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Marco Polos Bericht über Japan. Der historische Quellenwert des "Il Milione" am Beispiel Cipangus

Titel: Marco Polos Bericht über Japan. Der historische Quellenwert des "Il Milione" am Beispiel Cipangus

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2005 , 19 Seiten , Note: 2,5

Autor:in: Tabea Roth (Autor:in)

Geschichte Europas - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Das „Il Milione“ liest sich wie eine enzyklopädische Darstellung über asiatische Länder und die mongolische Geschichte. Noch zu Lebzeiten Marco Polos erreichte das Buch einen hohen Bekanntheitsgrad. Die Übersetzung „in fast alle süd-, west- und mitteleuropäische Sprachen“, die noch vom Autor selbst in Auftrag gegeben wurde, ebnete dem Werk den Weg in die verschiedensten Sprachräume und Lesekulturen. In den folgenden Jahrhunderten wurde es zu einem der am weitesten verbreiteten und gelesenen Reiseberichte des Mittelalters und der frühen Neuzeit.

Doch auch wenn sich das „Il Milione“ bei Marco Polos Zeitgenossen und den folgenden Generationen großer Beliebtheit erfreute, so wurde dessen Inhalt von seinen Lesern immer wieder in Frage gestellt. Heute ist bewiesen, dass viele dieser Zweifel berechtigt waren, da zahlreiche Angaben, Behauptungen und Erzählungen in Polos Bericht widerlegt werden konnten.

Bei Reisebeschreibungen handelt es sich in der Regel um autobiographische Texte, die subjektive Wahrnehmungen ihrer Autoren wiedergeben, deren Themen und Formulierungen an ein bestimmtes Lesepublikum angepasst wurden und deren Überlieferung beabsichtigt war. Historiker betrachten Reiseberichte daher eher misstrauisch, „da sie ganz offensichtlich subjektive Übertreibungen und vielfach sogar Lügen enthalten“ und daher ihr Wert als historische Quelle umstritten ist.

Diese Arbeit möchte deshalb der Frage nachgehen, in wie weit das „Il Milione“ trotz vieler Unwahrheiten im Mittelalter als historische Quelle dienen konnte und noch heute dienen kann. Dafür werden die drei Kapitel, die Marco Polo der Insel Cipangu (Japan) gewidmet hat, exemplarisch auf deren Informationsgehalt untersucht und ausgewertet.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Das Problem des Historikers mit Reiseberichten

2. Marco Polos Bericht über die Insel Cipangu

2.1. Erläuterungen zum Begriff „Cipangu“

2.2. Die Kapitel 160 bis 162 des „Il Milione“

2.3 Auswertung der Angaben Marco Polos über Cipangu

2.3.1. Übernahme von Legenden und Missverständnissen

2.3.2. Marco Polos Stellung am Hofe des Khans

2.3.3. Marco Polos Identifikation mit den Mongolen

2.3.4. Marco Polo als europäischer Autor

3. Der Quellenwert des „Il Milione“

3.1. Der Informationsgehalt des Werks für das Mittelalter

3.2. Der Quellenwert des „Il Milione“ heute

4. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den historischen Quellenwert des Reiseberichts „Il Milione“ von Marco Polo, insbesondere mit Blick auf die Schilderungen über die Insel Cipangu (Japan). Dabei wird analysiert, inwiefern Marco Polos Angaben durch den Mangel an eigener Anschauung, die Übernahme von Legenden sowie eine starke europäisch-christliche sowie mongolisch-geprägte Perspektive verzerrt sind.

  • Historische Glaubwürdigkeit und subjektive Wahrnehmung in Reiseberichten des Mittelalters
  • Die Darstellung Japans (Cipangu) im „Il Milione“ und deren faktische Korrektheit
  • Marco Polos Rolle als Europäer und die Einflussnahme kultureller Sichtweisen auf seine Schilderungen
  • Der Einfluss des Werks auf die kartographische Entwicklung und die europäischen Entdeckungsreisen

Auszug aus dem Buch

2.3.1. Übernahme von Legenden und Missverständnissen

Marco Polo berichtet von Cipangus „ungeheure[m] Besitz an Gold“51, den es nachweislich nie gegeben hat. Wenn er im Kapitel 160 den enormen Reichtum der Insel schildert, erzählt er nicht von seinen persönlichen Eindrücken, denn er hat „den prachtvollen Herrscherpalast“52, den er in aller Ausführlichkeit beschreibt, schließlich nie selbst zu Gesicht bekommen. Vielmehr scheint er an dieser Stelle eine volkstümliche Legende zu verarbeiten, die ihn auf den chinesischen Festland erreichte und Cipangu große Goldvorkommen unterstellte. Es ist anzunehmen, dass der niedrige Preis der Goldimporte von der Insel eine solche Annahme heraufbeschworen hat53.

Auch was die Handelsbeziehungen Chinas mit Cipangu angeht, macht der Autor falsche Angaben. Er behauptet „kein Kaufmann, noch sonst irgendwer, reist von der Insel zum Festland“54. Es stimmt zwar, dass Japan seit 894 keine offiziellen Beziehungen mit China aufrechterhielt55. Dennoch reisten seit dem 12. Jahrhundert Privatpersonen, darunter Händler, Wissenschaftler und Mönche, wieder regelmäßig auf das Festland56. Im 13. Jahrhundert segelten jährlich bis zu 50 Schiffe nach China, wobei – im Gegensatz zu Polos Ausführungen – zwischen den beiden Ländern ein reger Warenaustausch stattfand57. An diesen Beispielen zeigt sich deutlich, dass wohl die Informationsquellen Marco Polos, also die mongolische Hofgesellschaft sowie die chinesische Bevölkerung, selbst nur wenige Kenntnisse über die Insel besaßen58.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Das Problem des Historikers mit Reiseberichten: Einleitung in die Problematik der Glaubwürdigkeit mittelalterlicher Reiseberichte am Beispiel von Marco Polos „Il Milione“ und dessen Rezeptionsgeschichte.

2. Marco Polos Bericht über die Insel Cipangu: Analyse der Kapitel 160 bis 162, in denen Polo Geographie, Reichtum, die gescheiterte Invasion der Mongolen und die Sitten der Bewohner von Cipangu schildert.

3. Der Quellenwert des „Il Milione“: Untersuchung der Bedeutung des Werks als Informationsquelle für das mittelalterliche Europa und dessen lang anhaltende Wirkung auf Kartographie und Entdeckungsgeschichte.

4. Zusammenfassung: Synthese der Untersuchungsergebnisse, die den Quellenwert als begrenzt einstuft, da der Bericht stark von Wunschvorstellungen, Legenden und der spezifischen Weltsicht des Autors geprägt ist.

Schlüsselwörter

Marco Polo, Il Milione, Cipangu, Japan, Mittelalter, Reisebericht, Quellenkritik, Mongolen, Khubilai Khan, Entdeckungsreisen, Christoph Kolumbus, Kartographie, Historische Wahrheit, Kulturbegriff, Asienforschung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht den historischen Wahrheitsgehalt der Japan-Kapitel (Cipangu) im berühmten Reisebericht „Il Milione“ von Marco Polo und hinterfragt dessen Wert als objektive historische Quelle.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Neben der Prüfung faktischer Angaben zu Cipangu behandelt die Arbeit die Einflüsse von Legenden, die bewusste oder unbewusste Beschönigung mongolischer Niederlagen sowie die Verzerrung durch die europäische Sichtweise des Autors.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, warum Marco Polos Bericht trotz seiner historisch bedeutenden Rolle für die mittelalterliche Weltbild-Erweiterung als Quelle kritisch zu hinterfragen ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin wendet eine quellenkritische Analyse an, indem sie Polos Erzählungen mit gesicherten historischen Fakten zur Mongolenzeit und den tatsächlichen japanisch-chinesischen Beziehungen des 13. Jahrhunderts abgleicht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die inhaltliche Auswertung der Cipangu-Kapitel, die Prüfung von Polos Informationsquellen und die Reflexion über seine Rolle als europäischer Autor, der den Inhalt an ein heimisches Publikum anpasste.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die zentralen Charakteristika sind Quellenkritik, Reiseberichte, das mittelalterliche Bild Asiens, die Konstruktion von Fremdheit sowie die historische Einordnung der Marco-Polo-Erzählungen.

Warum wurde ausgerechnet Cipangu als Beispiel gewählt?

Cipangu eignet sich besonders gut, da Marco Polo nachweislich nie dort war, weshalb seine Schilderungen dort besonders deutlich auf Hörensagen, Legendenbildungen und Projektionen basieren.

Welche Rolle spielt die „Sensationsgier“ bei Polo?

Die Autorin argumentiert, dass Polo – etwa bei der Schilderung von Kannibalismus – bewusst übertrieb, um sein Werk für das europäische Lesepublikum unterhaltsamer und spannender zu gestalten.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Marco Polos Bericht über Japan. Der historische Quellenwert des "Il Milione" am Beispiel Cipangus
Hochschule
Universität Stuttgart  (Historisches Institut)
Note
2,5
Autor
Tabea Roth (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2005
Seiten
19
Katalognummer
V340049
ISBN (eBook)
9783668296145
ISBN (Buch)
9783668296152
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Marco Polo Reisebericht Japan Mittelalter Il Milione Quellenwert Quellenanalyse
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Tabea Roth (Autor:in), 2005, Marco Polos Bericht über Japan. Der historische Quellenwert des "Il Milione" am Beispiel Cipangus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340049
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Leseprobe aus  19  Seiten
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