Seit den Sechziger Jahren kursiert der Begriff der Softwarekrise, welcher zum Ausdruck bringen soll, dass die angewandte Methodik der Softwareentwicklung nur unzureichende Ergebnisse hinsichtlich der Qualität, Termintreue und Kosten der Projekte liefert [Heß93, S. 1]. Die mit den herkömmlichen, nicht klar festgelegten Methoden entwickelte Software hat Schwächen bezüglich Struktur und Änderbarkeit. Diese Defizite haben eine Explosion der Kosten und einen erhöhten Bedarf an Softwarewartung zur Folge. Der Anteil für Software an den Gesamtkosten ist wesentlich höher als der für Hardware. Die mangelnde Strukturierung der Software hat eine Erhöhung der Wartungskosten zur Folge, welche inzwischen bis zu 2/3 der gesamten Kosten für Software ausmachen [APPE95, S. 21f.]. Einen vielversprechenden Lösungsansatz zur Lösung der Softwarekrise bietet das Konzept der Wiederverwendung [Heß93, S. 8]. Die Framework-Technologie ermöglicht eine komponentenbasierte Softwareentwicklung und unterstützt somit den Ansatz der Wiederverwendung [HANS02, S. 157]. Die Grundzüge dieses Lösungsansatzes zur Entwicklung von Software und dessen Vorteilhaftigkeit sollen im Folgenden vorgestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Softwareentwicklung mit Framework-Technologie
2.1 Frameworks im Allgemeinen
2.2 Business Frameworks
2.3 Microsoft .NET
2.4 Der Softwareentwicklungsprozess mit Frameworks
3 Vorteile durch die Verwendung der Framework-Technologie
3.1 Softwarequalität
3.2 Softwareproduktivität
3.3 Softwarekosten
3.4 Softwareflexibilität
3.5 Kundenorientierung
3.6 Planbarkeit von Projekten
4 Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Framework-Technologie als Lösungsansatz für die Softwarekrise und untersucht, welche Vorteile durch deren Einsatz in der Softwareentwicklung erzielt werden können. Dabei steht die Frage im Vordergrund, inwiefern Frameworks zur Steigerung von Qualität, Produktivität und Flexibilität sowie zur Kostensenkung beitragen.
- Grundlagen der objektorientierten Framework-Technologie
- Klassifizierung und Einsatzmöglichkeiten von Frameworks
- Analyse des Softwareentwicklungsprozesses bei Framework-Einsatz
- Bewertung betriebswirtschaftlicher Vorteile wie Softwarequalität und Kosteneffizienz
- Anwendungsbeispiele, insbesondere Microsoft .NET
Auszug aus dem Buch
2.1 Frameworks im Allgemeinen
Unter dem Begriff Framework versteht man im Allgemeinen ein wiederverwendbares Design, welches vorgefertigte Komponenten und deren Interaktionsbeziehungen zur Verfügung stellt [HANS02, S. 157]. Ein objektorientiertes Framework ist das Ergebnis einer Kombination von Klassen, welche ein gemeinsames Problemfeld abdecken. Mit Hilfe dieser Klassen lassen sich mit geringem Aufwand Programme entwickeln, mit denen sich die verschiedensten Aufgaben des jeweiligen Problembereiches lösen lassen [HANS02, S. 966].
Frameworks bestehen aus generischen und spezifischen Bestandteilen. Die nicht änderbaren Teile des Rahmenwerkes werden als Frozen-Spots bezeichnet, während die variablen, für Modifikationen offenen Teile unter dem Begriff Hot-Spots zusammengefasst werden [FRAN01, S. 204].
Hinsichtlich ihrer Verwendung lassen sich die Frameworks in Gerüste und Baukästen klassifizieren. Wird ein Framework als Gerüst verwendet, müssen die Hot-Spots noch spezifisch modifiziert werden, um eine Anwendung aus dem Rahmenwerk zu entwickeln. Konkret bedeutet dies, dass neue Anwendungen entstehen, indem zu diesem so genannten White-Box-Framework neue Unterklassen hinzugefügt werden, die den Anforderungen der bestehenden Superklasse genügen müssen. Ob eine hinzugefügte Unterklasse wirklich verwendet werden kann, wird allerdings erst bei deren Implementierung deutlich, so dass bei der Verwendung von solchen Gerüsten ein erhöhter Aufwand betrieben werden muss, um deren Funktionsweise detailliert zu verstehen. Die zweite Art der Verwendung ist die Nutzung des Frameworks als eine Art Baukasten, was auch unter dem Begriff Black-Box-Framework bekannt ist. Bei dieser Vorgehensweise stehen für die einzelnen Hot-Spots des Rahmenwerks eine bestimmte Anzahl unterschiedlicher Klassen zur Verfügung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Diese Einleitung erläutert die Problematik der Softwarekrise und stellt die Framework-Technologie als vielversprechenden Lösungsansatz zur Wiederverwendung von Software vor.
2 Softwareentwicklung mit Framework-Technologie: Dieses Kapitel definiert die technologischen Grundlagen, klassifiziert verschiedene Framework-Typen und beschreibt den angepassten Softwareentwicklungsprozess.
3 Vorteile durch die Verwendung der Framework-Technologie: Hier werden die positiven Auswirkungen der Framework-Nutzung auf Qualität, Produktivität, Kosten, Flexibilität und Kundenorientierung detailliert analysiert.
4 Schlussbetrachtung: Das Kapitel reflektiert die dargestellten Vorteile kritisch und weist auf die hohen Investitionskosten sowie die langfristige Natur der erzielbaren Gewinne hin.
Schlüsselwörter
Softwarekrise, Framework-Technologie, Softwareentwicklung, Wiederverwendung, Hot-Spots, Frozen-Spots, Softwarequalität, Softwareproduktivität, Softwarekosten, Softwareflexibilität, .NET-Framework, Objektorientierung, Komponentenbasierte Entwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Framework-Technologie als Methode, um die Herausforderungen der sogenannten Softwarekrise durch Wiederverwendung von Softwarekomponenten effizienter zu bewältigen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt technologische Grundlagen von Frameworks, deren unterschiedliche Typen, den spezifischen Entwicklungsprozess sowie die betriebswirtschaftlichen Nutzenfaktoren wie Kosten, Qualität und Produktivität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Vorteilhaftigkeit des Framework-Ansatzes für die moderne Softwareentwicklung darzulegen und zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine strukturierte Literaturanalyse, die auf einschlägigen Fachpublikationen und Standards der Wirtschaftsinformatik basiert.
Was bildet den inhaltlichen Schwerpunkt des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in eine technologische Fundierung der Framework-Konzepte (Kapitel 2) und eine anschließende detaillierte Argumentation bezüglich der resultierenden Wettbewerbsvorteile (Kapitel 3).
Welche Schlüsselbegriffe definieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind insbesondere die Wiederverwendung, Hot-Spots, Frozen-Spots, Komponentenbasierte Softwareentwicklung und verschiedene Framework-Kategorien wie Business- oder Anwendungs-Frameworks.
Was versteht man unter dem in der Arbeit erwähnten White-Box-Ansatz?
Der White-Box-Ansatz beschreibt die Verwendung eines Frameworks als Gerüst, bei dem der Entwickler das Framework durch das Hinzufügen eigener Unterklassen spezifisch anpassen muss.
Warum betont der Autor die langfristige Sicht bei der Investition in Frameworks?
Obwohl Frameworks die Wartungskosten erheblich senken können, sind sie zu Beginn mit hohen Investitionskosten für Implementierung und Einarbeitung verbunden, weshalb sich der Return on Investment erst nach einer gewissen Zeit einstellt.
- Quote paper
- Stefan Müller (Author), 2004, Vorteile der Softwareentwicklung mit Framework-Technologie (z. B. .NET-Business Framework von Microsoft), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34004