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Kulturelles Gedächtnis in der "Melusine" des Thüring von Ringoltingen

Titel: Kulturelles Gedächtnis in der "Melusine" des Thüring von Ringoltingen

Bachelorarbeit , 2014 , 30 Seiten , Note: 2,3

Autor:in: Inga Mueller (Autor:in)

Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Das kulturelle Gedächtnis soll in dieser Arbeit exemplarisch an der „Melusine“ von Thüring von Ringoltingen analysiert und erörtert werden. Inwiefern ist der Prosaroman von Ringoltingen Gedächtnis- und Erinnerungsraum zugleich? Welche Medien können als Stabilisatoren von Erinnerungen dienen, wie funktionieren sie, und auf welche Art und Weise werden sie in der „Melusine“ umgesetzt?

Im ersten Teil dieser Arbeit soll es darum gehen, den kulturwissenschaftlichen Terminus von Gedächtnis und Erinnerung zu fassen. Er soll den theoretischen Rahmen dieser Arbeit bilden. Gedächtnistheorien sind interdisziplinär verzweigt. Sie sind sowohl Gegenstand der neurowissenschaftlichen als auch der kultur- und literaturwissenschaftlichen Forschung, die sich gegenwärtig damit beschäftigt, wie sich Gedächtnis und Erinnerung im stetigen Wandel der Medien bewegen. Aleida Assmann hat mit der Veröffentlichung ihrer Arbeit „Erinnerungsräume“(1999) den Wandel des kulturellen Gedächtnisses durch die Ablösung der antiken Mnemotechnik zur Schriftlichkeit untersucht. Sie soll die Grundlage der Überlegungen bilden.

Das zweite Kapitel soll sich dem Entstehungsprozess der deutschen Übersetzung der „Melusine“ widmen. Welche Bedeutung kommt dabei dem Medienwandel zu? Welches Interesse hatte der Sprößling einer bürgerlichen Familie am Melusine-Stoff? Welcher gesellschaftspolitische Mehrwert kann der „Melusine“ beigmessen werden? In einem letzten Schritt sollen Erinnerungsräume im Roman ausgemacht werden. In seinem Aufsatz „Zum Kern der Melusinegeschichte“ (2005) hat Christian Kiening Überlegungen zu einem Zeitenraum angestellt, in dem sich die Historie bewegt. Er spricht von einem Raum im Raum und von Heterotopien, die das Vergangene in sich bewahren, um im Affekt wiederentdeckt zu werden.

In einem letzten Schritt soll die Schriftmetaphorik im Text in den Fokus treten. Das Ziel dieser Arbeit soll es sein, wie im Zitat vorangestellt, das Potential der Verschriftlichung von Erinnerung im kulturellen Gedächtnis zu beleuchten.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.1. Erinnerung, kulturelles Gedächtnis und Totengedächtnis

2.1.1 Gedächtnis und Erinnerung

2.1.2 Das kulturelle Gedächtnis

2.1.2 Totengedächtnis

2.2 Die Melusine des Thüring von Ringoltingen

2.2.1 Verbürgerlichung der Literatur

2.2.2 Die Melusine in Bern

2.2.3 Ringoltingens Interesse am Melusinestoff

3. Zeitenräume in der Melusine

3.1 Bergszene Awelon

3.2 Mis en absyme

4. Stabilisatoren der Erinnerung

4.1Tafelgedächtnis

4.2 Körpergedächtnis

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit analysiert den Prosaroman „Melusine“ von Thüring von Ringoltingen als Medium und Raum der kulturellen Erinnerung, wobei insbesondere die Funktion von Schriftlichkeit und Körpersymbolik bei der Identitätsstiftung und Legitimation adliger Herkunft untersucht wird.

  • Kulturwissenschaftliche Gedächtnistheorien (Assmann)
  • Verbürgerlichung der Literatur im Spätmittelalter
  • Die Funktion von Schrift und Inschriften als Stabilisatoren
  • Körpergedächtnis und genealogische Identität

Auszug aus dem Buch

3.1 Bergszene Awelon

Christian Kiening stellt in seinem Aufsatz „Zeitenraum und mise en abyme. Zum Kern der Melusinegeschichte“ heraus, dass sich in der mittelalterlichen Literatur nicht nur Räume ausmachen lassen, die sich zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bewegen, sondern dass sich Verschachtelungen, Paradoxien und Spiegelverhältnisse identifizieren lassen. Exemplarisch für einen solche Zeitenraum steht auch die Awelon- Episode in der „Melusine“. Der literarische Text öffnet selbst einen Raum der Geheimnisse, der Genealogie und Tabubrüche. Er macht sich selbst zum Ort des Geheimnisses.

In der Awelon- Episode verfolgt Geoffrey den Riesen Grymmolts, der einen Berg bewacht. Im Inneren des Berges dringt er zu einer Höhle vor, die das gut behütete Geheimnis seiner eigenen Familie beherbergt. Er entdeckt eine Grabkammer, in der auf sechs goldenen Pfeilern das Grab seines Großvaters steht. Zu dessen Füßen befindet sich eine Statue, die eine Schrifttafel in den Händen hält. Auf dieser Tafel ist die Geschichte von Melusines Eltern eingeschrieben.

„das hett ein tafel in den henden dar innen stund geschriben. dises ist durchleuchtig und großmechtig künig Helmas mein allerliebster gemahel. der hie begraben leit. Vnd er was künig vnd herre zuo Albanie in dem künigreich/ der hat mir geschworen do er mich zuo einem weib nam. das er sein lebtag die zeit vnd weil so ich in der kindtpedt leg/ mich nymmer besuochen. besehen/ noch nyemnadt gestatten zuo thun/ oder befelhen/ Jn der zeyt keyn wissen haben. noch durch nyemandt anders erfahren woelte. und wann er mir nur diß nit gehalten/ vnd seinen eyde vnd gelüb übersehen hat. so hat er mich verloren.“

Schon im Vorfeld hatte Geoffrey Hinweise zu seiner Herkunft bekommen, aber erst jetzt erfährt er die ganze Geschichte, die seine eigene genealogische Identität enthüllt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in das Thema Gedächtnis und Erinnerung sowie Darlegung der Forschungsfragen und der theoretischen Grundlagen für die Analyse des Romans.

2.1. Erinnerung, kulturelles Gedächtnis und Totengedächtnis: Erarbeitung der kulturwissenschaftlichen Grundbegriffe von Gedächtnis und Erinnerung unter Einbeziehung des Totengedächtnisses als religiöse und weltliche Dimension.

2.2 Die Melusine des Thüring von Ringoltingen: Untersuchung der Entstehung der deutschen „Melusine“-Übersetzung im Kontext der Verbürgerlichung der Literatur und der gesellschaftspolitischen Lage Berns.

3. Zeitenräume in der Melusine: Analyse der Handlungsstruktur und der Funktion von räumlichen und zeitlichen Verschachtelungen im Roman.

4. Stabilisatoren der Erinnerung: Darstellung der Tafel- und Körperschriften als Medien, die Erinnerung objektivieren und identitätsstiftend wirken.

5. Fazit: Zusammenfassende Deutung der „Melusine“ als komplexes Medium der kulturellen Erinnerung und Aufsteigergeschichte.

Schlüsselwörter

Melusine, Thüring von Ringoltingen, kulturelles Gedächtnis, Erinnerungsraum, Prosaroman, Verbürgerlichung, Tafelgedächtnis, Körpergedächtnis, Genealogie, Identität, Mittelalter, Schriftlichkeit, Mnemotechnik, Legitimationsbedürfnis, Zeichen

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht den Prosaroman „Melusine“ von Thüring von Ringoltingen als ein zentrales Medium der kulturellen Erinnerung im Spätmittelalter.

Welche Themenfelder stehen im Zentrum?

Die zentralen Felder sind die Gedächtnistheorie nach Aleida und Jan Assmann, die Gattungsgeschichte des Prosaromans sowie die Bedeutung von Genealogie und Identität für das Bürgertum des 15. Jahrhunderts.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit fragt, inwiefern der Roman als Gedächtnis- und Erinnerungsraum fungiert und durch welche Medien (wie Schrift oder Körpermakel) diese Erinnerungen stabilisiert werden.

Welche Methode wird verwendet?

Es wird eine kulturwissenschaftliche Analyse angewandt, die den Roman auf seine symbolischen Funktionen hin untersucht und diese mit zeittypischen Kontexten sowie Mnemotechniken in Verbindung setzt.

Was ist Gegenstand des Hauptteils?

Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Gedächtnisbegriffen, der Entstehungsgeschichte der Melusine-Übersetzung, der Analyse von "Zeitenräumen" wie der Awelon-Höhle sowie den Funktionen von Schrifttafeln und körperlichen Makeln.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Wichtige Begriffe sind unter anderem kulturelles Gedächtnis, Schrifttafel, Körpergedächtnis, Identitätsstiftung und Verbürgerlichung der Literatur.

Welche Rolle spielt der Eberzahn von Geoffrey?

Der Eberzahn dient als sichtbares Symbol der Gewalt und als "Narbenschrift", die die traumatische Vergangenheit und das Familiengeheimnis auf dem Körper des Sohnes manifestiert.

Was bedeutet das Konzept der "Heterotopie" in Bezug auf die Höhle im Berg Awelon?

Die Höhle wird als schwer zugänglicher Raum interpretiert, in dem sich Zeitlichkeit auflöst und Geoffrey durch die Konfrontation mit der Familiengeschichte seine eigene Identität und Herrschaftsansprüche legitimiert.

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Kulturelles Gedächtnis in der "Melusine" des Thüring von Ringoltingen
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
2,3
Autor
Inga Mueller (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
30
Katalognummer
V339307
ISBN (eBook)
9783668333178
ISBN (Buch)
9783668333185
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kulturelles gedächtnis melusine thüring ringoltingen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Inga Mueller (Autor:in), 2014, Kulturelles Gedächtnis in der "Melusine" des Thüring von Ringoltingen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339307
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  30  Seiten
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