Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Roman „Die Leiden des jungen Werther“ von Johann Wolfgang von Goethe. In der Literaturwissenschaft ist es üblich, den „Werther“ als einen Liebesroman zu klassifizieren. Zugleich wird postuliert, dieser Briefroman sei ein Werk, das die Grundkonflikte eines Menschen zeige, der sich in der Epoche der Aufklärung an die vorherrschenden Verhaltensmuster und Normen nicht gewöhnen könne. Dieser Mensch heißt Werther und er wird vom fiktiven Herausgeber bereits im Vorwort eingeführt. Werther beharrt einerseits auf seinem Recht der Entfaltung seiner Persönlichkeit und der Verwirklichung seiner Liebe; andererseits muss er erfahren, dass ihm die Gesellschaft dieses Recht verweigert.
Dieser Grundkonflikt der Werther Gestalt, aus dem dann sich der Liebeskonflikt entwickelt, hat mich zu der Entscheidung kommen lassen, mich der Figur des Werther mit psychoanalytischen Methoden anzunähern. Mein Ziel ist es dabei, eine Antwort auf folgende Fragen zu finden: „Woran leidet Werther?“ und „Warum ist er in einem Konflikt?“ Eine mögliche Antwort ist, dass Werther an der Gesellschaft, an seinen persönlichen Konflikten und Gefühlen leidet. Um meine Hypothese zu überprüfen, werde ich die Arbeit von Elisabeth AUER (1999) „Selbstmord begehen zu wollen ist wie ein Gedicht zu schreiben. Eine psychoanalytische Studie zu Goethes Briefroman 'Die Leiden des jungen Werther'“ und den Aufsatz von Ernst FEISE „Goethes Werther als nervöser Charakter“ zugrunde legen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. „Die Leiden des jungen Werther“ in der Literaturgeschichte
3. Form und Erzähltechnik des Romans
4. Zum Inhalt des Romans
4.1 Der fiktive Herausgeber
4.2 Die Funktionen der Parallelepisoden
4.3 Werthers Depression und sein Tod
5. Eine Charakterisierung Werthers
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Roman „Die Leiden des jungen Werther“ von Johann Wolfgang von Goethe mit dem Ziel, die psychologischen Ursachen für das Handeln und den Freitod der Hauptfigur Werther mittels psychoanalytischer Ansätze zu ergründen und einzuordnen.
- Psychoanalytische Betrachtung der Werther-Figur
- Analyse der Briefroman-Struktur und der Rolle des fiktiven Herausgebers
- Deutung der symbolischen Funktion von Parallelepisoden
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen individueller Identitätssuche und gesellschaftlichem Scheitern
Auszug aus dem Buch
4.2 Die Funktionen der Parallelepisoden
In diesem Abschnitt werde ich die Funktionen von drei Parallelepisoden im Werther-Roman bestimmen. In der ersten Episode, die im ersten Buch erscheint, geht es um ein Mädchen, das tot im Wasser aufgefunden wird, nachdem ihr Liebhaber sie verlassen hat. Die zweite Episode, von der im zweiten Buch berichtet wird, handelt von einem wahnsinnigen Schreiber, der sich bei Lottes Vater aufhält. Die dritte Episode schließlich, die im ersten und zweiten Buch erzählt wird, handelt von dem Bauernburschen, der seinen Rivalen ermordet.
Die erste Episode ist Teil der Diskussion zwischen Werther und Albert über das Thema ‚Selbstmord’. Nach Werthers Überzeugung kann sowohl eine körperliche als auch eine seelische Krankheit den Menschen zum Tode führen, weil die Krankheit den Menschen seiner Kräfte beraubt. Dagegen ist Albert der Meinung, dass derjenige, der sich für den Selbstmord entscheidet, wahnsinnig ist. Im Brief vom 12. August erfährt der Leser, dass das Mädchen nichts anderes als die immer gleichen häuslichen Beschäftigungen kannte. Ihr einziges Vergnügen hatte darin bestanden, sonntags um die Stadt herum spazieren zu gehen. Sie hatte den Wunsch gehabt, einen Mann kennen zu lernen. Endlich trifft sie einen Mann, „zu dem ein unbekanntes Gefühl sie unwiderstehlich hinreisst, auf den sie nun alle ihre Hoffnungen wirft, die Welt rings um sich vergisst, nichts hört, nichts sieht, nichts fühlt als ihn, den Einzigen […] und ihr Geliebter verlässt sie“ (WERTHER 2008: 41).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die psychoanalytische Fragestellung der Arbeit ein und skizziert die methodische Vorgehensweise sowie die Struktur der Untersuchung.
2. „Die Leiden des jungen Werther“ in der Literaturgeschichte: Das Kapitel verortet das Werk historisch und beleuchtet die Entstehungsgeschichte sowie die Bedeutung des Romans als Ausdruck eines modernen, subjektiven Identitätskonflikts.
3. Form und Erzähltechnik des Romans: Hier wird die monologische Briefromanform analysiert, die den Leser zur Identifikation mit dem Helden einlädt und den psychologischen Gehalt der Darstellung hervorhebt.
4. Zum Inhalt des Romans: Dieser Abschnitt umfasst die Analyse des fiktiven Herausgebers, die Bedeutung der Parallelepisoden als Spiegel von Werthers Psyche und eine Untersuchung der Ursachen für Werthers Suizid.
5. Eine Charakterisierung Werthers: Das Kapitel charakterisiert Werther psychoanalytisch als eine Figur, die unter Identitätsverlust leidet, infantil geprägt ist und vergeblich nach mütterlicher Geborgenheit sucht.
6. Schlussbetrachtung: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen, wonach Werthers Leiden nicht nur auf dem Liebeskonflikt basiert, sondern in einem existenziellen Grundkonflikt und dem Scheitern in einer rigiden Gesellschaft wurzelt.
Schlüsselwörter
Johann Wolfgang von Goethe, Die Leiden des jungen Werther, Psychoanalyse, Briefroman, Identitätssuche, Parallelepisoden, Depression, Selbstmord, Werther-Figur, Gesellschaftskritik, Freitod, literarische Analyse, Subjektivität, psychische Konflikte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine tiefgehende psychoanalytische Untersuchung des Romans „Die Leiden des jungen Werther“, um die Beweggründe der Hauptfigur zu verstehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Schwerpunkten zählen die psychische Verfassung Werthers, die Rolle der Gesellschaft, die Funktion des fiktiven Herausgebers und die Bedeutung von Parallelepisoden.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es, die Fragen „Woran leidet Werther?“ und „Warum ist er in einem Konflikt?“ fundiert zu beantworten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden primär psychoanalytische Methoden angewandt, unterstützt durch die Einbeziehung fachliterarischer Studien von Autoren wie Elisabeth Auer und Ernst Feise.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Erzählform, die Rolle des Herausgebers, die Deutung der drei Parallelepisoden und die Untersuchung der depressiven Entwicklung bis zum Suizid.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Psychoanalyse, Identitätssuche, gesellschaftliche Normen, Briefroman und Werther-Figur.
Welche Rolle spielen die drei Parallelepisoden im Roman?
Die Episoden dienen als Spiegel für Werthers Seelenzustand und zeigen alternative Konfliktlösungen auf, wobei sie eine Parallele zu Werthers eigenem Schicksal bilden.
Warum leidet Werther nach Ansicht der Autorin?
Werther leidet an einem existenziellen Konflikt, bei dem er in einer rigiden Gesellschaft seine Identität nicht verwirklichen kann und in Lotte fälschlicherweise eine mütterliche Hilfe sucht.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2008, "Die Leiden des Jungen Werther". Eine psychoanalytische Betrachtung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339435