Pestalozzis Bild vom Menschen. Der Einfluss seiner Anthropologie auf seine Erziehungstheorie


Seminararbeit, 2010

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Pestalozzi – Leben und Werk
2.1 Pestalozzi - Biographie
2.2 Zeitgeschichtliche Umfelder

3. Pestalozzis Anthropologie
3.1 Die drei Zustände im Menschen
3.1.1 Der Naturzustand
3.1.2 Der gesellschaftliche Zustand
3.1.3 Der sittliche Zustand
3.2 Herz – Kopf – Hand

4. Das Bild vom Kind – Wesensarten des Kindes

5. Erziehungsmaßnahmen - Bildungstheorien
5.1 Die Schulbildung
5.2 Die Elementarbildung
5.3 Die Methode

6. Die Anwendung der Methoden
6.1 Die Armenerziehungsanstalt in Stans
6.2 Unterrichtsentwürfe

7. Fazit und Nachlass

Literaturverzeichnis

„Mein einziges Buch, das ich seit Jahren studiere ist der Mensch;auf ihn und auf Erfahrungen über ihn gründe ich all meine Philosophie“[1]

(Johann Heinrich Pestalozzi, 1782)

1. Einleitung

Dieser einleitende Satz fast prägnant zusammen, wie Pestalozzi die Grundgedanken für seine Erziehungstheorie entwickelte. Aus dem Menschen selbst heraus. Er beobachtete ihn und interagierte mit ihm. Er leitete daraus seine Anthropologie ab und passte anschließend seine Pädagogik diesen Erkenntnissen über den Menschen an. Keine Erkenntnis in seiner Theorie ist zufällig oder allein aus dem Verstand heraus entstanden. Sie sind immer das Ergebnis seiner Beobachtungen, entstanden aus dem Bild, das Pestalozzi vom Menschen gezeichnet hatte. Dabei übernahm er nicht die gängigen Ansichten seiner Zeitgenossen (weder Rousseaus Annahme von grundsätzlich guten Menschen, noch die Ansicht des generell verdorbenen Menschen der Calvinisten). Er forschte unvoreingenommen um eine eigene Theorie zu entwickeln. Dennoch änderte und verfeinerte er dieses Bild im Laufe seines Wirkens immer wieder. Um den Rahmen dieser Arbeit einzuhalten wird auf diesen Wandel seiner Theorie nicht eingegangen, es werden die grundlegenden Ergebnisse zusammengefasst.

Diese Arbeit wird sich der Frage widmen, welche Ebenen Pestalozzis Anthropologie enthält und wo sie sich in seine Erziehungstheorie wiederfindet.Welches Bild vom Menschen hatte Pestalozzi und welche Konsequenzen für die Bildung und Erziehung des Menschen ergaben sich für ihn daraus?Dabei wird ein Einblick in die Vielschichtigkeit seiner Theorien gegeben und die Ansätze zur Umsetzung werden beleuchtet. Im Folgenden wird dazu zunächst auf die Biographie Pestalozzis und sein zeitgeschichtliches Umfeld eingegangen. Denn viele Gedanken über die Erziehung gründen in seiner persönlichen Erfahrung. Seine Erziehungsmaßnahmen und die Schulbildung, die er anstrebte, leitete Pestalozzi direkt aus seiner Anthropologie und aus den Erfahrungen seiner persönlichen Schulzeit ab. Nachdem das Menschenbild ausgefaltet wurde lassen sich die daraus abgeleiteten Konsequenzen in seiner Methode der Elementarbildung wiedererkennen. Sie stellt nach Pestalozzi den Ausgangspunkt für die Bildung dar. Hierauf folgt ein kurzer Einblick in Pestalozzis Anwendungsversuche. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Armenerziehungsanstalt von Stans und einzelne Unterrichtsentwürfe, die er für die anderen Institutionen, in denen er tätig war, entwarf. Abschließend werden die Erkenntnisse und Inhalte dieser Arbeit zusammengefasst. Es soll auch kurzer Blick darauf gerichtet werden, in welchen Momenten der heutigen Schulbildung Pestalozzis Theorien und Methoden noch vorhanden sind.

2. Pestalozzi – Leben und Werk

2.1 Pestalozzi - Biographie

Johann Heinrich Pestalozzi wurde am 12. Januar 1746 in Zürich als Sohn einer politisch einflussreichen Familie geboren. Sein Großvater lebte in Höngg, einem kleinen Ort nahe Zürich, und war dort als Dorfpfarrer tätig. Ihn besuchte Pestalozzi oft und erlebte den Bildungsmangel und die schlechten Lebensverhältnisse denen die Landbevölkerung ausgesetzt war. Ähnlich wie Rousseau sah er dies als Folge des Machtmissbrauchs der Regierung und lokalisierte die Gesellschaft als Wurzel allen Übels. Als Pestalozzi gerade fünf Jahre alt war starb sein Vater und er wuchs bei seiner Mutter und seinen zwei Geschwistern unter finanziell unsicheren Bedingungen auf. In seiner Schulzeit tat sich Pestalozzi mit dem strukturierten Unterricht schwer. Er besuchte eine Züricher Elementarschule, dort ließen die Lehrer den Stoff nur auswendig lernen und gaben keine Erklärungen über die Inhalte ab. So konnten sich die Schüler die Sachverhalte nicht selbst erklären oder taten sich schwer diese zu durchschauen. Pestalozzi beendete nie eine Berufsausbildung oder ein Studium, trotz vieler Versuche. Im Jahre 1767 unternahm er Anstrengungen um Landwirt zu werden. Er heiratete 1769 Anna Schulthess, zum Missfallen ihrer Eltern. Sie zogen 1770 gemeinsam auf den Neuhof, dort wurde auch Pestalozzis einziger Sohn Jakob geboren. Als sich der Hof nicht rentierte, beschäftigte Pestalozzi Kinder, die das Land bewirtschaften sollten, gleichzeitig wollte er sie vor einem Bettelleben bewahren. 1774 wurde der Hof dann zu einer Armenanstalt umgestaltet. Die Kinder wurden unterrichtet und führten kleinere Tätigkeiten, wie Spinnen und Weben aus. Pestalozzi wollte den Hof durch den Verkauf dieser textilen Produkte unterhalten. Im Jahre 1779 waren jedoch alle Mittel ausgeschöpft, und der Neuhof musste aufgelöst werden. In den folgenden 20 Jahren widmete sich Pestalozzi hauptsächlich dem Verfassen und der Publikation verschiedener Schriften.

Im Jahr 1799 wurde Pestalozzi im Auftrag der Regierung gebeten, ein Waisenhaus in Stans zu eröffnen. Dort kamen bei einem Angriff der französischen Truppen zahlreiche Menschen ums Leben und mehr als 75 Kinder wurden zu Waisen. Diese Einrichtung musste jedoch schon nach einem halben Jahr geschlossen werden, weil sie als Lazarett für französische Truppen dienen sollte. Doch schon 1800 eröffnete Pestalozzi eine andere Erziehungsanstalt in Burgdorf, jedoch keine Armenanstalt. Ein Jahr später starb sein Sohn Jakob, woraufhin sich Pestalozzi schwere Vorwürfe machte, weil er sich ihm nie warmherzig gegenüber verhalten hatte und ihn in den schlechten Verhältnissen auf dem Neuhof aufwachsen ließ. Die Anstalt von Burgdorf wurde auf Grund politischer Änderungen nach Yverdon übergesiedelt. Auch hier konnte sich Pestalozzi nicht seinem primären Anliegen, der Erziehung der Armen, widmen. Die Anstalt wurde zu einem Monopol für moderne Pädagogik, und erfreute sich eines regen Besucherandrangs. Aus vielen Ländern Europas kamen Lehrer, um sich dort weiterbilden zu lassen. Pestalozzis Frau Anna starb 1815 und auch ihretwegen plagte Pestalozzi ein schlechtes Gewissen. Denn sie hatte nie ein finanziell abgesichertes Leben an seiner Seite, da er fast das gesamte Vermögen in seine Erziehungsanstalten investierte. 1825 wurde die Erziehungsanstalt von Yverdon aufgelöst, weil es zu Streitigkeiten im Kollegium um Pestalozzis Nachfolge kam. Am 17. Februar 1927 starb Pestalozzi schwerkrank nachdem er seine letzten Monate bei seinem Enkel auf dem Neuhof verbracht hatte.

PestalozzisLienhard und Gertrud, seineNachforschungen über den Gang der NaturoderDie Abendstunde eines Einsiedlersfassen seine Anthropologie zusammen.[2]Die wesentlichen Erkenntnisse dieser Werke werden in den folgenden Kapiteln dargestellt. Doch zunächst soll das Zeitgeschichtliche Umfeld, in dem sich Pestalozzi bewegte, kurz angedeutet werden.

2.2 Zeitgeschichtliche Umfelder

Das 18. Jahrhundert gilt als das Zeitalter derAufklärung, in ihr galt die Vernunft als einzige Erkenntnisquelle. Zum Teil wird es auch als dasPädagogische Jahrhundertbezeichnet, nicht zuletzt trug Pestalozzi zu diesem Titel bei. Berühmte Philosophen wie Jean-Jaques Rousseau prägten die Pädagogik und das Denken der Zeit. Pestalozzi teilte Rousseaus Annahme, dass der Mensch nur durch die Gesellschaft schlecht wird. Die menschenunwürdigen Verhältnisse, die Pestalozzi unter anderem im Dorf seines Großvaters erfahren hatte, sah er als eine Folge von Machtmissbrauch und dem sittlichen, geistigen und moralischen Verfall der Menschheit. In der Schweiz prägten revolutionäre Unruhen die Zeit und auch die Französische Revolution führte zu Aufständen. Die Kriege Napoleons um 1815 sorgten für Not und Unsicherheiten in ganz Mitteleuropa. Armut war zwar ein Erscheinungsbild in allen Teilen des Landes, doch galt es besonders als ein Phänomen der ländlichen Bevölkerung.[3]

Bei der Umsetzung seiner Erziehungsmaßnahmen war Pestalozzi nicht nur finanziell Eingeschränkt. Die Schweizer Volksbildung befand sich auf einem Tiefpunkt, dem er beinahe machtlos gegenüber stand. Auch wenn Stapfer, der zu dieser Zeit Kultusminister in der Schweiz war, hinter Pestalozzis Ideen stand, war es unmöglich, die Bildung des Landes zu reformieren. Die Tradition der Bildung war zu festgefahren, als dass sie sich problemlos hätte umstrukturieren lassen. Noch dazu waren Pestalozzis Forderungen zu übereilt und zu vielschichtig. Und so konnte er erst in der Armenanstalt von Stans seine Vorstellungen bezüglich der Bildung und Erziehung von Kindern anwenden.[4]

Auf die Problematik der Kinderarbeit soll hier kurz eingegangen werden, denn im 18. /19. Jahrhundert galten Kinder als voll erwerbsfähig, sie durften einfache Tätigkeiten wie Baumwollzupfen oder Spinnen ausführen. Die Löhne glichen denen der Erwachsenen. Kinderarbeit galt qua Gesetz nicht als strafbar. Sie war sogar für viele Familien sogar Notwendig und zwar dann, wenn die Gehälter der Eltern nicht ausreichten, um alle Kinder zu ernähren. Mit der Verurteilung der Praxis der Kinderarbeit aus heutiger moralischer Perspektive, sollte man sich zurückhalten und sie aus der besprochenen Zeit heraus betrachten.[5]

[...]


[1]vgl. Pestalozzi, Johann Heinrich: Pestalozzi sämtliche Briefe, Band 3, Zürich 1964, S. 154.

[2]vgl.: Liedke, Max: Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827). In: Hans Scheuerl (Hrsg.): Klassiker der Pädagogik, Band 1. Von Erasmus von Rotterdam bis Herbert Spencer. München 1991, S. 170-186; Osterwalder, Fritz: Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827). In: Heinz-Elmar Tenorth (Hrsg.): Klassiker der Pädagogik, Band 1. Von Erasmus bis Helene Lange. München 2003, S. 101-118.

[3]vgl. Osterwalder, Fritz: Zur Vorgeschichte der pädagogischen Konzepte Pestalozzis. In: Jürgen Oelkers und Fritz Osterwalder (Hrsg.): Pestalozzi, Umfeld und Rezeption. Studien zur Historisierung einer Legende. Reihe Pädagogik. Weinheim/ Basel 1995, S. 56-61; Martin, Ernst: Philipp Albert Stapfer, Heinrich Pestalozzi und die Helvetische Schulreform. Eine Kontextuelle Analyse. Zürich 2007, S.8f.

[4]vgl.: Martin, Ernst: Stapfer, S. 8f.

[5]vgl. Osterwalder, Fritz: Vorgeschichte, S. 59. Eine Anmerkung, die mir vor allem auf Grund der negativen Resonanz dieser Tatsache im Seminar als wichtig erschien. vgl.: Anschlussgespräch an das Referat vom 21.04.2010.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Pestalozzis Bild vom Menschen. Der Einfluss seiner Anthropologie auf seine Erziehungstheorie
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
Orientierungswissen Erziehungswissenschaft, Reformpädagogik
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
19
Katalognummer
V339963
ISBN (eBook)
9783668296862
ISBN (Buch)
9783668296879
Dateigröße
514 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Reformpädagogik, Pestalozzi, Kopf, Herz, Hand
Arbeit zitieren
Manuela Klagge (Autor:in), 2010, Pestalozzis Bild vom Menschen. Der Einfluss seiner Anthropologie auf seine Erziehungstheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339963

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