Barbarossa und das Papstum. Zwischen Kooperation und Konflikt (1152 - 1159)


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016
36 Seiten, Note: 2, 0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Das Erbe KONRADS III. und die Königswahl

III. Friedrich BARBAROSSA und das Papsttum - Zwischen Kooperation und Konflikt
III. 1. Der Konstanzer Vertrag als gemeinsames Fundament
III. 2. Die Romfahrt und Begegnung bei Sutri
III. 3. Die Kaiserkrönung
III. 4. Der Vertrag von Benevent
III. 5. Der Eklat von Besançon
III. 6. Der Hoftag von Roncaglia und die Regalienpolitik des Kaisers

IV. Fazit

V. Bibliographie
V. 1. Primärliteratur
V. 2. Sekundärliteratur

I. Einleitung

ÄNachdem Gottes Gnade die Herrschaft über Rom und die Welt unseren Händen überantwortete, ist es unsere hohe Pflicht, für das Heilige Reich und den Göttlichen Staat zu sorgen“1. So schrieb der inthro- nisierte Kaiser Friedrich I. BARBAROSSA einst an OTTO von Freising und gab damit dem deutschen Kaisertum eine Sinndeutung vor, die dessen politisches Paradigma bis zum Tod prägen sollte. Auf Basis dieser göttlichen Prophetie begründete der König seine Herrschaft und tangierte in diesem Ideologem eben jene Gewaltenordnung des spätantiken Papstes GELASIUS, die allegorisch im gladius spiritualis und gladius materialis zum Ausdruck gebracht wurde und Äwonach Gott Papst und Kaiser zur Lenkung der Welt eingesetzt habe und im geistlichen und weltlichen Bereich zwar jeweils eigene Zuständigkeiten hätten, aber auch zur gegenseitigen Unterstützung verpflichtet seien.“2 Doch war - wie die Chronologie der Geschichte beweist - unter Friedrich I., der das Kaisertum einem solchen ‚germanophilen‘ Axiom unterwarf, ein Konfrontationskurs mit dem Pontifex a priori abzusehen und eine Koexistenz, die stets auf Kooperation und Ausgleich im Sinne der Zweischwerterlehre bedacht war, nicht garantiert.

Welche ideologische und politische Linie das imperium gegenüber dem sacerdotium einschlug, wird in der nachfolgenden Arbeit, die die Relation der weltlichen und geistigen Macht im Zeitraum von 1152 und 1159 behandelt, in den Fokus genommen werden. Der Schwerpunkt wird vor allem auf den Einflussfaktoren liegen, die eine Kooperation, aber auch den Konflikt zwischen den Parteien provo- zierten, wobei die Legitimität des Handlungsspielraumes aus verschiedenen Perspektiven und Domänen betrachtet werden soll. Um den Rahmen nicht zu sprengen und eine präzise Analyse der Handlungs- motivik zu ermöglichen, wird im Folgenden lediglich die Phase von der Königswahl BARBAROSSAS bis zum Tod HADRIANS IV. untersucht werden. Ausgehend vom Konstanzer Vertrag wird die Entwicklung der politischen Akklimatisierung und Distanzierung anhand singulärer Stationen präzise nachgezeichnet, sodass die Weichen des späteren Antagonismus adäquat beurteilt werden können. Vor dem Hintergrund der jüngsten Forschungen um den honor imperii, müssen die Spannungsfelder dabei ebenso von der Warte divergierender Ideologeme aus analysiert werden und in einen konkreten Zusammenhang mit dem Schwerpunkt der bisherigen Untersuchungen, die die Motivik des Staufers unter der Lupe reiner machiavellistischer Machtinteressen analysierten, zu stellen. En Passant ist es ebenso bedeutsam, Äob sich nicht innerhalb einer einzigen Regierung aufgrund der sich veränderten Zeitlage auch die Kaiseridee gewandelt hat.“3 Um eben diesen ideologischen Nährboden des Sukzessors Friedrich I. gegenüber dem sacerdotium auszuloten, ist es folglich notwendig, zunächst die Prämissen der Königswahl seit KONRAD III. zu betrachten, die die spätere Kirchenpolitik einleiteten.

II. Das Erbe KONRADS III. und die Königswahl

Die Wurzel der Herrschaftsideologie BARBAROSSAS fügt sich nämlich in das Beziehungsgeflecht des ausgehenden Königtums KONRADS III. adäquat ein, der, indem dem päpstlichen Gesuch nach einer Heerfahrt gegen die normannische Hegemonie auf Sizilien nachkam, seinerseits nach der Rückkehr von einem Kreuzzug die Kaiserapprobation anstrebte,: ÄPost reditum nostrum á Iherosolimitana expeditione omnem animi nostri intentionem converteramus, ut absque more prolixioris interventu ad res Italiae ordinandas et pacandas ingrederemur.“4 Der Ursprung dieser kurialen Petition liegt im notorischen Rechtsstreit um das Eiland: Während Roger II. sich auf das Eroberungsrecht stützte, beharrte Papst EU- GEN III. auf das Lehnsrecht über die Halbinsel (ÄRex tamen allegat hoc sibi negari non debere, quia, cum ecclesia Dei Sarracenis inpugnantibus Siciliam per multa saecula amiserit, sua et antecessorum virtute restituta est fidei.“5). Um diese gegen Roger II. gerichtete Kampagne zu realisieren, ging der König ein Heiratsbündnis mit dem Basileus Johannes II. ein, dem der Heilige Stuhl sein Plazet gab. Doch angesichts des Zweiten Kreuzzuges und der Sukzession Manuel I. Komnenos auf dem byzantinischen Thron, wurde der Feldzug sistiert.6 Ferner war KONRAD III. subversiven Umtrieben im Inneren des Reiches durch den Markgrafen Welf VI. ausgesetzt, die eine stadtrömische Kaiserinthronisation in weite Ferne rückten. Weitaus mehr beunruhigte aber EUGEN III. das im Zuge der byzantinischen Erbfolge geschlossene Abkommen von Thessaloniki, welches die territorialen Gewinne auf Sizilien, die vom Heiligen Stuhl aber als Lehnsgebiet eingestuft wurden, nach Vertragstext dem oströmischen Reich als Mitgift für Bertha von Sulzbach als Gemahlin von Manuel I. offerierte.7

Obwohl die reichsinternen Konfliktfelder zumindest einer Interimslösung unterworfen und die Wogen mit dem Papsttum durch einen weiteren Mitgifthandel, der das Brautgeschenk wieder an den Heiligen Stuhl zurückgegeben hätte,8 geglättet werden konnten, wurde der beschlossene Feldzug KON- RAD III. gegen die Normannen und die Kaiserkrönung in Italien durch eine schwere Krankheit, die schließlich am 15. Februar 1152 zum Tod des Königs führte, vereitelt und Ädas Projekt […] gegen- standslos“9: ÄIpse vero non multo post, omnibus bene in Gallia et Germania compositis, cum etiam iurata expeditione in proximo imperii coronam accepturus esset […] proxima a capite ieiunii sexta feria id est XV. Kal. Martii, vitam finivit.“10

Folglich hinterließ der König seinem Sukzessor Friedrich I. BARBAROSSA zwei größere Span- nungsfelder, die seine Herrschaftsgrundlage erst schufen, aber auch tiefgreifend prägen sollten. Noch am Sterbebett übergab KONRAD III. seinem Neffen die Reichsinsignien und insistierte, dass sein Nachfolger das fürstliche Plazet zur eigenen Königswahl erwirken solle (ÄFridericum adhuc parvulum commendavit et ut pro regno sibi adquirendo principibus loqueretur suasit”11). Diese Rekommandation ist erst vor dem realpolitischen Status des Reiches zu verstehen, in dem - nach der Vorstellung von OTTO von Freising - Friedrich I. als angularis lapis fungierte,12 der die Möglichkeit bot, den staufisch-welfischen Gegensatz zu überwinden. Im Zuge des damit verbundenen sächsisch-salischen Antagonismus unter Heinrich V. und Heinrich VI., entwickelte sich der Dualismus von König und Fürsten mit pontifikaler Einflussnahme im Zuge des Investiturstreites zu einem trilateralen Konflikt, der wechselseitige Konstellationen evo- zierte, in der die ‚Pfaffenkönige‘ wie KONRAD III. dem Druck der Fürstenopposition ausgesetzt waren, während der Papst sowie die Fürsten ein antikaiserliches Bündnis gegenüber den Antezessoren schmiedeten.13 Für den designierten Kaiser schien angesichts einer bereits vorhandenen fürstlichen wie päpstlichen Dissidenz die Aussicht auf die Königskrone und die Schaffung einer dauerhaften Friedens- ordnung geschmälert, weswegen sich BARBAROSSA bereits im Vorfeld der Wahl Ädurch eine Fülle von Zusagen und Versprechungen sehr rasch und äußerst zielstrebig um Unterstützung wichtiger Fürsten“14 bemühte, um seiner Machtbasis - im Gegensatz zu KONRAD III. - ein dauerhaftes Fundament zu verleihen. Dem Agrément von welfischer Seite leistete der Sukzessor vor allem durch seine bisherige Mediatorrolle Vorschub: ÄNam Fridericus, fratruelis regis, sororius eiusdem Gwelfonis, medium se ad compositionem faciendam interposuit“15. Die Konzessionen, die aus dem Mathildischen Gut in Tuscien an seinen Oheim Welf VI. und der Belehnung Heinrich des Löwen mit dem Herzogtum Bayern bestanden, komplementieren den Konsens unter den anwesenden Fürsten, die die Opposition des Mainzer Erz- bischofes übergingen und den Staufer inthronisierten. Nicht nur realpolitisch, sondern auch symbolisch bzw. normativ kam Friedrich I. seinen Herrschaftspflichten der Friedens- und Rechtswahrung nach, in dem er am Hoftag zu Ulm im Jahre 1152 feierlich einen Landfrieden verkündete: ÄQualiter autem eadem pax tenenda sit et servanda, in subsequentibus evidenter declarabitur.“16 Weitere inszenierte Krönungen in Merseburg, Regensburg sowie Trier, verbunden mit dem traditionellen Königsumritt, boten eine Plattform, Ädie Großen und ihre Teilhabe an der Königsherrschaft integrierende Vergegenwärtigungen des Reiches als eine Personengemeinschaft, in deren Zentrum der König als ihr ranghöchstes Mitglied stand“17, zu konstituieren. En Passant manifestiert sich mit Blick auf das königliche Herrschafts- verständnis gerade in diesem Schauspiel ein Ehrbegriff, zu dem sich BARBAROSSA allgemein und lapidar äußerte: ÄImperialis maiestas ab omnibus hominibus ea, que sunt honoris et reverentie, sibi querit impendi.“18 Darin wird erkennbar, dass Kaiser wie imperium als Synonym verschmolzen und die Glieder des Reiches ebenfalls zum honor imperii beitrugen:19 ÄConsulite Romano imperio, cuius, etsi nos caput, vos membra“20. Infolge dieser Politik der Integration und Dependenz von den einzelnen ‚Reichsgliedern‘, avancierte der Staufer zum ‚Fürstenkönig‘, der unabhängig der kurialen Einflussnahme breiten Rückhalt aus den eigenen Reihen generieren und das trilaterale Verhältnis zwischen Fürsten, König und Papst zu seinen Gunsten entscheiden konnte.

Der vertragslose Zustand zwischen imperium und sacerdotium bildete das zweite Spannungs- feld, denn die zahlreichen Initiativen sowohl von KONRAD III. als auch von WIBALD von Stablo und Cor- vey zur Stabilisierung der Beziehungen zwischen dem gladius spiritualis und gladius materialis drohten zu scheitern: ÄMulta enim, quae legimus et audivimus et vidimus inter reverendos Urbis pontifices et im- peratores facta et dicta, non indebita nos sollicitudine terrebant.“21 Angesichts dessen riet WIBALD dem Pontifex, die Initiative zu ergreifen und die eingeschlagene Linie mit FRIEDRICH I. fortzuführen: Ävocatus a vobis potius quam sponte sua veniret.“22 Doch mit der Wandlung des ‚Pfaffen- zum Fürstenkönigtum‘ war die Krönung - im Gegensatz zu seinen Vorgängern - nicht an die päpstliche Approbation gebunden, die zuvor noch eine kuriale Dependenz evozierte. Für RASSOW bedeutete dieser Umstand mit Blick auf den designierten König Friedrich BARBAROSSA: ÄEr bewies dadurch nur, daß er doktrinär genug war, um die faktische Machtlage zwischen deutschem König- und Papsttum, wie sie unter Lothar und KONRAD gegeben gewesen war, für eine grundsätzliche Neugestaltung zu halten, der der Anspruch auf Dauer zukam.“23

Dokumentiert ist der Wandel und die Kontinuität der pontifikal-staufischen Beziehung in der Wahlanzeige, die nicht mehr darauf ausgerichtet war, die Approbation von EUGEN III. einzuholen, son- dern lediglich das Votum vor dem Pontifex lancierte; in der Königswahl kommt die GELASISCHE Zweige- waltenordnung klar zum Ausdruck: ÄCum enim duo sint, quibus principaliter hic mundus regitur, videli- cet auctoritas sacra pontificium et regalis potestas.“24 Der Monarch bekannte sich der Kirche als Äsakro- sankte Mutter“25 gegenüber zum honor, iustitia, lex und pax für den universus popolus. Dabei handelte es sich allerdings nicht um neues Gedankengut, sondern um das Selbstverständnis des Papstes, der Ädas heilsame Miteinander dieser Kräfte zum Wohl des christianus popolus betonte.“26 und in einem weiteren Brief bereits im Januar 1152 versichert hatte: Äita et ab ipso duo sunt quibus hic mundus regitur constituta, scilicet auctoritas sacra pontificum et imperialis potestas; […] quod karissimus filius noster C[onradus] illustris Rommanorum rex pro sui honoris complemento ad honorem Dei et ecclesiae servitium“27. Mit Blick auf den Duktus und das Verhältnis zur Kirche trat BARBAROSSA demnach in die Fußstapfen seines Vorgängers.28 Dieses Ideologem impliziert die Advokatie des Heiligen Stuhls zu übernehmen und die kuriale Präeminenz in den geistigen Privilegien anzuerkennen, solange diese Herrscherpflichten nicht in Widerspruch zum honor imperii gerieten.29

In dieser Prämisse wird die machtpolitische Komponente des Wahlversprechens evident, dass trotz der pontifikalen Neutralität gegenüber der Königswahl die Legitimierung als imperator Romanus, die bereits unter KONRAD III. ins Zentrum der fürstlichen Verhandlungen in Aachen rückte,30 vom Koronator EUGEN III. abhing.31 Der Opportunismus der erstrebten reziproken Koexistenz ist unver- kennbar: Friedrich I. war vor allem an der Kaiserkrönung gelegen war, um - ähnlich wie bei den späteren Beschlüssen in Goslar im Juni 1154 - Äder Konfliktbereinigung im Vorfeld des Italienfeldzuges“32 Vor- schub zu leisten und den Krönungsakt abseits der vorangegangen Insurrektionen unter KONRAD III. zu vollziehen. Die immer noch unsichere Lage innerhalb des Reiches, die die Fürsten dazu veranlasste, den geplanten Italienzug wiederum aufzuschieben, umzeichnen ein deutliches Bild des fragilen Gleichge- wichts zwischen Fürsten- und Königtum.33

EUGEN III. hingegen suchte vor allem eine engere Anbindung an das Reich im Angesicht der Umklammerung durch den byzantinischen Basileus sowie die normannischen Invasoren und der existen- ziellen Bedrohung durch die römische Opposition: ÄIn der Mitte des 12. Jahrhunderts stand das Papsttum in einem vielfältig gegliederten, politischen Beziehungsgeflecht, das besonders durch regionale Probleme […] bestimmt war. Nur wenig intensiv waren dagegen die Beziehungen zum Reich.“34 Dass die Bedro- hung des Vatikanstaates durch innere Konspirationen nicht unbegründet war, zeigt der Fall Arnold von Brescia: Dessen subversive Umtriebe veranlassten den Papst zu einem Mahnbrief, der die Hegemonie des römischen Senates seit 1143 anklagte.35 Ebenso deutete die Außenpolitik Manuel I. an, dass der Basileus dazu tendierteÄ […] seine Herrschaft nach Mittel- und Unteritalien auszudehnen und zumindest in der sogenannten Maritima, d.h. dem Küstenstreifen an der mittleren Adria, Fuß zu fassen.“36 Im Osten insistierte EUGEN III. ebenfalls auf die Advokatie des deutschen Kaisertums, gegen die Normannen- herrschaft auf Sizilien zu ziehen: Zwar kam es im Zuge der persistenten Bedrohung durch die stadt- römische Opposition zur Akklimatisierung der beiden Lager, um auf Basis einer Interimslösung die Hegemonie der Kurie in der Urbs wiederherstellen zu können;37 doch die spätere Erhebung von Wilhelm I. als Thronerben Rogers II. lädierte Romano pontifice inconsulto das päpstliche Lehnsrecht und führte zu einem erneuten Zerwürfnis.38

Hinsichtlich jener internen wie externen Bedrohung bestätigte BARBAROSSA bereits in der Wahlanzeige emphatisch die defensio des Kirchenstaates als Prinzip seiner Reichspolitik: Äparati sumus, ut propitia divinitate temporibus nostri principatus verbum die expedite currere non prohibeatur et paternas regulas ac decreta sanctissimis diffinita conciliis nullus audeat absque pene gravioris vindicta violare, quatinus per studii nostri instantiam catholica ecclesia sue dignitatis privilegiis decoretur et Romani imperii celsitudo in pristinum sue excellentie robur deo adiuvante reformetur.“39 Daher spiegelt sich darin das Paradigma KONRADS III. als Ärechtgläubigen Sohn“40 der Kirche wider, dem Friedrich I. in der Ähereditaria dilectio“41 zum Heiligen Stuhl folgt. Das Erbe bildet sich auch in der nahezu gleichlautenden Korrespondenz mit dem Papst ab, die subversiven Umtriebe der Stadtrömer zu bekämp- fen und die Reichspolitik gegen die Normannen in Süditalien fortzusetzen:42 Änos constanter perficere studeamus, ita ut iuxta felicem ad sanctum virum domini promissionem inimicis vestri inimici simus et odientes vos affligamus.“43 In der Ablehnung jeglichen Ausgleichs mit der senatorischen Opposition wird evident, dass EUGEN III. auf einen baldigen Romzug des Staufers setzte und dem eigentlichen Krönungs- akt sowie einer grundsätzlichen Kooperation ebenso Vorschub leistete.44

Konkretisiert wird dieser Schulterschluss in einem Schreiben an den designierten Kaiser, in dem der Pontifex neben dem Wohlwollen (Äpersonam tuam, iam pridem nobis dilectam […] spem certiorem de tua industria iam antea tenebamus.“45), vor allem die Hoffnung zum Ausdruck brachte, dass die Äpromissa Conradi regis per eum impletum iri.“46 Unter diesen Prämissen wurde nicht nur die Königswahl approbiert (Äbenigno favore sedis apostolicae approbamus.“47), sondern im selben Atemzug auch die Kaisertitulatur in Aussicht gestellt: ÄNos siquidem ad honoris et exaltationis tuae augmentum pro debito commissi nobis officii, superna cooperante gratia, attentius intendimus laborare.“48

Summa Summarum lassen sich keine grundsätzlichen Veränderungen im Verhältnis von Papst und Kaiser seit KONRAD III. konstatieren: Angesichts der unveränderten außenpolitischen und innen- politischen Konstellationen sah sich Friedrich BARBAROSSA ‚genötigt’, die kuriale Politik seines Onkels fortzuführen, um die Krönung in Rom mit dem Pontifex als Koronator zu vollziehen. Folglich wurde die kooperative Beziehung wiederaufgenommen und die unter seinem Onkel getroffenen Konzessionen bestätigt. Die Ausgangsbedingungen gegenüber dem Heiligen Stuhl hatten sich jedoch zugunsten des ‚Fürstenkönigs‘ verbessert: Die Approbation war angesichts der unanimen Königswahl nichtig geworden und somit die pontifikale Dependenz auf die Kaiserkrönung beschränkt. Gleichzeitig prägte die starke Verschränkung des Fürstenstandes mit dem Königtum vornehmlich die nachfolgende Kirchenpolitik, die auf die Reichsglieder abgestimmt werden musste, um das fragile Gleichgewicht des ‚Fürstenkönigtums‘ zu bewahren.

III. Friedrich BARBAROSSA und das Papsttum - Zwischen Kooperation und Konflikt

III. 1. Der Konstanzer Vertrag als gemeinsames Fundament

Bestätigt wird der durchaus starke Rückhalt des Kaisers innerhalb des Reichsfürstentums und -episko- pats in der Magdeburger Frage, die die Konstanzer Verhandlungen peripher überschattete und deren Na- tur indizierte: Im Zuge der Investitur des Magdeburger Erzbischofes Wichmann als königlicher Par- teigänger, die zwar nach dem tradierten Prinzip des sanior pars von BARBAROSSA bestätigt wurde, dem Papst gemäß aber das kanonische Recht der Translation auf Basis des Wormser Konkordats verletzte, wurden elf Vertreter der Reichskirche entsandt, um auf der Grundlage des Calixtinum das Votum norma- tiv zu bestätigen. Statt auf das Translationsverbot zu beharren, erhob EUGEN III. den isolierten Inves- titurstreit zu einer politischen Frage, die Ä[…] die Magdeburger Sache in die Wormser Beleuchtung […]“49 rückte und begegnete der kirchenfürstlichen Königstreue mit dem Vorwurf der Simonie.50 Darin wird bereits im Vorfeld der Konstanzer Gespräche evident, dass beide Parteien - obwohl sie in ihrer Kor- respondenz eine konnivente Linie ankündigten - bereit waren, mögliche Konfliktlinien zu taxieren, so- bald die realpolitische Trennung von kirchlichen und kaiserlichen Suprematien bedroht war. Bestätigt wird diese These darin, dass die Kontroverse selbst die Gespräche um den Konstanzer Vertrag über- dauerte und erst 1154 beigelegt werden konnte.

Von diesem ideologischen Zerwürfnis ausgehend, erscheinen die Formulierungen der Verhand- lungen um 1152/ 1153, die am 23. März in einem bilateralen Abkommen mündeten, umso signifikanter. So wurden Äin sechs Abschnitten die Verpflichtungen von Papst und König einander gegenüberstellt“51, die sich im Wesentlichen mit den vorangegangenen Obligationen der Wahlanzeige überschnitten: Eingangs verpflichtete sich BARBAROSSA, jegliche Friedens- oder Bündnissgesuche mit der stadt- römischen Opposition sowie dem von Roger II. beherrschten Sizilien, ohne Approbation EUGENS bzw. seiner Sukzessoren zu verwerfen und sie der Kurie dienstbar zu machen (Änec treugam nec pacem faciet cum Romanis nec cum Rogerio Sicilie sine libero consensu et voluntate Romane ecclesie et domini pape Eugenii vel sucessorum […] et pro viribus laborabit Romanos subiugare domino pape“52). RASSOW leitet daraus ab, dass Friedrich I. - wie KONRAD III. - in die Pflicht genommen wurde, Ädie Herrschaft des Papstes über die Stadt“53 wiederherzustellen. Mit Bezug auf Byzanz, bedeutete diese Schutzpflicht, die territoriale Hoheit vor dem rex Grecorum zu bewahren und dessen Expansion im Patrimonium Petri abzuwehren: ÄGrecorum quoque regi nullam terram ex ista parte maris concedet. Quodsi forte ille invaserit, pro viribus regni, quantotius poterit“54. Darin wird erkennbar, dass Friedrich I. der politischen Linie seines Vorgängers gegenüber dem Basileus theoretisch widersprach, welchem infolge des Feldzuges gegen Roger II. noch Gebietsgewinne in Aussicht gestellt wurden.55

Demgegenüber bestätigte EUGEN III. die Kaiserkrönung BARBAROSSAS, um zur Verteidigung wie Abundanz des honor imperii beizutragen: Äimperatorem coronabit et ad manutenendum atque augen- dum ac dilatandum honorem imperii pro debito officii sui iuvabit.“56 Auffällig in diesem Zusammenhang ist vor allem, dass der Staufer bereits im Vertragstext als imperator tituliert wurde, wodurch die Konzes- sionen, die nun schriftlich fixiert und reziprok beeidet wurden,57 besonderes Gewicht erhalten. Wie der König beglaubigte auch EUGEN III., gegen die Feinde des Reiches mit den Mitteln der Kirche vorzugehen und gleichermaßen das patrimonium petri vor byzantinischen Invasoren zu verteidigen bzw. die territoriale Integrität des Reiches zu bewahren (ÄRegi etiam Grecorum ex ista parte maris terram non concedet. Quodsi ille invadere presumpserit, dominus papa viribus beati Petri eum reicere curabit.“58).

Unter einer vertragsrechtlichen Lupe erscheinen Ädie beiderseitigen Verpflichtungen […] einen ganz verschiedenen Wert und eine verschiedene zeitliche Dauer zu haben“59, wobei sich nach LAUDAGE die Waagschale zugunsten von EUGEN III. gesenkt hatte und Ädem künftigen Kaiser gleichsam juristische Handschellen angelegt“60 worden waren: Die normative Verankerung zur Erneuerung des Abkommens durch die subsekutiven Päpste und die kontinuierliche Schutzpflicht gegenüber dem Patrimonium deuten nämlich einen beständigen Rechtsanspruch an, den honor papatus sowie die regalia beati Petri dauerhaft zu bewahren. Welche Rechtstitel und Territorien die Artikel umfassen, interpretiert LAUDAGE als den Status des Heiligen Stuhls im Zuge Konstantinischen Schenkung. Der Autor beruft sich hierbei auf die Parteigänger des römischen Sentas, die im zeitgenössischen Widerstand gegen die päpstliche Vorherrschaft die Schenkung als Lüge rügten, auf die sich schon Leo IX. und Paschalis II. in ihren Restitutionsforderungen stützten. Für EUGEN III. überliefert JOHANNES von Salisbury, dass zu den regalia beati Petri ebenfalls die weströmischen Inseln zählten.61 Daraus leitet LAUDAGE ab, dass BARBA- ROSSA als der Äadvocatus sancte Romane ecclesie“62 - nun im Konstanzer Vertrag schriftlich fixiert und

[...]


1 Rudolph WAHL, Kaiser Friedrich BARBAROSSA. Eine Historie (München 1943) S. 117.

2 Knut GÖRICH, Friedrich BARBAROSSA. Eine Biographie (München 2011) S. 109; Vgl. Paul MIKAT, Zweischwerterlehre, in: Walter KASPER (Hrsg.), Lexikon für Theologie und Kirche, X (Freiburg u.a. 20013) Sp. 1519 ff.

3 P. E. SCHRAMM, Kaiser, Rom und Renovatio. Studien zur Geschichte des römischen Erneuerungsgedankens vom Ende des karolingischen Reiches bis zum Investiturstreit (Darmstadt 19572) S. 7.

4 MGH DDK. III. Nr. 261, S. 453, Z. 23 - 25; Vgl. MGH DDK. III. Nr. 262, S. 455, Z. 10 ff.; Michael HORN, Studien zur Geschichte Papst EUGENS III. (1145 - 1153) (Frankfurt am Main 1992) S. 77.

5 IOANNIS Saresberiensis historia pontificalis, ed. von Marjorie CHIBNALL (Edinburgh u.a. 1962) XXXIV, S. 69.

6 Vgl. Wolfgang GEORGI, Friedrich BARBAROSSA und die auswärtigen Mächte. Studien zur Außenpolitik 1159 - 1180, InauguralDissertation an der Philosophischen Fakultät der Universität Köln (Frankfurt am Main 1990) S. 8.

7 Vgl. GEORGI, Friedrich BARBAROSSA und die auswärtigen Mächte (1990) S. 9.

8 Vgl. MGH DDK. III. Nr. 229, S. 406, Z. 30 - 33.

9 GEORGI, Friedrich BARBAROSSA und die auswärtigen Mächte (1990) S. 9.

10 Gesta Frederici I 70, S. 278, Z. 24 - 31.

11 RI IV.2 60.

12 Vgl. Gesta Frederici II 2, S. 286, Z. 7.

13 Vgl. RASSOW, Honor imperii. Die neue Politik Friedrich BARBAROSSAS. 1152 - 1159 (München /Berlin 1961) S. 9.

14 GÖRICH, Friedrich BARBAROSSA (2011) S. 97.

15 Historia Welforum, ed. Erich KÖNIG (Schwäbische Chroniken der Stauferzeit), I (Sigmaringen 19782) S. 56.

16 MGH DDF. I. Nr. 25, S. 41, Z. 39 f.

17 GÖRICH, Friedrich BARBAROSSA (2011) S. 114.

18 MGH DDF. I. Nr. 106, S. 180, Z. 6 - 8.

19 Vgl. MGH DDF. I. Nr. 188. S. 316, Z. 29 - 33: “Sicut ab amicis et dilectis fidelibus nostris liquido cognovimus, devotionem tuam meramque fidei constantiam nobis studiose exhibes ad honorem et gloriam imperialis corone.”

20 Gesta Frederici lib. IV 25, S. 572, Z. 8 - 9.

21 WIBALDI Epistolae, Nr. 375, S. 503; Vgl. HORN, Studien zur Geschichte Papst EUGENS III. (1145 - 1153) (1992) S. 79.

22 WIBALDI Epistolae, Nr. 375, S. 504.

23 RASSOW, Honor Imperii (1961) S. 12.

24 MGH DDF. I. Nr. 5, S. 11, Z. 19 f.

25 Dagmar UNVERHAU, Approbatio-Reprobatio. Studien zum päpstlichen Mitspracherecht bei Kaiserkrönung und Königswahl vom Investiturstreit bis zum ersten Prozeß Johanns XXII. gegen Ludwig IV. (Lübeck 1973) S. 155.

26 HORN, Studien zur Geschichte Papst EUGENS III. (1145 - 1153) (1992) S. 83.

27 WIBALDI Epistolae, Nr. 362, S. 491.

28 Vgl. Hubertus SEIBERT, Der erste staufische Herrscher - ein Pfaffenkönig? KONRADS III. Verhältnis zur Kirche seiner Zeit, in: Jürgen DENDORFER (Hrsg.), KONRAD III. (1138 - 1152). Herrscher und Reich (Göppingen 2011) S. 90.

29 Vgl. GÖRICH, Friedrich BARBAROSSA (2011) S. 107.

30 Vgl. Ferdinand OPLL, Friedrich BARBAROSSA (Darmstadt 1990) S. 203.

31 Vgl. Heinrich APPELT, Die Urkunden der deutschen Könige und Kaiser. Die Urkunden Friedrichs I. 1152 - 1158 (Hannover 1975) S. 9; HORN, Studien zur Geschichte Papst EUGENS III. (1145 - 1153) (1992) S. 80.

32 Joachim EHLERS, Friedrich I. BARBAROSSA (1152 - 1190), in: Bernd SCHNEIDMÜLLER/ Stefan WEINFURTER (Hrsg.), Die deutschen Herrscher des Mittelalters. Historische Portraits von Heinrich I. bis Maximilian I. (919 - 1519) (München 2003) S. 234.

33 Vgl. OPLL, Friedrich BARBAROSSA (1990) S. 203.

34 Ebd.

35 Vgl. OPLL, Friedrich BARBAROSSA (1990) S. 44; RASSOW, Honor imperii (1961) S. 24.

36 Johannes LAUDAGE, Friedrich BARBAROSSA (1152 - 1190). Eine Biografie (Regensburg 2009) S. 67.

37 Vgl. Erich CASPER, Roger II. (1101 - 1154) und die Gründung der Normannisch-Sicilischen Monarchie (Innsbruck 1904) S. 401; Vgl. WIBALDI Epistolae, Nr. 214, S. 384.: ÄConcordiam autem inter Siculum et papam huiusmodi esse accepimus.“.

38 Vgl. Josef DEÉR, Papsttum und Normannen. Untersuchungen zu ihren lehnsrechtlichen und kirchenpolitischen Beziehungen (Böhlau/ Köln 1972) S. 199; Peter RASSOW, Honor imperii (1961) S. 44; S. 24.

39 MGH DDF. I. Nr. 5. S. 11, Z. 21 - 26.

40 UNVERHAU, Approbatio-Reprobatio (1973) S. 155.

41 Ebd.

42 Vgl. GÖRICH, Friedrich BARBAROSSA (2011) S. 110; GEORGI, Friedrich BARBAROSSA und die auswärtigen Mächte (1990) S. 9.

43 MGH DDF. I. Nr. 5. S. 11, Z. 33 - 35.

44 Vgl. HORN, Studien zur Geschichte Papst EUGENS III. (1992) S. 82 - 83.

45 WIBALDI Epistolae, Nr. 382, S. 513.

46 Ebd.

47 Ebd.

48 Ebd.

49 RASSOW, Honor imperii (1961) S. 23.

50 Vgl. Gesta Frederici lib. II 8, S. 296, Z. 14 ff.

51 HORN, Studien zur Geschichte Papst EUGENS III. (1145 - 1153) (1992) S. 86.

52 MGH DF. I. Nr. 52, S. 88, Z. 43 - S. 89, Z. 3.

53 RASSOW, Honor imperii (1961) S. 55.

54 MGH DF. I. Nr. 52. S. 89, Z. 8 f.

55 Vgl. RASSOW, Honor imperii (1961) S. 57.

56 MGH DF. I. Nr. 52, S. 89, Z. 14 f.

57 Vgl. HORN, Studien zur Geschichte Papst EUGENS III. (1145 - 1153) (1992) S. 86.

58 MGH DF. I. Nr. 52. S. 89, Z. 20 f.; Vgl. Nr. 52. S. 89, Z. 19: Äexcommunicationis sententia innodentur.“

59 Heinz ZATSCHEK, Beiträge zur Geschichte des Konstanzer Vertrages vom Jahre 1153 (Wien/Leipzig 1930) S. 13.

60 LAUDAGE, Friedrich BARBAROSSA (2009) S. 67.

61 Vgl. IOANNIS Saresberiensis episcopi Carnotensis Metalogicon, ed. C. J. WEBB (Oxford 1929) XLII, S. 217 f.

62 MGH DF. I. Nr. 52. S. 89, Z. 5.

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Titel
Barbarossa und das Papstum. Zwischen Kooperation und Konflikt (1152 - 1159)
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Department Geschichte - Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte)
Veranstaltung
Friedrich Barbarossa und Heinrich der Löwe zwischen Kooperation und Konflikt
Note
2, 0
Autor
Jahr
2016
Seiten
36
Katalognummer
V340102
ISBN (eBook)
9783668297302
ISBN (Buch)
9783668297319
Dateigröße
933 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
barbarossa, papstum, zwischen, kooperation, konflikt
Arbeit zitieren
Markus Hofbauer (Autor), 2016, Barbarossa und das Papstum. Zwischen Kooperation und Konflikt (1152 - 1159), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340102

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