Diese Arbeit handelt von den Veränderungen der Ful-Dialekte aufgrund von Entlehnungen. Es sollen Prozesse und Ergebnisse beschrieben werden, die die Integration von Nomina in die verschiedenen Ful-Dialekte auf phonetischer und morphologischer Ebene begleiten. Vorangestellt ist ein Abschnitt, der eine Einführung in das Fachgebiet der Dialektologie und in die Geschichte der Sprecher der Ful-Dialekte gewähren soll. Es werden viele Beispiele gegeben, die zur Veranschaulichung dienen und keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben.
Inhaltsverzeichnis
1. Dialektologie
1.1 Geschichte der Dialektologie
2. Verschiedene Ansätze in der Dialektforschung
2.1 Der diachroner Ansatz
2.2 Der synchrone Ansatz
2.2.1 Dialektgeographie
2.2.2 Sozialdialektologie
2.3 Externe vs interne Ursachen dialektaler Ausdifferenzierung
3. Das Ful und die Fulb#e
3.1 Die Rollen der Kontaktsprachen des Ful
4. Ansätze dieser Arbeit
5. Die Beziehung der Fuldialekte zueinander
6. Auswirkung des Kontaktes mit anderen Sprachen
6.1 Phonetische Auswirkung des Sprachkontaktes
6.1.1 Definitionen
6.1.2 Adaptionsprozesse im Konsonantensystem
6.1.3 Vokale
6.2 Morphologische Auswirkungen des Sprachkontakts
7. Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachlichen Veränderungen innerhalb der verschiedenen Ful-Dialekte, die primär durch nominale Entlehnungen aus Kontakt- und Verkehrssprachen hervorgerufen werden. Ziel ist es, die Prozesse der phonetischen und morphologischen Integration dieser Fremdwörter nachzuvollziehen und deren Beitrag zur territorialen und sozialen Ausdifferenzierung der Ful-Dialekte aufzuzeigen.
- Grundlagen der Dialektologie und historische Einordnung der Ful-Sprecher
- Analyse der verschiedenen Gebersprachen (Arabisch, Hausa, Kanuri, Mande, Kolonialsprachen)
- Synchroner Ansatz zur Untersuchung phonetischer Adaptionsprozesse
- Morphologische Integration in das Klassensystem des Ful (Anlautpermutation)
- Einfluss von Bilingualität und soziolinguistischen Faktoren auf die Entlehnung
Auszug aus dem Buch
(c) Überdifferenzierung im Sudan
Ein weiteres Phänomen, welches von Abu-Manga beobachtet wird, bezeichnet er als Polyphonie, welches durch Überdifferenzierung entstehe. Ursache solcher Entwicklungen im Sudan seien oft sozialer Natur wie Alter, Kontaktintensität und Grad der Kompetenz in der TL (:62ff). Nach Abu-Mangas Datenmaterial verwenden besonders Kinder im Sudan die Laute x und F häufiger, als ihre regulären Substitute k und g. Unter diesen Umständen sei mit einer Vergrößerung des Konsonanteninventars zu rechnen (:67). Die jeweils zuletzt aufgeführten Worte entsprechen der TL-Form;
Beispiel:
(5) /aasan /ahsan /ahsan besser
(6) ragiif rafiif Brot
Weitere Beispiele für Polyphone sind;
haatimmeere, kaatim, xaatim -- Ring
Seehu, Seek, Seekuujo, Seexuujo, Seex -- Quartiervorstand
kidaama, xidaama -- Arbeit des Dieners
mufta, muftaa, muftah, muftaa -- Schlüssel
mawaa'iit, mawaa’iit, mawaayiit, mawaa'iid -- Verabredung
rubu, rubuu, rubu', rubu' -- quarter
maalaga, ma'laga, ma'laga -- Löffel
su’aal, su'aal -- Frage
Zusammenfassung der Kapitel
1. Dialektologie: Einführung in die Sprachwissenschaft der Dialektologie und ihre historische Entwicklung mit Bezug auf theoretische Konzepte.
2. Verschiedene Ansätze in der Dialektforschung: Darstellung diachroner und synchroner Methoden sowie die Abgrenzung von internen und externen Ursachen dialektaler Variation.
3. Das Ful und die Fulb#e: Überblick über die Geschichte und Ausbreitung der Ful-Sprecher sowie die grundlegende Rolle von Kontaktsprachen.
4. Ansätze dieser Arbeit: Erläuterung des methodischen Vorgehens, das sich vor allem auf einen synchronen Ansatz stützt und bestehende Forschungsarbeiten zusammenführt.
5. Die Beziehung der Fuldialekte zueinander: Diskussion über die Existenz einer Gemeinsprache und die historische Herleitung der heutigen Dialektvielfalt.
6. Auswirkung des Kontaktes mit anderen Sprachen: Detaillierte Analyse der phonetischen Adaptionsprozesse und der morphologischen Integration fremder Nomina in das Klassen-System.
7. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse hinsichtlich der externen Einflüsse auf die dialektale Ausdifferenzierung und der strukturellen Integration von Lehnwörtern.
Schlüsselwörter
Ful-Dialekte, Sprachkontakt, nominale Entlehnungen, Dialektologie, phonetische Adaption, morphologische Integration, Nominalklassen, Anlautpermutation, Bilingualität, Sudanesisches Ful, Hausa, Klassisches Arabisch, Sprachvariation, Lehnwörter, Polyphonie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie sich die Ful-Dialekte durch die Aufnahme von Fremdwörtern aus verschiedenen Kontakt- und Verkehrssprachen verändern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die phonetische Anpassung von Lehnwörtern, ihre Integration in die Nominalklassen des Ful sowie die soziolinguistischen Bedingungen dieser Prozesse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, zu beschreiben und zu erklären, wie die Integration von Nomina auf phonetischer und morphologischer Ebene zur dialektalen Ausdifferenzierung innerhalb der Ful-Sprachgruppe beiträgt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt einen synchronen Forschungsansatz, der durch historische (diachrone) Erkenntnisse ergänzt wird, und wertet bestehende linguistische Wörterbücher sowie Studien von Abu-Manga und Rockholtz aus.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die phonetischen Auswirkung des Sprachkontakts, wie Modifikationen und Substitutionen, sowie die morphologische Einbettung der Lehnwörter in das Klassensystem durch Prozesse wie die Anlautpermutation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Ful-Dialekte, Sprachkontakt, nominale Entlehnungen, Anlautpermutation, Nominalklassen und Bilingualität.
Wie unterscheidet sich die Entlehnungspraxis zwischen Westafrika und dem Sudan?
Der Sudan zeigt eine dynamischere Bilingualität, die häufiger zu phonetischen Adaptionen oder zur Übernahme neuer Laute führt, während die Prozesse in Westafrika oft durch statischere Verhältnisse und historisch gewachsenes Lehngut geprägt sind.
Warum spielt die Anlautpermutation eine so wichtige Rolle?
Die Anlautpermutation ist ein zentrales Merkmal der fulanischen Morphologie; ihre unregelmäßige oder fehlende Anwendung bei Entlehnungen ist ein entscheidender Indikator für den Grad der Integration eines Fremdwortes in das eigene Sprachsystem.
- Arbeit zitieren
- Schirin Agha-Mohamad-Beigui (Autor:in), 2004, Auswirkung nominaler Entlehnungen auf die Ful-Dialekte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33929