Die unmittelbaren Reaktionen auf den 'Blockupy'-Protest während der EZB-Eröffnung in Frankfurt am Main. Eine kritische Diskursanalyse anhand zweier deutscher Printmedien


Hausarbeit, 2016

18 Seiten, Note: 1,3

Henning Jensöntner (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Funktion der kritischen Diskursanalyse nach Jäger
2.1 Die Analysekategorien der kritischen Diskursanalyse
2.2 Die Kollektivsymbolik als diskurstragendes Mittel
2.3 Vom Diskurs zum Dispositiv

3. Kritische Diskursanalyse anhand eines Leitfadens
3.1 Die Diskursebene und Vorstellung des aufbereiteten Materials
3.2 Textanalyse: „WELT“ rtikel
3.3 Textanalyse: rtikel der „Frankfurter Rundschau“ (FR)

4. Inhaltlicher Vergleich und Fazit
4.1 Fazit

5. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Kontrast des Protests: Links: Auseinandersetzung zwischen Polizisten und Demonstrant(en); rechts: friedliche Versammlung am Frankfurter Römer

Abbildung 2: Topik der Kollektivsymbolik

Abbildung 3: ‚Innen‘ und ‚ ußen‘-Darstellung der Kollektivsymbolik

Abbildung 4: Vereinfachtes Grundmodell eines Dispositivs

1. Einführung

Mit einem feierlichen Akt eröffnete die Europäische Zentralbank (EZB) am 18. März 2015 ihr neues Hauptquartier in Deutschlands Bankenmetropole Frankfurt am Main. 1,3 Milliarden Euro soll der 185m hohe Bau nach offiziellen Angaben gekostet haben. Doch in Zeiten europäischer Instabilität bietet insbesondere die Höhe dieser Ausgabe eine potentielle Diskussionsgrundlage für Gegner der europäischen Finanzpolitik, welche in diesem Zusammenhang oftmals als „Sparpolitik“ bezeichnet wird.

Der eigentliche Akt der Eröffnung wurde an diesem Tag von vielen auch als Synonym für ebendiese Finanzpolitik verstanden und gab Anlass Kritik in Form von Demonstrationen zu äußern. Bis zu 20.000 Menschen haben sich laut Medienberichten am 18.03.2015 den Demonstrationen angeschlossen, welche auch größtenteils friedlich abliefen.

Dennoch wurde in Medienberichten ein Bild konstituiert, welches sich fast ausschließlich mit den Taten gewaltbereiter, politisch links orientierter Demonstrierender beschäftigt. In diesem Zusammenhang wird die „Blockupy“-Gruppierung als ‚Drahtzieher‘ für die Ausschreitungen im Frankfurter Stadtgebiet genannt und soll im weiteren Verlauf dieser Arbeit noch weiter Teil der Untersuchung sein. Die Gruppe sagt über sich selbst, „Teil eines europaweiten Netzwerks vielfältiger Bewegungen, Gewerkschaften, Parteien und Flüchtlingsinitiativen“ (http://blockupy.org/blockupy 2016) zu sein. Sie richten sich gegen „ausdrücklich jede rassistische oder nationalistische Spaltung, Verschwörungstheorien und ntisemitismus“ und fordern einen allgemeinen „Widerstand gegen das europäische Krisenregime“ (http://blockupy.org/blockupy 2016). Unterstützt wird ‚Blockupy‘ von Organisationen wie etwa der ‚Interventionistischen Linken‘, TT C, Occupy Frankfurt sowie von Jugend- und Studierendenverbänden aus diversen europäischen Ländern.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Kontrast des Protests: Links: Auseinandersetzung zwischen Polizisten und Demonstrant(en); rechts: friedliche Versammlung am Frankfurter Römer. (Quellen: links: https://www.tagesschau.de/multimedia/bilder/ezb-einweihung- 109~_v-teaserM.jpg, rechts: http://cdn1.stuttgarter-zeitung.de/media.media.b64575d2-44fc-4db6-8e0f- bad3fed090b5.normalized.jpeg)

Die vorangegangene Abbildung zeigt sehr deutlich die Kontraste in der Art und Weise der Protest- Kundgebung: Die abgebildete Menge im rechten Bild stellt einen viel größeren Teil der Demonstrationsteilnehmer dar und doch erreichen die - in Relation gesehen - wenigen gewalttätigen Demonstrierenden eine signifikant breitere Masse durch die Berichterstattung in den Print- und Fernsehmedien.

Es stellt sich die Frage, wie wurde auf die Ereignisse in den Medien reagiert? Vor Allem soll untersucht werden, welches Medium sich wie auf die Gewaltexzesse der politisch links gerichteten Gruppierungen äußerte. Ebenso wird analysiert, ob wie die Berichterstattung ihr Potential nutzt, auf die gesellschaftliche Haltung Einfluss zu nehmen.

Anhand von vier Artikeln, jeweils zwei aus der „WELT“ respektive „Frankfurter Rundschau“ (FR), möchte ich dies überprüfen und versuchen die unterschiedlichen politischen Lager ( nm.: Die „WELT“: bürgerlich-konservativ (neokonservativ), „FR“: sozialdemokratisch) der Zeitungen mit einzubeziehen.

Analytisch geschieht dies im Folgenden nach den Vorschlägen Siegfried Jägers, welcher, basierend auf den Überlegungen Michel Foucaults, die Diskursforschung in Deutschland maßgeblich vorangetrieben hat. Im ersten Schritt werden folglich die Grundlagen der kritischen Diskursanalyse nach Jäger betrachtet, darauf folgt eine weitere kurze Vorstellung der bereits erwähnten Zeitungsherausgeber und die Analyse der gewählten Artikel, sowie ein abschließendes Fazit.

2. Funktion der kritischen Diskursanalyse nach Jäger

Der Begriff der kritischen Diskursanalyse entstand in den 1990er Jahren in Anlehnung an Foucaults Diskursverständnis, welches zusammengefasst, die „gesellschaftliche Konstruktion und Regulation von Bedeutungszuweisungen, die damit verknüpften Wahrheits- und Wirklichkeitsansprüche, sowie die [͙] zugrundeliegenden Machtverhältnisse zum Gegenstand“ (GLASZE & MATTISSEK 2009: 62) macht.

Jäger geht von einer erweiterten Bedeutung des Machtbegriffs innerhalb des Diskurses aus. Während Foucault die nach außen wirkenden Machtpraktiken eines Diskurses darstellt, beleuchtet Jäger sowohl die Macht über den Diskurs, als auch die Macht im Diskurs. Es geht ihm „um die Funktion von Diskursen als herrschaftslegitimierenden und -sichernden Techniken in der kapitalistischen [͙] Gesellschaft“ (NIEHR 2014: 52); es versteht sich damit als machtkritisch und insbesondere politisch. Und hier tritt die größte Neuerung zu dem foucault’schen Wirklichkeit auf: Kritisch zu sein bedeutet auch, die Subjektivität nicht der Objektivität unterzuordnen. Auf eine verständlichere Ebene heruntergebrochen beinhaltet dies, dass das Subjekt - sprich, der Diskursanalytiker - sich dem Diskurs nicht entziehen kann. Ganz im Gegenteil, Teilnehmer „stricken [͙] am Diskurs mit“ (JÄGER 2007: 24), ein einzelnes Individuum bestimmt aber zu keinem Zeitpunkt das endgültige Ergebnis.

Diskurse sind „eng miteinander verflochten und miteinander verschränkt“ (JÄGER 2007: 25) und bilden eine enorme Heterogenität. Jäger umschreibt die Entstehung eines Diskurses mithilfe einer Metapher: Diskurse können als ein „Fluss von Wissen“ angesehen werden, welcher sich mäandrierend oder sich sogar rückwärts bewegen kann und so eine Strukturierung von Subjekten (einzelnen Teilnehmern) und Gestaltung von ganzen Gesellschaften vornimmt, welche sich entsprechend heterogen erweisen kann (vgl. JÄGER 2007: 23). Sprich, eine Diskurschronik kann an einem gewissen Punkt Lücken aufweisen und sich gar in rückwärtige Richtung bewegen und von einem anderen (zurückliegenden) Punkt neu beginnen.

Ebenfalls von zentraler Bedeutung für die kritische Diskursanalyse ist, dass ein Diskurs auch Einschränkungen erlebt. Der „Sagbarkeitsraum“ kann beispielsweise durch geltende Verbote, Gesetze oder Normen stark eingeengt werden. Das Aufzeigen dieser Begrenzungen stellt ebenfalls einen wichtigen Punkt der kritischen Diskursanalyse dar (vgl. NIEHR 2014: 52f. nach JÄGER 2005).

Zwar ist es erforderlich, sich bei kritischer Betrachtung nicht nur auf linguistisch-deskriptiver Ebene zu bewegen, sondern auch als Verfasser persönlich Stellung zu beziehen (vgl. NIEHR 2014: 53), dennoch bedient sich Jäger mehrerer beschreibender Analysekategorien, welche im Folgenden näher erläutert sind.

2.1 Die Analysekategorien der kritischen Diskursanalyse

(1) Diskursstränge: Ein vielseitig gesellschaftlicher Gesamtdiskurs wird immer durch thematisch einheitliche Diskursverläufe gebildet, welche Jäger Diskursstränge nennt. In der Analyse dieser lassen sich ussagen erkennen, welche bereits von Foucault in ‚zufällige‘ und ‚feste‘ Aussagen unterschieden wurden und den „atomaren“ (JÄGER 2007: 26 nach FOUCAULT 1981) Bestandteil eines Diskurses bilden. Diese gilt es innerhalb des Diskurses zu filtern und auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, sowie in zeitliche Dimensionen - hier: synchron und diachron - einzuordnen.

(2) Diskursfragmente: Innerhalb der Diskursstränge lassen sich einzelne Fragmente, das heißt veröffentlichte Texte oder (nur) Textteile wiederfinden. Die in (1) beschriebenen Aussagekategorien, lassen sich durch eine konsequente Analyse der einzelnen Diskursfragmente genau erfassen.

(3) Diskursive Ereignisse und diskursiver Kontext: Diskurse sind je nach Themenfeld unterschiedlich verwurzelt. Grundlegende Änderungen innerhalb eines Diskursstranges lassen sich nur durch besondere Ereignisse erzielen. Später wird in dieser Hausarbeit auf diese Kategorie einzugehen sein, denn die neue Qualität der in Kapitel 1 erwähnten Proteste in Frankfurt entsprechen den Anforderungen eines diskursiven Ereignisses. Innerhalb der diachronischen Betrachtung eines Diskurskontexts kann ein solches Ereignis also drastische Auswirkung haben. Jäger spricht hierbei von einer „Rückbindung“ synchroner Schnitte an eine ‚diskursive Chronik‘.

(4) Diskursebenen: Ein Diskurs wird auf verschiedenen Ebenen getragen. Gemeint ist damit die Art und Weise, wie Inhalte verbreitet werden: Als Beispiele angeführt werden: Wissenschaften, Medien, Erziehung, Alltag, Geschäftsleben, etc.). Keine Zweifel bestehen darin, dass sich Diskursinhalte, getragen von verschiedenen Ebenen, auch auf andere Träger ausbreiten und sich verflechten. Die eine Ebene des Diskurses gibt es folglich nicht. Jäger führt auch an, dass Nachrichten innerhalb der Medienlandschaft (gemeint sind die hegemonial bedeutsamen Medien) oft ohne jegliche Änderung übernommen werden. Dennoch ist eine unterschiedliche Diskursposition verschiedener Medien nicht auszuschließen.

(5) Diskursposition: Umschrieben wird der jeweilige Standpunkt eines Mediums, bzw. einer Person. Vor jeder genaueren Analyse muss der jeweilige politische Standpunkt bewertet werden. Eine „Diskursposition ist [͙] das Resultat der Verstrickungen in diverse Diskurse, denen das Individuum ausgesetzt war“ (JÄGER, S. 2007: 28f. nach JÄGER, M. 1996). Die ideologische Grundhaltung eines Menschen ergibt sich daraus.

Medien nehmen bei der ‚Wahl‘ ihrer Position eine besondere Stellung ein, da sie innerhalb eines hegemonialen Diskurses relativ homogen erscheinen. Auch hier ist eine kritische Diskursanalyse notwendig, um eine exakte Positionierung innerhalb eines Diskursstranges aufzuzeigen.

(6) Diskurs(strang)verschränkungen: Diskursfragmente unterschiedlicher Themen können sich in Texten vermischen. Es gilt herauszufinden, ob sich diese Fragmente einem übergeordneten Thema (Diskursstrang) unterordnen lassen. Eine Verschränkung liegt dann vor, wenn Fragmente des Textes keinerlei Bezug zueinander aufnehmen.

(7) Der gesamtgesellschaftliche Diskurs: Fasst man sämtliche Diskursstränge zusammen, so ergibt sich ein Gesamtdiskurs. Hierbei ist zu erwähnen, dass sich Gesellschaftsdiskurse innerhalb globaler Zusammenhänge abspielen, welche einen überaus heterogenen Globaldiskurs darstellen. Ein ‚ ufdröseln‘ dieses reziproken Netzes an nationalen (gesellschaftlichen) Diskursen und dem globalen Verständnis ist Aufgabe einer kritischen Diskursanalyse.

(8) Diskursgemeinschaften: Foucault spricht hier noch von Diskursgesellschaften, welchen er die ufgabe zuordnet „Diskurse aufzubewahren, zu produzieren, und sie in einem geschlossenen Raum zirkulieren zu lassen“ (JÄGER 2007: 30f. nach FOUCAULT 1994). Jäger umschreibt dies praktikabler: Für ihn sind dies Kulturen und Gruppen gleicher Bedeutungszuweisung von Wirklichkeit, welche zudem eine Anerkennung und Befolgung homogener Aussagensysteme antreibt bzw. zusammenhält. Beispielhaft führt er hier Religionsgemeinschaften oder etwa politische Gruppen an. Erwähnenswert bleibt, dass sich ein Individuum mehreren Diskursgemeinschaften anschließen kann, welches bei kritischer Betrachtung zu etwaigen Gewissenskonflikten oder Ähnlichem führt (vgl. Jäger 2007: 25ff.).

2.2 Die Kollektivsymbolik als diskurstragendes Mittel

Begibt man sich nun auf die Ebene der Textanalyse, steht man vor der Aufgabe, komplexe Ordnungsstrukturen zu simplifizieren und plausibel darzustellen. Siegfried Jäger stellt für diesen Schritt den Begriff der „Kollektivsymbolik“ vor. Darunter versteht man „kulturelle Stereotypen“ (JÄGER 2007: 40 nach DREWS/GERHARD/LINK 1985), die innerhalb einer Gesellschaft die Ordnung für jeden Teilnehmer vorgeben und mit deren Anwendung man sich zurechtfinden kann. Klar wird hier, dass es sich bei Kollektivsymboliken um ein interdiskursives Regelwerk handelt.

Zur Veranschaulichung dienen die Abbildungen 2 und 3, welche im Folgenden kurz erläutert werden.

Die Grundstruktur westlicher Industriegesellschaften lässt sich demnach klar skizzieren. Das soziale System wird nach außen hin durch einen Kreis abgegrenzt. „Normalität“ steht hierbei für einen ausgeglichenen Zustand einer Gesellschaft. Weicht der festgestellte Status innerhalb eines Diskursstranges ab, so äußert sich dies in einer Position abseits der ‚Mitte‘. Differenziert wird hierbei (in diesem Beispiel handelt es sich um eine politische Verortung) in „Störungsgraden“. So schließt sich der einfachen Störung, die Grenze des Extremismus, Fanatismus und im weiteren Verlauf die des Terrors an. Spätestens an nach diesem Punkt, spricht man von akuten handlungsbedürftigen Ereignissen. In der Abbildung ist ebenfalls eine weitere Aufteilung des Kreises in - je nach Bedarf - weitere Kategorien zu erkennen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Topik der Kollektivsymbolik (JÄGER 2007: 42 DISSELNKÖTTER & PARR 1994).

Im täglichen Kontext trifft man häufig auf eine codierte Form von Kollektivsymbolserien. So werden in Medien die Diskurse ‚lebendig‘ gestaltet, indem Sachverhalte einer Subjektbildung unterzogen werden. Nicht selten trifft man hier auf eine ‚Innen‘ - ‚ ußen‘ Darstellung: Die gewählten Begriffe, die der Leser einem dieser Begriffe zuordnet, gelten als „semantisch sekundär“ (JÄGER 2007: 43) und bezeichnen (Signifikant) ein entsprechend anderen Signifikaten (Konzept) dar und gehen daher über die ursprüngliche Bedeutung hinaus. Bespielhaft ist dies anhand des Satzes „das Boot ist voll“, welcher die Aufforderung der Grenzschließung enthalten kann. Diese Darstellung kann durchaus auch mehrdeutig sein (im genannten Beispiel: Panik, Chaos, usw.). Auch eine Verknüpfung von Kollektivsymbolen ist möglich, wenn eine ähnliche Positionierung innerhalb der Darstellungen verwendet wird. Kollektivsymbole nehmen innerhalb eines Diskurses eine bedeutende Rolle ein, auch wenn sie, so Jäger, nur als „interdiskursive Hintergrundfolie“ (JÄGER 2007: 47) fungieren (vgl. JÄGER 2007: 40ff.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: ‚Innen‘ und ‚ ußen‘-Darstellung der Kollektivsymbolik (JÄGER 2007: 42 nach DISSELNKÖTTER & PARR 1994).

2.3 Vom Diskurs zum Dispositiv

Aus den vorangegangen Abschnitten geht hervor, dass Diskurse Macht ausüben, indem sie Wissen transportieren, welches kollektives sowie individuelles Bewusstsein speist. Dies ist als Grundlage zur Wissensgestaltung zu sehen und beeinflusst unser Handeln.

An diesem Punkt sind bisher auch nur diskursive Praxen ermittelt worden, nichtdiskursive Praxen sowie vergegenständlichte Elemente blieben außen vor.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Vereinfachtes Grundmodell eines Dispositivs (JÄGER 2001: 109).

Das Verhältnis dieser und eines Diskurses bezeichnet Michel Foucault als ‚Dispositiv‘ (vgl. JÄGER 2001: 89). Foucault definiert den Begriff folgendermaßen: Eine „heterogene Gesamtheit, bestehend aus Diskursen, Institutionen, architektonischen Einrichtungen, reglementierenden Entscheidungen, Gesetzen, [...], wissenschaftliche Aussagen, sowie philosophische und moralische Aussagen, kurz Gesagtes und Ungesagtes [...]. Das Dispositiv selbst ist das Netz, das man zwischen diesen Elementen herstellen kann“ (verändert nach: RUOFF 2013: 101 nach FOUCAULT 2003). Die Verbindungen und Funktionen des Netzes müssen nicht stabil sein. Funktionen können ihre Position ändern (vgl. RUOFF 2013: 101). Damit geht einher, dass es (Anm.: ein Dispositiv) eine gewisse Festigkeit aufweist, aber durch historische Prozesse umgewandelt werden kann. Als Grundlage, bzw. als grundlegendes Muster gibt Jäger einen „historisch prozessierenden und rotierenden Kreis“ an, welcher durch drei Punkte ‚gespeist‘ wird (siehe bbildung 4):

(1) Diskursive Praxen: Hier findet der primäre Wissenstransport statt

(2) Nichtdiskursive Praxen: „Handlungen [͙], in denen aber Wissen transportiert wird, denen Wissen vorausgeht bzw. das ständig von Wissen begleitet wird (Jäger 2001: 108).

(3) Sichtbarkeiten/Vergegenständlichung: „Vergegenständlichung diskursiver Wissens- Praxen durch nichtdiskursive Praxen“ (JÄGER 2001: 108), wobei ‚Gegenstände‘ durch beide, sprich nichtdiskursive und diskursive Praxen, aufrechterhalten werden.

Verbindet man nun die Analyse von ‚reinen‘ Diskursen mit der des Dispositivs (Anm.: Eine gemeinsame Analyse sollte angestrebt werden), lassen sich innerhalb der (vorrangigen) Diskursanalyse bereits Elemente des Dispositivs wie etwa ‚weiße Flecken‘ oder zugehörige ‚Sichtbarkeiten‘ herausstellen.

Allgemein gilt: Eine Analyse des Dispositivs ist sehr komplex. Bei der Analyse tritt das Autoren eigene Wissen in den Raum, eine Objektivität ist auch bei größter Anstrengung nicht möglich. Dies gilt beispielsweise bei der Rekonstruktion von der Entstehung eines Gegenstandes; hier greift die eigene Erfahrung in die Analyse ein. Generell sollte man sich die Frage stellen, „wie und was den Handlungen bzw. nichtdiskursiven Praxen“ (JÄGER 2001: 110) zugrunde liegt und wie das begleitende Wissen rekonstruiert werden kann. Weiterhin sollte geklärt werden, wie eine Annäherung an Sichtbarkeiten bzw. an Gegenständlichkeit möglich ist (vgl. JÄGER 2001: 98ff.).

3. Kritische Diskursanalyse anhand eines Leitfadens

Im nun folgenden Teil dieser Arbeit soll es um die Durchführung der oben geschilderten Theorie der Diskursanalyse gehen. Vorgegangen wird nach einem strukturierten Leitfaden, anhand dessen die kritische Analyse des Diskurses aufgezogen wird. Im ersten Abschnitt wird die Diskursebene charakterisiert. Darin einbezogen, sollen auch die Artikel sowie die öffentliche Stellung der Zeitungen kurz vorgestellt werden. Darauf folgt dann die Strukturanalyse, welche in ‚Grob‘- und Feinanalyse getrennt werden kann. Im Fazit, soll abschließend reflektiert werden, welche Ergebnisse - auch mit Bezug auf die Fragestellung - zu Tage getreten sind (vgl. JÄGER 2001: 105f.).

3.1 Die Diskursebene und Vorstellung des aufbereiteten Materials

Die Diskursebene ist - wie zu erwarten - klar im Bereich des Mediendiskurses zu verorten. Die Zeitungen „WELT“ und „Frankfurter Rundschau“ erscheinen täglich als Printausgabe, des Weiteren werden ausgesuchte Artikel auch zur freien Verfügung im jeweilige Online-Ressort der Zeitungshäuser veröffentlicht. Die „WELT“ gehört zum Axel Springer Verlag und kann derzeit eine durchschnittliche Auflage von ca. 187.000 Ausgaben aufweisen. Die Frankfurter Rundschau hingegen erscheint in kleinerer Auflage: Nur ca. 87.000 Printausgaben werden verkauft. Dennoch: Die Möglichkeit einzelne Artikel online zu lesen führt zu einer deutlich größeren Reichweite, als es die Absatzzahlen der Printausgaben vorgeben. Auch die Artikel dieser Arbeit wurden durch eine ausgiebige Online-Recherche ermittelt.

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Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die unmittelbaren Reaktionen auf den 'Blockupy'-Protest während der EZB-Eröffnung in Frankfurt am Main. Eine kritische Diskursanalyse anhand zweier deutscher Printmedien
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Geographisches Institut)
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
18
Katalognummer
V339756
ISBN (eBook)
9783668295643
ISBN (Buch)
9783668295650
Dateigröße
1129 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
reaktionen, blockupy, ezb-eröffnung, frankfurt, main, eine, diskursanalyse, printmedien
Arbeit zitieren
Henning Jensöntner (Autor), 2016, Die unmittelbaren Reaktionen auf den 'Blockupy'-Protest während der EZB-Eröffnung in Frankfurt am Main. Eine kritische Diskursanalyse anhand zweier deutscher Printmedien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339756

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