Die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) gehört weltweit sowohl zur am häufigsten diagnostizierten, als auch umstrittensten psychischen Störung im Kindes- und Jugendalter. Die Zahl der ADHS Diagnosen bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland stieg nach Informationen des Ärztereports 2013 der Barmer zwischen den Jahren 2006 und 2011 um 42% an. In Deutschland leiden, laut der Ergebnisse der KiGGS Studie von 2014, 5% der Kinder und Jugendlichen von 3 bis 17 Jahren an einer diagnostizierten ADHS, wobei Jungen dabei mehr als viereinhalbmal so häufig betroffen waren als Mädchen.
Aufgrund steigender Diagnosezahlen in den letzten Jahren und der dementsprechend zu prognostizierenden steigenden Relevanz für die zukünftige pädagogische Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien, ist es das Ziel dieser Arbeit, das Störungsbild ADHS sowie seine Ursachen mit Schwerpunkt auf den psychosozialen Bereich zu skizzieren, sowie die gegenwärtige Diagnosestellung kritisch zu hinterfragen und Handlungsempfehlungen für Eltern und Lehrer auszusprechen. Es wird von der Hypothese ausgegangen, dass ein positives psychosoziales Umfeld sowie die pädagogische Förderung der betroffenen Kinder ADHS Symptome kompensieren und abschwächen kann. Die zentrale Fragestellung innerhalb dieser Arbeit lautet daher: „Welchen Einfluss haben psychosoziale Faktoren auf die ADHS und welche Handlungsempfehlungen lassen sich daraus für Eltern und Pädagogen ableiten?“ Die Beantwortung dieser Frage soll mit Hilfe aktueller Fachliteratur und fachlich wertvoller Internetquellen gelingen.
Dabei soll am Anfang dieser Arbeit grundlegendes Basiswissen aufgearbeitet werden, dazu zählen die Begrifflichkeit ADHS sowie die Hauptsymptome und die sich daraus ergebenden Sekundärsymptome und Schwierigkeiten im Alltag der Betroffenen. Anschließend ist es das Ziel, die aktuelle Ursachendiskussion zu skizzieren und ausgehend von der Annahme eines multifaktoriellen Entstehungsmodelles ausführlich die psychosozialen Faktoren und deren Einfluss auf die Ausprägung von ADHS Symptomen vorzustellen. Ein weiteres Kapitel wird den typischen Problemen der Betroffenen gewidmet, dabei wird nicht nur das Kind als Betroffener gesehen, sondern auch dessen Eltern und Lehrer. Zum Schluss der Arbeit sollen Handlungsempfehlungen an Eltern und Lehrer gegeben werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Begriff ADHS und die Symptome
3. Ursachen der ADHS
3.1. Neurobiologische Ursachen
3.2. Psychosoziale Faktoren
3.2.1. Die ökonomisch-kulturellen Bedingungen
3.2.2. Die Bedingungen des sozialen Umfeldes
3.2.3. Die psycho-emotionalen Bedingungen
3.3. Das Modell zur Entstehung und Aufrechterhaltung von Aufmerksamkeitsstörungen
4. Vom Verdacht zur Diagnosestellung
4.1. Der Anfangsverdacht
4.2. Die Diagnose
4.3. Kritische Betrachtung der Diagnose
4.3.1. Empirische Befunde für eine Überdiagnostizierung
4.3.2. Zusammenfassung der kritischen Betrachtung
5. ADHS Typische Probleme der Betroffenen
5.1. Probleme des Kindes
5.2. Probleme der Eltern
5.3. Probleme der Lehrer
6. Handlungsempfehlungen
6.1. Handlungsempfehlungen für Eltern
6.1.1. Ausbruch aus dem Teufelskreis
6.1.2. Umsetzung und Arten der negativen Konsequenzen
6.1.3. Umsetzung von positiven Konsequenzen
6.2. Handlungsempfehlungen für Lehrer
6.2.1. Lob und Anerkennung geben
6.2.2. Klare Regeln aufzeigen
6.2.3. Auszeit als negative Konsequenz nutzen
6.2.4. Freiräume und Bewegungsmöglichkeiten bieten
6.2.5. Eine lernfreundliche Umgebung schaffen
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Ziel der Arbeit ist es, das Störungsbild ADHS sowie seine Ursachen – insbesondere im psychosozialen Bereich – zu skizzieren, die aktuelle Diagnosestellung kritisch zu hinterfragen und konkrete Handlungsempfehlungen für Eltern und Pädagogen abzuleiten, um ADHS-Symptome durch ein positives Umfeld zu kompensieren.
- Multifaktorielles Entstehungsmodell der ADHS
- Einfluss psychosozialer Faktoren auf die Symptomatik
- Kritische Analyse der ADHS-Diagnostik und Überdiagnostizierung
- Belastungsmomente für Betroffene, Eltern und Lehrkräfte
- Praktische Handlungsempfehlungen für den Erziehungs- und Schulalltag
Auszug aus dem Buch
3.2.2. Die Bedingungen des sozialen Umfeldes
Kinder mit ADHS sind Teil von verschiedenen sozialen Netzwerken oder Systemen, wobei das wichtigste System, noch vor der Schule, die eigene Familie darstellt. Nach Barkley entscheidet erst das soziale Umfeld, welche Kinder zu Ärzten geschickt, untersucht und behandelt werden.
Außerdem hat das soziale Umfeld einen wesentlichen Einfluss darauf, wie sich eine bestehende ADHS entwickeln kann, ob sich weitere Probleme entwickeln und sich die Situation verschlechtert oder ob die Kinder trotz einer ADHS Diagnose relativ gut zurechtkommen und sich eine Besserung der Symptome einstellen kann (vgl. Barkley 2005: 171).
Vernooij sowie auch Barkley sind sich einig in der Annahme, dass sich das Verhalten des Kindes sowie das Verhalten des sozialen Umfeldes gegenseitig bedingen (vgl. Vernooij 1992: 40; Barkley 2005: 171). Dies ist insofern besonders problematisch anzusehen, da laut Barkley gezeigt wurde, dass sich die Eltern-Kind-, Geschwister-Kind- sowie Lehrer-Kind-Interaktionen bei Kindern mit ADHS prinzipiell als besonders schwierig und belastend beschreiben lassen (vgl. Barkley 2005: 172).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der weltweit steigenden ADHS-Diagnosen ein und definiert das Ziel der Arbeit, psychosoziale Einflussfaktoren zu untersuchen und Handlungsempfehlungen zu formulieren.
2. Der Begriff ADHS und die Symptome: Das Kapitel definiert ADHS als hyperkinetische Störung und erläutert die Hauptsymptome Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität sowie daraus resultierende Sekundärsymptome.
3. Ursachen der ADHS: Hier wird das multifaktorielle Entstehungsmodell vorgestellt, das biologische und genetische Komponenten mit psychosozialen Faktoren verknüpft.
4. Vom Verdacht zur Diagnosestellung: Das Kapitel beschreibt den komplexen Diagnoseprozess und beleuchtet kritisch die Tendenzen zur Überdiagnostizierung, insbesondere bei Jungen.
5. ADHS Typische Probleme der Betroffenen: Die Auswirkungen der Störung auf das Kind sowie die daraus resultierenden Belastungen für Eltern und Lehrkräfte werden systematisch analysiert.
6. Handlungsempfehlungen: Aufbauend auf den theoretischen Grundlagen werden praktische Strategien für Eltern und Lehrer präsentiert, um einen konstruktiven Umgang mit der Störung zu fördern.
7. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass ADHS ein komplexes Phänomen ist, dessen Symptomatik durch ein unterstützendes psychosoziales Umfeld positiv beeinflusst werden kann.
Schlüsselwörter
ADHS, Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung, psychosoziale Faktoren, Diagnostik, Überdiagnostizierung, Handlungsempfehlungen, Elternarbeit, pädagogischer Umgang, Erziehung, Lehrkräfte, Teufelskreis, Verhaltensstörung, Selbstwertgefühl, soziale Interaktion, Förderung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Thesis befasst sich mit der kritischen Auseinandersetzung der ADHS im Kindesalter und erarbeitet sozialpädagogisch orientierte Handlungsempfehlungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Ursachenforschung, die Problematik der Diagnosestellung sowie die Auswirkungen der Störung auf das soziale Umfeld (Eltern und Schule).
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, den psychosozialen Einfluss auf die ADHS aufzuzeigen und Strategien zu entwickeln, die den Alltag der Betroffenen und ihrer Bezugspersonen erleichtern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und der Analyse bestehender fachwissenschaftlicher Modelle und empirischer Studien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden das Verständnis der Störung, ihre multifaktoriellen Ursachen, die Problematik der Diagnose sowie konkrete Interventionsmöglichkeiten für Eltern und Pädagogen diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind ADHS, psychosoziale Faktoren, Diagnostik, Überdiagnostizierung, Erziehung, pädagogische Förderung und Interaktionsmodelle.
Warum wird die Diagnostik kritisch betrachtet?
Die Kritik basiert auf der empirisch belegten Tendenz zur Überdiagnostizierung und der Tatsache, dass Jungen signifikant häufiger fehldiagnostiziert werden als Mädchen.
Wie lässt sich der „Teufelskreis“ bei ADHS beschreiben?
Er beschreibt die wechselseitige Verstärkung von negativem Verhalten des Kindes und entsprechenden negativen Reaktionen der Umwelt, was zu einer Zunahme der Symptomatik führt.
Welche Rolle spielt die Ausbildung von Lehrkräften?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Vermittlung von Wissen über ADHS und den professionellen Umgang damit in der aktuellen Lehrerausbildung unzureichend ist.
Was sind die wichtigsten Empfehlungen für Eltern?
Empfohlen werden die Etablierung positiver gemeinsamer Erlebnisse, klare Regeln, ein konsistentes Belohnungssystem und der bewusste Einsatz konsequenter, aber nicht destruktiver Erziehungsmaßnahmen.
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- Erik Beyer (Author), 2016, Eine kritische Auseinandersetzung mit ADHS im Kindesalter sowie Handlungsempfehlungen für Eltern und Pädagogen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339794