Auswirkung nominaler Entlehnungen auf die Ful-Dialekte


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004

32 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Verwendete Lautzeichen

Abkürzungsverzeichnis

Vorwort

1. Dialektologie
1.1 Geschichte der Dialektologie

2. Verschiedene Ansätze in der Dialektforschung
2.1 Der diachroner Ansatz
2.2 Der synchrone Ansatz
2.2.1 Dialektgeographie
2.2.2 Sozialdialektologie
2.3 Externe vs interne Ursachen dialektaler Ausdifferenzierung

3. Das Ful und die Fulb#e
3.1 Die Rollen der Kontaktsprachen des Ful

4. Ansätze dieser Arbeit

5. Die Beziehung der Fuldialekte zueinander

6. Auswirkung des Kontaktes mit anderen Sprachen
6.1 Phonetische Auswirkung des Sprachkontaktes
6.1.1 Definitionen
6.1.2 Adaptionsprozesse im Konsonantensystem
6.1.3 Vokale
6.2 Morphologische Auswirkungen des Sprachkontakts

7. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Verwendete Lautzeichen

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Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Vorwort

Diese Arbeit handelt von den Veränderungen der Ful-Dialekte aufgrund von Entlehnungen. Es sollen Prozesse und Ergebnisse beschrieben werden, die die Integration von Nomina in die verschiedenen Ful-Dialekte auf phonetischer und morphologischer Ebene begleiten. Vorangestellt ist ein Abschnitt, der eine Einführung in das Fachgebiet der Dialektologie und in die Geschichte der Sprecher der Ful-Dialekte gewähren soll. Es werden viele Beispiele gegeben, die zur Veranschaulichung dienen und keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben.

1. Dialektologie

Dialektologie ist die Sprachwissenschaft von Sprachveränderung und Sprachvarietäten. Um verschiedene Sprachsysteme als eine Dialektgruppe zu klassifizieren, müssen gewisse Vorraussetzungen erfüllt sein. Im objektiven Sinne müssen diese Systeme linguistisch miteinander verwandt sein. Im subjektiven Sinne müssen die Systeme eine gewisse gegenseitige Verständlichkeit aufweisen und von den Sprechern selbst als Varietäten einer „gemeinsamen“ Sprache verstanden werden (Wiesinger1980)[1]. In den letzten 150 Jahren wurde die Dialektologie in Theorie und Methode wesentlich weiter entwickelt. Im Sammelband „Zur Theorie des Dialekts“ (siehe Literaturverzeichnis) finden sich ausgewählte Arbeiten, die seit dem Ende des 19. Jahrhunderts zum Thema erschienen sind. Francis 1989

enthält eine didaktische Aufbereitung dialektologischer Erkenntnisse aus neuerer Sicht.

1.1 Geschichte der Dialektologie

Schon in linguistischen Beschreibungen des antiken Griechenland lässt sich der Begriff Dialekt belegt, obwohl das Phänomen erst in der Renaissance und dann wieder im 19. Jahrhundert die Aufmerksamkeit der Wissenschaftler erregte. Die Erkenntnisse dieser Zeit basierten auf der diachronen Klassifizierung romanischer und germanischer Sprachen, die generell über eine lange Tradition von Schriftlichkeit verfügen. Dieser Umstand hat die Einsichten der Wissenschaftler mit Sicherheit beeinflusst.. Im Vordergrund stand dabei die Abgrenzung und Definition des Konzeptes „Dialekt“ und seine Beziehung zum Konzept „Sprache“ und „Mundart“ (AlineiM.1980). Im Vordergrund der Forschung des 19. Jahrhunderts stand die Tatsache geographischer Variationen in den gesprochenen Varietäten. Zur Zeit der Jahrhundertwende entstanden so deskriptive, kartographische Arbeiten, sogenannte Sprachatlanten, die dieser sprachlichen Realität Rechnung tragen wollten (PavleI.1974). Mitte des 20. Jahrhunderts rückten weitere Aspekte sprachlicher Variation in den Vordergrund. Anhand von Isoglossenbündeln untersuchte man geographische Grenzen einzelner Dialekte, die abrupt oder kontinuierlich, diffus oder scharf verlaufen können, wie in Pavle 1960 (:143) dargestellt. Man schenkte der sprachlichen Intuition der Sprecher in der Gewichtung von Isoglossen mehr Aufmerksamkeit und man schenkte der sozialen und kontextuellen Differenzierung innerhalb eines Sprachsystems mehr Aufmerksamkeit (GoossensJ.1980). Außerdem wollte man endlich theoretische Generalisierungen und methodologische Verfahren der Dialektologie etablieren, die aus der Beschäftigung mit dem Thema abgeleitet waren. In der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts rücken methodologische Arbeiten, die eine Gewichtung dialektaler Variationen aufgrund quantitativer (Houtv.R.1989) und / oder qualitativer Analysen (MöhligW.J.G.1980) untersuchten in den Vordergrund des Interesses. Auf dem internationalen Symposium in Marburg 1977, das in einem Sammelband „Dialekt und Dialektologie“ aufbereitet wurde (siehe Literaturverzeichnis), finden sich nicht nur Arbeiten, die zu den neueren Ansätzen Stellung nehmen, sondern auch erstmals Arbeiten, die sich auf nicht-europäische Sprachen

beziehen.

2. Verschiedene Ansätze in der Dialektforschung

2.1 Der diachroner Ansatz

Der diachrone Ansatz nimmt seine Ausgangsstellung zur Untersuchung von sprachlichen Varietäten im Grad der genetischen Verwandtschaft dieser Sprachformen, d.h., in den beobachtbaren Cognaten, und nimmt meist eine Protoform als gemeinsamen Ursprung beobachtbarer Differenzen an. In seinem Beitrag in Marburg „Historische Sprache und Dialekt“ grenzt Coseriu E. 1980 Dialekte von „Gemeinsprachen“ ab, wobei Dialekte in einer historischen Beziehung zur Gemeinsprache stünden, während die Gemeinsprache historisch schon einen abgegrenzten Status aufgewiesen habe. Er definiert „primäre Dialekte“ als Varietäten, die so alt seien wie die Gemeinsprache selbst. „Sekundäre Dialekte“ als diatopische Ausdifferenzierungen von einer historischen Sprache. Und tertiäre Dialekte als „exemplarische“ Variationen einer soziokulturellen Normsprache (:113). Andere diachrone Arbeiten untersuchen extralinguistische Einflüsse einzelner Sprachsysteme auf den Ausbau bzw. Abbau dialektaler Differenzierungen. Der diachrone Ansatz will also verschiedene

Systeme historisch zueinander in Beziehung setzen.

2.2 Der synchrone Ansatz

Der synchrone Ansatz untersucht beobachtbare Differenzen in Sprachsystemen, sowohl in der Sprachstruktur, als auch in der sozialen Bedeutung der einzelnen Sprachformen. Synchrone Analysen versuchen häufig Dialektgrenzen zu etablieren, wie in Sprachatlanten und in Soziolinguistischen Arbeiten. In seinem Beitrag „Nominale Formen des Adamawa-Ful“ untersucht Gottschligg P. 1998 die strukturellen Unterschiede von drei Varietäten des Ful, die in einem konzentrierten Gebiet beiderseits der Grenze zwischen Nigeria und Kamerun gesprochen werden. Der synchrone Ansatz beschreibt also die Art und Grad aktueller Differenzen in einem Sprachgebiet.

2.2.1 Dialektgeographie

Dieser Ansatz definiert Dialekte territorial. In seinem Beitrag „Grundlegende Aspekte der Struktur der Dialektdifferenzierung“ 1960, gibt Pavle I. einen Überblick über Methoden, wie geographische Merkmale von Isoglossen zu analysieren seien. Dabei bezieht er sich auf die Differenzierungsdichte, d.h., die Anzahl der Isoglossen, die geographischen Konzentration von Isoglossen, die Richtung, Form und Größe der Isoglossenlandschaft und die Beziehung einzelner Areale von Isoglossen zueinander. Die Dialektgeographie will also mehr oder weniger syntopische Systeme abgrenzen und /oder die territoriale Verteilung von Variationen

beschreiben.

2.2.2 Sozialdialektologie

Die Sozialdialektologie beschäftigt sich mit Interpretationen sprachlicher Merkmale durch die Sprecher selbst bzw. versucht Korrelationen herzustellen in der Verteilung von Sprachmerkmalen und extra-linguistischen Merkmalen, wie Alter, Schicht und Geschlecht. Ein Vorreiterstellung in diesen Ansätzen sind Labov’s Arbeiten zum „Black American English“. Gumperz analysiert in seinem Beitrag „The role of dialect in urban communication“ sprachliche Merkmale, die soziale Dialekte kennzeichnen und zeigt, wie soziale Codes als diskursive Strategie eingesetzt werden. Die Sozialdialektologie versucht also die diastratische

Verteilung von Sprachmerkmalen zu beschreiben.

2.3 Externe vs interne Ursachen dialektaler Ausdifferenzierung

Die Aufsplittung einer Sprechergruppe z.B. durch Wanderbewegungen führt in der Regel dazu, dass die Sprachen der Sprecher sich autonom weiterentwickeln. Natürliche Grenzen, wie Berge und Flüsse oder politische und soziale Grenzen, wie Nationalstaaten und soziale Klassen, fördern die dialektale Ausdifferenzierung eines Sprachsystems (Francis:2). In vielen dialektologischen Arbeiten stehen Instanzen von Cognaten im Vordergrund der Forschung. Aber ein Sprachkontakt verschiedener Sprachen kann zu gegenseitigen Einflüssen, wie Konvergenzverhalten und /oder Entlehnungen führen, wobei die beobachtbaren Elemente von einem Sprachkontakt herrühren, also von außerhalb des einen Sprachsystems. Thomason&Kaufman 1988 definieren borrowing als: „...processes whereby a language acquires some (…) property from another language.” (:20). Rockholtz 1989 konstatiert, dass lexikalische Entlehnungen eine der Hauptursachen dialektaler Ausdifferenzierungen im Ful seien (:33).

3. Das Ful und die Fulb#e

Die Mehrheitliche Meinung in der Wissenschaft geht heutzutage davon aus, dass die Ful, oder wie sie sich selbst nennen die Fulb#e (SG Pullo), einst durch den Kontakt einer negriden Gruppe mit einer hellhäutigen Gruppe im heutigen Senegal, dem Fouta Toro entstanden sind. Nach Greenbergs Klassifikation (1955) gehört das Ful zur Atlantischen Gruppe der Niger-Kongo Familie. Die Fulb#e unterteilen sich zunächst in zwei Gruppen. Die eine durch Nomadismus gekennzeichnet, die andere durch Sesshaftigkeit. Beide zeichnet eine strenge Gläubigkeit in den Islam aus. Wanderbewegungen führten dazu, dass die Fulb#e sich im Laufe der Jahrhunderte in der gesamten Sahelzone; im Norden von Mauretanien bis in den Tschad, im Osten bis ins heutige Kamerun und sogar bis in den Sudan und im Süden bis ins Fouta Jallon und im nördliche Benin, verbreiteten. Schon im 14. und 15. Jahrhundert lässt sich die Anwesenheit von Fulb#e im heutigen Mali (Macina) und Nigeria nachweisen. Im Jahre 1804 startete Sheikh Usman b. Fodio, aus dem Fouta Toro kommend, seine religiös motivierten Eroberungen und gründete das Kalifat von Sokoto. Die Fulb#e exerzierten im 19. Jahrhundert eine islamische Herrschaft, in die sich weite Bevölkerungsteile der eroberten Gebiete assimilierten. Die Fulb#e selbst übernahmen das Verwaltungssystem der islamischen Hausa und viele Fulb#e wechselten im Laufe der Zeit zur Hausasprache. Im Sudan sind zwei Immigrationswellen nachzuweisen. Die ersten Einwanderungen konstituierten sich aus Pilgern und religiösen Führern des Islam und aus nomadisierenden Gruppen, die im !8. Jahrhundert direkt aus dem Fouta Jallon und Fouta Toro kommend im westlichen Sudan und am Blauen Nil niederließen. Bis auf einige nomadisierende Gruppen, haben diese Einwanderer ihre Muttersprache zugunsten des Arabischen aufgegeben. Eine zweite Einwanderungswelle in den Sudan wurde durch die Etablierung der britischen Kolonialherrschaft in Nigeria 1903 ausgelöst, als viele Fulb#e nach einer verlorenen Entscheidungsschlacht gegen die Briten aus Nigeria in den Sudan emigrierten. Die Nachkommen dieser Immigranten sind heute in unterschiedlichen graden Bilingual im Arabischen und Fulfulde (AM:7ff). In Nordkamerun hat das Fulfulde heutzutage den Status einer Verkehrssprache erlangt. Die Sprache der Fulb#e hat sich im Laufe der Zeit ausdifferenziert[2], so, dass die Literatur heute von Ful-Dialekten spricht und diese mit geographischen Namen bezeichnet. Das Ful der westlichen Verbreitungsgebiete; Senegal, Mauretanien wird im allgemeinen Pulaar genannt, das Ful vom Fouta Jallon Pular. Die Dialekte östlich davon werden generell als Fulfulde bezeichnet und unterteilen sich in den Maasina-, Burkina-, Benin-, Gombe-, Adamawa- und sudanesischen Dialekt. Die Wurzel „Ful“ wird in der deutschen Literatur verwendet, um die Sprache der Fulb#e zu bezeichnen. Diese Konvention wird in dieser Arbeit übernommen, das heißt, der Ausdruck Ful soll alle Varietäten der Sprache als Ganzes umfassen. Die Sprecher des Ful sind im Französischen unter der Bezeichnung Peul (Peulh, Poular), im Hausa und im Englischen unter der Bezeichnung Fulani (Fula) und im Kanuri und im Sudan unter der Bezeichnung Fellata (Fulata) bekannt (AM:1-18). Eine Anzahl von Wörterbüchern sind erschienen. Wörterbücher mit etymologischer Herkunftsangabe sind u.a., Taylor 1932, Labouret 1955, Zubko 1980 und

DeWolf 1995, wobei letztere gleichzeitig einen multidialektalen Ansatz verfolgen.

3.1 Die Rollen der Kontaktsprachen des Ful

In seinen Verbreitungsgebieten ist und war das Ful mit einer Anzahl von Verkehrssprachen, wie dem Wolof, Soninke, Bambara, Hausa und Sudanesischen Arabisch konfrontiert. Sprecher entlehnen Worte aus diesen Sprachen, was zu einer territorialen Ausdifferenzierung der Dialekte führte. Man kann anhand der Verbreitung einzelner Entlehnungen die überregionale Wichtigkeit einer Kontaktsprache (Hausa) und /oder die historische Tiefe der Entlehnung und des Kontaktes (Soninke) erkennen. Nach Thomason&Kaufman 1988 kann man Merkmale eines Sprachkontakts positiv in Beziehung setzen zu Merkmalen der Entlehn-

ungen.

(a) Das Arabische

Das Klassische Arabische in Afrika ist eine religiöse Schriftsprache, die in der Regel nur von Gelehrten beherrscht wird. In den WAF-Dialekten ist ein oraler Einfluss der arabischer Dialekte nicht anzunehmen. Im Sudan dagegen sprechen 51% der Bevölkerung eine Varietät des Arabischen als Muttersprache und das Arabische ist Verkehrssprache aller Bevölkerungsteile. Man kann mehrere arabische Dialekte im Sudan unterscheiden, wobei der Dialekt von Karthoum als interethnisches Kommunikationsmittel eingesetzt wird und als TL für das SF fungiert. Die lange Zeit und die Verschiedenartigkeit des Kontaktes des Ful mit dem Arabischen spiegelt sich in entsprechenden Entlehnungen wieder. Das WAF, das aus schriftlichen Quellen des A entlehnt hat, zeigt vollintegrierte Formen und Adaptionsprozesse, die sich von denen des SF, das aus dem SA entlehnt hat unterscheiden. Abu-Manga verweist auf den eingeschränkten Zugang zum A in Westafrika und der Verschiedenartigkeit von oraler und visueller Perzeption und kommt zu dem Schluß, dass in Westafrika die Bilingualität der Ful-Sprecher statischer Natur sei, im Sudan dagegen dynamischer. Dies sei auch an der Formenvielfalt ein und derselben Entlehnungen in SF zu erkennen[3] (AM:69). Da die Fulsprecher des Sudan ursprünglich aus Westafrika eingewandert sind, finden sich im SF „alte“ Entlehnungen mit entsprechenden Adaptionsprozessen neben „neuen“ Entlehnungen mit Adaptionsprozessen, wie sie sich gegenüber dem Lautsystem des SA entwickelt haben (AM:26:65). Z.B das Wort x atim à h aatimeere – Ring (AM:62) gegenüber x abar à k abar –

Neuigkeiten (AM:53).

(b) Das Hausa

Das Hausa hat in Nigeria die Verbreitung einer Verkehrssprache und ist dort wichtigste Gebersprache für Entlehnungen in das FF, wobei Nomina die größte Gruppe des Lehnguts ausmachen. Dies betrifft vor allem Bezeichnungen für Handelswaren, Bauhandwerk und Werkzeuge, Verwaltung, Musikinstrumente, Tiere und Behältnisse. Man kann aus dieser Tatsache auf die Kontaktbereiche der beiden Sprachen schließen. Das einzelne Wort kann aus verschiedenen Hausadialekten entlehnt sein und Hausawörter lassen sich in verschiedenen Ful-Dialekten nachweisen. Das Hausawort kwando - Korb, wurde im Fouta Jallon als hontoore, in Burkina und Maasina Dialekten als hanndeere und in östlichen Dialekten als honndoore naturalisiert (R:34). Hausasprecher haben selbst aus Sprachen wie dem Arabischen und Englischen entlehnt und einige dieser Worte haben über das Hausa als Vermittlersprache Eingang in das FF gefunden. (Oft sind solche indirekten Entlehnungen an der Hausaendung i, ii zu erkennen.) Z.B das Wort für Tisch aus dem Englischen à Ha: teebur à FF: teebur und

das englische Wort für Nummer à lambaa à FF: lammba (R:32).

(c) Das Kanuri

Das Kanuri ist nach dem Hausa die stärkste Gebersprache für Entlehnungen ins FF (ohne Sudan) (R:21). Kanuriworte haben sich stark ausgebreitet und lassen sich in verschiedenen Fuldialekten nachweisen. Einige Entlehnungen im Osten konnten sich bis in den Westen Westafrikas ausdehnen, so z.B. das Wort für Salz manda à mannda, welches noch im Fouta Jallon nachweisbar ist (R:28) und z.B. die Wörter für hacke bano à baanowo, Huf koloram à hororamre, und Dachstroh titi à tiitiiho, welche in allen östlichen Dialekten nachweisbar

sind (Zubko).

(d) Die Mande Sprachen

Das WAF hat in seinen westlichen Verbreitungsgebieten Kontakt zu verschiedenen Mande Sprachen, wie dem Bambara und Soninke, dessen Spuren in allen Dialekten nachzuweisen ist. Das Vorhandensein von Entlehnungen aus diesen Sprachen in östlichen WAF-Dialekten ist durch die Wanderbewegungen der Sprecher zu erklären. Z.B. das aus dem Soninke stammende Wort für Elle, das im Fouta Toro als sogone, im Fouta Jallon und Maasina als sogon-al und in östlichen Dialekten als sogon-de existiert (R:70) oder das Soninkewort für Mütze, das im Fouta Toro als kufne (R:69) und in östlichen Dialekten bis in

den Sudan als hufneere nachgewiesen wurde (Zubko).

(e) Die Kolonialsprachen

Die Ful-Dialekte haben von ihren lokalen Kontaktsprachen zum einen und von ihren Kolonialsprachen zum anderen entlehnt, besonders was Ausdrücke für moderne Geräte betrifft. Je nach Gebiet stammen diese Entlehnungen aus dem Französichen oder dem Englischen. Dies führte zu weiterer territorialer Ausdifferenzierung Z.B. das Wort für Gericht -- court à kootu in Nigeria und tribunal à tirbinal in Kamerun oder das Wort für Reifen, das

in Nigeria tyreà taaya und in Kamerun Pneu à pinal heißt (G: SS04).

(f) Das Ful

Das Ful hat seit den Siegen Usman b. Fodios als Sprache der Herrscherschicht großes Ansehen, so wie Ful-Sprecher historisch ein hohes Ansehen aufgrund ihrer Literatität und Religiösität genossen (R:16:20). Eine pidginisierte Varietät des Adamawa-Ful mit Tendenzen einer Kreolisierung hat in Nord-Kamerun den Status einer Verkehrssprache erlangt

[...]


[1] Die letzten beiden Punkte sind manchmal sozialpolitisch determiniert.

[2] Die Ausdifferenzierungen können grammatischer und / oder lexikalischer Natur sein, wobei diese Unterschiede sich kreuzen können. Siehe Gottschligg 2000 (: 63ff).

[3] In diesem Fall sind die Auswirkungen von underdifferentiation und die unterschiedliche Annährung der Aussprache verschiedener Sprecher an einen arabischen Laut gemeint.

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Auswirkung nominaler Entlehnungen auf die Ful-Dialekte
Hochschule
Universität Hamburg
Veranstaltung
Seminar: Dialektologie
Note
1
Autor
Jahr
2004
Seiten
32
Katalognummer
V33929
ISBN (eBook)
9783638342773
ISBN (Buch)
9783638816021
Dateigröße
546 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Enthaltene Sonderzeichen können in der Vorschau nicht dargestellt werden.
Schlagworte
Entlehnungen, Ful-Dialekte, Dialektologie
Arbeit zitieren
Schirin Agha-Mohamad-Beigui (Autor), 2004, Auswirkung nominaler Entlehnungen auf die Ful-Dialekte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33929

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