Durch die Mediatisierung des Alltags und die schnelle Verbreitung computer-basierter Medien haben sich in den letzten Jahrzehnten die Kommunikationsformen in unserem Alltag stark verändert. Ein Beispiel: Nach dem Aufstehen werden die Emails „gecheckt“, im Bus zur Arbeit schaut man mal, was in Facebook los ist. Zwischendurch wird „gesimst“ oder „gechattet“ und abends teilt man seinen Freunden auf Facebook mit, wie der Tag war oder kommentiert den Tag von jemand anderem.
Durch diese ständige Erreichbarkeit, fühlen sich die Menschen dazu verleitet, schnell zu reagieren, sodass die eigentlich schriftlich verfassten Texte einer mündlichen Kommunikation ähneln und zu der Annahme führen, „gesprochene Sprache [sei] somit nicht mehr das einzige Mittel zur nahezu synchronen, dialogischen Interaktion“. Im Zentrum dieser Diskussion stößt man auf die Begriffe der „Mündlichkeit“ und „Schriftlichkeit“. Mittlerweile existieren sprachwissenschaftliche Studien, die die Besonderheiten von Chat- oder Newsgroup-Kommunikation in Bezug zur Mündlichkeit und Schriftlichkeit darlegen.
Facebook-Beiträge und ihre Kommentare wurden bisher unter diesen Gesichtspunkten eher vernachlässigt. Darum erscheint es interessant sich in dieser wissenschaftlichen Arbeit mit den Mündlichkeits- bzw. Schriftlichkeitsaspekten dieser innovativen Kommunikationsform zu beschäftigen. Es ist an der Zeit Stellung zu beziehen, zu der Fragestellung: „Gehören Facebook Kommentare der konzeptionellen Mündlichkeit oder Schriftlichkeit an?“ Darüber hinaus soll versucht werden, diese Variante der modernen Kommunikation mit Instant Messaging (im Folgenden: IM), einer speziellen Form des Chats, und Newsgroup zu vergleichen, da es diesbezüglich in der Wissenschaft eine Zuteilung zur Mündlichkeit und Schriftlichkeit gibt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Mündlichkeit und Schriftlichkeit
2.1 Begriffsklärung der konzeptionellen Form der Mündlichkeit und Schriftlichkeit
2.2 Instant Messaging in Bezug zu Mündlichkeit und Schriftlichkeit
2.3 Newsgroups in Bezug zu Mündlichkeit und Schriftlichkeit
3. Analyse
3.1 Methodik
3.2 Durchführung
3.3 Auswertung
4. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachwissenschaftliche Einordnung von Facebook-Kommentaren im Hinblick auf die Dimensionen von Mündlichkeit und Schriftlichkeit. Die zentrale Forschungsfrage lautet, ob Facebook-Kommentare eher der konzeptionellen Mündlichkeit oder der Schriftlichkeit zuzuordnen sind, wobei bestehende Einordnungen von Instant Messaging und Newsgroups als Vergleichsgrößen dienen.
- Grundlagen der Mündlichkeit und Schriftlichkeit (Koch/Oesterreicher vs. Dürscheid)
- Analyse der Kommunikationsmerkmale (Flüchtigkeit, Synchronizität, Syntax, Parasprache)
- Vergleichende Betrachtung von Facebook-Kommentaren mit Instant Messaging und Newsgroups
- Empirische Untersuchung anhand ausgewählter Facebook-Beispiele
- Diskussion der Facebook-Kommentare als eigenständige Kommunikationsform
Auszug aus dem Buch
3.1 Methodik
Wie schon in Kapitel 2 erwähnt, stützt sich diese Analyse auf die prototypischen Merkmale der Versprachlichungsstrategien Flüchtigkeit/ Dauerhaftigkeit, Äußerungssituation, Synchronizität, Deixis, Parasprache, Syntax und Dialogizität von Christa Dürscheid.
Die folgenden zwei Beispiele, die in geschwärzter Version auf der Internetseite webfail.com zu finden sind, werden auf Merkmale von Mündlichkeit und Schriftlichkeit, mithilfe der Versprachlichungsstrategien, empirisch untersucht. Diese Ergebnisse werden in der Auswertung tabellarisch festgehalten.
Beispiele werden mit T1, T2, T3, usw. abgekürzt und beziehen sich auf die jeweiligen Turns, also Sprecherwechsel, des Facebook-Beitrags.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Mediatisierung des Alltags ein und formuliert die zentrale Forschungsfrage, ob Facebook-Kommentare der konzeptionellen Mündlichkeit oder Schriftlichkeit angehören.
2. Mündlichkeit und Schriftlichkeit: Es werden die theoretischen Grundlagen des Nähe-Distanz-Modells sowie die weiterentwickelten Versprachlichungsstrategien nach Dürscheid dargelegt und auf die Kommunikationsformen Instant Messaging und Newsgroups angewendet.
3. Analyse: In diesem Kapitel werden Facebook-Kommentare anhand von zwei Praxisbeispielen systematisch auf ihre mündlichen und schriftlichen Merkmale hin untersucht.
4. Fazit: Die Ergebnisse werden zusammengeführt und kommen zu dem Schluss, dass Facebook-Kommentare eine eigenständige Sonderform darstellen, die nicht eindeutig zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit zu verorten ist.
Schlüsselwörter
Facebook-Kommentare, Mündlichkeit, Schriftlichkeit, Medienkommunikation, Instant Messaging, Newsgroups, Versprachlichungsstrategien, Nähe-Distanz-Modell, Christa Dürscheid, Linguistik, Kommunikationsanalyse, Computermittelte Kommunikation, Syntax, Parasprache, Dialogizität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einer sprachwissenschaftlichen Einordnung von Facebook-Kommentaren im Kontext der Spannweite zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Medialität digitaler Kommunikation, die Theorie der Versprachlichungsstrategien und der Vergleich zwischen Facebook, Chat-Systemen und Newsgroups.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, Facebook-Kommentare anhand spezifischer linguistischer Merkmale zu analysieren, um ihre Position innerhalb des Kontinuums von Mündlichkeit und Schriftlichkeit zu bestimmen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin nutzt die von Christa Dürscheid entwickelten Versprachlichungsstrategien, um empirische Daten aus realen Facebook-Kommentarverläufen zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Fundierung durch das Nähe-Distanz-Modell, die Analyse von Instant Messaging und Newsgroups sowie die praktische Analyse von zwei Facebook-Beispielen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Neben Facebook-Kommentaren sind Begriffe wie Versprachlichungsstrategien, Flüchtigkeit, Synchronizität und die Unterscheidung zwischen medialer und konzeptioneller Schriftlichkeit zentral.
Warum lassen sich Facebook-Kommentare laut Autorin nicht eindeutig zuordnen?
Die Analyse zeigt, dass Facebook-Kommentare sowohl Merkmale einer konzeptionellen Mündlichkeit (z.B. Ellipsen, Enklisen) als auch einer konzeptionellen Schriftlichkeit (z.B. wohlgeformte Sätze, Archivierung) aufweisen, was sie zu einer Sonderform macht.
Welche Rolle spielt das "gefällt mir"-Symbol in der Parasprache?
Es fungiert als einzigartiges parasprachliches Merkmal, das es Nutzern ermöglicht, ohne textuelle Äußerungen eine Reaktion oder Zustimmung zu signalisieren.
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- Natascha Weis (Author), 2014, Facebook-Kommentare als neue Kommunikationsform. Gehören Facebook Kommentare der konzeptionellen Mündlichkeit oder Schriftlichkeit an?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339183