vermitteln und aufzuzeigen, warum dieses Instrument sowohl für Unternehmen als auch für Banken ein strategisch relevantes Finanzierungsmittel darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine strukturierte Literaturanalyse, die auf einschlägigen Fachpublikationen und Standards der Bankwirtschaft basiert, um die theoretischen Grundlagen und die praktische Anwendung der Verbriefung darzulegen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsdefinition, die Erläuterung der Grundstruktur und der Sicherungskonstruktionen, die Klassifizierung verschiedener Verbriefungsarten sowie die detaillierte Funktionsanalyse aus Sicht der unterschiedlichen Akteure.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren den Inhalt am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Asset Securitisation, Special Purpose Vehicle, Originator, Credit Enhancement und Risikodiversifikation geprägt.
Wie unterscheidet sich die True-Sale-Verbriefung von synthetischen Modellen?
Beim True-Sale findet eine rechtliche und bilanzielle Übertragung der Forderungen auf eine Zweckgesellschaft statt, während bei synthetischen Modellen lediglich ein Risikotransfer erfolgt und die Vermögenswerte in der Bilanz des Originators verbleiben.
Warum spielt die Zweckgesellschaft (SPV) eine so zentrale Rolle?
Das SPV fungiert als zentrales Bindeglied, das durch die rechtliche Isolation (Isolation vom Insolvenzrisiko des Originators) die Grundlage für die Emission von wertpapierfähigen Forderungspools bildet.
- Arbeit zitieren
- Mag. Thomas Driendl (Autor:in), 2004, Die Verbriefung von Forderungen - Grundlegende Formen und Funktionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33905