Aufgaben und Leistungen der Familie im gesellschaftlichen Wandel


Hausarbeit, 2012
14 Seiten, Note: 1,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gesellschaftsveränderungen und Wandel der Familie vom 18. Jh. bis heute .
2.1 Das bäuerliche Familienleben in der vorindustriellen Zeit
2.2 Das bürgerliche Familienmodell und die wirtschaftliche Entwicklung
2.3 Politische Entwicklung und Einflüsse des entstandenen Familienrechts

3. Individualisierungsprozess

4. Modernisierungsprozess
4.1 Pluralismus der Familie und Alternativen zur Familie

5. Wesentliche Funktionen der modernen Familie
5.1 Hauptfunktionen
5.2 Strukturwandel der Familie und Funktionswandel/-verluste

6. Fragestellung: Werden Mütter auch zukünftig einer Erwerbstätigkeit nachgehen?

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis:

1. Einleitung

Hört man das Wort „Familie“, so fallen einem spontan die Begriffe Zusammenhalt, groß, gemeinsam, gegenseitige Unterstützung etc. ein. In der Literatur wurde die Familie häufig als soziale Einrichtung der Gesellschaft angesehen, welche vielfältige Funktionen erfüllte und wichtige Leistungen der Gesamtgesellschaft erbrachte. Diese Hausarbeit beschreibt die Ursachen, die dazu führten, dass Familien heute eine andere Funktion als in der Vergangenheit aufweisen und sich somit von einer Kernfamilie zu einer Modernen Familie umwandelten. Um diese Thematik näher zu beleuchten, soll zunächst der Begriff Familie näher erläutert werden sowie ein Überblick über die Lebenssituation (- gegebenheiten) in der vorindustriellen Zeit dargestellt werden. Anschließend wird reflektiert, wie politische und wirtschaftliche Gegebenheiten die Wandlung der damals patriarchalischen Großfamilie zu einer „modernen Kernfamilie“ beeinflusste.

Der gesellschaftliche Wandel, welcher sich überwiegend auf den Berufs- und Bildungsbereich erstreckte, hatte einen enormen Einfluss auf die Funktion der Familie. Es kommt zur veränderten Rollenverteilungen innerhalb einer Familie. Während früher der Vater als „Kopf der Familie“ für das Geldverdienen und die Nahrungssicherung stand, bestand die Hauptaufgabe der Frau darin, die Kinder zu erziehen und den Haushalt zu führen. Dies hatte unter anderem zufolge, dass eine absolute gegensätzliche Abhängigkeit der Familienmitglieder untereinander abgelöst wurde. Im historischen Rückblick sind demzufolge erhebliche Wandlungs- bzw. Modernisierungsprozesse in den Aufgaben und Leistungen der Familie zu erkennen.

Die heutige Familie bezeichnet man nicht mehr als Zwecksgemeinschaft, sondern viel mehr als eine Lebensgemeinschaft oder eine soziale Gruppe, deren Merkmale und Funktionen sich unter bestimmten Gesichtspunkten wie der Reproduktions-, Sozialisationsfunktion und Generationsdifferenzierung erklären lassen.1

2. Gesellschaftsveränderungen und Wandel der Familie vom 18. Jh. bis heute

2.1 Das bäuerliche Familienleben in der vorindustriellen Zeit

Die vorindustrielle Zeit war dadurch geprägt, dass unter dem Begriff Familie eher vom „ganzen Haus“ die Rede ist, da die Mitbewohner nicht nur Familienmitglieder, sondern auch Mägde, Knechte und Gesellen waren.2 Das Familienleben zeichnete sich dadurch aus, dass es einerseits eine Produktions- und Arbeitsgesellschaft und anderseits eine Versorgungs- und Verbrauchsgemeinschaft war, in der jedes Mitglied im Haus fast jede Aufgabe zum Zweck des Überlebens erfüllen konnte. Somit war der bäuerliche Familienbetrieb „…gekennzeichnet durch die untrennbare Einheit von Produktion, Konsum und Familienleben“3

Man kann sagen, dass eher ökonomische Ziele als die Emotionen im Vordergrund standen. Auch das Bild einer Großfamilie im 17. und 18.Jh. in Europa kann von daher unterstellt werden. Aufgrund der hohen Sterblichkeitsrate war es nicht möglich, dass mehr als drei Generationen in einer Familie aufwuchsen. Somit dominierte eher die Kernfamilie.4

Der Grundgedanke einer Ehe war die eigene Existenz zu sichern. Dies beinhaltete für die Bauern neben der Haushaltsführung der Frau und dem Nachwuchsgedanken für spätere Arbeitskräfte, ebenso die Möglichkeit, ein sozial anerkanntes Sexualleben zu führen.5

Die Beziehungen und Aufgabenverteilungen waren in solchen Haushalten geschlechtsorientiert. So ordnete man die Autoritätsperson als Funktion des Mannes zu. Er war das Oberhaupt der Gemeinschaft, was schon in der Zeitgeschichte als der Jäger und Sammler bekannt war. Der männliche Part galt schon immer als Nahrungsbeschaffer und somit als Grundlage zum Überleben.6 Die Kinder waren an der Arbeit beteiligt und trugen, wie alle Mitglieder des Hauses, zum Überleben bei. Sie wurden als nicht vollständige Erwachsene ohne eigene Bedürfnisse angesehen. Da die Bauersfrau neben dem Haushalt auch auf dem Feld mitarbeitete, wurden die Kinder oft vernachlässigt. Im Falle einer Großfamilie übernahmen andere Personen, wie z.B. Großeltern, die Aufgabe der Kindererziehung, wobei diese oft mit Prügel durchgesetzt wurde. Die Erziehung beschränkte sich demnach nur auf elementare Bedürfnisse der Kinder, wie auf Nahrung, Kleidung und Schutz vor Gefahren.7 Gefühle in Eltern-Kind-Beziehungen waren zu dieser Zeit fremd, der Tod der Neugeborenen war keine Seltenheit, sondern ein normales Ereignis.

2.2 Das bürgerliche Familienmodell und die wirtschaftliche Entwicklung

Die gesamtwirtschaftlichen Wandlungen im 18. und 19.Jh., vor allem die industrielle Revolution, veränderten Handlungsorientierungen und -bedingungen der Familienmitglieder. Sowohl das Anwachsen der Bevölkerung als auch die Bauernbefreiung und die Verarmung der Landbevölkerung führten zu demographische Veränderungen. Zudem gab es die Möglichkeit, schwere körperliche Arbeit durch mechanische Arbeitsprozesse zu ersetzen. Die Menschen zogen deshalb zum Arbeiten in die Großstädte, da diese mehr Arbeitsmöglichkeiten boten. Das Haus der Familie hatte dadurch nicht mehr die Funktion als Arbeits- und Wirtschaftsgemeinschaft inne. Auch in bürgerlichen Familien war der Mann das Oberhaupt, denn er erfüllte durch außerhäusliche Erwerbstätigkeit die Aufgabe des Ernährers und war für die Öffentlichkeit zuständig. Die Aufgabe und Funktion der Frau dagegen beschränkte sich auf das Dasein der gesamten Familie und auf die Fürsorge der Kinder und war zunehmend im Haus tätig. Somit war das bürgerliche Familienmodell entstanden.8 Das Familienleben der wohlhabenden Bürger verlief damit anders, denn im Gegensatz zu den Bauern diente bei ihnen eine Familiengründung nicht als Existenzgrundlage, sondern eher zum Ausbau ihrer Machtposition. Kein einziges Familienmodell hat so viele Änderungen mit sich gebracht wie das nach der Industrialisierung.

Die bürgerliche Familie kennzeichnete damit folgende Gesichtspunkte:9

1. Die Ehe war ein intimes Gebilde und das Familienleben fand im privaten Bereich statt.
2. Die Kinder durften ihre Kindheit ausleben und wurden als solche anerkannt.
3. Die Frau hatte die Haushaltsorganisation und die Erziehung der Kinder inne.
4. Der Mann arbeitete außerhalb des Hauses und finanzierte die Familie.
5. Aus den Punkten 3 und 4 erfolgte eine Polarisierung der Geschlechter.
6. Die familiären Beziehungen wurden rechtlich-sittlich verpflichtend gemacht.

Jedoch war dieses Familienmodell damals oft noch ein Ideal, dem man nachgehen wollte und aufgrund der sozio-ökonomischen Lage nicht realisieren konnte. Die Arbeiter bekamen niedrige Löhne, es herrschte Arbeitslosigkeit und zudem waren die Wohnverhältnisse beschränkt, so dass auch Frauen einer Erwerbstätigkeit nachgehen mussten. Erst gegen Ende des 19.Jh. wurde vermehrt das bürgerliche Familienideal praktiziert und gegen Ende der 50er Jahre zum „Normalfall“. Dies war vor allem auf massive Lohnsteigerung und auf die Gründung des Sozialsystems zurückzuführen.10

2.3 Politische Entwicklung und Einflüsse des entstandenen Familienrechts

Die politische Entwicklung, unter anderem die Entstehung des BGBs im Jahre 1949, hat auf das bürgerliche Familienleben Einfluss genommen. Zwar erfolgte die gesetzliche Gleichberechtigung von Mann und Frau schon in der Weimarer Verfassung, jedoch ist sie erst mit dem Familienrecht von 1949 in Kraft getreten.11 Die Anfänge der politischen Entwicklung waren die Staaten- und Nationenbildung mit politischer Partizipation, welche eine allgemeine Demokratisierung mit sich brachte. Soziale Grundrechte beruhten auf Chancengleichheit, was eine Verringerung der Klassenunterschiede mit sich trug. Staatliche Organisationen übernahmen teilweise Aufgaben der Familien, wie z.B. die Kindererziehung. In Form von Tageskrippen oder Kindergärten wurde die Kinderbetreuung öffentlich,12 wobei die Nutzung dieser für Kinder im Säuglings- oder Kleinkindalter bis heute den Eltern überlassen wird.13 Mit Einführung der allgemeinen Schulpflicht wurden der Institution Schule ebenso Erziehungsaufgaben übertragen. Aber auch Schutzfunktionen, wie gegen Gewalt an Kindern hat der Staat als Pflichtaufgabe übernommen, anfänglich mit der Abschaffung der Kinderarbeit im Jahre 1870.

3. Individualisierungsprozess

Mit der Industrialisierung fanden langfristig Modernisierungs- und Individualisierungsprozesse statt. Zum Intensivsten gehörte die des weiblichen Lebenslaufes. Die Frauen wurden immer mehr in die Erwerbsarbeit außerhalb des Hauses einbezogen, z.B. in die Fabrikarbeit.14 Der gesellschaftliche Individualisierungsprozess verstärkte sich in den 60er Jahren. Die allgemeine Wirtschaftslage in der Nachkriegszeit erhöhten die Ansprüche des Lebensstandards, was zur Folge den sozialen Wertewandel hatte und zunehmend ermöglichte, sich seinen Lebenslauf individuell zu gestalten. Diese Wandlungen beschreibt Ulrich Beck in seiner Individualisierungsthese, auf die hier jedoch nicht näher eingegangen werden soll.15 Auch den Frauen war es dadurch möglich, eine Berufskarriere zur Selbstverwirklichung zu beginnen, was jedoch zu Lasten ihrer vorherige Aufgabe als Hausfrau und Mutter ging. Mit den genannten Veränderungen haben traditionelle Pflicht- und Akzeptanzwerte an Bedeutung verloren und wurden auch durch den Gewinn der Werte, wie der Selbstentfaltung und Autonomie, nicht ersetzt.16 Für das Individuum bedeutete dies einen Zuwachs an Freiheiten, Wahlmöglichkeiten und Handlungsspielräume, aber auch zugleich eine Verankerung an dem System von institutionellen Anforderungen, Zwängen und Kontrollen, die das Ehe- und Familienleben eher belasteten, bzw. verhinderten als erleichterten.17 Dies wirkte sich auf das Familienleben gravierend aus, da der Kinderwunsch nun jedem selbst überlassen wurde, was schließlich zum Geburtenrückgang führte. Wo früher die Mutterschaft für die Gesellschaft ein Machtpotenzial der Frau war, so änderte sich dies mit der Frauenbewegung gegen Ende des 19.Jh. mit der „freiwilligen Mutterschaft“.18

[...]


1 Vgl. Nave-Herz , R. (2002), S. 2.

2 Vgl. Hill, P.B., Kopp, J. (2002), S.39.

3 Rosenbaum, H. (1982), S.57.

4 Vgl. Hill, P.B., Kopp, J. (2002), S. 37f.

5 Vgl Rosenbaum, H. (1982), S.69, Hill, P.B., Kopp, J. (2002), S. 43.

6 Vgl. Hill, P.B., Kopp, J. (2002), S. 28f.

7 Vgl. Beck-Gernsheim, E. (2006), S. 29f.

8 Vgl. Beck-Gernsheim, E. (2006), S. 33f.

9 Vgl. Peukert, R. (1996), S. 22 f.

10 Vgl. Ebd., S. 22 f.

11 Vgl. Nave-Herz , R. (2002), S. 7.

12 Vgl. Bier-Fleiter, C. (2001), S. 295.

13 Vgl. Nave-Herz , R. (2003), S.207.

14 Vgl. Beck-Gernsheim, E. (2006), S. 55.

15 Vgl. Peukert, R. (1996), S. 251f.

16 Vgl. Ebd., S. 253f.

17 Vgl. Ebd. S. 255f.

18 Vgl. Beck-Gernsheim, E. (2006), S. 55.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Aufgaben und Leistungen der Familie im gesellschaftlichen Wandel
Hochschule
Hochschule RheinMain
Veranstaltung
Familie und Geschlechtsverhältnisse
Note
1,0
Jahr
2012
Seiten
14
Katalognummer
V339265
ISBN (eBook)
9783668288850
ISBN (Buch)
9783668288867
Dateigröße
619 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Familie im Wandel, Kernfamilie, Postmoderne, Rolle der Frau, Rolle des Mannes
Arbeit zitieren
Anonym, 2012, Aufgaben und Leistungen der Familie im gesellschaftlichen Wandel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339265

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