Die Bedeutung der Banken bei Unternehmenskrisen und der Einfluss der "Marke"


Diplomarbeit, 2013

57 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Unternehmenskrise
2.1 Abgrenzung sinnverwandter Begriffe
2.2 Krisenarten und -verläufe
2.3 Krisenursachen und -symptome
2.4 Insolvenz

3 Unternehmen
3.1 Mittelstand
3.2 Große Unternehmen

4 Rollenverteilung bei Krisensituationen
4.1 Die Rolle des Unternehmens
4.2 Die Rolle der Bank
4.3 Die Rolle der Politik und des Staates
4.4 Die Rolle der Medien
4.5 Die Rolle der „Marke“

5 Krisenmanagement aus Sicht des Unternehmens
5.1 Erkennen und Eigenleistung
5.2 Kommunikation
5.3 Konzept des Turnaround-Management

6 Krisenmanagement aus Sicht der Bank
6.1 Handlungsoptionen
6.2 Bankfinanzierung versus Finanzierung anderer Kriseninvestoren

7 Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Entwicklung der Schäden durch Unternehmensinsolvenzen in Deutschland 2003 bis 2012, in Mrd. EUR

Abbildung 2 Phasen der Krisenarten

Abbildung 3 Anzahl Unternehmensinsolvenzen in Deutschland 2003 bis 2012, in Tsd

Abbildung 4 Umsatz, Bruttowertschöpfung und Investitionen je Beschäftigten 2009 nach Größenklassen der Unternehmen, in Tsd. EUR

Abbildung 5 Unternehmensinsolvenzen in Deutschland 2012 nach Beschäftigtenzahl, in Prozent

Abbildung 6 Nachfrage nach Finanzierungsarten, Anteile an allen Unternehmen, in Prozent

Abbildung 7 Turnaround-Arten im Krisenverlauf

Abbildung 8 Kreditverweigerung und Eigenkapitalquote, in Prozent

Abbildung 9 Anteil von Unternehmen, die folgenden finanziellen Problemen eine Mitschuld für die Schließung geben, in Prozent

Abbildung 10 Finanzierte Unternehmen nach Umsatzklassen 2009, in Prozent

Abbildung 11 Finanzierungsquellen für andere Finanzierungsformen; Anteile an Unternehmen, die eine andere Finanzierungsform gesucht haben, in Prozent

Abbildung 12 Entwicklung der verkauften Auflage der Tageszeitungen in Deutschland von 1991 bis 2012, in Mio. V

Abbildung 13 Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Druckindustrie von 2001 bis 2011 V

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Übersicht Insolvenzgründe

Tabelle 2 Schwellwerte der Europäischen Kommission für KMU ab

Tabelle 3 Veränderung der Beschäftigung zwischen 2007 und 2009 nach Größenklassen der Unternehmen

Tabelle 4 Top 10 der Werbungtreibenden in Deutschland in

Tabelle 5 Finanzierungsquellen für Kredite und deren Erfolg; Anteile an Unternehmen, die einen Kredit gesucht haben, in Prozent

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Zur Gruppe des Mittelstandes zählen 99 % aller Unternehmen in Deutschland. Diese Gruppe erreicht einen Beschäftigungsanteil von mehr als 60 %. Der Anteil des Mittelstandes an den erzielten Umsätzen macht knapp 36 % aus. An den Bruttoinvestitionen aller Unternehmen sind sie mit fast 45 % beteiligt und der Anteil an der erwirtschafteten Bruttowertschöpfung liegt bei gut 50 %[1].

Im Mittelstand wird der Anstoß zur Sanierung oft durch das Kreditinstitut gegeben.[2]Hier ist die Beziehung zur Hausbank ein wesentlicher Faktor für die Entwicklung des Unternehmens. Banken und Kreditinstitute sind maßgeblich an einer Restrukturierung oder Sanierung beteiligt und tragen im Insolvenzfall, neben den Gesellschaftern, das höchste Verlustrisiko. Kreditinstitute müssen an Sofortmaßnahmen beteiligt werden. Den Banken ist daher eine Schlüsselstellung in der Sanierung zuzuweisen.[3]

Dagegen sind es große Konzerne wie Herlitz, Philipp Holzmann oder Karstadt jedoch die in den Fokus der Öffentlichkeit geraten, wenn das Unternehmen strauchelt oder Insolvenz anmelden muss. Namhafte Unternehmen - Marken mit Image und Präsenz im Markt.

Unternehmenskrisen sind immer aktuell. Sie sind ein ständiger Begleiter der Betriebs- und Finanzwirtschaft. Aber ist die Bereitschaft, insbesondere die der Banken, sich bei namhaften Unternehmen mit Sanierungskonzepten zu befassen höher, als mit der Sanierung eines „unbekannten“ Unternehmens aus dem Mittelstand? Mit der Beantwortung dieser Fragestellung beschäftigt sich diese Arbeit.

2 Die Unternehmenskrise

Meldungen über Unternehmenskrisen sind allgegenwärtig. Bei großen Unternehmen wie Herlitz, Philipp Holzmann oder Karstadt ist die öffentliche Wahrnehmung durch die mediale Berichterstattung sehr groß. Dagegen werden täglich mittelständische Unternehmen, ohne diesen Bekanntheitsgrad, geschlossen.

Mit oder ohne Bekanntheit eines Unternehmens ist die Erschließung von Ursachen und die Entwicklung von Lösungsmöglichkeiten, respektive unterstützender Maßnahmen zwingend notwendig. Denn der wirtschaftliche Schaden von Unternehmensinsolvenzen ist milliardenhoch. Die Entwicklung der letzten 10 Jahre ist in der Abbildung 1 ersichtlich. Der Schaden betrug insgesamt durchschnittlich 37,8 Mrd. EUR pro Jahr. Für die öffentliche Hand entstand dabei im Durchschnitt ein jährlicher Schaden von 10,3 Mrd. EUR. Die privaten Gläubiger trugen durchschnittlich 27,5 Mrd. EUR. Die Wirtschaftsauskunft Creditreform (2012) schätzt die Schäden für die öffentliche Hand im Jahr 2012 allein auf ca. 12,3 Mrd. EUR. Beachtenswert ist der Anstieg der Schäden im Jahr 2009 um etwa das Doppelte des Durchschnitts auf Grund der damaligen Wirtschaftskrise.

Abbildung 1 Entwicklung der Schäden durch Unternehmensinsolvenzen in Deutschland 2003 bis 2012, in Mrd. EUR

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In Anlehnung an: Creditreform Wirtschaftsforschung (2012), S. 4

Krystek (1987) führt aus, dass „Unternehmungskrisen .. ungeplante und ungewollte Prozesse von begrenzter Dauer und Beeinflussbarkeit sowie mit ambivalentem Ausgang“ sind. Weiterhin beschreibt Krystek (1987) in seiner weit verbreiteten Definition sind sie „in der Lage, den Fortbestand der gesamten Unternehmung substantiell und nachhaltig zu gefährden oder sogar unmöglich zu machen. Dies geschieht durch die Beeinträchtigung bestimmter Ziele …, deren Gefährdung oder gar Nichterreichung gleichbedeutend ist mit einer nachhaltigen Existenzgefährdung oder Existenzvernichtung der Unternehmung als selbstständig und aktiv am Wirtschaftsprozess [!] teilnehmender Einheit mit ihren bis dahin gültigen Zweck- und Zielsetzungen.[4]

Zu den von Krystek (1987) erwähnten Zielen zählt die laufende Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit, das erwirtschaften eines Mindestgewinns und der Aufbau bzw. der Erhalt von Erfolgspotenzialen.[5]Gleichwohl gilt die nachhaltige Sicherung der Existenz sowie Liquidität und Erfolg als bekannte Unternehmensziele.

In Zusammenhang mit Meldungen von Unternehmenskrisen tauchen immer wieder Begrifflichkeiten wie Restrukturierung, Sanierung bis hin zur Insolvenz auf. Diese inhaltlich abzugrenzen, erfolgt im nachfolgenden Kapitel.

2.1 Abgrenzung sinnverwandter Begriffe

Die Abgrenzung der Begrifflichkeiten in Zusammenhang mit Unternehmenskrisen ist wesentlich da, je nach Stadium der Krise, das Management selbst handlungsfähig ist oder mit einem Eingreifen Dritter gesteuert wird. Nachfolgend werden diese daher näher erläutert.

Restrukturierung

Bei einer Restrukturierung werden Veränderungen geplant und zielgerichtet durchgeführt. Sie fokussiert sich häufig auf einzelne Unternehmensbereiche zur Steigerung von Effektivität und Effizienz. Das Unternehmen wird nicht aus gegebenen Zwängen durch/mit Dritten gesteuert, sondern betriebswirtschaftlich eigenständig geführt. Vielmehr werden in dieser Situation Struktur und Unternehmensaktivitäten den Anforderungen des Marktes angepasst.[6]

Sanierung

In der Sanierung werden außergewöhnliche Maßnahmen getroffen, die bei der Überwindung von Problemen helfen und der Gesundung des Unternehmens dienen sollen. Die Sanierung setzt in akuten, jedoch beherrschbaren Situationen ein. Je nach Krisenstadium reichen finanzwirtschaftliche Maßnahmen (Kapitalzuführung, Kreditverlängerungen, etc.) nicht mehr aus und es sind auch in anderen Unternehmensbereichen ergänzende Maßnahmen notwendig.[7]

Turnaround

Der Begriff Turnaround bedeutet „Kursänderung“ oder auch „Umschwung“ und wird von Krystek/Moldenhauer (2007) als das „Abwenden einer krisenhaften Entwicklung“ beschrieben. Eine Existenzbedrohung liegt nicht zwingend im Turnaround vor, wird jedoch als wesentlich erachtet. Ausgelöst wird dieser durch die negative Veränderung betriebswirtschaftlicher Kennzahlen und kann daher früh im Krisenstadium einsetzen. Der Vorteil im Turnaround ist, dass zum Zeitpunkt des Einleitens von Maßnahmen ein großer Handlungsspielraum vorhanden und der Zeitdruck gering ist. Das stellt einen wesentlichen Unterschied zur Sanierung dar.[8]

Insolvenz

Bei einer Insolvenz liegt eine Überschuldung, drohende Zahlungsunfähigkeit oder Zahlungsunfähigkeit vor.[9]Die Insolvenz wird gemäß den Regelungen der Insolvenzordnung (InsO) eröffnet. Im Falle des Eintretens trifft das Insolvenzgericht alle Entscheidungen für weitere Maßnahmen. Die Insolvenz wird im Kapitel 2.4 ausführlicher behandelt.

2.2 Krisenarten und -verläufe

Die „Krise“ ist eine drohende Existenzgefährdung für das Unternehmen. Klassischerweise wird der Verlauf des Krisenprozesses in vier Phasen gegliedert, wie in Abbildung 2 dargestellt. Mit dem Steigen des Handlungsdrucks in den genannten Phasen, sinkt jedoch in gleichem Maße der Wirkungshorizont von getroffenen Gegenmaßnahmen.[10]

Abbildung 2 Phasen der Krisenarten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Entnommen aus: Meusel, D. (2009), S. 5

Diestrategische Krisebildet den Ausgangspunkt des Krisenprozesses. Die Wahrnehmung der Krise in dieser Phase wird erschwert durch fehlende finanztechnische Daten.[11]Sie wird hervorgerufen durch Unzulänglichkeiten im Management, fehlerhafte Prozesse oder eine fehlerhafte bzw. fehlende strategische Ausrichtung. Die Krisenphase ist nicht durch eine negative Entwicklung betriebswirtschaftlicher Kennzahlen erkennbar, wird daher oft verkannt und es schließt sich direkt die Erfolgskrise an.[12]

Erfolgskrisendagegen sind deutlich betriebswirtschaftlich erkennbar. Das Unternehmen verzeichnet bereits Verluste in Gewinn, Umsatz oder Rentabilität. Durch die Veröffentlichung von Kennzahlen, bspw. der Bilanz, können in dieser Phase Anspruchsgruppen, auch Stakeholder genannt, auf die bestehende Krise aufmerksam werden.[13]

Die Stakeholder eines Unternehmens sind vielfältig. Es sind u. a. zu nennen Banken, Lieferanten, Kunden, Beschäftigte, Sozialversicherung, Staat und Gesellschafter/Eigenkapitalgeber.[14]

Wenn dauerhaft Erfolge verfehlt werden und die finanziellen Probleme ausgeprägt sind, dann liegt eineLiquiditätskrisevor. Dieser liegt ein übermäßiger Überschuldungsgrad zu Grunde. Im misslichsten Fall endet der Prozess vorerst in derInsolvenz.

2.3 Krisenursachen und -symptome

Krisenursachen finden sich innerhalb (endogen) und außerhalb (exogen) der Unternehmen. In den systematischen Ableitungen einzelner Krisenursachen nach Hauschildt (2001), lassen sich vier Hauptkategorien bilden, denen wiederum differenzierte Ursachen zugeordnet werden können. Die Unternehmenskrise setzt sich aus mehreren Krisenursachen zusammen, die in unterschiedlichen, jedoch sehr kritischen Mischungen auftreten.[15]

Mögliche Krisenursachen[16]:

- in der Person des Unternehmers oder dominanten Managers:
- Unerfahrenheit/Unfähigkeit
- Verschwendung/Spekulation
- Führungsmängel
- Familienprobleme
- Krankheit, Tod
- in der Institution oder Unternehmensverfassung:
- Strategie
- Rechtsform (z. B. steuerliche Nachteile)
- Verbund (z. B. schwache Partner, Wettbewerbsbeschränkung)
- Organisation (z. B. Hierarchie zu tief/flach)
- Information (z. B. Mängel im Kontrollsystem)
- Beziehungen zu den Arbeitnehmern (z. B. Streik, Sabotage)
- erfolgswirtschaftliche Ursachen:
- im Absatzbereich
- im Investitionsbereich
- im Produktions- und Logistiksektor
- in der Beschaffung
- finanzwirtschaftliche Ursachen:
- Ausfall Fremdkapital
- unerwarteter Einnahmenausfall
- fehlende Koordination von Einnahmen und Ausgaben
- unerwarteter Ausgabenanfall

Symptome in Krisen sind nur Anzeichen und Hinweise auf die Krisensituation, jedoch sind sie nicht Ursache für den Eintritt. Weitere endogene und exogene Krisenursachen finden sich im Kapitel 0.

2.4 Insolvenz

Die verheerendste Auswirkung der Unternehmenskrise ist die Insolvenz. Sie ist anzuzeigen beim zuständigen Amtsgericht (es gilt der Gerichtsstand des Unternehmens). Der Gläubiger bzw. der Schuldner kann auf schriftlichen Antrag das Insolvenzverfahren eröffnen. Das Verfahren „dient dazu, die Gläubiger eines Schuldners gemeinschaftlich zu befriedigen, indem das Vermögen des Schuldners verwertet und der Erlös verteilt oder in einem Insolvenzplan eine abweichende Regelung insbesondere zum Erhalt des Unternehmens getroffen wird.“[17]

In der InsO werden u. a. die Eröffnungsgründe für einen Insolvenzantrag und deren Verfahrensweise geregelt. Die Tabelle 1 enthält eine Definition sowie die Grundlagen der zuvor genannten Insolvenzgründe.

Tabelle 1 Übersicht Insolvenzgründe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Entnommen aus: Krystek, U./Moldenhauer, R. (2007), S. 174

Nach der Eröffnung, prüft das Gericht unter Zuhilfenahme bestimmter Parameter, die einzuleitenden Maßnahmen und ob ein Regel- oder Planinsolvenzverfahren durchführbar ist.

Einzuleitende Maßnahmen sind:

- die Anordnung vorläufiger Maßnahmen,
- bestellen eines vorläufigen Gläubigerausschusses,
- bestellen eines Insolvenzverwalters oder
- die Abweisung mangels Masse.

In Deutschland ist die Zahl der Insolvenzen in den letzten 10 Jahren als rückläufig einzustufen. Der Abbildung 3 und den darin enthaltenen Daten der Creditreform Wirtschaftsforschung (2012) ist zu entnehmen, dass lediglich im Jahr 2009 ein Anstieg von Insolvenzen stattgefunden hat. Dieser ist der damaligen Finanz- und Wirtschaftskrise zuzuschreiben. Wie bereits festgestellt, waren die Schäden durch Insolvenzen im Jahr 2009 doppelt so hoch wie der Durchschnitt der vergangenen 10 Jahre. Dagegen steht, dass der Anstieg der gemeldeten Insolvenzen im Jahr 2009 (33.000) im Vergleich zum Jahr 2008 (30.000) nur 10 % betrug. Dass lässt darauf schließen, dass vorrangig ehemals sehr umsatzstarke Unternehmen, mit einem hohen Verschuldungsgrad von der Wirtschaftskrise betroffen waren.

Abbildung 3 Anzahl Unternehmensinsolvenzen in Deutschland 2003 bis 2012, in Tsd.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In Anlehnung an: Creditreform Wirtschaftsforschung (2012), S. 1

Bei der Durchführung einer Regelinsolvenz wird das Unternehmen final abgewickelt. Nur das Planverfahren bietet Chancen auf eine Fortführung der Geschäftstätigkeit und wird daher im Folgenden detaillierter ausgeführt.

*) von Creditreform geschätzt

Planverfahren

Die InsO ist 1999 in Kraft getreten. Das Planverfahren wird im sechsten Teil der InsO beschrieben und wurde im Jahr 2012 reformiert. Das Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) wurde im Bundesgesetzblatt verkündet (BGBl. 2011, Teil 1, S. 2582) und ist in seinen wesentlichen Teilen am 01.03.2012 in Kraft getreten. Es soll das Insolvenzverfahren ausbauen und straffen, den Zugang zur Eigenverwaltung vereinfachen und einen stärkeren Einfluss der Gläubiger auf die Auswahl des Insolvenzverwalters ermöglichen.

Gegenüber dem Regelverfahren hat das Planverfahren einige Vorteile. Es bedarf jedoch eines erfahrenen Insolvenzverwalters mit umfassenden unternehmerischen und rechtlichen Kenntnissen zur bestmöglichen Begleitung des Verfahrens. Im optimalen Fall bringt dieses Verfahren beispielsweise höhere Quoten und/oder auch schnellere Zahlungen für die Gläubiger bis hin zur möglichen Rettung eines Unternehmens.

Eine weitere Vorrausetzung ist, dass das Unternehmen noch nicht ganz handlungsunfähig ist. Das Optimum zur Nutzung ist eine frühzeitige Einleitung ohne Vorliegen einer Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit. Zudem sollte eine begründete Aussicht bestehen, dass zumindest ein Teil des betroffenen Unternehmens zu retten ist.[18]

Ein Vorteil liegt in der Handlungsfreiheit. Beispielsweise können Miet- und auch Arbeitsverträge mit einer Frist von bis zu drei Monaten gekündigt werden. Für Mitarbeiter besteht dadurch die Chance ihren Arbeitsplatz, zumindest vorerst, zu behalten. Bei einer Regelinsolvenz würden sie diesen sofort verlieren. Die Lohnfortzahlung erfolgt für drei Monate durch die Bundesagentur für Arbeit. Auch die Zahlungen von Betriebsrenten werden vorerst durch den Pensions-Sicherungsverein getragen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit sich von überflüssigen Mietverhältnissen zu trennen und „Ballast“ abzuwerfen.[19]

Das Planverfahren wird nicht sehr häufig gewählt. Ein Grund dafür ist die aufwändige Aufstellung eines Insolvenzplans, der intensive Gespräche mit den Gläubigern voraussetzt. Große Unternehmen greifen hierbei öfter auf fachkundigen Rat von externen Experten und Rechtsanwälten zurück und prüfen Sanierungsalternativen. Dieser Weg wird oft durch bestehende Vorurteile gegen eine Insolvenz und die Angst vor daraus resultierenden Imageschäden behindert.[20]

Das Planverfahren wurde beispielsweise bereits im Jahr 2002 im Fall des Schreibwarenherstellers Herlitz angewandt und in nur drei Monaten abgewickelt. Entscheidend für die kurze Zeit war ein kurzer sowie übersichtlicher Insolvenzplan.[21]Jedoch sagte Rechtsanwalt Bierbach (vgl. Weber, 2010) noch im Jahr 2010: "um dieser Sanierungsalternative zum Durchbruch zu verhelfen, ist immer noch große Aufklärungsarbeit bei Banken, Kreditversicherern und Lieferanten notwendig[22].

3 Unternehmen

3.1 Mittelstand

Die Abgrenzung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) von Großunternehmen ist bei wissenschaftlichen Diskussionen und Fragestellungen nicht immer einheitlich. Die Schwellwerte zur Bestimmung von KMU zum einen von der Europäischen Kommission und zum anderen von dem Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn, sind abweichend.

Die Definition der Europäischen Kommission ist notwendig um bspw. die Berechtigung des Anspruchs auf europäische Fördergelder prüfen zu können. Es soll einer leichteren Einordnung in bestimmte Kategorien und Größenklassen dienen. Die Rechtsform des Unternehmens ist nicht relevant, das Hauptkriterium stellt die Mitarbeiteranzahl dar.[23]

Tabelle 2 Schwellwerte der Europäischen Kommission für KMU ab 01.01.2005

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In Anlehnung an: Europäische Gemeinschaften (2006), S. 14

Beim IfM hingegen muss die Mitarbeiterzahl doppelt so hoch sein, also größer 500, bevor ein Unternehmen nicht mehr als KMU, sondern als Großunternehmen gilt. Der Schwellwert des Jahresumsatzes mit größer 50 Mio. EUR bleibt gleich. Schwellwerte zur Jahresbilanzsumme sind beim IfM nicht definiert und finden keine Berücksichtigung.[24]

Der Bundesverband deutscher Banken zieht lediglich die Umsatzzahlen zur Kategorisierung heran. Hier gilt ebenfalls eine Obergrenze bis 500 Tsd. EUR Umsatz für kleine Unternehmen und bis 50 Mio. EUR Umsatz für mittlere Unternehmen. Ein Umsatz bis zu 500 Mio. EUR fällt in die Kategorie Großunternehmen.[25]

Familienunternehmen

Zumeist Teil des deutschen Mittelstandes sind Familienunternehmen. Sie verfügen über eigene spezifische Merkmale und bedürfen daher einer gewissen Abgrenzung zu den bisher genannten Fakten. Denn Familienunternehmen können laut dem IfM auch Großunternehmen sein. Es gibt „familiengeführte“ Unternehmen in denen maximal zwei Familien mindestens 50 % der Unternehmensanteile halten und mindestens einer der Gesellschafter in der Geschäftsführung tätig ist. In einem „familienbeherrschten“ Unternehmen muss keiner der Anteilseigner in der Geschäftsführung tätig sein und der Anteil von mindestens 50 % kann durch drei Familien gehalten werden. 95 % aller Unternehmen in Deutschland zählen als Familienunternehmen.[26]

Im Jahr 2011 gehörten unter anderem die Unternehmen Schlecker (Platz 29), Tengelmann (Platz 15), Metro (Platz 2) oder VW Volkswagen (Platz 1) zu den 30 größten Familienunternehmen in Deutschland.[27]

Schließend aus den bisherigen Ausführungen werden KMU und/oder mittelständische Familienunternehmen in dieser Arbeit als Mittelstand bezeichnet.

Wirtschaftliche Bedeutung

Der Mittelstand ist „der Motor der europäischen Wirtschaft“ sagte Verheugen, ehemals Vizepräsident der Europäischen Kommission (2006) einmal.[28]Grundsätzlich trägt der Mittelstand einen wesentlichen Beitrag zur nationalen wirtschaftlichen Entwicklung.

Abbildung 4 Umsatz, Bruttowertschöpfung und Investitionen je Beschäftigten 2009 nach Größenklassen der Unternehmen, in Tsd. EUR

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Entnommen aus: Söllner, R. (2011 b), S. 1091

Die Abbildung 4 zeigt, dass im Jahr 2009 Großunternehmen einen Umsatz von 317.000 EUR pro Beschäftigten erreichen. Das sind zwei Drittel mehr im Vergleich zum Durchschnitt des Mittelstands der einen Umsatz 113.000 EUR erreichte. Die Investitionen der großen Unternehmen in die Beschäftigten liegt mit 10.000 EUR jedoch nur etwa 50 % über dem des Mittelstands, der im Schnitt 5.000 EUR investierte. Die Bruttowertschöpfung je Beschäftigten ist bei großen Unternehmen ein Drittel höher, als bei den Mittelständlern. Diese Zahlen verdeutlichen die Bedeutung des Mittelstands als Arbeitgeber.

3.2 Große Unternehmen

Nach der Definition der Europäischen Kommission gilt ein Unternehmen als Großunternehmen, wenn es größer 249 Beschäftigte und einen Jahresumsatz größer 50 Mio. EUR vorweisen kann. Die Darstellung der Schadensentwicklung durch Unternehmensinsolvenzen in Abbildung 5, weist nur die Menge bis größer 100 Beschäftigten aus, jedoch lässt sich daraus trotzdem der Rückschluss ziehen, dass der Mittelstand deutlich mehr von Insolvenzen betroffen ist, als große Unternehmen.

Abbildung 5 Unternehmensinsolvenzen in Deutschland 2012 nach Beschäftigtenzahl, in Prozent

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In Anlehnung an: Creditreform Wirtschaftsforschung (2012), S. 9

[...]


[1]Vgl. Söllner, R. (2011 b), S. 1086

[2]Vgl. Hohberger, S./Damlachi, H. (2010), S. 6

[3]Vgl. ebd, S. 149 f.

[4]Krystek, U. (1987), S. 6 f.

[5]Vgl. ebd, S. 7

[6]Vgl. Krystek, U./Moldenhauer, R. (2007), S. 140 f.

[7]Vgl. Krystek, U./Moldenhauer, R. (2007), S. 140

[8]Vgl. ebd., S. 139

[9]Vgl. § 17 bis § 19 InsO

[10]Vgl. Krystek, U./Moldenhauer, R. (2007), S. 36

[11]Vgl. Meusel, D. (2009), S. 5

[12]Vgl. ebd.

[13]Vgl. ebd.

[14]Vgl. ebd., S. 18

[15]Vgl. Hauschildt, J. (2001), S. 2 f.

[16]Vgl. Hauschildt, J. (2001), S. 2

[17]Vgl. § 1 InsO

[18]Vgl. Weber, S. (2010), S. 2

[19]Vgl. ebd., S. 3

[20]Vgl. Weber, S. (2010), S. 2

[21]Vgl. Berlin/Brandenburger Arbeitskreis für Insolvenzrecht e.V. (2002), o. S.

[22]Vgl. Weber, S. (2010), S. 3

[23]Vgl. Glier, D. (2008), S. 1

[24]Vgl. Institut für Mittelstandsforschung Bonn (o. J.), S. 1

[25]Vgl. IHK Berlin (o. J.), S. 1

[26]Vgl. BDI - Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (2012), vgl. S. 1; Achleitner und andere (2011), S. 19

[27]Vgl. Handelsblatt (2011), S. 1 ff.

[28]Vgl. Europäische Gemeinschaften (2006), S. 3

Ende der Leseprobe aus 57 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung der Banken bei Unternehmenskrisen und der Einfluss der "Marke"
Hochschule
Hanseatische Verwaltungs- und Wirtschafts- Akademie VWA gemeinnützige GmbH, Studienzentrum Hamburg
Veranstaltung
Turnaround Management
Note
2,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
57
Katalognummer
V339352
ISBN (eBook)
9783668293656
ISBN (Buch)
9783668293663
Dateigröße
888 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Turnaround, Insolvenz, Unternehmenskrise, Bank, Mittelstand, KMU, Sanierungskonzept, Kreditinstitut, Sanierung, Restrukturierung, Insolvenzfall, Verlustrisiko, Einfluss, Marke, Großkonzern, Insolvent
Arbeit zitieren
Janet Scherping (Autor), 2013, Die Bedeutung der Banken bei Unternehmenskrisen und der Einfluss der "Marke", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339352

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