La symbolique des lieux. Wie steht die Symbolik von Orsenna in Verbindung zum Romanende von "Le Rivage des Syrtes" von Julien Gracq?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015
24 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Julien Gracq

3. Le Rivage de Syrtes

4. La symbolique des lieux

5.Konklusion

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Julien Gracq, bürgerlich Louis Poirier, gilt als einer der wichtigsten französischen Romanautoren. Für eines seiner Werke, den Roman Le Rivage des Syrtes, erhielt er sogar mit dem Prix Goncourt den bekanntesten französischen Literaturpreis, den er aber ablehnte.

Der Roman erzählt, wie der Protagonist seine Heimatstadt Orsenna verlässt, welche sich im Sturz befindet.[1] Dabei begibt er sich zu mehreren verschiedenen Schauplätzen, von großstädtischen Gebieten bis hin zu wüstenähnlichem Ödland. Obwohl Gracq der Literaturströmung des Surrealismus nicht eindeutig zuzuschreiben ist, bedient er sich für den Roman einiger surrealistischer Elemente, wie der ausführlichen Ortsbeschreibungen. Diese werden durch Monologe des erzählenden Helden Aldo kundgegeben und machen einen Großteil des Textes aus.

Während man die Bibliographie zu Gracq durchforscht, stellt man fest, dass sich eine Vielzahl von Autoren mit den Orten in seinem Werk beschäftigt: Gracq, création et récréation de l’espace von Michèle Monballin, Julien Gracq, Paysages et mémoire von Alain-Michel Boyer und Trois paysages du Rivage des Syrtes von Michel Guiomar sind nur drei von vielen Beispielen.

Die Orte werden auch der Hauptbearbeitungspunkt der Hausarbeit sein, wobei ich mich auf Orsenna spezifiziere, dem Anfangs- und Endort von Le Rivage des Syrtes. Erst reist der Protagonist aus seiner Heimatstadt in die Provinz, um später wieder dorthin zurückzukehren.

Orsenna wird in der Ausarbeitung auf seine Symbolik und Darstellungsweise untersucht, wobei ein besonderes Augenmerk darauf liegt, diese beiden Komponenten dem Ausgang der Handlung, nämlich dem Fall Orsennas, gegenüberzustellen. Dafür bieten die zahlreichen Ortsbeschreibungen in Aldos Monologen oder Dialogen mit z.B. Bewohnern der Admiralität genug Material.

Die letzten Punkte zusammenfassend erschließt sich daraus folgende Fragestellung: Wie steht die Symbolik von Orsenna in Verbindung zum Romanende von Le Rivage des Syrtes von Julien Gracq (1951)?

Ziel soll es sein, genügend Muster und Motive zu sammeln und zu erschließen, um beantworten zu können, ob und wie der Untergang Orsennas angedeutet wird.

2. Julien Gracq

Der französische Schriftsteller Julien Gracq wurde als Louis Poirier am 27. Juli 1910 im Dorf Saint-Florent-le-Vieil, gelegen an der Loire in der Nähe Angers, als eines von zwei Kindern geboren.

Im Alter von elf Jahren ging Gracq auf ein Internat in Nantes, um 1928 an das Lycée Henri VI in Paris zu wechseln und dort 1930 an der Elitehochschule Ecole Normale Supérieure Geographie, und an der Ecole Libre des Sciences Politiques Geschichte zu studieren. Nach seiner Agrégation 1935 blieb er dem Bildungssektor als Gymnasiallehrer erhalten, wurde jedoch 1939 zur Armee eingezogen und wurde sogar 1940 zum Kriegsgefangenen in Deutschland, was er für Tagebucheinträge nutzte. Nach seiner Freilassung 1941 und der Beendigung des Zweiten Weltkrieges 1945 nahm Gracq seine Tätigkeit als Lehrer wieder auf und unterrichtete bis zu seiner Rente 1970 in Paris. Danach beschränkte sich Gracq darauf, weitere Werke zu publizieren oder Reisen wie z.B. nach Oxford zu unternehmen.

Am 22. Dezember 2007 verstarb Gracq schließlich im Alter von 97 Jahren in der Nähe seines Heimatortes in einem Krankenhaus von Angers.[2]

Sein Werk besteht sowohl aus Romanen, als auch Essays und sogar einem Theaterstück, das ihm jedoch nicht die positive Wertschätzung anderer Werke einbringt.[3] Zu seinen wichtigsten zählen la littérature à l’estomac von 1950, le Rivage des Syrtes[4] aus dem folgenden Jahr, un balcon en forêt[5] aus dem Jahre 1958 sowie der Roman au château d’Argol[6], sein Debutwerk von 1938, mit einem mysteriösen Schloss als zentraler Ort der Handlung.

Für den hier zu behandelnden Roman le Rivage des Syrtes erhielt Gracq den Prix Goncourt, den er aber aufgrund seiner Skepsis für die Lage der französischen Literatur ablehnte und dabei ein negatives Medienecho hervorrief.[7]

Im Gegensatz zu anderen Autoren seiner Zeit ist es schwierig, Gracq in eine bestimmte literarische Strömung einzuordnen: Vielmehr wurde er durch bestimmte Autoren bzw. deren Texte inspiriert und verknüpfte dadurch verschiedene Elemente aus verschiedenen Literaturrichtungen in seinem Werk.

In seiner Schulzeit sah er beispielsweise eine Aufführung von Parsifal von Wagner, was in ihm die Begeisterung für Artusromane aufkommen ließ.[8]

Es finden sich jedoch auch einige surrealistische Motive in Gracqs Werk wieder, die auf die Lektüre von Bretons Nadja und eine Begegnung mit ihm selbst kurz vor Kriegsbeginn zurückzuführen sind.[9] Beide Bewegungen sind auch im vorliegenden Roman vertreten: Der für die Artusromane typische Abenteuerdrang von Aldo sowieso die detaillierten Landschaftsbeschreibungen, üblich für den Surrealismus.

Weitere Inspirationen für Gracq waren u.a. die Bretagne, Aspekte aus den Werken des deutschen Schriftstellers Ernst Jünger oder die Romantik.[10]

3. Le Rivage de Syrtes

Geschildert wird die Romanhandlung aus der Sicht des Protagonisten Aldo als personalem Erzähler, einem jungen Adligen aus dem fiktiven Stadtstaat Orsenna, welcher mit seiner Umgebung an das frühneuzeitliche Italien angelehnt ist. Er wird von der allmächtigen Seigneurie[11] regiert, die mit dem Sicherheitsrat als höchste Instanz einen Überwachungsstaat geschaffen hat. Die sogenannten yeux, zumeist Nachkommen der einflussreichen und der Regierung wohlgesinnten Adelsfamilien, werden in die entfernten Winkel von Orsenna entsandt, um von den Geschehnissen Bericht zu erstatten.

So auch Aldo, der zur Amirauté am mer des Syrtes abkommandiert wird, da er des für ihn langweiligen Lebens in der Hauptstadt überdrüssig ist. Das Land zwischen Orsenna und Meer wird als eine Wüsten- und Sumpflandschaft ohne Zivilisation beschrieben. Das Meer wiederum, mit der île de Vezzano, trennt Orsenna vom orientalischen Staat Farghestan mit der Hauptstadt Rhages und dem Vulkan Tängri. Zwischen den gegenüberliegenden Staaten herrscht seit ca. 300 Jahren eine Art Kalter Krieg; die Waffenruhe wird durch eine Demarkationsline zwischen Vezzano und Farghestan gewährleistet, die von keiner der beiden Seiten überfahren werden darf.[12]

In der vernachlässigten und aufgabenlosen Admiralität angekommen, lernt er den Kapitän des Schiffes Redoutable mit seinen Offizieren Roberto, Giovanni und Fabrizio. Der Alltag hier ähnelt jedoch auch dem Treiben in der Hauptstadt, wird aber für Aldo durch das Schreiben seiner Berichte für die Seigneurie ergänzt.

Zusätzlich lernt er die Prinzessin Vanessa Aldobrandi kennen und lieben, die im nicht weit entfernten Maremma im Palast ihrer traditionsreichen Adelsfamilie lebt. Von der Admiralität verschlägt es Aldo wegen Vanessa einige Male zum Palast der Aldobrandi in Maremma, einer Venedig ähnelnden Stadt sowie zur Insel Vezzano.[13]

In den sonst monotonen Städten Orsenna und Maremma macht sich jedoch eine zunächst nicht weiter ausgeführte Unruhe bemerkbar, was auf den drohenden Krieg mit Farghestan zurückfüht.[14] Währenddessen überquert Aldo als Übergangsbefehlshaber der Redoutable verbotenerweise die Demarkationslinie und fährt bis zur Küste Rhages`, was Warnschüsse farghestanischer Seite nach sich zieht. Dieser Vorfall spricht sich unerwartet schnell bis nach Orsenna herum, sodass Aldo zum Sicherheitsrat vorgeladen wird.

In einem Gespräch mit einem Würdenträger der Seigneurie, Danielo, wird dem Protagonisten bewusst, dass die orsennische[15] Führung einer Konfrontation mit Farghestan keinesfalls aus dem Weg geht, sondern augenscheinlich herbeiführen will: Das Angebot Farghestans, an Aldo übermittelt durch einen ansässigen Spion, sich für den Vorfall zu entschuldigen und diesen als Versehen abzutun, wird abgelehnt.[16]

Folglich bricht der Krieg zwischen Orsenna und Farghestan erneut aus, und Aldo schreibt seinen Bericht bzw. die Romanhandlung in den Trümmern Orsennas nieder.

[...]


[1] Im Folgenden auch disparition genannt.

[2] Vgl.Leutrat, Jean-Louis : Eléments pour une biographie, in : Leutrat, Jean-Louis : Julien Gracq. Paris 1997. S.381-385.

[3] Le roi pecheur von 1949.

[4] Deutsche Ausgabe: Das Ufer der Syrten.

[5] Deutsche Ausgabe: Ein Balkon im Wald.

[6] Deutsche Ausgabe: Auf Schloss Argol.

[7] Vgl. Pour une Biographie. S.384.

[8] Vgl.Pour une Biographie. S.382.

[9] Vgl. Pour une Biographie. S.383.

[10] Vgl. Pour une Biographie. S.382-385.

[11] Französische Wörter, die in den deutschen Fließtext aufgenommen werden, sind kursiv gedruckt.

[12] Vgl.Gracq, Julien : Le Rivage de Syrtes. Paris 1951. S.7-22.

[13] Rivage S. 82.

[14] Vgl. Rivage S.22-195.

[15] Im Folgenden als Adjektiv zu Orsenna benutzt.

[16] Vgl. Rivage S.195-322.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
La symbolique des lieux. Wie steht die Symbolik von Orsenna in Verbindung zum Romanende von "Le Rivage des Syrtes" von Julien Gracq?
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
3,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
24
Katalognummer
V339644
ISBN (eBook)
9783668293847
ISBN (Buch)
9783668293854
Dateigröße
572 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Surrealismus, Rivage des Syrtes, Gracq, französische Literatur
Arbeit zitieren
Lars Marwinski (Autor), 2015, La symbolique des lieux. Wie steht die Symbolik von Orsenna in Verbindung zum Romanende von "Le Rivage des Syrtes" von Julien Gracq?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339644

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