Die Arbeitsmarktintegration von Immigranten in Deutschland

Benachteiligung von MigrantInnen der zweiten Generation auf dem deutschen Arbeitsmarkt - ein Erklärungsversuch anhand der Humankapitaltheorie


Hausarbeit, 2016

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Humankapital
2.1 Humankapitaltheorie
2.2 Bildungsökonomische Modelle
2.2.1 Lohndiskriminierung
2.2.2 Statistische Diskriminierung

3. Hypothesenbildung und Vorgehen

4. Unterschiede in der Ausstattung mit Humankapital

5. Empirische Untersuchungen zur ethnischen Ungleichheit auf dem Arbeitsmarkt

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Die Arbeitsmarktintegration stellt aus verschiedenen Gründen die bedeutsamste Dimension der Integration dar. Einer dieser Gründe ist, dass man ohne feste Arbeitsstelle und geregeltes Einkommen nicht am sozialen Leben teilnehmen kann und folglich eine Integration in die Gesellschaft des Aufnahmelandes nur erschwert möglich ist. (Kalter et. al 2011: 257) Die Teilhabe am Arbeitsmarkt ist entscheidend für die soziale Position und den gesellschaftlichen Status, den eine Person in der Gesellschaft einnimmt und er ist somit von großer Bedeutung für die Lebenschancen eines jeden Individuums und für die Förderung der Integration von Migranten in die Aufnahmegesellschaft. (OECD 2005: 10)

„Der Erfolg auf dem Arbeitsmarkt ist der strukturelle Kern der (intergenerationalen) Integration von Migranten und der zentrale Mechanismus für das Entstehen einer ethnischen Schichtung“ (Esser 2006: 81)

Dass auf dem deutschen Arbeitsmarkt MigrantInnen und ihre Nachkommen, also die zweite Generation nach wie vor schlechter gestellt sind als Deutsche ohne Migrationshintergrund, wurde in unterschiedlichen Studien mit verschiedenen Indikatoren des Arbeitsmarkterfolgs und verschiedenen Datensätzen wiederholt belegt. (Granato & Kalter 2006) Unter erfolgreicher Integration der zweiten Generation der Arbeitsmigranten in den Arbeitsmarkt versteht man, dass diese Gruppe identische Arbeitsmarktergebnisse erreicht wie die Nachkommen von Einheimischen unter der Voraussetzung des ähnlichen sozioökonomischen Hintergrunds. (OECD 2005: 10) Hieraus leitet sich die zentrale Fragestellung der vorliegenden Arbeit ab: „Warum ist die zweite Generation der Arbeitsmigranten auf dem deutschen Arbeitsmarkt weniger erfolgreich als Deutsche ohne Migrationshintergrund?“ Des Weiteren wird der Frage nachgegangen, welche Ursachen dieser ethnischen Ungleichheit auf dem deutschen Arbeitsmarkt zugrunde liegen. “Zur zweiten Generation zählen Personen ohne deutsche Staatsbürgerschaft, die entweder in Deutschland geboren wurden oder bis zum Alter von 6 Jahren eingewandert sind.“ (Kalter et. al 2011: 263 f.)

Mithilfe des Konzepts des Humankapitals werde ich versuchen herauszuarbeiten, warum die zweite Generation der Arbeitsmigranten im Gegensatz zu Deutschen ohne Migrationshintergrund schlechter mit Humankapital und formalem Bildungskapital ausgestattet sind.

In meiner Arbeit werde ich wie folgt vorgehen: Zunächst soll im theoretischen Teil ein Einblick in die Humankapitaltheorie nach Garry S. Becker gegeben werden, genauer werde ich hier auf die bildungsökonomischen Modelle eingehen. Darauffolgend werde ich die aus der Theorie generierten Hypothesen darstellen und erläutern. Im nächsten Schritt erfolgt eine/die Anwendung der vorgestellten theoretischen Ansätze auf die zweite Generation der Arbeitsmigranten in Deutschland. Im Anschluss werde ich empirische Untersuchungen zur Arbeitsmarktintegration von MigrantInnen der zweiten Generation analysieren und abschließend ein Fazit ziehen.

2. Humankapital

Zunächst einmal muss der Begriff des Humankapitals, für die Verwendung in dieser Arbeit definiert werden. „Humankapital bedeutet nach der OECD[1]-Definition Wissen, Qualifikationen, Kompetenzen und sonstige Eigenschaften, die dem Einzelnen eigen sind und es ihm ermöglichen, persönliches, Soziales und wirtschaftliches Wohlergehen zu erzeugen“ (Keely 2007: 33) Die Bildung und formale Bildungsabschlüsse nehmen eine elementare Rolle bezüglich des Humankapitals ein. (Granato & Kalter 2001: 500)

Im Folgenden sollen nun die theoretischen Ansätze, welche zur Beantwortung meiner Fragestellung von Bedeutung sind vorgestellt werden. Zunächst einmal die Humankapitaltheorie und die daraus hervorgehenden Bildungsökonomischen Erklärungsansätze. Der erste Erklärungsansatz wird durch die Theorie der selektiven Migration unterfüttert, was eine nähere Erläuterung der selektiven Migration erfordert. Der zweite Erklärungsansatz bedarf einer Ausführung der Lohndiskriminierung und der statistischen Diskriminierung.

2.1 Humankapitaltheorie

Die Humankapitaltheorie geht auf Gary S. Becker zurück, und besteht aus verschiedenen Modellen. Der Kern der Theorie besteht darin, dass davon ausgegangen wird, dass sich Arbeitnehmer hinsichtlich ihrer Produktivität unterscheiden und damit der Wert der Arbeitskraft die von den Arbeitnehmern angeboten wird unterschiedlich hoch ist. Der Wert eines Arbeitnehmers wird durch sein Humankapital bestimmt, das Humankapital darf aber nicht als gegeben betrachtet werden, sondern muss von den Arbeitnehmern erworben werden. (Hinz &Abraham 2005: 33)

Ein Akteur kann somit in sein Humankapital investieren indem er Bildung nachfragt. Hierbei entstehen nicht nur direkte Kosten für den Bildungserwerb, sondern es muss auch Zeit dafür eingesetzt werden. In dieser Zeit des Bildungserwerbs kann kein Geld verdient werden, somit entstehen weitere Kosten für den Akteur. Außerdem erfordert der Bildungserwerb intellektuelle Anstrengungen. Somit kann festgehalten werden, dass allgemeine Bildung und die daraus resultierenden Qualifikationen und Kompetenzen Kapitalgüter sind, in die ein Akteur investieren kann. (Hinz & Abraham 2005: 34)

2.2 Bildungsökonomische Modelle

Bildungsökonomische Modelle versuchen zu erklären, wie es zu einer unterschiedlichen Bildungsnachfrage kommt und zu der daraus resultierenden ungleichen Investition in Humankapital. Der erste Ansatz erklärt die unterschiedliche Nachfrage nach Bildung durch die Annahme, dass Akteure unterschiedliche Ressourcen besitzen, die sie für die Investition in Humankapital einsetzen können. Die Ressourcen sind zum einen finanzielle Möglichkeiten, aber auch Erfahrungen, Kenntnisse und Informationen über das Bildungssystem. Somit haben Kinder aus Familien der Unterschicht eine deutlich schlechtere Aussicht auf Bildungserfolge und nehmen deshalb auch schlechtere Arbeitsmarktpositionen ein. (Hinz & Abraham 2005: 34)

Der erste bildungsökonomische Ansatz bedarf meines Erachtens einer Erweiterung durch die Theorie der selektiven Migration. Die selektive Migration ist ein Ansatz zur Erklärung der ethnischen Ungleichheit auf dem Arbeitsmarkt. Hierbei gehe ich nur auf die Annahme der „negativen Selektion“ ein, da diese zum großen Teil auf die klassische Arbeitsmigration nach Deutschland in den 1960er und 1970er Jahren zutrifft. (Heckmann 1992: 81) Bei der klassischen Arbeitsmigration nach Deutschland war es politisch gewollt, dass Arbeitskräfte mit durchschnittlich niedrigerer Qualifikation aus dem Ausland geholt wurden. Außerdem bestand ein generelles Qualifikationsgefälle zwischen dem Aufnahmeland, in diesem Falle Deutschland und den Herkunftsländern also den klassischen Anwerberstaaten. Somit kam es zu einer negativ selektiven Migration nach Deutschland und führte zu einer ethnischen Schichtung auf dem deutschen Arbeitsmarkt. (Kalter 2008: 307)

[...]


[1]Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Arbeitsmarktintegration von Immigranten in Deutschland
Untertitel
Benachteiligung von MigrantInnen der zweiten Generation auf dem deutschen Arbeitsmarkt - ein Erklärungsversuch anhand der Humankapitaltheorie
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg  (Sozial-und Wirtschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Politische Soziologie Ethnische Inklusion und Exklusion
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
16
Katalognummer
V340031
ISBN (eBook)
9783668308718
ISBN (Buch)
9783668308725
Dateigröße
579 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
arbeitsmarktintegration, immigranten, deutschland, benachteiligung, migrantinnen, generation, arbeitsmarkt, erklärungsversuch, humankapitaltheorie
Arbeit zitieren
Janik Horstmann (Autor), 2016, Die Arbeitsmarktintegration von Immigranten in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340031

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