Flüchtlingsmädchen in der Jugendhilfe


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016

11 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsangabe

1 Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge
1.1 Begriffsbestimmung

2 Flüchtlingsmädchen in der Jugendhilfe
2.1 Geschlechtsspezifische Fluchtgründe
2.2 Besonderes Schutzbedürfnis
2.3 Spezielle Themen bei Mädchen
2.4 Die Mädchenrolle in Deutschland

3 Fazit

4 Literaturverzeichnis

1 Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

Um die ungefähre Zahl der nach Deutschland geflüchteten Minderjährigen festzulegen, gibt es unterschiedliche Herangehensweisen. Sie kann beispielsweise über Aufgriffe durch die Bundespolizei, die Anzahl der Erstaufnahmen oder durch die Zahl der Asylanträge festgestellt werden (vgl. Deutscher Caritasverband 2014, S. 19 ff.). Letztere soll hier als Orientierung dienen.

Laut einer Statistik des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge gab es 2015 in Deutschland 14.439 Asylanträge unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge (vgl. BAMF 2015). Über 92% der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge im Jahr 2015 waren männlich, die Mädchen sind also deutlich in der Unterzahl (vgl. MiGAZIN 2015). Dementsprechend sind mehr Einrichtungen und Hilfeangebote vorhanden, die für Jungen beziehungsweise für gemischtgeschlechtliche Gruppen ausgerichtet sind. Es gibt außerdem noch keine Forschungsarbeiten, die sich ausschließlich mit Flüchtlingsmädchen auseinandersetzen. In dieser Arbeit soll gezeigt werden, dass für Mädchen ein geschlechtsspezifische Aspekte zu beachten sind und dargestellt werden, wie wichtig der Blick auf die Flüchtlingsmädchen ist. Für diese Seminararbeit wurden zwei Mädchen aus einer Münchner Mädchenwohngruppe und eine Sozialpädagogin in der Einrichtung interviewt. Diese Arbeit soll einen Einblick in die Situation der Flüchtlingsmädchen bieten. Zunächst werden hierfür wichtige Begriffe definiert und die Einrichtung vorgestellt. Im Hauptteil der Seminararbeit wird auf Fluchtgründe, das besondere Schutzbedürfnis, geschlechtsspezifische Themen und die Rolle der Mädchen in Deutschland eingegangen werden. Unter diesen Aspekten soll festgestellt werden, inwieweit die Jugendhilfe in Deutschland den Bedürfnissen der Flüchtlingsmädchen bereits gerecht wird und was für eine bessere Unterstützung dieser von Nöten ist.

1.1 Begriffsbestimmung

Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich der Völkerbund mit dem Schutz von geflüchteten Menschen auseinandergesetzt. Die Genfer Flüchtlingskonvention hat bis heute große Relevanz. In Artikel 1 wird ein Flüchtling definiert als:

„Person, die sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt oder in dem sie ihren ständigen Wohnsitz hat, und die wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung eine wohlbegründete Furcht vor Verfolgung hat und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Furcht vor Verfolgung nicht dorthin zurückkehren kann.“

Minderjährige Flüchtlinge werden im Asylverfahren als Kinder und Jugendliche definiert, wenn sie die Volljährigkeit noch nicht erreicht haben und keine deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. Diese gelten dann als unbegleitet, wenn sie ohne Begleitung eines Erwachsenen, der für den oder die Minderjährige verantwortlich ist, in einen Mitgliedstaat der EU einreist oder nach der Einreise zurückgelassen werden (vgl. BAMF, Unbegleitete Minderjährige 2015). In der Einrichtung, die in dieser Arbeit beispielhaft herangezogen werden soll, leben Mädchen, die allesamt ohne Eltern nach Deutschland geflohen sind, jedoch sind nicht alle unbegleitet, denn manche traten die Flucht gemeinsam mit Verwandten an.

2 Flüchtlingsmädchen in der Jugendhilfe

„Es ist ein großer Schritt, die Familie zu verlassen, es ist ein großer Schritt, die Flucht zu machen und dann woanders neu anzufangen, wo man weder die Sprache kann noch [weiß,] wie sind die Leute, wie sind meine Aussichten, noch bin ich da eigentlich willkommen, wo ich hingehe. Das sind ja alles Dinge, die völlig ungewiss sind.“ (Sozialpädagogin 13:17)

Diese Aussage ist auf Mädchen und Jungen gleichermaßen zutreffend. Kinder und Jugendliche, die alleine eine gefährliche und langwierige Flucht auf sich nehmen, erleben einen Bruch in ihrem Lebenslauf und ihrer Identität. Noch mehr als Erwachsene sind sie gefordert, sich schwierigen Situationen anzupassen ohne sie ausreichend reflektieren zu können. Minderjährige Flüchtlinge sind also mit besonderen Herausforderungen konfrontiert, die bei der Arbeit mit den jungen Menschen beachtet werden müssen. Bei Mädchen gibt es außerdem geschlechtsspezifische Aspekte, die Berücksichtigung finden sollten. Im Folgenden werden Fluchtgründe, das Schutzbedürfnis, Themen und die Rolle der Mädchen erläutert. Dabei sollen spezielle Aspekte, die die Mädchen betreffen, zusätzlich dargestellt werden.

2.1 Geschlechtsspezifische Fluchtgründe

In Ländern, in denen Menschen politisch oder persönlich verfolgt werden und deren Leben bedroht ist, wagen oft auch Mädchen den Schritt zu Flucht. Neben der Gründe, die dafür sprechen, ein Land zu verlassen (Push-Faktoren), gibt es auch Gründe, die für ein bestimmtes Land als neue Heimat sprechen (Pull-Faktoren) (vgl. Efler 2014, S.15). Dies könnten beispielsweise der Wohlstand eines Landes, die Sicherheit und die bessere politische Lage sein (vgl. Detemple 2015, S.22). Diese Pull-Faktoren können die Entscheidung, eine Flucht anzutreten, verstärken (vgl. Efler 2014, S.15).

Viele der Mädchen werden bei ihrer Flucht von Verwandten begleitet, andere sind ganz alleine oder schließen sich einer fremden Gruppe an. Zunächst mag es unverständlich sein, warum eine Familie ein Mädchen alleine ziehen lässt und sich vielen Gefahren aussetzen lässt. die Sozialpädagogin erklärt das folgendermaßen: „[...] Es ist sehr häufig eine Kostenfrage, es ist sehr häufig so, dass sie noch Geschwister haben, die auch versorgt werden müssen [...] oder die Eltern sind nicht mehr so mobil.“ (Sozialpädagogin 13:52) Gründe für die Flucht können die bedrohliche Situation im Lande sein oder keine Zukunftsaussichten zu haben. Schwer vorzustellen ist der Druck, unter dem eine Familie stehen muss, dass sie eine Tochter alleine flüchten lässt. Speziell bei Mädchen können auch eine drohende Zwangsheirat oder Beschneidung Gründe für eine Flucht sein (vgl. Efler 2014, S. 17 und Sozialpädagogin 21:33). Diese Mädchen fliehen oft aus eigenem Antrieb heraus und teils ohne das Wissen der Familie. In patriarchalischen Ländern erleben Mädchen häufig diese geschlechtsspezifische Bedrohungen und leiden unter einer determinierenden Rolle in der Gesellschaft. As. beschreibt die Situation im Irak wie folgt:

„Bei mir Deutschland ist sehr gut, weißt du warum? […] Ich kann alleine auf die Straße gehen, ich keine Angst haben. Bei meiner Heimat sehr Angst. Ich kann nicht alleine gehen fünf Minuten. Zum Beispiel alleine gehen in die Schule. Das ist Problem – für Männer.“ (As. 0:40)

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Flüchtlingsmädchen in der Jugendhilfe
Hochschule
Hochschule für angewandte Wissenschaften München
Veranstaltung
Flüchtlinge in der Jugendhilfe
Note
1,0
Jahr
2016
Seiten
11
Katalognummer
V339478
ISBN (eBook)
9783668294745
ISBN (Buch)
9783668294752
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Flüchtlinge, Flüchtlingsmädchen, minderjährige Flüchtlinge, unbegleitete Flüchtlinge
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Flüchtlingsmädchen in der Jugendhilfe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339478

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