Die Menschen waren schon immer auf der Suche nach Antworten auf die Fragen nach Herkunft und Ursprung allen Seins. Diese Antworten erhielten sie meist durch den Glauben an eine oder mehrere transzendente Designer. Der in der westlichen Welt am meisten verbreitete christliche Glaube, in den auch Charles Darwin hineingeboren wurde, nennt diesen Designer Gott. Zu dieser Zeit gab es noch keine andere wahrscheinliche Antwort auf die Frage, woher sonst die Welt und alle als wunderbare Gestaltung erfahrenen Bestandteile auf ihr kommen sollten. Selbst die Wissenschaft hatte zum Ziel, diesen Designer durch das Auffinden von Gesetzen in der Natur nachzuweisen.
Zwar gab es schon einige Erklärungsversuche der Entstehung der verschiedenen Arten durch Evolutionsprozesse, doch bevor Darwin seine Theorie veröffentlichte gab es keine, die so gut zu belegen war. Er erschütterte das zeitgenössische Weltbild mit seiner Lehre über die Entstehung der Arten, in der er erklärte, dass alle Lebewesen durch natürliche Selektion entstanden sein könnten. Viele wehrten sich gegen diese Vorstellung, unter anderem aus dem Grund, dass nach damaligen Berechnungen noch nicht soviel Zeit seit der Entstehung der Erde vergangen sein konnte, wie er für seine Theorie beanspruchte. Dieses Problem sah man als Beweis an, dass es doch einen Designer geben müsse.
Seitdem hat sich viel geändert, Darwin wurde vielfältig ausgelegt, oft auch gegen seine Vorstellungen und basierend auf seiner Theorie hat sich ein ganzer Forschungszweig entwickelt, der immer tiefer in die Geheimnisse der Natur eindringt ohne notwendigerweise von der Existenz eines Designers auszugehen.
Diese Arbeit wird sich mit der Frage beschäftigen, welche Designbegriffe existieren und ob sie einander widersprechen.
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung
B. Position Darwins
C. Naturwissenschaft
1. Stand der Forschung
2. Auslegung der Forschungsergebnisse
3. Grenzen der Naturwissenschaften
D. Theologie
1. Der christliche Schöpfungsglauben
2. Vorstellung des „intelligent Design“
2.1 Beurteilung
E. Zwei Designvorstellungen – eine Abwägung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen zur Evolution und der theologischen Vorstellung von einem schöpferischen Design. Ziel ist es, verschiedene Designbegriffe kritisch zu hinterfragen, ihre logische Vereinbarkeit zu prüfen und zu analysieren, ob sich naturwissenschaftliche Erklärungsmodelle und ein Schöpfungsglaube tatsächlich gegenseitig ausschließen oder ob eine Synthese möglich ist.
- Historische Einordnung und Entwicklung des Gottesbildes bei Charles Darwin
- Aktueller Stand naturwissenschaftlicher Theorien zur Entstehung von Materie, Leben und Intelligenz
- Kritische Analyse des „intelligent Design“-Ansatzes und seiner wissenschaftstheoretischen Grenzen
- Untersuchung der Komplementarität von Evolution und teleologischer Weltdeutung
Auszug aus dem Buch
3. Grenzen der Naturwissenschaften
Trotz all der Überzeugungskraft zugunsten des natürlichen Designs, die in diesen Theorien steckt, sollte man jedoch bemerken, dass die Naturwissenschaftler der Frage nach dem ersten Ursprung scheinbar genauso ausweichen, wie es Darwin getan hat. Sie sprechen von Teilchen, die sich zusammenfinden und etwas Neues bilden, sie seien zum Beispiel am Urknall beteiligt, doch woher diese Teilchen kommen bleibt unklar. Genauso wie ungeklärt bleibt, woher die ersten Gesetze kommen, denen die Universen folgen und woher die Fähigkeiten zur natürlichen Selektion kommen, irgendwann müsste es auch für sie einen Anfang gegeben haben. Alles müsste einen Anfang haben, wenn man es naturwissenschaftlich betrachten will, doch wie der ausgesehen haben könnte scheint keiner beantworten zu können. Hier kann das Argument „aus Ordnung entsteht Design“ nicht mehr greifen, denn wo nichts ist kann sich auch nichts ordnen, geschweige denn Selektion stattfinden.
Weiterhin stellt sich die Frage, ob diese Schlussfolgerung der Nicht-Existenz eines Designers aus den Reihen der Naturwissenschaftler überhaupt ernst genommen werden kann. Die Naturwissenschaft ist, wie der Name schon sagt, eine anerkannte Wissenschaft und die Menschen, die sich mit den Themen der Naturwissenschaft befassen sind anerkannte Wissenschaftler. Folgt man nun der Definition Poppers von Wissenschaft, so kommt man zu dem Ergebnis, dass sich die Naturwissenschaft ausschließlich mit den Dingen auseinandersetzt, die zu falsifizieren sind. Der Inhalt ihres Faches besteht also aus Aspekten die zu messen, zu wiegen oder in einer anderen Weise zu überprüfen sind. Nach dieser Definition wäre jedoch die von Naturwissenschaftlern getätigte Aussage: „unsere Theorien, die wissenschaftlich belegt sind, widerlegen die Existenz eines Designers“ weder wissenschaftlich noch qualitativ wertvoll, da ein Naturwissenschaftler bei diesem Schluss die Grenzen seines Fachbereiches weit überschreitet. Weder ist diese komplette Aussage zu falsifizieren noch ist die Existenz eines Designers in irgendeiner Weise naturwissenschaftlich zu überprüfen.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einleitung: Diese Einführung beleuchtet die historische Suche nach dem Ursprung des Seins und Darwins Rolle bei der Erschütterung des damaligen Weltbildes durch seine Evolutionstheorie.
B. Position Darwins: Das Kapitel zeichnet Darwins persönlichen Wandel vom Glauben an einen zwecksetzenden Schöpfer hin zu seiner agnostischen Haltung nach, bei der die natürliche Selektion in den Vordergrund rückt.
C. Naturwissenschaft: Es wird der aktuelle Forschungsstand zur Evolution dargelegt, wobei Theorien zur Entstehung des Universums, des Lebens und der Intelligenz kritisch beleuchtet und ihre methodischen Grenzen analysiert werden.
D. Theologie: Dieses Kapitel behandelt die christliche Sichtweise auf die Schöpfung sowie die umstrittene Theorie des „intelligent Design“ und setzt diese in Bezug zu wissenschaftstheoretischen Kriterien.
E. Zwei Designvorstellungen – eine Abwägung: Die abschließende Betrachtung diskutiert die Möglichkeit einer Synthese zwischen evolutionären Erklärungsmodellen und der Anerkennung eines Schöpfer-Designers.
Schlüsselwörter
Evolutionstheorie, Charles Darwin, Designvorstellungen, Intelligent Design, Schöpfungsglaube, Naturwissenschaft, Selektion, Kosmologie, Agnostizismus, Wissenschaftstheorie, Karl Popper, Teleologie, Ursprung, Komplexität, Evolution
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der philosophischen und wissenschaftstheoretischen Auseinandersetzung über die Existenz eines „Designers“ in der Natur im Vergleich zur evolutionstheoretischen Erklärung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Evolutionstheorie Darwins, die naturwissenschaftliche Forschung zu den Anfängen der Welt und des Lebens sowie die theologische Reflexion über Schöpfung und Design.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die kritische Abwägung, ob die Annahme natürlicher Selektion die Existenz eines Designers logisch ausschließt oder ob beide Konzepte koexistieren können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Literaturanalyse, um Positionen bekannter Denker wie Darwin, Dennett und Popper gegenüberzustellen und deren wissenschaftliche Validität zu prüfen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine naturwissenschaftliche Bestandsaufnahme der Evolution und eine theologische Perspektive auf Schöpfungsbegriffe sowie deren jeweilige Grenzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Evolutionstheorie, Intelligent Design, Selektion, Agnostizismus und wissenschaftstheoretische Falsifizierbarkeit charakterisiert.
Wie positioniert sich der Autor gegenüber dem „intelligent Design“?
Der Autor stellt fest, dass „intelligent Design“ weder den strengen Kriterien der Naturwissenschaft noch den reflektierten theologischen Ansätzen (etwa von Kardinal Schönborn) standhält und somit als wenig fundiert erscheint.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur Vereinbarkeit beider Ansätze?
Der Autor gelangt zu dem Schluss, dass es durchaus möglich ist, natürliches Design durch Selektion als einen Prozess zu verstehen, der dennoch auf einer übergeordneten schöpferischen Grundlage basiert.
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- Ilka Vorstmann (Author), 2009, Designvorstellungen in der Evolutionslehre. Ein Überblick, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339347