Das zeitgenössische Bild Saladins. Die Schlacht bei Hattin


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016

21 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Gliederung

1.Einleitung

2.Saladin und historischer Kontext

3.Hauptteil
3.1. Die Schlacht bei Hattin
3.2. Das Bild Saladins

4. Fazit

5.Quellenverzeichnis

6.Literaturverzeichnis

1.Einleitung

„Kein islamischer Herrscher ist in Europa bekannter als Sultan Saladin.“[1] Das Zitat markiert den Stellenwert der historisch- politischen Persönlichkeit Saladins, denn es stammt aus dem Vorwort des nach ihm benannten Werkes von 2005, verfasst durch Hannes Möhring, welcher schon ausgiebig über das Thema Kreuzzüge -vor allem in Verbindung zu Saladin- publizierte.[2]

Ferner wird Saladin im Magazin Die Zeit der Kreuzritter aus der Zeitschriftenreihe Geo Epoche ein eigenes, zwölfseitiges Kapitel gewidmet, bestehend aus Informationstexten, Karten und Bildern.[3] Mit dem Ziel des vielfachen Verkaufs der Zeitschrift versucht Geo der breiten Masse bekannte geschichtliche Themen näherzubringen; somit wird das heutige Interesse an der Materie Saladin und Kreuzzüge bestätigt.

In den ersten zwei Spalten des Kapitels steht das Bild, was wir heute von Saladin haben, im Vordergrund. Geo bezieht sich dabei auf die „Überlieferung“, laut welcher Saladin „ein guter Mensch“ war.[4] Einerseits werden ihm positive Eigenschaften wie Aufrichtigkeit und Milde nachgesagt, andererseits schreibt Geo auch von einem machterfüllten, „niederträchtigen“ Herrscher.[5]

Es ist nicht Aufgabe des Historikers herauszufinden, wie eine Persönlichkeit wirklich war. Man kann sich aber mit Hilfe von Quellen damit auseinandersetzen, wie diese Persönlichkeit zu einem bestimmten Zeitpunkt gesehen wurde. Die folgende Ausarbeitung wird sich mit dem Bild Saladins beschäftigen, genauer gesagt, mit dem Bild Saladins, was die Zeitgenossen kurz vor Beginn des Dritten Kreuzzuges gehabt haben könnten. Dazu werden Quellen christlicher mit Quellen muslimischer Seite im Hinblick auf die Darstellung Saladins verglichen, welche sich auf die Schlacht bei Hattin 1187 beziehen.

Daraus ergibt sich folgendes Hausarbeitsthema: Das zeitgenössische Bild Saladins am Beispiel der Schlacht bei Hattin. Die Fragestellungen lauten also: Wie wird Saladin in den Textquellen dargestellt? Gibt es Unterschiede zwischen dem christlichen und muslimischen Bild Saladins?

Temporal betrachtet steht in der Ausarbeitung die Zeit zwischen dem zweiten und dritten Kreuzzug im Fokus. Das Thema Kreuzzüge wurde in der Geschichtswissenschaft ausgiebig behandelt, wobei „Mayers Geschichte der Kreuzzüge […] zum Standartwerk geworden [ist]“ und auch in dieser Ausarbeitung zitiert wird.“[6] In seinem Werk findet sich auch eine kurze Darstellung zu einem der Hauptanhaltspunkte der Hausarbeit, der Schlacht bei Hattin, deren „politische Entwicklungen und Ereignisabläufe“ erst seit dem 19. Jahrhundert genauer beleuchtet werden;[7] ein Beispiel hierfür ist der auch in der Hausarbeit hinzugezogene Aufsatz von Herde, der sich mit den topographischen Begebenheiten vor und während der Schlacht auseinandergesetzt hat; ferner macht sie auch einen beachtlichen Teil in Runcimans Geschichte der Kreuzzüge aus.

Das Saladinbild, auch unter den Zeitgenossen, wird bekannterweise von Möhring rekonstruiert, der z.B. auch die erste Saladin-Biographie eines orientalischen Autors mit einbezieht.[8]

2.Saladin und historischer Kontext

Al-Malik an-Nasir Salah ad-Din Abu’l-Muzaffer Rusuf ibn Ayyub ibn Schadi, kurz Saladin, ist bis heute vor allem durch die Eroberung Jerusalems 1187 bekannt. Ca. 50 Jahre davor, 1138, kam er in Tikrit zur Welt, wobei über seine Kindheit und Jugend wenige Informationen vorliegen. Überliefert ist, dass Saladin, als Sohn eines kurdischen Offiziers, früh die militärische Laufbahn einschlug. Nach seinem Vater Ayiub wurde auch Dynastie der Aiyubiden benannt. Wie er diente auch Saladin unter Nuraddin, dem Herrscher und Eroberer von Damaskus im Jahre 1154.[9]

In dessen Gefolge befand sich Saladin ab 1152, also kurz nach dem Zweiten Kreuzzug,[10] und folgte seinem Onkel Schirku nach Ägypten, was dieser 1169 durch den Sieg über Kairo und der Ermordung des amtierenden Wesirs einnahm.[11] Der Tod Schirkus zwei Monate später ebnete den Weg für Saladin zum neuen Wesir und Befehlshaber Ägyptens, dessen Hauptstadt Kairo er 1169 gegen die Franken unter Amalrich erfolgreich verteidigte, um danach selbst zu expandieren. Er gewann so die Herrschaft über das Rote Meer und unterstand nur noch Nuraddin und dem Kalifen von Bagdad, dem Gesandten des Propheten Mohammeds.

Nach Unstimmigkeit mit Nuraddin starb dieser im Mai 1174 und Saladin schwang sich in den Folgejahren auch durch militärische Auseinandersetzungen zum Herrscher über Syrien und Ägypten auf.

Nachdem ein mit den Franken geschlossener Waffenstillstand vom Kreuzritter Rainald von Chatîllon torpediert wurde, versammelte Saladin seine Armee, um Jerusalem als drittwichtigste muslimische Stadt zurückzuerobern und Rache an den Christen zu nehmen.[12] Da er sich als Usurpator des syrischen Reiches der Unterstützung der Bürger dort sicher sein wollte, musste der Dschihad als Legitimation für den Aufmarsch nach Jerusalem dienen.[13] In der Nähe von Nazareth kam es schließlich zur Konfrontation mit dem Frankenheer unter Guido von Lusignan. Die folgenden kriegerischen Auseinandersetzungen sind als die Schlacht bei Hattin vom vierten Juli 1987 bekannt, aus welcher die muslimische Seite siegreich hervorging. Zwei Monate später zog Saladin endlich auch in Jerusalem (kampflos) ein, nachdem eine Vielzahl von Festungen auf dem Weg dorthin durch die Nachwirkungen Hattins rasch fiel.[14]

Als Reaktion auf die heilige Stadt in islamischen Händen bildete sich der Dritte Kreuzzug mit dem Ziel, den status quo ante wiederherzustellen und Jerusalem zurückzugewinnen.[15] Papst Gregor VIII. rief am 29. Oktober 1187 zum Kreuzzug auf, an dem mit Friedrich I. (Barbarossa) als Kaiser des römisch-deutschen Reiches, Richard Löwenherz als englischem und Philipp II. als französischem König drei der wichtigsten europäischen Monarchen teilnahmen. In dessen Verlauf schafften sie es sogar, 1191 die Hafenstadt Akkon zurückzuerobern, die kurz nach der Niederlage bei Hattin an die Muslime fiel. 1190 starb Barbarossa, welcher mit seiner Armee im Gegensatz zu Philipp und Löwenherz, die beide per Schiff ins Heilige Land reisten, nach Jerusalem marschieren wollte. 1192 handelten Löwenherz und Saladin schließlich einen dreijährigen Waffenstillstand aus, in dessen Vorfeld es mehrere Kämpfe um Akkon oder Jaffa gab, ohne dass sich das Kreuzfahrerheer entscheidend Jerusalem näherte. Der Dritte Kreuzzug war also gescheitert.

Saladin selbst starb Anfang März im Alter von 55 Jahren, was den Zerfall des von ihm geschaffenen Reiches einläutete.[16]

3.Hauptteil

Im diesem Teil der Arbeit wird zunächst ein kurzer Überblick über die Ereignisse der Schlacht bei Hattin gegeben, auf welche sich die Quellen beziehen, die im Folgenden im Hinblick auf die Darstellung analysiert werden.

3.1. Die Schlacht bei Hattin

Herde sieht in der Schlacht bei Hattin die „entscheidenden Kämpfe zwischen den Kreuzrittern und Saladin am 3. und 4. Juli 1187, die […] zur Vernichtung des Kreuzfahrerheeres und in den folgenden Monaten zum Verlust des größten Teils des Königreichs Jerusalem führten.“[17] Dieses Zitat zeigt den Konsens der Historiker, dass die Schlacht das Hauptereignis für den Fall Jerusalems in die Hände Saladins war. Auch van Eickels spricht von ungeahnten Auswirkungen der „vernichtenden Niederlage des christlichen Heeres.“[18]

Den Auslöser für den Krieg zwischen den Franken und Saladin betätigte Rainald von Chatîllon, als er eine muslimische Karawane von Kairo nach Damaskus überfiel und so Saladin einen Kriegsgrund bot. Dieser stellte seine Truppen auf- man geht heute von ca. 12000 Reitern in einem ca. 25000 Mann starken Heer aus- auch wenn die Zahlen in manchen Quellen stark variieren. Herde geht davon aus, dass das christliche und muslimische Heer in etwa gleich stark waren, wobei Ersteres das größte in der Geschichte der Kreuzfahrer darstellte.[19]

Die Kreuzfahrer, die unter Führung Guidos in Saffurya weilten, setzten sich in Bewegung in Richtung Tiberias. War es in Saffurya noch in sicherer und fruchtbarer Umgebung gewesen, setzten dem Heer die vertrocknete Ebene nach Tiberias und die heißen Temperaturen zu. Saladin vergrößerte ihre Not und ließ Sträucher auf der Ebene anzünden, was die Luft noch verschlechterte.[20] Nördlich der doppelten Hügel in der Nähe des Dorfes Hattin, den Hörnern von Hattin, kam es schließlich zur Schlacht. Vor allem die beweglichen muslimischen Reiter schafften es, die schwer bepanzerten und damit schwerfälligen Christen effektiv anzugreifen. Über den genauen Verlauf der Schlacht gibt es verschiedene Versionen, die jedoch mit der klaren Niederlage der Kreuzritter gleich enden.[21] Neben der Gefangennahme Guidos und Rainalds, wobei Letzterer durch Saladin selbst enthauptet wurde, hatten die Christen auch den Verlust ihres Kreuzes zu beklagen, was von der Mutter Konstantins des Großen entdeckt worden sei. Man habe es 1099 nach der Eroberung Jerusalems wiedergefunden und als Reliquie mit in Schlachten gegen die Muslime genommen.[22]

Dadurch, dass die Christen eine Vielzahl von Soldaten für die Schlacht mobilisierten, waren die Festungen auf dem Weg nach Jerusalem zu dünn besetzt und wurden kurz nach danach von Saladin eingenommen. Am Ende seines Beutezugs zog Saladin schließlich kampflos in Jerusalem ein.[23]

3.2. Das Bild Saladins

Über die Ereignisse von Hattin berichteten sowohl christliche, als auch arabische Zeitgenossen. Exemplarisch für die christliche Seite soll ein Brief eines Johanniters (Text A) von Ende Juli/ Anfang August an einen „Hospitaliermeister“ namens Archumbald, der für die Betreuung von Pilgern zuständig war, dienen.[24]

Für die Analyse des Saladin-Bildes aus arabischer Sicht wird ein Bericht der Schlacht durch Imad al-Din (Text B) herangezogen.[25] Dieser war unter Saladin Sekretär und Kanzler.[26]

Der Brief des Johanniters ist in einen Augenzeugenbericht integriert, der den Kreuzzug unter Barbarossa schildert. Dabei geht man durch eine Randnotiz davon aus, dass es sich bei em Autor um einen österreichischen Kleriker namens Ansbert handelt. Dieser hat wahrscheinlich seinen Bericht bis ca. bis 1190 geschrieben, welcher danach von einem unbekannten Redakteur korrigiert und fortgeführt wurde. Der genaue Ort der Niederschrift sowie die präzise Identifizierung des Autors sind nicht bekannt, trotzdem soll in dieser Arbeit der Name Ansbert benutzt werden.

Die Schlacht bei Hattin bildet auch in seinen Ausführungen den Ausgangspunkt, sodass er für die Illustrierung des Verlaufs der Schlacht den vorliegenden Brief hinzuzieht.[27]

In diesem adressiert sich der Autor, wahrscheinlich ein Mitglied des Johanniter-Ordens, an den „Hospitaliermeister“ Archumbald. Hospitaliter ist dabei ein anderes Wort für Johanniter, sodass der Autor dem Adressaten durch die Anrede unterstellt ist und seinem Meister mit dem Schreiben Bericht erstatten will.[28] Er gibt an, das Kreuzzugsheer habe sich bei Saffurya mit ca. 30000 Männern versammelt und sei dann in Richtung des von Saladin mit 80000 Männern eingenommenen Tiberias marschiert. In der Schlacht sei eine Vielzahl von Soldaten der Christen umgekommen, wobei der Autor auch auf das Wetter und das fehlende Wasser für die Soldaten als Grund für die verlorene Schlacht verweist. Auch die Gefangennahme des Königs und Rainalds wird von ihm beklagt. Er nennt zudem sowohl Städte, die Saladin kurz nach der Schlacht von Hattin eroberte, wie z.B. Akkon oder Haifa, als auch welche, die noch nicht eingenommen wurden, wie z.B. Askalon und vor allem Jerusalem. In den letzten in der Historia Ansberti abgedruckten Zeilen stellt der Autor die Behauptung auf, dass der Fall der noch nicht eroberten Städte nur mit Hilfe abwendbar sei.[29]

[...]


[1] Hannes Möhring, Saladin. Der Sultan und seine Zeit 1138-1193, München 2005. S.7.

[2] http://www.mittelalter.uni-bayreuth.de/de/team/Moehring_Hannes/index.html (Stand 10.11.2015)

[3] Vgl. Peter-Matthias Gaede (hrsg.): Die Zeit der Kreuzritter. GEO EPOCHE 59.

[4] Vgl. Geo S.82.

[5] Ebd. S.82.

[6] Ernst-Dieter Hehl, Was ist eigentlich ein Kreuzzug? , in: Historische Zeitschrift 259 (1994), S. 297-336.

S.229.

[7] Klaus van Eickels, Die Schlacht von Hattin und der Fall Jerusalems 1187, in: Saladin und die Kreuzfahrer, hg. v. Alfried Wieczorek/Mamoun Fansa/Harald Meller, Mainz 2005, S. 100-113. S.101.

[8] Vgl. Hannes Möhring, Saladin "der edle Heide": Mythisierung und Realität, in: Konfrontation der Kulturen?, hrsg. von Heinz Gaube, Bernd Schneidmüller und Stefan Weinfurter, Mainz 2005, S. 160-175. S. 169.

[9] Vgl. Hans-Eberhard Mayer, Geschichte der Kreuzüge (9. Auflage), U.a. Stuttgart 2000, S.100.

[10] 2. Kreuzzug 1147-1152.

[11] Herrschertitel, bevormundet vom Kalifen.

[12] Vgl. van Eickels S.104.

[13] Vgl ebd. S.104.

[14] Vgl. Mayer S.122-125.

[15] Dritter Kreuzzug 1189-1192.

[16] Vgl. Mayer S.125-136.

[17] Vgl. Peter Herde, Die Kämpfe bei den Hörnern von Hittin und der Untergang des Kreuzritterheeres (3. und 4. Juli 1187), Eine historisch-topographische Untersuchung, In: Römische Quartalschrift. Band 66, 1966, S.1-51. S.1.

[18] van Eickels S.101.

[19] Vgl. Herde S.12-14.; van Eickels nennt ca. 18000 christliche Soldaten.

[20] Vgl. van Eickels S.106.

[21] Vgl. Herde 26f.

[22] Vgl. van Eickels S.102.

[23] Vgl. Mayer S.124f.

[24] Historia de expeditione Friderici imperatoris, in : Anton Chroust (Hrsg.), Quellen zur Geschichte des Kreuzzuges Kaiser Friedrichs I. (Monumenta Germaniae Historica, Scriptores rerum Germanicarum, Nova Series 5, 1928) S.1-115, S.2-4, übersetzt in: Arnold Bühler (Hrsg.), Der Kreuzzug Friedrich Barbarossas. Bericht eines Augenzeugen, Stuttgart 2002, (Historia Ansberti), S.60-62.

[25] Imad ad-Din, al-Fath al-qussi fi l-fath al-Qudsi, übersetzt in: Francesco Gabrieli, Die Kreuzzüge aus arabischer Sicht , Zürich und München, 1973, S.171.

[26] Marianne Ailes, Malcolm Barber, The history of the Holy War. Ambroise’s Estoire de la guerre sainte. Boydell Press, Woodbridge 2003, S.18.

[27] Vgl Bühler S.64/ Chroust S.6.

[28] Vgl ebd. S.153.

[29] Vgl Bühler S.60-62./Chroust S.2-4.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Das zeitgenössische Bild Saladins. Die Schlacht bei Hattin
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
2,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
21
Katalognummer
V339640
ISBN (eBook)
9783668291973
ISBN (Buch)
9783668291980
Dateigröße
828 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Saladin, Salahaddin, Kreuzzug, Jerusalem, Hattin, Wilhelm von Tyrus, Ansbert
Arbeit zitieren
Lars Marwinski (Autor), 2016, Das zeitgenössische Bild Saladins. Die Schlacht bei Hattin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339640

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