Die Übung „Soziologie der Sexualität“ behandelt das Thema der menschlichen Sexualität als einen Gegenstand sozialer Konstruktion. Dabei werden ihre Entwicklung, der heutige gesellschaftliche Umgang sowie unterschiedliche Einstellungen zu ihr betrachtet. Außerdem führt man die Sexualität als einen Gegenstand empirischer Forschung an und betrachtet die Methoden und Ergebnisse aktueller Untersuchungen. Sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen zeigt eine ganz spezifische Seite der Sexualität, die nicht selten mit Gewalt verbunden ist und in der Regel schwerwiegende Folgen beim Opfer hinterlässt. Der sexuelle Kontakt zwischen Erwachsenen und Kindern ist in unserer Gesellschaft gesetzlich untersagt. Daraus resultiert auch die starke Tabuisierung dieses Sachverhalts, die dieses Thema umso reizender erscheinen lässt. Seit etwa zwanzig Jahren wird dieses Thema sehr intensiv diskutiert. Inhalt der vorliegenden Arbeit ist die Ausarbeitung der Grundmerkmale und Umstände dieser Gewalttat. Zuerst soll der Begriff sexueller Missbrauch mit Hilfe der Definitionen von Anette Engfer klar ausgelegt werden. Dabei wird versucht ihn von anderen Unterbegriffen des Kindesmissbrauchs, wie von der körperlichen und der psychischen Misshandlung sowie von der Vernachlässigung, deutlich zu unterscheiden. Im nächsten Schritt werden zwei Deutungsmuster nach Michael Schetsche beschrieben. Er unterscheidet zwischen zwei gegensätzlichen Mustern der sexuellen Gewalt an Kindern und Jugendlichen: erstens den Trieb- oder Sittlichkeitsverbrechen und zweitens dem Missbrauch. Anschließend wird das Verhältnis zwischen dem Opfer und dem Täter fokussiert. Im weiteren Verlauf wird auf die Hinweise des Opfers, welche auf ein Gewaltverbrechen hinweisen könnten, eingegangen wobei auch die daraus resultierenden Folgen beschrieben werden. Auch das Ausmaß des sexuellen Missbrauchs und die Präventionsmaßnahmen werden in dieser Arbeit als sehr wichtige Aspekte angesprochen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen nach Anette Engfer
3. Zwei Deutungsmuster nach Michael Schetsche
4. Täter-Opfer-Verhältnis
5. Hinweise des Kindes
6. Folgen des sexuellen Missbrauchs
7. Ausmaß des sexuellen Missbrauchs
8. Prävention
9. Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen als ein komplexes soziales und gewaltgeprägtes Phänomen, wobei die strukturellen Hintergründe, die Dynamik zwischen Täter und Opfer sowie gesellschaftliche Tabuisierungsprozesse im Fokus stehen.
- Begriffliche Abgrenzung von Kindesmisshandlung und sexuellem Missbrauch
- Analyse theoretischer Deutungsmuster sexueller Gewalt
- Untersuchung des Täter-Opfer-Verhältnisses und der Täterstrategien
- Identifikation psychischer Folgen und Anzeichen des Missbrauchs
- Darstellung von Präventionsstrategien zur Stärkung der kindlichen Autonomie
Auszug aus dem Buch
Zwei Deutungsmuster nach Michael Schetsche
Aus Michael Schetsches durchgeführter empirischer Untersuchung über das fachöffentliche Interesse der letzten vierzig Jahre zum Thema Kind und Sexualität ergibt sich, dass während dieser Zeitspanne ein deutliches An- und Abschwellen des Interesses an dem Thema existiert. Wobei man früher von einem Sittlichkeitsverbrechen oder Triebverbrechen sprach, referiert man seit den achtziger Jahren überwiegend vom sexuellen Missbrauch des Kindes. Hierbei handelt es sich um zwei völlig unterschiedliche Deutungsmuster. „Bei einer systematischen Inhaltsanalyse schälen sich tatsächlich zwei disjunkte Konzeptionen in der Wahrnehmung und Interpretation sexueller Kontakte zwischen erwachsenen und Kindern heraus (…).“ (Schetsche 1993, S. 33).
Triebverbrechen: Ein Triebverbrecher gilt als ein Mensch mit abnormer Persönlichkeit, da es als abartig und pervers empfunden wird, wenn ein Erwachsener sexuelles Interesse gegenüber einem Kind verspürt. Der Triebverbrecher kennt sein Opfer nicht persönlich und sucht den einmaligen sexuellen Kontakt zu ihm. Die Störung des Triebes vom Täter wird dafür verantwortlich gemacht. Doch gerade bei einem Triebverbrechen wird dem Kind vom Täter oft eine Mitschuld am Geschehen oder sogar eine aktive Rolle zugeschrieben. Das Opfer soll eigene Interessen, wie eine allgemeine oder spezielle Neugier, Spaß am Sexualkontakt oder materielle Wünsche, haben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in das Thema der soziologischen Konstruktion von Sexualität ein und stellt den sexuellen Missbrauch als ein spezifisches Gewaltphänomen sowie dessen Tabuisierung dar.
2. Definitionen nach Anette Engfer: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Systematisierung von Kindesmisshandlung, körperlicher Misshandlung, Vernachlässigung und sexuellem Missbrauch.
3. Zwei Deutungsmuster nach Michael Schetsche: Es werden die historischen und inhaltlichen Unterschiede zwischen dem Konzept des "Triebverbrechers" und dem des "sexuellen Missbrauchs" analysiert.
4. Täter-Opfer-Verhältnis: Der Fokus liegt auf der Ausnutzung von Machtgefällen, Vertrauensverhältnissen und den manipulativen Strategien der Täter.
5. Hinweise des Kindes: Hier werden die oft vagen und verschlüsselten Anzeichen sowie die enorme Hürde der Offenbarung für betroffene Kinder thematisiert.
6. Folgen des sexuellen Missbrauchs: Dieses Kapitel erläutert die psychischen, psychosomatischen und sozialen Langzeitfolgen bei den betroffenen Opfern.
7. Ausmaß des sexuellen Missbrauchs: Es wird die statistische Relevanz des Phänomens und das Problem der hohen Dunkelziffer beleuchtet.
8. Prävention: Hier werden pädagogische Ansätze zur Stärkung der kindlichen Abwehrkräfte und zur Früherkennung des Missbrauchs diskutiert.
9. Zusammenfassung: Die zentralen Argumente der Arbeit werden abschließend resümiert.
Schlüsselwörter
Sexueller Missbrauch, Kindesmisshandlung, Gewaltprävention, Täter-Opfer-Verhältnis, soziale Konstruktion, Triebverbrechen, Kindeswohl, Traumatisierung, Tabuisierung, Opferschutz, Machtmissbrauch, Kindheit, Missbrauchsmuster, Persönlichkeitsentwicklung, Gewalt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die soziologische Perspektive auf den sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, unter besonderer Berücksichtigung theoretischer Definitionen und Deutungsmuster.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen Begriffsdefinitionen, die Analyse der Täterstrategien, die psychischen Folgen für Opfer sowie präventive Erziehungsmaßnahmen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Ausarbeitung der Grundmerkmale und Umstände sexueller Gewalt an Kindern sowie die Sensibilisierung für die Notwendigkeit von Prävention.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung und Inhaltsanalyse existierender soziologischer und pädagogischer Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definitionen von Anette Engfer, die Deutungsmuster von Michael Schetsche und das komplexe Geflecht zwischen Täter- und Opferrollen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie sexueller Missbrauch, Prävention, Machtmissbrauch und kindliche Autonomie beschreiben.
Was unterscheidet den Täter-Begriff bei Schetsche?
Schetsche differenziert zwischen dem historisch geprägten "Triebverbrecher" als Fremdtäter und dem Konzept des Missbrauchs innerhalb sozialer Nahräume durch Täter, die gesellschaftliche Rollen ausüben.
Welche Rolle spielt die Erziehung in der Prävention?
Die Erziehung dient als primäre Präventionsmaßnahme, indem das Kind zur Stärkung der eigenen Intimsphäre und zur Durchsetzungskraft ("Nein-Sagen") befähigt werden soll.
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- Alena Scherer (Author), 2002, Sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33950