Nixe, Nymphe oder Schlangenweib? Das Dämonische in Thüring von Ringoltingens "Melusine"


Hausarbeit, 2012

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

2 DAS BILD VON DÄMONEN, MONSTERN UND FABELWESEN IM MITTELALTER
2.1 DÄMONEN
2.2 MONSTER
2.3 FABELWESEN
2.4 EINORDNUNG DER MELUSINA

3 DIE ENTWICKLUNG UND MERKMALE DES DÄMONISCHEN DER MELUSINA
3.1 INHALTLICHE ZUSAMMENFASSUNG DER HANDLUNG
3.2 DIE DÄMONISCHEN MERKMALE

4 FAZIT

5 LITERATURVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

» Das ist mir seltzam und ein frembde Sach / es mag mir wol ein Gespenst seyn « [1]

Liest man die Melusinen Geschichte von Thüring von Ringoltingen ist natürlich sofort klar - Melusina ist kein gewöhnlicher Mensch. Aber was genau ist Melusina? Um was für ein Wesen handelt es sich und lässt sie sich in irgendeine bekannte Kategorie einordnen?

Ziel dieser Hausarbeit ist es diesen Fragestellungen auf den Grund zu gehen und zu versuchen die mittelalterliche Weltanschauung in Bezug auf Dämonen, Geister und Monster zu erläutern. Dementsprechend soll auch die Figur der Melusina eingeordnet werden.

Zunächst sollen die bekanntesten mythischen Wesen definiert werden und mit Hilfe dessen, soll versucht werden die Figur der Melusina einzuordnen. Außerdem soll anhand der Primärliteratur herausgearbeitet werden, wo sich Merkmale des Dämonischen im Werk wiederfinden lassen und wie sich diese im Laufe der Erzählung entwickeln. Dem wird eine kurze inhaltliche Zusammenfassung vorangestellt.

Im Fazit soll dann rekapituliert werden, ob eine erfolgreiche Einordnung erfolgen konnte und ob diese nachvollziehbar anhand der Primärliteratur ist.

2 DAS BILD VON DÄMONEN, MONSTERN UND FABELWESEN IM MITTELALTER

» Scheusale existieren, weil sie Teil des göttlichen Plans sind, und selbst in den schrecklichsten Fratzen offenbart sich die Gr öß e des Schöpfers « [2]

Mit diesem Zitat aus Umberto Ecos Roman Der Name der Rose lässt sich die mittelalterliche Auffassung über das Dämonische am besten darstellen. Die Menschen im Mittelalter machten keinen Unterschied zwischen wirklichen Geschöpfen der Natur oder unnatürlichen Gestalten, die einem phantasievollen Geist entsprungen sind, denn in Gottes Schöpfung ist alles möglich. So wie Gott den Mensch geschaffen hat schuf er also auch Monster, Fabelwesen und Dämonen.[3]

Diese Wesen waren fest mit dem mittelalterlichen Leben verbunden und traten in Bereichen wie Religion, Kunst, Architektur und Literatur auf. Den Höhepunkt dieser Vorstellung finden wir wohl in den Inquisitionen der Hexenverfolgungen, die bis ins 17. Jahrhundert gängige Praxis waren.

Besonders ausführlich hat sich Theophrastus von Hohenheim, besser unter dem Namen Paracelsus bekannt, mit dem Thema der Dämonen und Geister beschäftigt.

In seinem Werk Liber de nymphis, sylphis, pygmaeis et salamandris et de caeteris spiritibus beschreibt er deren Lebensweise und Beschaffenheit. Auch für ihn sind diese Wesen ein realer Bestandteil der Welt und er teilt ihnen, jeweils ihrem Lebensraum entsprechend, einem Element zu. Diese Elementargeister leben also entweder im Wasser (Nymphen), in der Luft (Sylphen), in der Erde (Pygmaei) und im Feuer (Salamandrae).[4] Paracelsius nimmt an, dass diese Dämonen weiblichen Geschlechts seien und keine Seele besitzen, deswegen wollen und müssen sie sich mit dem Menschen vereinigen.

Aber was genau sind Dämonen, Monster oder Fabelwesen und wo lässt sich hierbei die Figur der Melusina einordnen?

2.1 DÄMONEN

Der Begriff Dämon stammt vom griechischen δαίμων daimon. In erster Linie ist ein Dämon ein übernatürliches Wesen.[5]

Die Vorstellungen reichen dabei vom Geist bis hin zu Schicksalsmächten, dem Gewissen, gefallenen Engeln oder Chimären. Chimäre beschreibt dabei eine Art Mischwesen das sich aus mehren menschlichen oder tierischen Teilen zusammensetzt.[6] Allen Vorstellungen haftet dabei ein negativer und auch böser Unterton an, der den Wesen aber nicht von Natur aus gegeben war. Wie fest und selbstverständlich diese Vorstellungen im mittelalterlichen Leben verankert waren lässt sich gut am 4. Laterankonzil festhalten. 1215 verkündet das Konzil die tatsächliche Existenz des Teufels und Dämonen.[7]

Diabolus enim et alii daemones a Deo quidem natura creati sunt boni, sed ipse per se facti sunt mali (Denn der Teufel und die anderen Dämonen wurden von Gott der Natur nach als gut erschaffen).[8]

Auch in der Architektur der Kirchen finden sich zahlreiche Abbildungen von Dämonen bei Portalen, unter Chorgestühlen, in Form von Figuren auf Kapitellen oder als Fresken wieder.[9]

2.2 MONSTER

Der Begriff Monster stammt vom lateinischem monstrum und bedeutet übersetzt in etwa Mahnzeichen oder Wahrzeichen.[10]

Mit der Vorstellung eines Monsters assoziierte der Mensch des Mittelalters ein furchterregendes Wesen, das zudem mit enormen Missbildungen versehen ist.

Das Widernatürliche an monströsen Wesen wirkt erschreckend, bösartig und abstoßend, selbst wenn die Deformationen an sich noch nichts böses in sich trugen. Dabei waren Monster nicht immer rein fiktiv. Auch Missbildungen und Mutationen bei Menschen und Tieren galten als monströs.

2.3 FABELWESEN

Im Gegensatz zu Dämonen und Monstern ist ein Fabelwesen eine fiktive Figur. Bei einem Fabelwesen handelt es sich meistens um Mischwesen die menschliche und tierische Merkmale aufweisen, welche auch tatsächlich natürlich vorkommen können.

Viele der bekannten Fabelwesen stammen aus der Zeit der antiken Alexanderliteratur[11] und stehen dabei häufig mit einer Fabel oder Sage in Verbindung. Ob Fabelwesen nun grundsätzlich gut oder böse sind lässt sich nicht genau definieren. Das Wesen kann zum einen der Widersacher des Menschen sein, wie zum Beispiel der Drache als Feind des Helden, oder zum anderen als Symbol der Stärke und des Mutes stehen, wie zum Beispiel der Greif.[12]

2.4 EINORDNUNG DER MELUSINA

Die Figur der Melusina ist keine Nixe oder Meerjungfrau im klassischem Sinne, also ein Wesen dass im Wasser lebt und seine körperlichen Merkmale permanent trägt (Fischschwanz und ähnliches). Sie kann vielmehr eine menschliche Gestalt annehmen und auch den menschlichen Lebensraum nutzen, mit der Einschränkung sich jeden Samstag zurück in ihr ursprüngliches Äußeres zu verwandeln. Somit scheidet sie als das klassische Fabelwesen der Meerjungfrau aus.

Nun stellt sich die Frage wie viel monströses besitzt die Melusina wie viel davon ist dämonischen Ursprungs?

Ihren Schlangen- oder Wurmschwanz könnte man unter Umständen als eine ungeheuerliche, monströse Missbildung einordnen, jedoch ist diese auch keine permanente Erscheinung, sondern ist an allen anderen Tage außer dem Samstag nicht existent.

Vielmehr scheinen sich hier die dämonischen Merkmale der Melusina herauszustellen. Sie weißt mit ihren menschlichen Oberkörper und ihrem Schlangen- oder auch Wurmschwanz Anzeichen einer Chimäre auf, einem Mischwesen, dass sich aus mehreren Lebewesen zusammen setzt. In Melusinas Fall aus einer menschlichen Frau und einem Tier, das einer Schlange oder einem Wurm ähnelt.

[...] sie war oberhalb dem Nabel ein schon Weiblich Bild / und von Leib und Angesicht gantz schon / aber von dem Nabel hinab war sei ein grosser langer und ungehewrer Wurmschwantz / als blaw Lasur / und mit weisser Silberfarb tropfflich unter einander gesprengt / al denn ein Schlang gemeinlich gestallt ist.[13]

An anderen Stellen im Text wird sie aber auch als „Meerfein“[14] und „Gespenst“[15] bezeichnet oder auch als „Schlang“[16] und „Wurm“[17].

[...]


1von Ringoltingen, Thüring: Melusine, In der Fassung des Buchs der Liebe. 1587, S. 20.

2Eco, Umberto: Der Name der Rose. München 1986.

3vgl. Müller, Ulrich/Wunderlich, Werner: Mittelaltermythen in 7 Bänden: Dämonen, Monster, Fabelwesen: Bd. 2. Konstanz 1998.

4vgl. Müller/Wunderlich: Dämonen, Monster, Fabelwesen. Zitiert nach Theophratus von Hohenheim (Paracelsius): Liber de nymphis, sylphis, pygmaeis et salamandris et de caeteris spiritibus.

5vgl. Müller/Wunderlich: Dämonen, Monster, Fabelwesen.

6vgl. Hamburger Abendblatt. http://www.abendblatt.de/ratgeber/wissen/forschung/article910256/Was-ist-eine- Chimaere.html .

7vgl. Müller/Wunderlich: Dämonen, Monster, Fabelwesen.

8Texte und Beschlüsse vom 4. Laterankonzil. 1215 http://www.internetsv.info/Archive/CLateranense4.pdf .

9vgl. Metternich, Wolfgang: Teufel, Geister und Dämonen: Das Unheimliche in der Kunst des Mittelalters. Darmstadt 2011.

10vgl. Müller/Wunderlich: Dämonen, Monster, Fabelwesen.

11vgl. ebd.

12vgl. ebd.

13von Ringoltingen, Thüring: Melusine. S.71.

14ebd. S.84.

15ebd. S.84.

16ebd. S.86.

17ebd. S.86.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Nixe, Nymphe oder Schlangenweib? Das Dämonische in Thüring von Ringoltingens "Melusine"
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Germanistische Mediävistik)
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
15
Katalognummer
V339571
ISBN (eBook)
9783668292253
ISBN (Buch)
9783668292260
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Thüring von Ringoltiden, Melusine, Aberglaube, Dämonen, Mittelalter, Gedankenwelt, Weltanschauung
Arbeit zitieren
Sarah Kaiser (Autor), 2012, Nixe, Nymphe oder Schlangenweib? Das Dämonische in Thüring von Ringoltingens "Melusine", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339571

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