Musik gehört seit Anfang der Menschheitsgeschichte zu den gängigsten Begleitern unseres Alltags und wird von Menschen gehört, erlebt und gefühlt. Sie gilt somit als Erfahrungsmedium. Gleichzeitig kann Musik aber auch kommunizieren und ist somit Kommunikationsmedium. Spätestens seit Mitte des 20. Jahrhunderts mit Beginn der Popmusik hat sich eine Popkultur entwickelt, die viel mehr umfasst als nur das Erleben von Musik. Es wurden ganze Lebensgefühle, Einstellungen und (Abgrenzungs)kulturen gebildet.
Musik legt den Grundstein und ist nicht nur Begleitung, sondern aktiver Part inmitten von Bewegungen wie die der 68er, der Hippies oder Punks. Somit sind Musikkulturen von gesellschaftlichen Entwicklungen nicht zu trennen. Musiker können mit ihren Inhalten, Menschen erreichen und bewusst Botschaften transportieren. In dieser Arbeit soll es deshalb um die gesellschaftskritische Relevanz von Musikkultur gehen. Inwiefern fungiert Musikkultur als Kommunikationsmedium für Gesellschaftskritik? Werden durch Popkultur gesellschaftskritische Themen angestoßen und diskutiert?
Neben der gesellschaftskritischen Relevanz von Popkultur allgemein, wird sich die Arbeit auf die Subkultur HipHop in Deutschland spezialisieren. In keinem anderen Musikgenre wird so viel Wert auf den Inhalt und die Texte der Songs gelegt. In den letzten Jahren konnten auch immer mehr Rapper mit explizit politischen und gesellschaftskritischen Inhalten Erfolge in den Charts vorweisen. Die gesellschaftskritische Relevanz von Popkultur allgemein und deutschem HipHop im Speziellen wird somit in dieser Arbeit untersucht. Ziel dieser Arbeit ist es herauszufinden, ob und inwiefern Popkultur und speziell Deutscher HipHop eine gesellschaftskritische Relevanz besitzen. Gleichzeitig erscheint es interessant, zu untersuchen, wie genau Gesellschaftskritik sich äußert und wie diese bei den Rezipienten ankommt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung & Relevanz des Themas
1.2 Zielsetzung der Arbeit
1.3 Aufbau der Arbeit
2. Musik als Kommunikationsmedium
2.1 Musiksoziologische Einordnung
2.2 Musikverbreitung innerhalb einer Gesellschaft
2.3 Asymmetrische Kommunikation
2.4 Musiksoziologie und Hörverhalten
2.5 Adornos klassische Hörertypologie
2.6 Musikerleben innerhalb eines kulturellen Milieus
2.7 Musik-Kultur innerhalb verschiedener Gesellschaften
3. Pop-Musik und Kulturindustrie
3.1 Pop-Musik als Erweiterung der Musik
3.2 Einführung in die Kulturindustrie Adornos
3.3 Geschichte der Pop-Musik und die zweite Kulturindustrie
3.4 Subkulturen und ihre Vereinnahmung durch die Kulturindustrie
3.5 Die Subkultur des “Hipsters” - im 20. und 21. Jahrhundert
3.6 Pop-Musik und Gesellschaftskritik heute
3.7 Zwischenfazit
4. Deutscher HipHop und Gesellschaftskritik
4.1 Einführung in die Subkultur des HipHop
4.2 Geschichte und heutige Relevanz von Deutschem HipHop
4.3 HipHop aus kulturwissenschaftlicher Sicht
4.4 Sub-Genres im Vergleich: Gangsta-und Politrap
4.5 Zusammenfassender Vergleich
5. Empirische Untersuchung mittels Experteninterviews
5.1 Das leitfadengeführte Experteninterview als Erhebungsmethode
5.2 Bestimmung des Ausgangsmaterials
5.3 Strukturierung nach Mayring
6. Ergebnisse der Experteninterviews
6.1 Gesellschaftskritik im deutschen HipHop
6.1.1 “Gesellschaftskritische” Rapper
6.1.2 Gesellschaftskritische Relevanz von Deutschem HipHop
6.1.3 Gangsta-und Politrap
6.2 Hörverhalten der Rezipienten
6.2.1 Inhalt oder Hörgenuss?
6.2.2 Inhaltliche Grenzen
6.2.3 Gesellschaftskritischer Rap aus Rezipienten-Sicht
6.3 Kulturindustrie und Vereinnahmung im Deutschen HipHop
6.3.1 Glaubwürdigkeit gesellschaftskritischer Rapper
6.3.2 Gesellschaftskritische Rap-Gruppen in den Charts
6.3.3 Vereinnahmung von HipHop als Subkultur
6.3.4 Beispiele für Vereinnahmung der HipHop-Kultur
7. Fazit & Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die gesellschaftskritische Relevanz von Musik-Kultur, wobei der Fokus gezielt auf dem Genre „Deutscher HipHop“ liegt. Im Zentrum steht die Frage, inwieweit HipHop als Medium zur Artikulation von Gesellschaftskritik fungiert, wie sich dieses Genre im Spannungsfeld zwischen kommerzieller Kulturindustrie und subkulturellem Anspruch positioniert und wie Rezipienten diese Inhalte wahrnehmen und verarbeiten.
- Die musiksoziologische Einordnung von Musik als Kommunikationsmedium.
- Die Analyse des Einflusses der Kulturindustrie auf Pop-Musik und Subkulturen.
- Die differenzierte Untersuchung der Sub-Genres Gangsta-Rap und Polit-Rap hinsichtlich ihrer gesellschaftskritischen Potentiale.
- Die empirische Erhebung durch Experteninterviews mit Rappern und Rezipienten zur Reflexion über Authentizität und Kommerzialisierung.
Auszug aus dem Buch
3.4 Subkulturen und ihre Vereinnahmung durch die Kulturindustrie
Das was das Wesen einer Sub-bzw. Gegenkultur seit Punk ausmacht ist, “den Unterschied zwischen den eigenen politischen, sexuellen, gesellschaftlichen und ästhethischen Erfahrungen und deren Repräsentation in den Medien der Gesellschaft zu bemerken und sich von ihm ausgehend eigene repräsentationspolitische Gedanken zu machen.” Das hatte zur Folge, dass Punk zu einer sich geschlossene Welt mit klaren Einstellungs- und Verhaltensmustern wurde, die keine Identifikation mehr mit dem “Mainstream-Pop” sah. Durch das Gefühl, nicht mehr repräsentiert zu werden, wurde eine Gegenkultur gebildet. Das funktioniert solange bis zur sogenannten Vereinnahmung durch die Kulturindustrie. Eine bestimmte avantgardistische Gruppe betreibt die Aufwertung einer erst illegitimen, außenstehenden Kultur, bis diese offiziell anerkannt ist und sich die Investition in den Untergrund auszahlt. Die Hörgewohnheiten einer Gesellschaft können sich verändern. Aus Avantgarde wird Mainstream. Die Wertigkeit der Kunst der Musiker verändert sich auch. “Die Provokation und der Protest sind somit manierlich geworden und funktionieren nicht mehr.” Die ‘coolen Kids’ der Subkulturen liefern den Kulturkapitalisten die Ideen und Lebensstile, die sie dann komplett ‘ausmelken’, verwerten und kommerzialisieren, bis es wieder ‘uncool’ ist. Diese kommerzielle Vereinnahmung hat die Punk-Gruppe “Die Goldenen Zitronen” aus Hamburg in ihrem Song “Der Investor” thematisiert. Der Song ist aus der Sicht der Kulturkapitalisten (zum Beispiel Major-Labels) geschrieben. Diese widmen sich direkt an die avantgardistischen Künstler einer noch nicht vereinnahmten Subkultur und bieten ihnen an, deren kulturelles Kapital kommerziell zu verwerten. Das Lied ist kritisch gegenüber kommerziellen Vereinnahmung von Subkulturen zu verstehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definiert die Problemstellung der Musik als Kommunikationsmedium für Gesellschaftskritik und legt das Ziel sowie den methodischen Aufbau der Arbeit dar.
2. Musik als Kommunikationsmedium: Bettet Musik in einen musiksoziologischen Kontext ein, diskutiert die asymmetrische Kommunikation und beleuchtet Hörertypologien sowie das Musikerleben in kulturellen Milieus.
3. Pop-Musik und Kulturindustrie: Analysiert die Rolle der Pop-Musik als Teil der Kulturindustrie nach Adorno, untersucht die Geschichte von Subkulturen und deren zunehmende Kommerzialisierung.
4. Deutscher HipHop und Gesellschaftskritik: Konzentriert sich spezifisch auf die Subkultur des HipHop, dessen Geschichte und die Unterscheidung zwischen Gangsta- und Polit-Rap.
5. Empirische Untersuchung mittels Experteninterviews: Beschreibt die methodische Vorgehensweise (leitfadengeführte Interviews) und die Strukturierung der Ergebnisse nach Mayring.
6. Ergebnisse der Experteninterviews: Präsentiert und analysiert die Erkenntnisse aus den Interviews hinsichtlich Gesellschaftskritik, Hörverhalten und der Vereinnahmung durch die Kulturindustrie.
7. Fazit & Ausblick: Führt die theoretischen und empirischen Befunde zusammen und reflektiert das Potenzial des HipHop als Sprachrohr für gesellschaftliche Debatten.
Schlüsselwörter
Musiksoziologie, Pop-Kultur, Kulturindustrie, Deutscher HipHop, Gesellschaftskritik, Subkultur, Gangsta-Rap, Polit-Rap, Kommerzialisierung, Rezipienten, Authentizität, Experteninterviews, Medientheorie, Identität, Vereinnahmung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die gesellschaftskritische Relevanz von Pop-Kultur am spezifischen Beispiel des deutschen HipHop und beleuchtet das Spannungsverhältnis zwischen künstlerischem Ausdruck und kommerzieller Verwertung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die Rolle von Musik als Kommunikationsmedium, die Theorie der Kulturindustrie nach Adorno, die Ausprägungen des deutschen HipHop sowie die Wirkung dieser Musik auf die Rezipienten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu ergründen, ob und in welcher Form deutscher HipHop eine gesellschaftskritische Bedeutung besitzt und wie diese bei den Hörern wahrgenommen wird.
Welche wissenschaftlichen Methoden wurden angewandt?
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus theoretischer Literaturanalyse und einer qualitativen empirischen Untersuchung, die auf fünf Experteninterviews mit Rappern und HipHop-Fans basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung über Musiksoziologie und Kulturindustrie sowie eine spezifische Analyse der deutschen HipHop-Szene, unterteilt in unterschiedliche Sub-Genres.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Gesellschaftskritik, Kulturindustrie, Authentizität, Gangsta-Rap, Polit-Rap und die Vereinnahmung von Subkulturen.
Inwiefern unterscheidet sich Gangsta-Rap von Polit-Rap in der gesellschaftskritischen Wirkung?
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Gangsta-Rap durch die authentische Darstellung persönlicher Lebensrealitäten oft greifbarer und massentauglicher wirkt, während Polit-Rap explizitere ideologische Botschaften vermittelt, aber durch Sprachcodes teils exklusiver wirkt.
Wie stehen die interviewten Akteure zur Kulturindustrie?
Die befragten Rapper und Fans sehen die Notwendigkeit kommerzieller Vermarktung im bestehenden Wirtschaftssystem, betonen jedoch die Wichtigkeit, trotz dieser Kompromisse die eigene Glaubwürdigkeit und den inhaltlichen Kern zu bewahren.
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- Artur Kasper (Author), 2016, Musik-Kultur als Kommunikationsmedium für Gesellschaftskritik. Das Beispiel "Deutscher HipHop", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339666