Auswirkungen von Arbeitslosigkeit

Inwiefern beeinflussen Stigmatisierungen die Gesundheit von arbeitslosen Menschen?


Hausarbeit, 2014

16 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition Arbeit
2.1 Bedeutung von Arbeit
2.2. Funktion von Arbeit

3. Definition Arbeitslosigkeit

4. Soziale Folgen durch Arbeitslosigkeit
4.1 Das Selbstbild der Betroffenen
4.1.1 Stigmatisierungen von Arbeitslosen
4.1.2 Unterschiede bei den Fremdeinschätzungen

5. Arbeitslosigkeit und Gesundheit
5.1 Gesundheitszustände von arbeitslosen Menschen
5.2 Gesundheitsverhalten von arbeitslosen Menschen

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. EINLEITUNG

Es hat verschiedene Gründe, warum Menschen arbeitslos werden. Was allerdings der Gesellschaft primär auffällt ist, dass die Arbeitslosigkeit in Deutschland ein großes Problem darstellt und diese bekämpft werden soll. Arbeitslose Personen erbringen also für die Gemeinschaft keine volle gesellschaftliche Leistung und sind finanziell von staatlichen Leistungen abhängig geworden. Die arbeitslos gemeldeten Personen müssen ihre Bedürftigkeit bei öffentlichen Systemen offen legen, die auch weitgehend in die persönliche Bereiche eingehen. Insofern können allein solche Behördenkontakte auf die Befindlichkeit der Betroffenen einwirken.

Das Thema „Auswirkungen von Arbeitslosigkeit“ auf die Gesundheit der Betroffenen ist für mich daher relevant, da auch Absolventen des Studiengangs Soziale Arbeit in Institutionen wie das Amt für soziale Arbeit, bzw. kommunale Jobcenter tätig werden können. Im Studium ist allerdings das Thema „Hilfe zur Selbsthilfe im Kontext von psychosozialen Aspekten“ fester Bestandteil mancher Module. Jedoch wurde durch persönliche berufliche Einblicke und in den Literaturen deutlich, dass es sich in solchen Berufen weniger um einen psychosozialen Heilungsauftrag, sondern überwiegend um Unterstützungs- und Kontrollfunktionen handelt, die dem Ziel der Arbeitslosigkeitsbekämpfung näher kommen sollen.

Daher liegt das persönliche Interesse nah, auf die sozialen, bzw. gesundheitlichen Folgen von Arbeitslosigkeit hinzublicken, damit diese Aspekte in der Berufspraxis als Hintergrundwissen vorhanden sind.

Die vorliegende Hausarbeit stellt zunächst in der Definition den Begriff Arbeit im Vergleich von früher zu heute vor. Mit dem historischen Rückblick sind erhebliche Wandlungsprozesse in der Bedeutung und Funktionen von Arbeit zu erkennen, so dass die Arbeitslosigkeit für die heutigen Menschen ein negativer Lebensabschnitt bedeutet. In den folgenden Kapiteln erweist sich nicht nur der Verlust einer Arbeitsstelle als eine hohe Belastung, sondern auch die oft vorwurfsvollen Bewertungen und Meinungen zu Arbeitslosen in der Gesellschaft. Dabei soll auf das Verhalten und Denken der arbeitslosen Menschen sowie der Gesellschaft eingegangen werden, damit ebenfalls die Ursachen für dessen Verhalten beleuchtet werden können. Aus diesen theoretischen Erkenntnissen soll der Frage nachgegangen werden, inwiefern Stigmatisierungen Einfluss auf die Gesundheit von Arbeitslosen einnimmt.

Ferner ist hinzuzufügen, dass bei Wörterfiguren wie Arbeitslose männliche und weibliche Personen gemeint sind.

2. DEFINITION ARBEIT

Der Begriff „Arbeit“ wird in der Alltagssprache als Synonym von „Lohnarbeit“ und „Erwerbsarbeit“ verwendet, der ein bestimmtes Zweckverhältnis in der Gesellschaft impliziert. Sie ist somit eine Form des menschlichen Handelns und des Tätigseins, die eine Zweckbindung zur Sicherstellung ideeller und materieller Reproduktionsressourcen herstellt (Vgl. Voß 2010, S. 23). Allerdings waren die Begriffsinhalte von Arbeit in der Antike und im Mittelalter negativ und abwertend und wurde zur Angelegenheit der unteren sozialen Schichten. Sie wurde als „Mühsal, schwere körperliche Anstrengung, Beschwerlichkeit, Plage“ (Vgl. Zimmermann 2006, S. 30) bezeichnet und ist bis heute unter diesen Wortverwandten im Duden vorzufinden. Erst durch die christliche Religion erhielt Arbeit eine positive Bestimmung, die den Charakter der Profession und Berufung aufwies (ebd., S.31).In dieser schriftlichen Ausarbeitung versteht sich die Arbeit als Erwerbsarbeit, die nach Mehlich zur Güterherstellung oder Leistungserbringung dem Markt zur Verfügung gestellt wird, um ein Einkommen zu erzielen (Vgl. Mehlich 2005, S. 39). Welche Bedeutung und Funktionen die Erwerbsarbeit für das Individuum und in der Gesellschaft tragen wird im Folgenden Abschnitt erklärt.

2.1 BEDEUTUNG VON ARBEIT

Im geschichtlichen Verlauf wird deutlich wie der Begriff Arbeit in der Zeit der Industrialisierung sich wandelte. Gegen Ende des 19.Jahrhunderts deckte das Wort Beruf das gesamte Spektrum der Erwerbstätigkeit ab und betonte Fachwissen sowie Qualifikation. Darüber hinaus verbindet man damit die Grundlage zur Selbstverwirklichung der Menschen (Vgl. Zimmermann 2006, S. 31f.). Im Gegensatz zu den feudalen Gesellschaftsordnungen kann nun der soziale Aufstieg durch harte Arbeit und Ausbildung ermöglicht werden. Für das Individuum bedeutet der Wandel ein Stück Eigenverantwortung für seinen Status, den es nun selbst beeinflussen kann (Vgl. Mehlich 2005, S. 53).

Die Erwerbsarbeit zeichnet sich außerdem durch verschiedene Merkmale wie die Trennung zwischen Arbeitsplatz und privates Leben, also dem Wohnort, aus und kann nun in abhängiger und selbstständiger Form umgesetzt werden (Vgl. Mehlich 2005, S. 39). Durch die Koppelung von Individuum und moderner Industriegesellschaft wird ein neues Verständnis von Arbeit erkennbar, insbesondere weil nun von einer Arbeitsgesellschaft gesprochen wird. Die Erwerbsarbeit ist somit zur Norm geworden und entwickelt eine Erwartungshaltung in der Gesellschaft, dass alle Menschen in einem arbeitsfähigen Alter auch einer Erwerbsarbeit nachgehen. Hinzu kommt es zu einer Kategorisierung innerhalb der Arbeitsgesellschaft, da die Höhe des Einkommens den Status lenkt sowie die Berufsgruppen vertikal strukturiert sind.

Für die Allgemeinheit bedeutet die Erwerbsarbeit eine sogenannte Interpendenz, also die gegenseitige Abhängigkeit zwischen dem Staat und dem Individuum, die durch das Entstehen der industriellen Gesellschaft neue Figurationen mit neuen Machtbalancen schuf. Offe bestätigt die Interpendenz und erklärt in der Hinsicht „den Arbeitsmarkt als institutionelle Lösung eines doppelten Allokationsproblems“, indem sich das Produktionssystem von Arbeitsleistungen bedient und einen Tausch vereinbart, in diesem die arbeitenden Menschen mit Einkommen und sozialen Statusmitteln versorgt werden (ebd. S. 43).

Mit der Einführung der Sozialversicherungen, die sich heute nun aus fünf Säulen des Sozialstaates (Renten-, Kranken, Unfall-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung) zusammensetzen kommt es zur weiteren Bedeutungsänderung von Arbeit. Hierzu erklärt Simbeck den Bestand der Kommodifizierung im Sozialstaat, bei dieser der Mensch dem öffentlichen Arbeitsmarkt sich als Arbeitskraft anbietet. Im Gegenzug existiert die De-Kommodifizierung, die als Handlungsmöglichkeit verstanden wird den Menschen aus Gesundheits-, Alters-, Weiterbildungs- und Privatgründen, aus dem Beschäftigungsverhältnis zu befreien und ihm trotzdem ein Einkommen gesichert wird (Vgl. Simbeck2010, S. 36).

Wie bereits angesprochen hat die Erwerbsarbeit neben der finanziellen Absicherung und der Statusbildung auch die Bedeutung der Selbstverwirklichung, die sich auch als eine der wichtigsten Funktionen der Erwerbsarbeit erweist. Auf die diese und weitere Funktionen soll nun im nächsten Kapitel eingegangen werden.

2.2. FUNKTION VON ARBEIT

Einer der renommiertesten Funktionstheorien von Arbeit ist aus den Ergebnissen der Arbeitslosenforschung zu entnehmen. Demnach unterteilt sich das Modell der psychischen Deprivation (oder auch „latent function model“ genannt) von Jahoda in latenten und manifesten Funktionen (vgl. Baumann 2010, S.97). Zu den manifesten Funktionen gehört für das Individuum das Verdienen eines sicheren Einkommens, indem sie Dienstleistung oder Waren anbieten und insofern eine Arbeitsteilung auf moderner Ebene ermöglichen. Die latenten, die auch zu den psychosozialen Funktionen zugeordnet sind, stellt Jahoda in fünf Merkmalen vor. So ist einer der Bedeutsamsten die Vorgabe einer sinnvollen Zeitstruktur. Während der Arbeitszeit entstehen regelmäßige Erfahrungen und soziale Kontakte außerhalb der privaten Netzwerke wie der Familie und erweist sich als wichtige gesellschaftliche Integration. Zudem führt das Gefühl gebraucht zu werden zu Handlungen und Zuweisungen eines bestimmten Status‘, der für die Identitätsentwicklung relevant ist. Außerdem kann die Teilhabe an gesellschaftlichen Zielen über den persönlichen Rahmen hinausgehen, was schließlich die Selbstverwirklichung fördert. Ferner wird mit einer Arbeitsaufnahme eine physische und psychische Aktivität gefordert (vgl. ebd. 2010, S.98).

Im Vitaminmodell von Warr, welches sich an die Deprivationstheorie von Jahoda anlehnt, werden die psychosozialen Funktionen von Arbeit in neun Punkte erweitert und beschreiben demnach Faktoren im Kontext von Erwerbsarbeit, die für das Individuum gesundheitsfördernd seien (vgl. Baumann 2010 S.100f.). So heißt darin, dass durch die Arbeit erhaltene Geldmittel und die zugeordnete Sozialschicht sich individuelle Freiheiten und Möglichkeiten zu mehr Selbststimmung im Leben ergeben, die ohne die eigenständige Arbeit weniger machbar wären.

Aus den erwähnten Funktionen ergibt sich die Tatsache, dass die Erwerbsarbeit in der Postmoderne eine große Relevanz gewinnt und kaum durch andere gesellschaftliche Angebote zu ersetzen ist (vgl. Kieselbach 2001, S.383).

Somit können die individuellen Möglichkeiten und Freiheiten der erwerbstätigen Person durchaus kritisch betrachtet werden, da scheinbar die Erwerbsarbeit die größte Rolle spielt, um an gesellschaftliche (soziale, materielle, kulturelle) Teilhabemöglichkeiten zu gelangen.

Arbeitsverhältnisse können auch in der heutigen Zeit unerwartet zerfallen, so dass jeder erwerbsfähiger Mensch von Arbeitslosigkeit betroffen sein kann sowie jeder sich bereits schon Gedanken über seine Existenzsicherung gemacht hat. Zwar verfügt das Individuum über eine Berufswahlfreiheit, orientiert sich nicht unbedingt an seine Sozialschicht und kann seine Biographie im Gegensatz zu früher mehr selbst gestalten, aber nach Mehlich führt dieser moderner Lebensstil auch „zu einer verstärkten Krisenanfälligkeit der individuellen Lebenslagen“ (Mehlich 2005, S.60).

Wie man nun erfahren konnte erfüllt die Erwerbsarbeit für die Menschen viele Funktionen auf der Individual- und Gesellschaftsebene. Die Erwerbsbiographie ist nun zur Normalbiographie geworden und bestimmt einen Großteil des Lebens, so dass bei einem Wegfall von Erwerbsarbeit eine starke Lebensumstellung angenommen werden kann. In Folgenden soll daher die Arbeitslosigkeit näher beleuchtet werden.

3. DEFINITION ARBEITSLOSIGKEIT

Im Allgemeinen versteht man heute unter Arbeitslosigkeit Menschen im erwerbsfähigen Alter, die aus verschiedenen Gründen ihren Lebensunterhalt nicht durch eigenständige Arbeit decken können.

Man differenziert zwischen verschiedenen Formen von Arbeitslosigkeit: die friktionelle, strukturelle, konjunkturelle, saisonale und regionale Arbeitslosigkeit. Sie sollen einen allgemeinen Überblick über die Ursachen von Erwerbslosigkeit schaffen. Die friktionelle Arbeitslosigkeit findet ihre Ursache in persönlichen oder betrieblichen Gründen und entsteht durch fortwährende Veränderung auf dem Arbeitsmarkt. Die strukturelle Arbeitslosigkeit kann durch die Einführung neuer Technologien, die zur Stellenabbau führen, entstehen. Anders ist es bei der konjunkturelle Arbeitslosigkeit, die aufgrund der Wirtschaftslage bestimmt wird. Ähnlich sieht es bei der saisonalen Arbeitslosigkeit aus, worauf sich die Unternehmen auf die jahreszeitlich bedingten Schwankungen einstellen. Dazu gehören beispielsweise das Bauunternehmen und Beschäftigungsverhältnisse in der Landwirtschaft. In der regionalen Arbeitslosigkeit ist die Erwerbslosigkeit gemeint, die durch wirtschaftliche Einbußen der Landkreise oder Kommunen verursacht worden sind (vgl. Hillmann 2007, S.45).

Um gemäß den Regelungen der Arbeitslosenversicherung, der amtlichen Statistik und nach dem Sozialgesetzbuch III als arbeitslos zu gelten, müssen die Personen als arbeitslos, arbeitsfähig und arbeitswillig bei der Agentur für Arbeit gemeldet sein und sich aktuell in keinem sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis befinden, das nicht über 15 Stunden die Woche umfasst (vgl. Baumann 2010, S. 30).

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Details

Titel
Auswirkungen von Arbeitslosigkeit
Untertitel
Inwiefern beeinflussen Stigmatisierungen die Gesundheit von arbeitslosen Menschen?
Hochschule
Hochschule RheinMain
Veranstaltung
Bildung, Arbeit und Arbeitslosigkeit
Note
1,3
Jahr
2014
Seiten
16
Katalognummer
V339266
ISBN (eBook)
9783668288836
ISBN (Buch)
9783668288843
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stigmatisierungen, Arbeitslosigkeit, psychische Folgen, Auswirkungen von Arbeitslosigkeit, Gesundheit
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Auswirkungen von Arbeitslosigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339266

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