Die Darstellung von Gewalt im Ersten Weltkrieg. Eine Untersuchung des Shell Shocks in Pat Barkers Roman „Niemandsland“


Seminararbeit, 2016
15 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

2 SHELL SHOCK UND DESSEN DARSTELLUNG DURCH PAT BARKER
2.1 DER PATIENT DAVID BURNS
2.2 DER PATIENT WILLARD
2.3 WILLARD UND BURNS IM HISTORISCHEN KONTEXT

3 FAZIT

4 LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

Als im August 1914 der Erste Weltkrieg begann, war das volle Ausmaß an Gewalt und Grausamkeit, die dieser mit sich brachte, noch kaum absehbar. Der durch die Industrialisierung stark technisierte Krieg zeigte ein bisher unbekanntes Maß an Gewalt, welches sich erst im Kriegsverlauf voll entfalten sollte. Die eingesetzten Frontsoldaten sahen sich einer gesteigerten Feuerkraft ausgesetzt und litten zusätzlich unter prekären Lebensbedingungen, welche nicht nur die physische, sondern auch die psychische Belastbarkeit auf eine harte Probe stellte. Die erlittenen menschlichen Verluste und Verletzungen des Krieges wurden in der Bevölkerung als besonders tragisch empfunden, da sich viele der Soldaten durch die anfängliche Kriegsbegeisterung mitreißen ließen und sich freiwillig zum Kriegsdienst meldeten.

Besonders in Frankreich und Großbritannien ist der Erste Weltkrieg daher bis heute stark im kollektiven Gedächtnis verankert, sodass Gedenktage und Trauerfeiern immer noch praktiziert werden.[1] In Großbritannien war der Erste Weltkrieg außerdem auch einer der ersten Kriege, welcher die gesamte Bevölkerung involvierte. Sowohl an der Front als auch an der sogenannten Heimatfront wurde die Bevölkerung mit dem Krieg und dessen Folgen konfrontiert. Diese allgemeine Erschütterung und Gewalterfahrung durch den Krieg wurde bereits in der Nachkriegszeit ab 1920 aufgegriffen und literarisch zu verarbeiten versucht. In Romanform geschah dies zum Beispiel durch Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“, oder aber auch durch Arnold Zweigs „Der Streit um den Sergeanten Grischa“. Dort wurde, in einer bisher durch die Medien zensierten Ehrlichkeit und Offenheit, über die dramatischen Kriegserfahrungen der Soldaten berichtet.

In den 90er Jahren wurde der regelrechte „war books boom“ der Nachkriegszeit erneut aufgegriffen. Eines der bekanntesten Werke aus dieser Zeit ist unter anderem die Regeneration-Trilogie von Pat Barker.

In der vorliegenden Hausarbeit soll besonders auf Gewalterfahrungen- und Darstellungen des Ersten Weltkrieges durch Pat Barker im ersten Teil der Regeneration-Trilogie eingegangen werden. Besonders die Darstellung des „Shell Shocks“ soll mit Hilfe eingehender Textpassagen analysiert werden. In der historischen Forschung um den „Shell Shock“ beschäftigte man sich besonders mit der historischen Entwicklung der Behandlung und der Betrachtungsweise in der Psychologie. Dort wurde „Shell Shock“ als Phänomen der neuen gesteigerten Waffengewalt und der Industrialisierung identifiziert. Anhand ihrer Beschreibungen soll festgestellt werden, inwiefern sich Pat Barker am historischen Kontext orientiert und wie realitätsnah ihre Ausführungen sind. Wie groß ist der Sprung zwischen Fakten und Fiktion in der Darstellung des „Shell Shocks“?

Da Pat Barker bereits im Nachwort ihres Romanes eine Vermischung von Fakten und Fiktion andeutet, soll diese Hausarbeit nun klären, wo im Bezug auf die Darstellung des „Shell Shocks“, die Trennlinie zwischen historischen Fakten und Fiktion zu ziehen ist.

2 SHELL SHOCK UND DESSEN DARSTELLUNG DURCH PAT BARKER

Bereits in der Antike waren starke psychische Reaktionen auf Krieg und Gewalt bekannt, allerdings sollte es noch bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts dauern bis eine allgemeingültige und offiziell anerkannte Diagnose für diese Reaktionen gefunden wurde.[2]

Zur Zeit des Ersten Weltkrieges gab es eine Vielzahl von Zusammenbrüchen unter Soldaten, die andauernden Kriegshandlungen ausgesetzt waren. Die Auswirkungen dieser Zusammenbrüche waren vielfältiger Art und reichten von rein psychischen Symptomen wie Depressionen, Halluzinationen oder Albträumen bis hin zu rein körperlichen Symptomen wie plötzlicher Taubheit oder Stummheit, Lähmungen, Stottern oder Schwitzen, oft aber auch einer Kombination von psychischen und physischen Symptomen.[3] So vielfältig und unterschiedlich ausgeprägt die Symptome der betroffenen Soldaten waren, so verschieden waren auch die Bezeichnungen für diese Symptome.

Die, durch den Psychologen Charles Myers im Februar 1915 erstmals im medizinischen Diskurs gebrauchte Bezeichnung „Shell Shock“ setze sich jedoch durch. In seinem Aufsatz, welcher in der medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet“ erschien, brachte er die Symptome in Verbindung mit der Explosion einer

Granate in unmittelbarer Nähe der Soldaten. [4] „Shell Shock“ wurde damit zur typischen Erster-Weltkriegskrankheit, welche sowohl in der Gesellschaft als auch in der Forschung zu Kontroversen führte.

In der medizinischen Forschung hatten sich bislang zwei Anschauungs- und Behandlungsarten entwickelt.

Zum einen wurde der „Shell Shock“ als rein körperliches Leiden eingestuft und zum anderen als rein psychisches Leiden.

Frederick Mott, als Vertreter der physischen Ursache des „Shell Shocks“, war der Ansicht, dass die Beschwerden der Soldaten auf Hirnschäden zurückzuführen seien, welche durch Explosionen der Granaten hervorgerufen würden. Harold Wiltshire allerdings, sah „Shell Shock“ als eine Dysfunktion zwischen Körper und Geist, welche durch stark erlebte Angst ausgelöst wurde.[5] Oft wurde den betroffenen Soldaten auch einfach Simulatentum vorgeworfen und viele Betroffene galten als Feiglinge mit mangelnder Motivation. In Deutschland verkündete der Tübinger Psychiater Robert Gaupp zum Beispiel, Kriegsneurosen sollten aus Loyalität zum Vaterland nicht als Krankheit anerkannt werden.[6]

[...]


1vgl. Korte, Barbara; Schneider, Ralf; Sternberg, Claudia: Der Erste Weltkrieg und die Mediendiskurse der Erinnerung in Großbritannien. Autobiographie - Roman - Film (1919-1999). In: Film - Medium - Diskurs. Hrsg. Jahrhaus, Oliver; Neuhaus, Stefan. Band 15. Würzburg 2005. S. 220-230.

2vgl. Löwe, Bernd ; Henningsen, Peter ; Herzog, Wolfgang: Geschichte einer politisch unerwünschten Diagnose: Die posttraumatische Belastungsstörung. In: Psychotherapie, Psychosomatik, medizinische Psychologie. Ausgabe 56. Stuttgart 2006. S. 182-187.

3vgl. Loughran, Tracey: Shell Shock, Trauma, an the First World War: The Making of a Diagnosis and Its Histories. In: Journal of the History of Medicine and allied Sciences. Ausgabe 67 Nr. 7. Oxford 2012. S. 94-119.

4vgl. Hallet, Christine E.: Veiled Warriors. Allied Nurses of the First World War. Oxford 2014. S. 95ff.

5vgl. ebd.

6vgl. Löwe, Bernd ; Henningsen, Peter ; Herzog, Wolfgang: Geschichte einer politisch unerwünschten Diagnose

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Darstellung von Gewalt im Ersten Weltkrieg. Eine Untersuchung des Shell Shocks in Pat Barkers Roman „Niemandsland“
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Geschichtswissenschaften)
Note
2,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
15
Katalognummer
V339573
ISBN (eBook)
9783668292130
ISBN (Buch)
9783668292147
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
darstellung, gewalt, ersten, weltkrieg, eine, untersuchung, shell, shocks, barkers, roman, niemandsland
Arbeit zitieren
Sarah Kaiser (Autor), 2016, Die Darstellung von Gewalt im Ersten Weltkrieg. Eine Untersuchung des Shell Shocks in Pat Barkers Roman „Niemandsland“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339573

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