Genus, Wortauslaut und Pluralform im Deutschen und Russischen

Spezifizitätsprinzip


Magisterarbeit, 2015

70 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die existierenden Ansätze zum Thema Pluralbildung und sprachliche Daten
2.1. Das Pluralsystem des Deutschen und die traditionellen Pluralregeln
2.1.1. Der Reichtum der deutschen Pluralformen
2.1.2. Die Behandlung der deutschen Pluralbildung in der Dudengrammatik
2.1.2.1. Faktor Genus bei der Formulierung der Grundregeln im Duden
2.1.2.2. Faktor Wortauslaut und die Zusatzregeln nach Duden
2.1.2.3. Lexikalische Spezifikationen und ihre Behandlung im Duden
2.2. Die Daten des Russischen und verschiedene Ansätze zu ihrer Beschreibung
2.2.1. Die Vielfalt der Pluralbildungsmuster im Russischen
2.2.2. Die Pluralbildungsregeln des Russischen
2.2.2.1. Die deklinationsklassenbasierte Behandlung russischer Plurale in den Referenzgrammatiken
2.2.2.2. Die Pluralbildungsregeln in den genusgesteuerten Ansätzen
2.2.2.3. Die Rolle des Wortauslautes bei der Formulierung der Pluralregeln
2.2.2.4. Behandlung der nur teilweise regulären Fälle und die Ausnahmen

3. Pluralregeln in ihrem Zusammenspiel
3.1. Korrelation zwischen dem Genus und dem Wortauslaut und Möglichkeiten ihrer Auswirkung auf die Pluralbildung im Deutschen und Russischen
3.2. Mögliche Varianten der Regelinteraktion
3.3. Das Spezifizitätsprinzip als Mechanismus der Regelhierarchisierung
3.3.1. Definition des Spezifizitätsprinzips und seine Vorteile
3.3.2. Was ist spezifischer, das Genus oder der Wortauslaut?
3.3.3. Wortauslaut als Elsewhere-Condition für die genusgesteuerte Pluralbildung im Deutschen
3.3.4. Wortauslaut als Elsewhere-Condition für die genusgesteuerte Pluralbildung im Russischen

4. Zusammenfassung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Pluralsystemen des Deutschen und des Russischen und stellt eine Art komparative Analyse dar. Die beiden Sprachen verfügen über mehrere Pluralbildungsmuster, sodass die Frage entsteht, welche Faktoren dafür zuständig sind, dass in jedem konkreten Fall eine bestimmte Form gebildet wird, welche Pluralregeln sich aufstellen lassen, welche Gültigkeit sie haben und wie sie mit einander interagieren. Es wird auch untersucht, ob die Pluralbildungsregeln im Deutschen und Russischen nach denselben Kriterien formuliert und angewendet werden, und, wenn nicht, wo die Unterschiede liegen. Zentral für die vorliegende Untersuchung ist die These von Wegener, dass „sich die Pluralform aus Merkmalen des Singularstamms ableiten lassen muss“ und dass „die Flexions- und/oder Genusklassenzugehörigkeit dafür eine Rolle spielt.“1 Da sowohl das Deutsche als auch das Russische drei Genera kennt, scheint es möglich zu sein, die Abhängigkeit der Pluralformen vom Genus in den beiden Sprachen zu überprüfen und mit einander zu vergleichen. Darum bilden die Genusregeln und ihre Anwendung den ersten Schwerpunkt dieser Arbeit.

Allerdings fällt die Anzahl der Genera weder im Deutschen noch im Russischen mit der Anzahl der Pluralmorpheme zusammen, sodass auch weitere Faktoren berücksichtigt werden müssen. Das zweite von Wegener genannte Merkmal, das für die Pluralbildung relevant sein kann, ist die Flexionsklasse. Im Russischen ist die Flexionsklassenzugehörigkeit an den Auslaut des jeweiligen Substantivs gebunden und korreliert mehr oder weniger zuverlässig mit der Eigenschaft Genus. Insofern ist es logisch zu vermuten, dass der Wortauslaut als ein zweites wichtiges Kriterium neben dem Genus für die Bildung der Pluralformen von Bedeutung ist. Deswegen bilden die Wortauslautregeln in den beiden Sprachen einen weiteren Schwerpunkt.

Als Erstes werde ich sprachliche Daten zur Pluralbildung im Deutschen und Russischen sowie die wichtigsten Regeln für ihre Erklärung präsentieren. Die meisten im Duden aufgelisteten Pluralbildungsregularitäten fürs Deutsche sind bereits nach den Kriterien Genus und Wortauslaut systematisiert. In den traditionellen Grammatiken des Russischen ist dies nicht der Fall. Während man in einigen Ansätzen, z. B. in Bendixen und Voigt,2 noch reine Genusregeln für die Bildung der Pluralformen findet, muss man die Wortauslautregeln meistens selbst formulieren.

Es ist offensichtlich, dass auf das jeweilige Wort mehr als nur eine Regel zutreffen kann. Darum ist es wichtig, nicht nur die Regeln an sich zu beherrschen, sondern auch zu wissen, welche der eventuell mit einander konkurrierenden Regeln anzuwenden ist. Dass die Regeln nicht beliebig benutzt werden können, ist klar. Ansonsten hätten wir im Nominativ Plural auch solche Formen wie *Oma-en, *Oma-n; *Lehrer-e, *Feder-en im Deutschen und * tel ё nk-i bzw. * armjanin-y im Russischen. Mit anderen Worten, die Regeln sind nicht gleichberechtigt, sondern hierarchisch geordnet. Insofern stellt die Frage nach der Hierarchisierung der Genus- und Wortauslautregeln den nächsten Schwerpunkt dar. In dieser Hinsicht sind zwei Aspekte besonders wichtig. Der erste Aspekt betrifft die Rangordnung der Pluralbildungsregeln als solche. Die damit verbundenen Fragen, die beantwortet werden müssen, sind:

- Welche Gruppe von Regeln ist in der jeweiligen Sprache höher gerankt und für die Bildung der Pluralformen wichtiger, die Genusregeln oder die Wortauslautregeln?
- Welche Gruppe von Regeln hat in der jeweiligen Sprache einen größeren Anwendungsskorpus?
- Inwiefern unterscheiden sich das Deutsche und das Russische in Bezug auf die relative Gewichtung der Genus- und der Wortauslautregeln?

Den zweiten wichtigen Aspekt der Regelhierarchisierung bildet die Frage, ob die Anwendungsreihenfolge der Pluralregeln arbiträr ist und von den Sprechern gelernt werden muss oder ob sie automatisch erfolgt. In diesem Zusammenhang stellt die Annahme des Spezifizitätsprinzips ein besonderes Interesse dar. Wie sich einzelne Pluralbildungsregeln des Deutschen mit Hilfe der Elsewhere Condition hierarchisieren lassen, wurde in Bittner und Gallmann ausführlich beschrieben.3 Allerdings gibt es bis jetzt keine Untersuchungen, die das Spezifizitätsprinzip für die Erklärung der russischen Pluralformen verwenden. Auch ansonsten sind mir keine Analysen bekannt, welche die Pluralbildung in den beiden Sprachen mit einander vergleichen. In dieser Arbeit werde ich versuchen, diese Lücke zu schließen, indem ich das Spezifizitätsprinzip auf die Pluralregeln des Russischen übertrage. Dabei gehe ich auf die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den beiden Sprachen hinsichtlich der Benutzung einzelner Pluralregeln und Behandlung der Ausnahmen ein und versuche herauszufinden, ob das Spezifizitätsprinzip bei der Bildung der Pluralformen wirklich sprachenübergreifend funktioniert.

2. Die existierenden Ansätze zum Thema Pluralbildung und sprachliche Daten

In diesem Teil werden sprachliche Daten und ihre Behandlung in verschiedenen Grammatiken vorgestellt. 2.1. beschäftigt sich mit der Pluralbildung des Deutschen. Nachdem in 2.1.1. die wichtigsten Pluralbildungsmuster skizziert werden, setze ich mich in 2.1.2. mit den im Duden formulierten Pluralregeln auseinander. Man wird sehen, dass alle Regeln genau auf den Kriterien Genus und Wortauslaut basieren, welche Gegenstand dieser Arbeit sind.

2.2. ist der Pluralbildung im Russischen gewidmet. Nach einer kurzen Präsentation der Daten in 2.2.1. werden in 2.2.2. verschiedene Ansätze vorgestellt, die ebenso Genus und Wortauslaut entweder direkt, oder als Teil des Oberbegriffs Deklinationsklasse konsequent benutzen.

2.1. Das Pluralsystem des Deutschen und die traditionellen Pluralregeln

2.1.1. Der Reichtum der deutschen Pluralformen

Das Deutsche zeichnet sich durch ein äußerst heterogenes Pluralsystem aus. Als Mittel der formalen Markierung von Mehrzahl stehen mehrere Pluralsuffixe, Suffixlosigkeit sowie die Veränderung des Stammvokals zur Verfügung. Während Werner und Wegener von „9 sehr verbreiteten ... Normalfällen“4 reden bzw. „nicht weniger als 9 verschiedene Pluralflexive“5 differenzieren, listet Gallmann „10 Muster für die Bildung der Pluralformen“6 auf, wobei er auch Fremdwörter mit den erhaltenen Pluralendungen der Herkunftssprache mitzählt.

Die Daten fasst Gallmann in einer Tabelle zusammen, die ich durch Substantive anderer Geschlechter sowie Substantive mit bestimmten Auslauten erweitert habe, welche für die vorliegende Arbeit relevant sind. Das Genus ist hinter jedem Wort in Klammern angegeben. Außerdem habe ich für ein besseres Verständnis dessen, wie die Pluralbildung funktioniert, morphologische Segmentierung hinzugefügt. Auch die den Unterschied zwischen Grund- und Stammflexion betreffenden Zweifelsfälle bei den auf -e und -en auslautenden Wörtern wurden dabei berücksichtigt. Die wichtigsten Daten des Deutschen, von denen ich einige im weiteren Verlauf der Arbeit analysieren und mit den entsprechenden Daten des Russischen vergleichen werde, findet man in der aus Gallmann7 übernommenen und erweiterten Tabelle 1:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

T a b e l l e 1 .

Die Verteilung der zehn in Tabelle 1 dargestellten Pluralbildungsmuster zwischen verschiedenen Substantiven geschieht nicht willkürlich, sondern ist durchaus regelgeleitet, sodass sich mit einigen Ausnahmen gewisse Gesetzmäßigkeiten feststellen lassen. Im nächsten Kapitel beschäftige ich mich mit der Behandlung der oben skizzierten Daten durch die als Standardwerk anerkannte deutsche Grammatik, den Duden (2006 und 2009).

2.1.2. Die Behandlung der deutschen Pluralbildung in der Dudengrammatik

2.1.2.1. Faktor Genus bei der Formulierung der Grundregeln im Duden.

Der so genannte Kern des Pluralsystems lässt sich im Duden mit lediglich drei Grundregeln beschreiben. Diese erklären ca. 85% aller Fälle8 und lauten in der Fassung von 2006 wie folgt:

(1). - G1: Maskulina und Neutra bilden den Plural mit der Endung -e oder sind nach G3 endungslos .

- G2: Feminina bilden den Plural mit - en oder nach G3 mit -n.

- G3: (e -Tilgungs-Regel): Wenn ein Substantiv im Singular auf unbetontes - e, -el, -em, -en

oder - er ausgeht, wird das e der folgenden Endung getilgt. Statt der Pluralendung - e erscheint also gar keine Endung, statt - en bloßes - n.9

Regeln G1 und G2 benutzen das Genus als eine einzige Eigenschaft, während G3 eine reine Wortauslautregel darstellt. Interessant ist, dass keine der drei Grundregeln allein imstande ist, ein richtiges Pluralmorphem des jeweiligen Substantivs vorherzusagen: Wenn man mit Hilfe von G1 und G2 die Pluralformen von den Wörtern der Hund- Ø , das Boot- Ø , die Uhr- Ø , der Leiter- Ø , die Leiter- Ø bilden möchte, bekommt man für jedes Substantiv als Ergebnis jeweils zwei verschiedene Varianten, nämlich * die Hund- Ø und die Hund-e (G1) , *die Boot- Ø und die Boot-e (G1), *die Uhr-n und die Uhr-en (G2), die Leiter- Ø und *die Leiter-e (G1), die Leiter-n und *die Leiter-en (G2). Erst nachdem auch der Wortauslaut der entsprechenden Singularformen untersucht und Regel G3 angewendet wird, erhält man für jedes Wort einen richtigen Plural.

Wie man sieht ist es nicht möglich, mit Hilfe der Genusregeln allein- zumindest in der Form, wie sie in der Dudengrammatik (2006) formuliert sind - aus der Singularform eines Wortes seine Pluralform zu gewinnen. Allerdings wurden die Grundregeln in der späteren Fassung des Duden (2009) folgender Weise umformuliert:

(2). - G1: Maskulina und Neutra gehen im Plural auf -e aus.

- G2: Feminina bilden den Plural mit - en.

- G3: Maskulina und Neutra mit Wortausgang auf unbetontes - el - en oder - er sind im

Plural endungslos; Feminina auf - el oder - er erhalten die kurze Pluralendung -n. 10

Der Unterschied zwischen G1 und G2 in (1) und den entsprechenden Genusregeln in (2) besteht darin, dass in (2) Varianten zwischen dem schwahaltigen und schwalosen Pluralsuffix aus den Genusregeln vollständig eliminiert wurden und in die Regel G3 verlagert, so dass die Pluralmorpheme, die in der Abhängigkeit von dem Geschlecht eines Wortes verlangt werden, eindeutig sind. Insofern können solche Formen wie der Hund- Ø → die Hund-e, das Boot- Ø → die Boot-e (G1); die Uhr- Ø → die Uhr-en (G2) mit den Genusregeln allein beschrieben werden, ohne dass zusätzliche Information über das jeweilige Wort benötigt wird.

Problematisch wird es mit den Substantiven wie der Leiter- Ø , der Enkel- Ø , die Feder- Ø, welche die in G3 aufgelisteten zusätzlichen Eigenschaften aufweisen, so dass die Entscheidung getroffen werden muss, welche der Grundregeln in jedem konkreten Fall anzuwenden ist. Während in (1) auf das selbe Substantiv jeweils zwei Grundregeln (G1 und G3 bzw. G2 und G3) angewendet werden konnten und auch mussten, um das richtige Resultat zu erzielen, ist die gleichzeitige Anwendung der Regeln G1 und G3 bzw. G2 und G3 in (2) nicht mehr möglich, da sie einander widersprechen.

Im Duden und auch in der Arbeit von Gallmann, die eine Art Leitfaden für den Umgang mit den Dudenregeln darstellt, wird explizit erwähnt, dass Grundregeln und Zusatzregeln hierarchisch geordnet sind.11 Über die Reihenfolge der Anwendung von G1 - G3 unter einander wird aber nichts gesagt. Dabei ist klar, dass G3 in (2) sich mit den beiden anderen Grundregeln im Konflikt befindet, so dass zwischen G1 und G3 einerseits und G2 und G3 andererseits ein Widerspruch besteht, denn kein Substantiv kann gleichzeitig eine Ø - und eine e -Endung oder eine n- und eine en- Endung aufweisen. Während die beiden ersteren Regeln ein voll realisiertes silbisches Pluralsuffix erfordern, verlangt die dritte Grundregel, dass das Schwa getilgt und eine nichtsilbische Variante des Morphems benutzt wird.

Wenn man sich die drei Grundregeln in (2) ganz genau anschaut, fällt einem auf, dass es sich bei G1 und G2 wiederum um die reinen Genusregeln handelt, genauso wie es in (1) der Fall war, während G3, im Unterschied zu der älteren e -Tilgungs-Regel in (1) keine reine Wortauslautregel mehr ist, sondern zwei Kriterien gleichzeitig berücksichtigt: den Wortauslaut und zusätzlich dazu auch das Genus. Insofern wäre es wahrscheinlich richtiger, G3 zu den Zusatzregeln zu zählen. Auf jeden Fall sollte sie hierarchisch höher als G1 und G2 eingeordnet werden, so dass die Anwendungsreihenfolge von G1 - G3 in (2) G3>>G1, G2 ist.

Sprachliche Daten, für deren Beschreibung die Genusregeln G1 und G2 allein ausreichend sind, das heißt, welche sich weder innerhalb des Wirkungsbereichs der Zusatzregeln befinden, zu denen im Grunde genommen auch G3 gehört, noch einen Umlaut annehmen, noch Sonderfälle darstellen, sind in Tabelle 1 dunkelgrau unterlegt.12

2.1.2.2. Faktor Wortauslaut und die Zusatzregeln nach Duden

Zusatzregeln werden gebraucht, um die Pluralbildung der Wörter mit besonderen Eigenschaften beschreiben zu können. Im Duden sind vier Regeln, Z1 - Z4, aufgelistet, wobei Z1 - Z3 eine Reihe von ziemlich regelhaften Ausnahmen aufweisen:

(3). - Z1: Substantive, die im Singular auf unbetontes - e ausgehen, enden im Plural auf

- en.

Ausnahmen: Ge -bildungen wie Gebirge mit einem e- Plural

- Z2: Wörter, die im Singular auf einen unbetonten Vollvokal enden, haben einen s -Plural .

Diese Regel betrifft Wörter deutscher und fremder Herkunft . Ausnahmen: manche Wörter auf - a und - o wie Risiko mit einem en- Plural

- Z3: Fremdwörter, die im Singular auf einen betonten Vollvokal enden, haben einen s -

Plural.

Ausnahmen: Feminina auf - ie und - ee wie Allee mit einem en- Plural;

Deutsche Wörter und Lehnwörter auf Vollvokal: Reh, Frau, Datei.

- Z4: Diminutive ... auf -lein sind wie diejenigen auf -chen ... im Plural endungslos.13

Es ist bemerkenswert, dass all diese Regeln den Auslaut eines Wortes als das einzige Kriterium benutzen. Sie „haben einen eingeschränkten Anwendungsbereich, sind aber stärker als die Grundregeln“ und darum eher anzuwenden, so der Duden.14 Mit Hilfe der Zusatzregeln können folgende Substantive erklärt werden: der Hase → die Hasen, das Auge → die Augen

(Z1). Für die Ableitung der s-Plurale Opa-s, Zoo-s, Auto-s, Komitee-s, Oma-s sind Z2 und Z3 zuständig. Der Nullplural von Diminutiven lässt sich durch Z4 beschreiben. Die relevanten Beispiele sind das Kindlein- Ø → die Kindlein- Ø , das Mäuschen- Ø → die Mäuschen- Ø.

Im Duden ist die Meinung vertreten, dass Nomen auf -e als aus einem komplexen Stamm bestehend analysiert werden müssen. Wurzel und Harnisch zählen auch einige Wörter auf - en dazu.15 Als Hauptargument für eine solche Interpretation wird die Tatsache angeführt, dass auch „in der Wortbildung ... e -lose Formen auftreten“ können: Täsch-chen, Aug-apfel, Bälk chen. Dann läge bei der Pluralbildung dieser Substantive statt Grundflexion (der Hase- Ø → die Hase-n) Stammflexion (der Has-e → die Has-en) vor. Auf dieselbe Art und Weise lässt sich auch der en -Plural bei den Fremdwörtern mit Suffixen -a, -o, -us, -os, -is, -um, -on erklären. Deswegen wurde Regel Z1 folgender Weise umformuliert:

(4). - Z1: Nomen, deren Singularform eine ... Flexionsendung aufweist, ersetzen diese im Plural durch die Endung - en.16

Durch diese Veränderung wird möglich, solche Fälle wie die Katz-e → die Katz-en, der Balk-en → die Balk-en, das Muse-um → die Muse-en, das Risik-o → die Risik-en einheitlich zu behandeln und die Anzahl der Regeln um eins zu reduzieren. Die Existenz der Parallellformen Pizz-en und Pizza-s, Vill-en und Villa-s, Kont-en und Konto-s, erklärt der Duden dadurch, dass die fremdsprachigen Stämme manchmal als einfach (die Pizza- Ø → die Pizza-s) und manchmal als komplex (die Pizz-a → die Pizz-en) interpretiert werden. Bei den Substantiven auf -a und -o wird im ersten Fall Regel Z2, im zweiten Regel Z1 angewendet. Da sich im zweiten Fall einerseits um komplexe Stämme mit der Flexionsendung handelt, andererseits aber um Wörter auf einen Vollvokal, treffen die beiden Zusatzregeln zu, die sich mit einander in Konflikt befinden: Z1 fordert -en und Z2 -s als Pluralsuffix. Da nur Z1 angewendet wird, werden Nomen auf -a und -o im Duden als Ausnahmen zu Z2 aufgelistet.

Alle Substantive, deren Pluralformen mit Hilfe der Zusatzregeln beschrieben werden, sind in Tabelle 1 hellgrau markiert.

Ein weiteres Beispiel einer Regel, die den Wortauslaut konsequent benutzt, ist die im letzten Kapitel bereits thematisierte Regel G3, mit deren Hilfe Wörter behandelt werden, die auf ein so genanntes Pseudosuffix ausgehen. In der Form wie G3 in der Dudengrammatik (2006) formuliert und in dieser Arbeit unter (1) wiedergegeben ist, besitzt sie, genauso wie die Genusregeln, nicht genügend Kraft, um über die richtige Pluralendung allein zu entscheiden, sondern liefert, ähnlich wie Regeln G1 und G2 in (1), jeweils zwei Varianten: der Leiter- Ø → die Leiter- Ø / *die Leiter-n, d ie Leiter- Ø → * die Leiter- Ø /die Leiter-n. Diese Varianten sind genusabhängig, sodass je nach dem Geschlecht des jeweiligen Substantivs zusätzlich dazu noch die Anwendung von G1 oder G2 nötig wird.

Im Duden (2009) wurde die ältere e -Tilgungs-Regel mit den Genusregeln vereinigt, so dass die neu formulierte Regel G3, die in der vorliegenden Arbeit unter (2) aufgeführt ist, die beiden Kriterien, nämlich den Wortauslaut und das Genus berücksichtigt. Insofern ist sie sogar spezifischer gehalten, als die vier Zusatzregeln, welche für die Beschreibung der Pluralformen nur die Eigenschaft Wortauslaut benutzen. Um bei der Auswahl des Pluralsuffixes zu dem richtigen Ergebnis zu gelangen, sollte man G3, welche in der neueren Fassung des Duden eine Genus- und eine Wortauslautregel zugleich ist, noch vor G1 und G2 anwenden, die jetzt keine Varianten zulassen, sondern eine schwahaltige Endung fordern.

Unabhängig davon, ob man die Grundregeln in (1) oder diejenigen in (2) verwendet bleibt Fakt, dass bei Substantiven auf -er, -el, -en sowohl das Genus, als auch der Wortauslaut berücksichtigt werden muss. Bei der Behandlung der Pluralformen dieser Wörter auf ein Pseudosuffix ist zwar keiner dieser Faktoren allein ausreichend, zusammen sind sie aber imstande, mehr als 98% der Fälle richtig zu beschreiben.17 All diejenigen Beispiele, die auf eine sonorantfinale Reduktionssilbe enden und für die Ableitung deren Pluralformen sowohl das Genus, als auch der Wortauslaut von Bedeutung ist, welche also mit Hilfe von G1 und G3, bzw. G2 und G3 gleichzeitig, so wie sie in (1) formuliert sind, oder, alternativ, mit Hilfe von G3 in (2) behandelt werden, bekommen in Tabelle 1 eine Umrandung.

2.1.2.3. Lexikalische Spezifikationen und ihre Behandlung im Duden

Wie man sieht, bleibt eine erhebliche Menge der Pluralformen immer noch nicht erfasst. Ohne farbliche Unterlegung sind vor allem Wörter gelassen worden, welche bei der Pluralbildung einen Umlaut bekommen, Substantive mit fremdsprachigen Pluralsuffixen und diejenigen mit dem er- Plural. Auch der s -Plural bei den konsonantisch auslautenden Wörtern, der (e)n -Plural bei Maskulina und Neutra, die nicht auf -e enden, sowie der e -Plural bei Feminina kann mit Hilfe der oben vorgestellten Regeln nicht erklärt werden. Solche Substantive werden im Duden je nach dem Pluralbildungsmuster unter den Sonderfällen (S1 - S5) und den Umlautregeln (U1 - U4) aufgelistet. Dabei wird explizit erwähnt, dass Sonderfälle auswendig gelernt werden müssen, auch wenn sich gewisse Tendenzen und Analogien feststellen lassen: „Es geht hier ... um lexikalisches Wissen, nicht Regelwissen“, so der Duden.18

Was die Umlautregeln anbetrifft, setzen sie voraus, dass das Pluralmorphem des jeweiligen Wortes bereits bekannt ist. U1 zum Beispiel besagt, dass Feminina, welche ihren Plural mit den Suffixen - Ø und -e bilden, es sei denn, es handelt sich um eine Ableitung auf -nis oder -sal, im Plural obligatorisch umgelautet werden. Laut U2 bekommen alle Pluralformen auf -er ebenso einen Umlaut, sofern der Stammvokal umlautfähig ist. Da es sich in den beiden Fällen um irreguläre Formen handelt, bei denen das Pluralsuffix eher lexikalistisch gelernt werden muss, ist es fraglich, ob U1 und U2 spracherwerbstechnisch wirklich hilfreich sind, denn es ist schwer vorstellbar, dass bei ein und demselben Wort zuerst das Pluralsuffix gelernt und erst dann mit Hilfe einer Regel der Umlaut zugewiesen wird. Nach U3 werden Neutra mit einem Plural auf - Ø oder -e mit der Ausnahme von Fl öß -e, Klöster- Ø und Wässer- Ø niemals umgelautet. Auf diese Regel kann man aber verzichten, denn „Pluralformen ohne Umlaut sind der Normalfall“, so der Duden.19 U4 ist gar keine Regel im herkömmlichen Sinne, denn es wird nur darauf hingewiesen, dass bei maskulinen Pluralformen auf - Ø und - e der Umlaut auftreten kann. Darüber, ob er dann auch tatsächlich auftritt, sagt die Regel allerdings nichts.

Wie man sieht, lassen sich die Pluralformen im Deutschen nur teilweise mit Hilfe grammatischer Regeln aus den entsprechenden Singularformen ableiten. Trotzdem kann man sich mit der Meinung, die deutsche Pluralbildung sei chaotisch und undurchschaubar kaum für einverstanden erklären. Die Behauptung von Wode „für jedes Wort muss der Plural gesondert gelernt werden“20 mag zwar auf die zahlreichen Ausnahmen zutreffen, nicht aber auf die erdrückende Mehrheit der Pluralformen (über 85%), die mit Hilfe recht strikter Regeln gebildet werden. Als Grundlage für diese dienen hauptsächlich zwei Faktoren: das Genus des jeweiligen Substantivs und sein Wortauslaut, wobei die Genus- und die Wortauslautsregeln oft mit einander konkurrieren. In den nächsten Kapiteln möchte ich untersuchen, inwiefern dieselben zwei Eigenschaften eines Wortes für die Pluralbildung im Russischen relevant sind und ob zwischen den beiden Sprachen diesbezüglich gewisse Gemeinsamkeiten bestehen.

2.2. Die Daten des Russischen und verschiedene Ansätze zu ihrer Beschreibung

2.2.1. Die Vielfalt der Pluralbildungsmuster im Russischen

Auf den ersten Blick erscheint die Pluralbildung im Russischen noch komplexer und unübersichtlicher als die Bildung der Pluralformen im Deutschen. Das lässt sich durch Folgendes erklären:

Zum Einen sind in der russischen Sprache zahlreiche Heteroklitika vorhanden, welche jeweils unterschiedliche Singular- und Pluralstämme aufweisen. Auch solche Veränderungen wie Betonungsverschiebung, Einschub oder Verlust des flüchtigen Vokals, e/ ё - Alternation, diverse Konsonantenveränderungen können nur sprachgeschichtlich erklärt werden und stellen aus der heutigen Sicht eher Ausnahmen dar.

Während zum anderen die Kasusunterschiede im deutschen Pluralparadigma (bis auf die n - Endung im Dativ) völlig verschwunden sind, hat fast jeder Kasus im Russischen einen eigenen (im Nominativ und Genitiv sind es sogar mehrere) Pluralmarker. Das liegt daran, dass Russisch keine Artikel kennt und alle grammatischen Kategorien am Nomen selbst markiert werden. Die Auswahl der Pluralallomorphe im Genitiv funktioniert aber nach den ähnlichen Regeln wie die Bildung des Nominativ Plural.

Zum Dritten sind die Unterschiede zwischen Aussprache und Schreibweise im Russischen so gravierend, dass, auch wenn sich das jeweilige Substantiv aus der phonologischen Perspektive gesehen, bei der Pluralbildung absolut regelmäßig verhält, sein Schriftbild gewisse Irregularitäten aufweisen kann. Diese Diskrepanzen zwischen Laut und Schrift beginnen bereits bei der Frage nach der Zahl der Pluralmorpheme. Beispielsweise differenzieren Bendixen und Voigt zwischen fünf Pluralendungen: -y, -i, -a, -ja und -e.21 Wenn man aber nur die lautliche Seite berücksichtigt, kann man -y/-i als ein zugrundeliegendes Morphem / -i / und - a/-ja als ein zugrundeliegendes /- a / zusammenfassen. Da einige Substantive einen endungslosen Plural bilden, macht es durchaus Sinn, auch - Ø zu dem Inventar der russischen Pluralmorpheme hinzuzufügen.

Die wichtigsten Beispiele zur Illustration der Pluralbildung im Russischen sind in Tabelle 2 zusammengefasst. Alle Wörter wurden nach DIN 1460 transliteriert und morphologisch segmentiert. Das Genus des jeweiligen Substantivs ist in Klammern angegeben. Die Betonung markiere ich mit „ “ über dem entsprechenden Vokalbuchstaben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

T a b e l l e 2

Mit einem Blick auf Tabelle 2 kann man der Bemerkung von Zaliznjak, dass fast jede Pluralendung bei einem Substantiv jeden Geschlechtes möglich ist,22 nur zustimmen. Während sich die nativen Feminina in der Hinsicht auf die Auswahl des Pluralmorphems, zumindest im Nominativ, noch regelmäßig verhalten, indem sie immer die Endung -a/-ja annehmen, können Neutra den Plural auf -a, -ja, und -i bilden, während bei Maskulina alle der fünf möglichen Pluralendungen vorkommen können.

Dieser Eindruck eines völligen Chaos innerhalb der Pluralbildungsmustern des Russischen ist, laut Zaliznjak, irreführend und kann dadurch erklärt werden, dass in solchen Übersichtstabellen typische Formen mit den extrem seltenen vermischt werden.23 Insofern ist das Vorkommen ein- und desselben Pluralmorphems bei den nach allen Kriterien äußerst unterschiedlichen Wörtern kein Grund, die Existenz der Pluralregeln in Frage zu stellen, denn „[i]n der weitaus überwiegenden Mehrzahl der Fälle wird nämlich der Plur. völlig regelmäßig zur betreffenden Singularform gebildet,“ so Isačenko.24 Es bleibt nur herauszufinden, welche Merkmale der entsprechenden Singularformen für die Pluralbildung besonders wichtig sind, und unter Berücksichtigung dieser Merkmale die Regeln zu formulieren.

2.2.2. Die Pluralbildungsregeln des Russischen

2.2.2.1. Die deklinationsklassenbasierte Behandlung russischer Plurale in den Referenzgrammatiken

Die meisten traditionellen Grammatiken des Russischen beschreiben die Bildung der Pluralformen innerhalb einzelner Deklinationsklassen. Die Aufteilung der Substantive in unterschiedliche Flexionstypen variiert von Grammatik zu Grammatik. Dabei schwankt auch die Anzahl der angenommenen Klassen sowie ihre Nummerierung.

Traditionell differenziert man zwischen drei Deklinationstypen, welche nach den Kriterien Genus und Flexionsendung im Nominativ Singular bestimmt werden. Diese Aufteilung führen unter Anderem Švedova, Kirschbaum und Wade,25 wobei der letztere den Begriff der Flexionsklasse erst nach der Formulierung der Pluralregeln einführt und hauptsächlich für die Beschreibung der Singularparadigmen verwendet. Die Klassifikation von Isačenko unterscheidet sich lediglich dadurch, dass er alle unregelmäßigen Wörter mit Stammerweiterung sowie Heteroklitika unter der 4. Deklination zusammenfasst.26 Obwohl man, wie es aus dem Ansatz von Bendixen und Voigt deutlich wird,27 auf das Konzept der Deklinationsklasse bei der Erklärung der Pluralformen völlig verzichten kann, werden hier auch diejenigen Grammatiken vorgestellt, welche diesen Begriff konsequent benutzen, denn erstens handelt es sich bei Švedova, Isačenko und Kirschbaum um die Standardwerke, und zweitens sind die beiden Eigenschaften Genus und Wortauslaut, aus denen sich die Deklinationsklasse konstituiert, der eigentliche Gegenstand dieser Arbeit.

Den meisten Grammatiken zufolge gibt es folgende drei Klassen der Substantive:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Jedem Deklinationstyp werden für den jeweiligen Kasus des Plural bestimmte Flexionsendungen zugeordnet, genauso wie es auch im Singular der Fall ist. Meistens werden Pluralmorpheme und Musterwörter in der tabellarischen Form zusammengefasst. Es wird dem Leser überlassen, die Regeln anhand der Tabellen selbst zu formulieren. So wird in Kirschbaum nur die irreguläre Pluralbildung erläutert; dies ist auch in Isačenko der Fall. Bei Isačenko findet man sogar den Satz: „Die Deklination der regelmäßigen Substantive kann hier als bekannt vorausgesetzt werden.“29 Die in Kirschbaum dargestellte Tabelle der regelmäßigen Endungen beim Nomen sieht zum Beispiel folgender Weise aus:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

T a b e l l e 3 .30

Für diese Arbeit sind vor Allem die Zeilen mit den Endungen des Nominativ und des Genitiv Plural von Bedeutung. Da im Nominativ mehrere Synkretismen auftreten, wollen wir auf die Untersuchung der Genitivendungen ebenfalls nicht verzichten, denn es kann passieren, dass die Berücksichtigung der Nominativformen allein nicht ausreicht, um die in Teil 1 gestellten Fragen eindeutig zu beantworten, sodass Evidenz aus den anderen Kasus benötigt wird. Anhand Tabelle 3 lassen sich folgende Pluralregeln für den Nominativ formulieren:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die entsprechenden Regeln für den Genitiv sind die folgenden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wenn man sich die Endungen des Nominativ anschaut, fällt einem auf, dass nur die Nomen der 3. Deklination (Feminina auf einen palatalisierten Konsonanten oder einen Zischlaut) ein eindeutiges Pluralmorphem, nämlich -i, bekommen. Ansonsten muss in der Abhängigkeit von der Qualität des vorangehenden Konsonanten zwischen den beiden möglichen Varianten -y/-i bzw. - a/-ja entschieden werden. Meistens ist der Unterschied rein orthographisch. Mit Hilfe der in Kirschbaum vorgeschlagenen Tabelle „Mögliche Folge von Vokalbuchstaben auf stammauslautende Konsonanten“31 kann man für die Auswahl zwischen verschiedenen Schreibweisen folgende Regeln aufstellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dass die beiden Regeln lediglich das Schriftbild bewirken, ist offensichtlich. Darum werde ich bei der Formulierung einiger Regeln keine Varianten zwischen -y/-i einerseits und -a/-ja andererseits angeben. Als orthographische Defaults habe ich die Buchstaben „i“ und „a“ gewählt. Erstens stimmen sie mit den IPA-Zeichen für die entsprechenden Phoneme überein. Zweitens werden „i“ und „a“ in den phonologisch weniger markierten Kontexten geschrieben als „y“ und „ja“.32

Allerdings sollte man die Qualität des letzten Konsonanten bei der Auswahl des Pluralmorphems nicht unterschätzen. Im Nominativ scheinen sich die Pluralformen von Wörtern, deren letzter Konsonant hart ist, von denen, mit einem palatalen Konsonanten oder

[...]


1 Wegener, Pluralbildung, 1999: 7.

2 Bendixen und Voigt, 1999: 36.

3 Bittner, 2000: 3ff., Gallmann, 2013: 1ff.

4 Werner, 1969: 93.

5 Wegener, 1995: 12.

6 Gallmann, 2014: 1.

7 Gallmann, 2014: 1.

8 Duden, 2006: 226.

9 Duden, 2006: 183.

10 Duden, 2009: 181.

11 Gallmann, 2014: 1-3, Duden, 2006, 181.

12 Beispiele der Leiter- Ø → die Leiter- Ø , die Leiter- Ø → die Leiter-n u. Ä. , bei denen außer dem Genus noch der Wortauslaut von Bedeutung ist und die im Duden mit Hilfe von G3 erklärt werden, zähle ich nicht dazu. Auch Substantive das Reh- Ø → die Reh-e und die Frau- Ø → die Frau-en auf einen Vollvokal, die im Duden als Ausnahmen zu den höher gerankten Zusatzregeln Z2 und Z3 interpretiert werden, bekommen keine farbliche Markierung.

13 Duden, 2009: 181f.

14 Duden, 2009: 181.

15 Wurzel, 1970: 26f., Harnisch, 1994: 98 ff.

16 Duden, 2009: 186.

17 Eisenberg: 164.

18 Duden, 2009: 182.

19 Duden, 2009: 184.

20 Wode, 1988: 219.

21 Bendixen, Voigt, 1999: 36.

22 Zaliznjak, 2002: 219.

23 Zaliznjak, 2002: 219.

24 Isačenko, 1982: 88.

25 Švedova, 1980: §14; Kirschbaum 2004: 138; Wade, 2002: 6.

26 Isačenko, 1982: 87.

27 Die in Bendixen und Voigt formulierten Pluralregeln werden im weiteren Verlauf des Kapitels vorgestellt.

28 Neutra auf - mja weisen nur im Singular die für Typ 3 regelmäßige Endungen auf. Darum werden sie in Bezug auf die Pluralbildung als Ausnahmen behandelt. Isačenko zählt sie zu dem so genannten irregulären Typ 4.

29 Isačenko, 1982: 90.

31 Kirschbaum, 2004: 139.

32 Mit „a“ wird der hintere Vokal [a] nach einem Konsonanten wiedergegeben, der weder palatalisiert noch velarisiert ist. Der Unterschied zwischen den beiden Lauten hinsichtlich des Merkmals [+/-back] ist gering und die Lautfolge leicht artikulierbar. Mit „ja“ wird [a] nach einem palatalisierten Konsonanten wiedergegeben. Diese Lautfolge ist markiert, weil der Konsonant das Merkmal [-back] u nd der nachfolgende Vokal das Merkmal [+back] hat. Mit „i“ wird der vordere Vokal [i] nach einem palatalisierten Konsonanten wiedergegeben. Die beiden Laute teilen die Eigenschaft [-back] und die Lautfolge ist leicht auszusprechen. Mit „y“ wird, laut Padgett, der vordere Vokal [i] nach einem velarisierten Konsonanten wiedergegeben. Der Konsonant hat demnach das Merkmal [+back] und der Vokal [-back], so dass die Lautfolge äußerst markiert ist. Sieh dazu Padgett, 2003: 321.

Ende der Leseprobe aus 70 Seiten

Details

Titel
Genus, Wortauslaut und Pluralform im Deutschen und Russischen
Untertitel
Spezifizitätsprinzip
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für Deutsche Sprache und Literatur 1)
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
70
Katalognummer
V339788
ISBN (eBook)
9783668295162
ISBN (Buch)
9783668295179
Dateigröße
877 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
genus, wortauslaut, pluralform, deutschen, russischen, spezifizitätsprinzip
Arbeit zitieren
Alena Küchenberg (Autor), 2015, Genus, Wortauslaut und Pluralform im Deutschen und Russischen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339788

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