Die zeitgenössischen Darstellungen zu Saladin unterscheiden sich maßgeblich zu den heutigen. Selbst unter Muslimen war der Sultan nicht unumstritten, und sogar die Christen bewunderten ihn. Wie wurde der "Schrecken der Kreuzritter" unter den Zeitgenossen (muslimisch und christlich) gesehen?
Es ist nicht Aufgabe des Historikers herauszufinden, wie eine Persönlichkeit wirklich war. Man kann sich aber mit Hilfe von Quellen damit auseinandersetzen, wie diese Persönlichkeit zu einem bestimmten Zeitpunkt gesehen wurde. Die folgende Ausarbeitung wird sich mit dem Bild Saladins beschäftigen, genauer gesagt, mit dem Bild Saladins, was die Zeitgenossen kurz vor Beginn des Dritten Kreuzzuges gehabt haben könnten. Dazu werden Quellen christlicher mit Quellen muslimischer Seite im Hinblick auf die Darstellung Saladins verglichen, welche sich auf die Schlacht bei Hattin 1187 beziehen.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2.Saladin und historischer Kontext
3.Hauptteil
3.1. Die Schlacht bei Hattin
3.2. Das Bild Saladins
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das zeitgenössische Bild des Sultans Saladin kurz vor Beginn des Dritten Kreuzzuges, wobei der Fokus auf der medialen und historiographischen Verarbeitung der Schlacht bei Hattin im Jahr 1187 liegt. Zentral ist dabei die komparative Analyse von christlichen und muslimischen Quellen, um Unterschiede in der Wahrnehmung und Charakterisierung des Herrschers herauszuarbeiten.
- Rezeption von Saladin in zeitgenössischen christlichen Quellen
- Darstellung Saladins in muslimischen Chroniken (z.B. Imad ad-Din)
- Die Rolle der Schlacht bei Hattin als identitätsstiftendes Ereignis
- Analyse von Narrativen wie "edler Heide" oder "Antichrist"
- Einfluss religiöser und politischer Parteilichkeit auf die Geschichtsschreibung
Auszug aus dem Buch
3.1. Die Schlacht bei Hattin
Herde sieht in der Schlacht bei Hattin die „entscheidenden Kämpfe zwischen den Kreuzrittern und Saladin am 3. und 4. Juli 1187, die […] zur Vernichtung des Kreuzfahrerheeres und in den folgenden Monaten zum Verlust des größten Teils des Königreichs Jerusalem führten.“ Dieses Zitat zeigt den Konsens der Historiker, dass die Schlacht das Hauptereignis für den Fall Jerusalems in die Hände Saladins war. Auch van Eickels spricht von ungeahnten Auswirkungen der „vernichtenden Niederlage des christlichen Heeres.“
Den Auslöser für den Krieg zwischen den Franken und Saladin betätigte Rainald von Chatîllon, als er eine muslimische Karawane von Kairo nach Damaskus überfiel und so Saladin einen Kriegsgrund bot. Dieser stellte seine Truppen auf- man geht heute von ca. 12000 Reitern in einem ca. 25000 Mann starken Heer aus- auch wenn die Zahlen in manchen Quellen stark variieren. Herde geht davon aus, dass das christliche und muslimische Heer in etwa gleich stark waren, wobei Ersteres das größte in der Geschichte der Kreuzfahrer darstellte.
Die Kreuzfahrer, die unter Führung Guidos in Saffurya weilten, setzten sich in Bewegung in Richtung Tiberias. War es in Saffurya noch in sicherer und fruchtbarer Umgebung gewesen, setzten dem Heer die vertrocknete Ebene nach Tiberias und die heißen Temperaturen zu. Saladin vergrößerte ihre Not und ließ Sträucher auf der Ebene anzünden, was die Luft noch verschlechterte. Nördlich der doppelten Hügel in der Nähe des Dorfes Hattin, den Hörnern von Hattin, kam es schließlich zur Schlacht. Vor allem die beweglichen muslimischen Reiter schafften es, die schwer bepanzerten und damit schwerfälligen Christen effektiv anzugreifen.
Über den genauen Verlauf der Schlacht gibt es verschiedene Versionen, die jedoch mit der klaren Niederlage der Kreuzritter gleich enden. Neben der Gefangennahme Guidos und Rainalds, wobei Letzterer durch Saladin selbst enthauptet wurde, hatten die Christen auch den Verlust ihres Kreuzes zu beklagen, was von der Mutter Konstantins des Großen entdeckt worden sei. Man habe es 1099 nach der Eroberung Jerusalems wiedergefunden und als Reliquie mit in Schlachten gegen die Muslime genommen.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Relevanz von Saladin ein und erläutert die Fragestellung zur Darstellung des Sultans in den Quellen zur Schlacht bei Hattin.
2.Saladin und historischer Kontext: Dieses Kapitel skizziert den Lebensweg Saladins sowie die politischen Ereignisse zwischen dem Zweiten und Dritten Kreuzzug, die zum Konflikt bei Hattin führten.
3.Hauptteil: Im Hauptteil werden die Ereignisse der Schlacht bei Hattin dargelegt und das Bild Saladins durch den Vergleich christlicher und muslimischer Zeitzeugnisse analysiert.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass die Wahrnehmung Saladins stark von der religiösen und parteiischen Perspektive der jeweiligen Autoren geprägt ist.
Schlüsselwörter
Saladin, Hattin, Kreuzzüge, Historische Quellen, Mittelalter, Geschichtsbild, Kreuzritter, Islam, Christentum, Schlacht, Identität, Narrative, Historiographie, Religiöse Wahrnehmung, Nahostgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die zeitgenössische Wahrnehmung und Darstellung des muslimischen Herrschers Saladin anhand von Quellen zur Schlacht bei Hattin im Jahr 1187.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die christliche und muslimische Sicht auf Saladin, die militärische Bedeutung der Schlacht von Hattin sowie die Konstruktion von Feind- und Heldenbildern im 12. Jahrhundert.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Unterschiede in der Darstellung Saladins in zeitgenössischen Textquellen aufzuzeigen und zu klären, wie diese durch die religiöse Zugehörigkeit und die Absichten der jeweiligen Autoren beeinflusst wurden.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine historisch-analytische Ausarbeitung, die primär auf einem Quellenvergleich basiert und ergänzend relevante Sekundärliteratur zur Interpretation heranzieht.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil behandelt den Verlauf der Schlacht bei Hattin und analysiert spezifische Begriffe, Synonyme und Charakterisierungen Saladins in den herangezogenen christlichen und islamischen Textzeugnissen.
Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit charakterisiert?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie interkulturelle Wahrnehmung, mittelalterliche Kreuzzugshistoriographie und die Ambivalenz des Saladin-Bildes zwischen "Heidenkönig" und respektiertem Gegenspieler definiert.
Wie unterscheidet sich die Bewertung Saladins zwischen den beiden Hauptquellen?
Während Saladin in der muslimischen Quelle als gottesfürchtiger und strategisch begabter Herrscher glorifiziert wird, erscheint er in der christlichen Johanniter-Quelle als militärischer Feind, wird jedoch teilweise mit einem gewissen professionellen Respekt betrachtet.
Warum spielt das Bild des "edlen Heiden" eine zentrale Rolle für die Analyse?
Dieser Begriff verdeutlicht die paradoxe Wahrnehmung Saladins in christlichen Quellen, die ihn trotz seiner Rolle als "Erzfeind" für seine ritterlichen Tugenden und seine Freigiebigkeit bewunderten.
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- Lars Marwinski (Author), 2016, Das zeitgenössische Bild Saladins. Die Schlacht bei Hattin, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339640